Kritik an Impfstrategie

Markus Lanz (ZDF): NRW-Minister Laumann in Corona-Impf-Vernehmung

  • Yannick Hanke
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CDU-Politiker Karl-Josef Laumann wird in der Talkshow von Markus Lanz gegrillt. Fehler in der Corona-Impfstrategie werden ihm knallhart vorgeworfen.

  • Markus Lanz (ZDF): NRW-Gesundheitsminister Laumann wird an den Pranger gestellt.
  • Hamburger Runde hat unterschiedliche Ansicht zur Coronavirus-Impfstrategie.
  • Kümmert sich die Politik nur um Senioren in Altenheimen?

Hamburg-Altona – Die Debatte um die Impfstrategie Deutschlands gegen das Coronavirus hält auch Einzug in der Talkshow von ZDF-Moderator Markus Lanz. Wie passend, das mit Karl-Josef Laumann der Minister Nordrhein-Westfalens (NRW) für Arbeit, Gesundheit und Soziales zu Gast in der Hamburger Runde ist. Der CDU-Politiker spricht über eine konkrete Strategie, bemängelt den Personalnotstand in Krankenhäusern – und steht im Kreuzfeuer der Kritik.

Politiker:Karl-Josef Laumann
Geboren:11. Juli 1957 (Alter 63 Jahre), Birgte, Hörstel
Ehepartner:Agnes Laumann
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands
Ausbildung:Harkenbergschulzentrum (1968–1974)
Vorherige Ämter:Mitglied des Bundesrates (2005–2010), Mitglied des Deutschen Bundestages (1990–2005)
Bücher:Krankenhauslandschaft in Deutschland: Zukunftsperspektiven - Entwicklungstendenzen - Handlungsstrategien

Markus Lanz (ZDF): NRW-Gesundheitminister Laumann mit Brandrede – Ärztemangel beklagt

Der Politiker sei Markus Lanz in letzter Zeit vor allem durch eine Brandrede im Landtag aufgefallen. In dieser erklärte Karl-Josef Laumann, dass weder ein Ministerpräsident noch ein Gesundheitsminister zuvor ein ganzes Volk in einem Bundesland hätte „durchimpfen müssen“. Die Brisanz bzw. große Problematik wusste der CDU-Mann wie folgt auf den Punkt zu bringen: „Die Ärzte, die da sind, sind da. Ich habe keine anderen. Wir stehen vor einer Mammutaufgabe. Da muss ich offen zugestehen, ich habe richtig Manschetten.“

CDU-Politiker und NRW-Gesundheiminister Karl-Josef Laumann muss sich reichlich Corona-Impf-Kritik gefallen lassen. (24hamburg.de-Montage)

Am Mittwoch, 6. Januar 2021, steht der Gesundheitsminister Nordrhein-Westfalens dem ZDF-Moderator also Rede und Antwort. Markus Lanz will direkt zu Beginn von seinem Gegenüber wissen, ob Deutschland die frühzeitige Impfstoffbeschaffung schlicht „verpennt“ hätte. Darüber muss Laumann erstmal grübeln, ehe er lapidar verlauten lässt: „Natürlich hätte ich mir zum jetzigen Zeitpunkt auch mehr Impfstoff gewünscht.“ Eine nachvollziehbare, aber dennoch schwammige Aussage, die sich in das Reden von Hamburg Bürgermeister Peter Tschentscher einreiht.

CDU-Politiker Karl-Josef Laumann erntet Kritik –Krankenhauspersonal braucht dringend Impfstoff

Was beide eint: Sie wollen keine Generalkritik an Gesundheitsminister Jens Spahn üben. Dieser hatte sich in der Vergangenheit im Rahmen der Hamburger Runde von Markus Lanz bereits Impfstoff-Fehler eingestanden. Laumann wiederum würde viel von Spahn halten und will seinen Parteikollegen natürlich nicht diskreditieren. Deutschland hätte im Kontext der Impfstoff-Bestellung nicht nur auf „ein Pferd gesetzt“, sondern ein Auge auf mehrere Hersteller geworfen. Denn: „Damals sei nicht klar gewesen, wer zuerst kommen würde“, fügt Laumann an.

Eine Aussage, die zu einem ungläubigen Gesichtsausdruck bei Carola Holzner führt. Sie ist Oberärztin der Notaufnahme im Uniklinikum Essen und sieht sich täglich mit Corona-Patienten konfrontiert. Ihr zufolge sei noch keiner ihrer Mitarbeiter gegen das Coronavirus geimpft worden. Das lässt sie kritische Worte an NRW-Gesundheitsminister Laumann richten. „Ich kann mir auch kein Personal stricken, wie Sie selbst sagen. Aber wenn wir nicht priorisiert werden, dann haben wir bald gar kein Personal mehr“, poltert es aus Holzner heraus.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Runde stürtzt sich auf Laumann (CDU)

Deswegen habe die Oberärztin auch einen offenen Brief an die Bundesregierung geschrieben, in dem sie eine Koordinationsstelle fordert, die bundesweit agiert und dafür sorgt, dass eine Gruppe nach der anderen geimpft wird. Es seien bereits einige ihrer Kollegen an Corona erkrankt oder müssten gar stationär behandelt werden. Die Kritik, aber auch die Forderung Carola Holzners will Karl-Josef Laumann alles andere als wahrhaben. Der CDU-Mann ist nämlich der Ansicht, dass zentral regierte Länder auch nicht besser durch die Coronavirus-Krise kommen würde als jene Staaten, die föderal organisiert sind.

Dennoch ist auch Laumann bewusst, dass es Länder gibt, die eine bessere Impfstrategie als Deutschland entwickelt haben. Israel beispielsweise, merkt Talkmaster Markus Lanz an. Der Mittelmeer-Staat hatte sich direkt eine große Menge an Impfstoff gesichert, dort konnten bereits 1,3 Millionen Menschen gegen Corona geimpft werden (Stand der Daten: 6. Januar 2021, 19:00 Uhr). Solch ein Vorgehen sei aber nicht auf EU-Länder übertragbar, heißt es von Laumann. Denn das hätte auf Dauer etwas mit der EU gemacht. Was genau, weiß der CDU-Politiker aber nicht konkret zu benennen.

Tübinger Ärztin versorgt Senioren mit kostenlosen Corona-Tests – und schießt gegen Politik

Nun ist es an der zweiten Ärztin in der Hamburger Runde, sich in die Diskussion einzumischen. Die Rede ist von Lisa Federle, die im baden-württembergischen Tübingen eine Aktion mit kostenlosen Corona-Schnelltests initiiert hat – direkt zu Beginn der Pandemie. Der „Tübinger Weg“ erlangte bundesweite Bekanntheit, ob auch Bürgermeister Boris Palmer davon in Kenntnis ist? Bei Markus Lanz hatte er sich wiederholt um Kopf und Kragen geredet. Weitaus sachlicher weiß Federle über die Coronavirus-Krise zu sprechen. Sie ist der Meinung, dass Risikogruppen von Beginn an hätten geschützt werden können – nach dem Vorbild des „Tübinger Wegs“.

Federle ärgert besonders, dass sich die politischen Entscheidungsträger beim Testen sowie bei der Impfstrategie nur auf Altenheime konzentrieren würde. Dabei würde vergessen werden, dass 90 Prozent der alten Menschen aber zu Hause leben. „Diese Menschen fallen einfach hinten runter!“, lautet die Anklage der Ärztin. Da verschlägt es Laumann die Sprache, in diesem Fall ist Schweigen Gold wert. Weiß auch SPD-Urgestein Franz Müntefering, der nichts von Corona-Risikogruppen hält – und diese als „ziemlichen Unsinn“ auffasst. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christoph Reichwein/imago images & Hans Lucas/imago images

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