US-Präsidentschaftswahl 2020

Grüner Trittin bei Markus Lanz (ZDF): US-Präsident Trump ohne Florida verloren

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Grünen-Politiker Jürgen Trittin ergründet bei Markus Lanz (ZDF), warum Populisten wie US-Präsident Donald Trump großen Anklang in der Gesellschaft finden.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Mittwoch, 30. September 2020, sind Grünen-Politiker Jürgen Trittin, ZDF*-Journalist Elmar Theveßen, Autorin Julia Ebner und Zukunftsforscher Matthias Horx zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus der Hamburger* Runde steht US-Präsident Donald Trump, dessen TV-Duell mit Joe Biden, aber auch die QAnon-Bewegung.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Jürgen Trittin
Geboren:25. Juli 1954 (Alter 66 Jahre), Bremen
Größe:1,96 m
Ehepartnerin:Angelika Büter (verh. 2013)
Partei:Bündnis 90/Die Grünen
Bücher:Stillstand made in Germany: Ein anderes Land ist möglich! u.v.m.
Eltern:Klaus Trittin, Helene Trittin

Markus Lanz (ZDF): Grüner Jürgen Trittin fürchtet Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump

Der gebürtige Bremer* Jürgen Trittin ist seit über 40 Jahren politisch aktiv. Als Mitglied vom Bündnis90/Die Grünen hat der 66-Jährige schon allerhand erlebt. Doch was denkt er eigentlich über US-Präsident Donald Trump und dessen öffentlichkeitswirksame Auftritte? Nun, Antworten auf diese Frage könnte Jürgen Trittin im Rahmen der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz im TV-Studio in Hamburg geben.

Grünen-Politiker Jürgen Trittin ist überzeugt: Wenn US-Präsident Donald Trump sich nicht die Stimmen in Florida sichern kann, wird er nicht wiedergewählt. (24hamburg.de-Montage)

Donald Trump ist für mich Ausdruck der Spaltung Amerikas. Er verschärft das jetzt in einer extremen Weise“, heißt es zunächst einmal vom Grünen. Laut Trittin hätte sich Trump im TV-Duell mit Präsidentschaftskandidat Joe Biden* bewusst nichts zuschulden kommen lassen. Deswegen steht die Befürchtung im Raum, dass Trump am Dienstag, 3. November 2020, erneut zum US-Präsidenten gewählt werden könnte. Sieht ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen ähnlich*.

Markus Lanz (ZDF): Florida entscheidet US-Wahl – sagt Grünen-Politiker Jürgen Trittin

Im Folgenden wird in der Hamburger Runde über den gesundheitlichen Zustand von Joe Biden diskutiert, ehe sich Markus Lanz wieder Jürgen Trittin zuwendet. „Sie haben gesagt, dass Joe Biden es macht. Sie glauben, dass er ein guter Kandidat für die Demokraten im Rennen um die US-Präsidentschaft ist?“, fragt der Talkmaster den Grünen-Politiker. Dessen Antwort: „Ich glaube, darauf kommt es gar nicht an. Wenn Trump die Wahl verliert, dann wird er abgewählt. Und dann muss jemand da sein, von dem man den Eindruck hat, er macht es nicht verkehrt“. Für verkehrt hält Manuela Schwesig (SPD) die bundeseinheitlich geltenden Coronavirus-Regeln*.

Laut Jürgen Trittin hätte Donald Trump im Rahmen des TV-Duells „einen starken Moment“ gehabt. Und zwar, als der US-Präsident von den Coronavirus-Sars-CoV-2*-Toten gesprochen habe, die „nicht mehr am Frühstückstisch sitzen können. Das war fast schon eine direkte Botschaft nach Florida an die Altenwohnheime. Und das ist einer der ganz umkämpften Staaten. Wenn Florida für Trump verloren geht, wird es sehr, sehr schwer“, merkt Trittin an. Schwer wird es auch für die Beziehung zwischen den CDU-Politikern Friedrich Merz und Jens Spahn*.

Markus Lanz (ZDF): QAnon-Bewegung verbreitet rechtsextreme Verschwörungstheorien – Trittin (Grüne) in Sorge

Schwer dürfte es auch werden, die sogenannte QAnon-Bewegung klein zuhalten – und damit erfolgt ein thematischer Bruch. Gemeint ist hiermit eine mutmaßlich US-amerikanische Person oder Gruppe, die bereits seit 2016 Verschwörungstheorien mit teilweise rechtsextremen Hintergrund im Internet verbreitet. Diese Bewegung behauptet, dass eine einflussreiche, weltweit agierende Elite Kinder entführt, gefangen halte und sogar ermorde, um aus ihrem Blut schlussendlich eine Verjüngungsdroge zu gewinnen.

Was denn Jürgen Trittin über die QAnon-Bewegung denke und wie gefährlich so etwas sein könne, will Moderator Markus Lanz an dieser Stelle wissen. „Ich will mal darauf hinweisen, dass die Brandenburger Landesregierung vor zwei Jahren ganz komisch angesehen wurde, weil sie ihren Mitarbeitern einen Leitfaden mit an die Hand gegeben hat, wie man mit Reichsbürgern umgehen soll“, heißt es zunächst einmal vom Grünen-Politiker.

Markus Lanz (ZDF): Jürgen Trittin (Grüne) kritisiert „Gewalt in dieser Gesellschaft“

„Das würde heute niemand mehr belächeln. Weil man begriffen hat, dass von diesen Reichsbürgern und den Vierteln, die sie erobert haben, eine enorme Aggression und Gefährlichkeit ausgeht. Und es gibt ja keine chinesische Mauer zwischen verrückt, Verschwörungstheorie und offen rechtsradikalen, rassistischen Positionen. Ich habe den Eindruck, dass wir einen Zustand erreicht haben, an dem wir über so etwas nicht mehr schweigen dürfen“, führt Jürgen Trittin aus. Sein Schweigen bricht auch Trainer Christoph Daum in Bezug auf seine Drogen-Affäre*.

„Wir haben lange mit diesen Theorien – wir haben Einzeltäter, die haben eine Krise – das eigentliche, gesellschaftliche Problem, was sich in dieser aus Verschwörung erwachsenen manifesten Gewalt in dieser Gesellschaft entwickelt hat, eher zu harmlos betrachtet“, redet sich der 66-Jährige fast schon in Rage. Daraufhin möchte ZDF-Moderator Markus Lanz „noch einmal den Bogen zu den USA“ schlagen. Geschlagen hätte sich Lanz fast auch mit einem Donald Trump-Anhänger*.

Markus Lanz (ZDF): Warum suchen Menschen Halt bei Rechtsextremisten?

„Wann beginnt der Niedergang dieses Amerikas, wie wir es in unserer Kindheit erlebt haben? An welcher Stelle verschwindet die Mittelklasse? An welcher Stelle fängt es an, für so viele Menschen wirtschaftlich schwer zu werden, sodass sie Halt in solchen Bewegungen suchen?“. Fragen über Fragen vom Hamburger Talkmaster, der wissbegierig auf einen Exkurs von Jürgen Trittin und damit auf klare Antworten wartet.

„In meiner Generation hatten wir einen Blick auf die USA, der immer sehr einseitig gewesen ist. Für viele meiner Generation waren die USA nicht die Guten. Die haben einen Vietnamkrieg geführt, die haben ganz Lateinamerika mit brutalen Militärdiktaturen versorgt. Gleichzeitig war meine Generation aber auch von der Kultur in den USA fasziniert“, blickt der Grünen-Politiker zurück. Weniger fasziniert vom zerrissenen Land und US-Präsident Donald Trump zeigt sich Olaf Scholz (SPD)*.

Markus Lanz (ZDF): Jürgen Trittin (Grüne) mit Schelte gegen US-Präsident Donald Trump

Dann wird Jürgen Trittin etwas konkreter und bezieht sich auf die Gegenwart. „Meine Grundthese wäre, dass der Verlust einer gemeinsamen Idee – bei aller Unterschiedlichkeit in der Herkunft – etwas damit zu tun hat, dass über die Entwicklung, die bereits unter Ronald Reagan begonnen hat, mit dem Zerbröseln einer Mittelschicht und mit der offenkundigen Absage, dass man nicht mehr vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, zur derzeitigen Lage geführt hat“, skizziert der 66-Jährige.

„Sondern man muss das Erbe eines Großvaters verwalten, der als Zuhälter in Goldgräberlagern reich geworden ist. Oder eines Vaters, der mit mafiösen Methoden die New Yorker Immobilienwelt aufgemischt hat“, spielt Trittin auf die Vergangenheit von Donald Trumps Familie männlicher Seite an. Das sorgt für ein breites Grinsen und Gelächter bei Moderator Markus Lanz, der in ironischer Manier anmerkt, gar nicht zu wissen, auf welche Person Trittin hinaus will. Ein Laienspiel, das Lanz in ähnlicher Form schon im Gespräch mit Juso-Chef Kevin Kühnert (SPD) dargeboten hatte*. * 24hamburg.de, fr.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Ralf Hirschberger/dpa & Steve Helber/AP/dpa & Nicole Hester/Ann Arbor News/AP/dpa

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