US-Präsident in der Kritik

Olaf Scholz (SPD) bei Markus Lanz (ZDF): Donald Trump nutzt USA-Krise aus

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Kanzlerkandidat Olaf Scholz fordert in der Talkshow von ZDF-Moderator Markus Lanz mehr demokratische Politik. US-Präsident Trump ist Scholz ein Dorn im Auge.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 5. November 2020, sind Vize-Kanzler Olaf Scholz sowie die Journalisten Cerstin Gammelin, Melinda Crane und Elmar Theveßen (zugeschaltet) zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Vor allem Sozialdemokrat Scholz muss Rede und Antwort stehen. Es geht um seine Partei und US-Präsident Donald Trump.

Vizekanzler:Olaf Scholz
Geboren:14. Juni 1958 (Alter 62 Jahre), Osnabrück
Größe:1,7 m
Ehepartnerin:Britta Ernst (verh. 1998)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Ausbildung:Universität Hamburg (1978–1985)
Bücher:Hoffnungsland: Eine neue deutsche Wirklichkeit

Markus Lanz (ZDF): SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz steht Rede und Antwort

Olaf Scholz gilt als einer der besonnensten Politiker der Republik. Da, wo Unruhen entstehen, agiert der SPD-Mann als klassischer Krisenmanager, der deeskalierend auf brenzlige Situationen einzuwirken weiß. Im August 2020 ist der derzeitige Vizekanzler von seiner Partei zum Spitzkandidaten für die Bundestagswahl 2021 ernannt worden*. Es geht um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel*, Sozialdemokrat Olaf Scholz rechnet sich aussichtsreiche Chancen auf den Posten aus.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ist kein Fan von US-Präsident Donald Trump. (24hamburg.de-Montage)

Nicht zuletzt deswegen ist der 62-Jährige zu Gast in der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz. Aber auch, um sich zur US-Wahl und Präsident Donald Trump zu äußern. Ein Thema, dass die Hamburger* Runde in wechselnder Konstellation zuletzt immer wieder beschäftigt hatte und für manch einen Schockmoment* gesorgt hatte. Das ist vom in sich ruhenden Scholz grundsätzlich erstmal nicht zu erwarten, der die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten aufmerksam verfolgt habe. Doch wie beurteilt er das dortige Geschehen?

Markus Lanz (ZDF): Olaf Scholz (SPD) plädiert für Demokratie – Kopfschütteln für US-Präsident Donald Trump

„Wir diskutieren schon alle miteinander. Aber ich denke, es geht auch darum, dass man seine eigene Meinung zu dem Thema sagt. Meine Meinung ist es zu sagen, dass zur Demokratie dazugehört, dass bis zur letzten Stimme ausgezählt wird. Jeder, der sich an einer Abstimmung beteiligt, hat auch das Recht, dass seine Stimme berücksichtigt wird“, spielt Olaf Scholz auf Trumps Vorgehen an, Stimmen der Briefwahl nicht auswerten zu lässen und mit einer Klage vors Gericht zu ziehen.

Kurz darauf möchte Moderator Markus Lanz vom Sozialdemokraten wissen, wie er den US-Präsidenten erlebt bzw. wahrgenommen habe. „Ich habe in mehrmals getroffen, in Hamburg, aber auch bei verschiedenen Treffen der G20 und G7. Er ist so, wie man ihm aus dem Fernsehen kennt“, heißt es trocken von Scholz, der sich ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen kann, was zur Belustigung beim Talkmaster führt. Was dies denn konkret heißen würde, hakt Lanz nach. Doch Scholz blockt direkt ab, Details aus vertraulichen Gesprächen und schon gar keine Internas möchte der SPD-Politiker an dieser Stelle nicht preisgeben.

Markus Lanz (ZDF): Trump ist „Sprecher“ der Abgehängten – sagt Olaf Scholz (SPD)

Im Folgenden wird über den „Unterhaltungswert“ Donald Trumps gesprochen, wie Journalistin Cerstin Gammelin es formuliert. Sie nennt all die Absurditäten, die mit dem US-Präsidenten assoziiert werden, weiß aber auch, dass der 74-Jährige in der amerikanischen Bevölkerung einen ganz anderen Status genießt. „Er ist derjenige, der die Steuern gesenkt hat. Er ist derjenige, der für wirtschaftlichen Aufschwung sorgt“, merkt die „SZ“-Reporterin an. Und nach Ansicht von Ralf Stegner (SPD) die Demokratie gefährdet*.

Nach einer längeren Pause darf sich nun auch Olaf Scholz wieder an der Debatte rund um Donald Trump und seiner Popularität beteiligen. „Ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass die Gesellschaft in den USA immer weiter auseinandertreibt. Dass ein Teil der Bürger sich nicht respektiert und anerkannt fühlt. Und Donald Trump ist es gelungen, sich zu ihrem Sprecher zu machen, obwohl das von keinen Fakten getragen ist“, heißt es zunächst einmal vom Sozialdemokraten.

Markus Lanz (ZDF): Olaf Scholz (SPD) mit flammendem Appell – „Lebensleistung respektieren“

„Es ist wichtig für die USA, dass die Gesellschaft zusammenkommt. Es muss auch gelingen, dass sie miteinander versöhnt wird. Nur, Trump hat diese Spaltung aufgegriffen und sie weiter vertieft. Für mich ist das ein ganz klarer Hinweis, dass in der Welt, in der wir heute leben, wir darauf achten müssen, dass sich jeder sicher sein kann, dass seine Lebensleistung und Arbeit respektiert wird“, führt Olaf Scholz aus. „Es wäre ganz, ganz falsch, wenn wir die Welt nur aus der Perspektive ziemlich gut ausgebildeter akademischer Mittelschicht-Angehöriger. Es muss auch aus jeder anderen Perspektive gut laufen. Und das ist eine Aufgabe für demokratische Politik“.

Ein Empfehlungsschreiben für höhere Aufgaben? Der Bogen kann an dieser Stelle auf jeden Fall geschickt zur Kanzlerkandidatur des Sozialdemokraten gespannt werden. Ein wenig Werbung in eigener Sache sei erlaubt, Eckpfeiler des Parteiprogramms dürfen nun hinreichend dargelegt werden. „Wenn wir in Deutschland sagen, dass wir aus der Kohle-Verstromung aussteigen, dann verknüpfen wir das mit einem 40-Milliarden-Euro-Programm, um neue Arbeitsplätze und Chancen in den Regionen zu schaffen, in denen es eine große Rolle spielt, dass Kohle aus der Erde gefördert wird und diese verstromt wird“. Ähnlich sieht es auch Annalena Baerbock (Grüne) bei Markus Lanz*.

Markus Lanz (ZDF): Vizekanzler Scholz (SPD) hofft auf CO2-neutrales Wirtschaften in Deutschland

Für Olaf Scholz sei dies eine richtige Entscheidung, „auch wenn es ganz viele Ökonomen gibt, die sagen, dass dies falsch ist und man es wie in den USA machen müsste. Nein, wir müssen es nicht so machen wie in den Staaten. Das Thema gleichwertige Lebensverhältnisse müssen wir als politisches Thema unserer Gemeinschaft begreifen. Wir müssen jedem sagen, der in einer Industrie gearbeitet hat, in der es nicht weitergeht, nicht nur seine Frage ist, sondern die von jedem Einzelnen“.

Laut ZDF-Moderator Markus Lanz sei dies „SPD-Programm at it´s best, sich um diese Leute zu kümmern. Warum ist die SPD dann aber beispielsweise so sehr für Elektroautos und sagt, dass Verbrenner nicht gefördert werden? Das ist doch genau ihre Klientel“. Die Antwort von Olaf Scholz: „Meine Sorge ist ganz groß, dass wir es nicht schaffen, gute Arbeitsplätze in der Automobilindustrie in der Zukunft zu haben. Wie schaffen wir es also, wenn wir 2050 CO2-neutral in Deutschland wirtschaften, es trotzdem gute Arbeitsplätze in der Automobilindustrie mit guten Technologien gibt?“. Eine Frage, die in der ZDF-Talkshow nicht eindeutig geklärt werden kann. * 24hamburg.de und fr.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot) & Alex Brandon/AP/dpa & Alex Brandon/AP/dpa

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