Coronavirus-Debatte

Markus Söder (CSU) bei Markus Lanz (ZDF): Lockdown kommt viel zu spät

  • Yannick Hanke
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht bei Markus Lanz (ZDF) offen über den „Lockdown light“. Dieser hätte viel früher erfolgen müssen.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 12. November 2020, sind Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Journalist Elmar Theveßen (beide zugeschaltet), Autorin Alice Schwarzer, Physiker Dirk Brockmann sowie Philosoph Julian Nida-Rümelin zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus steht vor allem Söder, der sich zum „Lockdown light“ und zu einer mögliche Verschärfung der Coronavirus-Maßnahmen äußern muss.

Bayerischer Ministerpräsident:Markus Söder
Geboren:5. Januar 1967 (Alter 53 Jahre), Nürnberg
Größe:1,94 m
Ehepartnerin:Karin Baumüller (verh. 1999)
Partei:Christlich-Soziale Union in Bayern
Ausbildung:Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (1998) u.v.m.
Eltern:Renate Söder, Max Söder

Markus Lanz (ZDF): CSU-Politiker Markus Söder kritisiert US-Präsident Donald Trump

Markus Söder ist seit rund zweieinhalb Jahren Ministerpräsident des Freistaates Bayern. Der CSU-Parteivorsitzende ist aktuell so sehr gefordert, wie zuvor wohl nur selten. Die Coronavirus-Krise beschäftigt natürlich auch den 53-Jährigen, entsprechende Maßnahmen, Einschränkungen und Regelungen für sein Bundesland werden in aller Regelmäßigkeit diskutiert und debattiert. Söder ist sich der Tragweite seiner Entscheidungen bewusst, nicht jeder Beschluss stößt auf positive Resonanz.

CSU-Politiker Markus Söder hätte einen Lockdown viel früher durchgeführt. Das verrät der Bayerische Ministerpräsident in der ZDT-Talkshow von Moderator Markus Lanz. (24hamburg.de-Montage)

Doch hat der gebürtige Nürnberger seinem eigenen Credo entsprechend noch nie die Konfrontation gescheut. Heikle Themen sollen und müssen besprochen werden, ein Rückzug ins stille Kämmerlein kommt für Söder nicht infrage. Im Gegenteil: In der neuesten Ausgabe der ZDF-Talkshow von Markus Lanz stellt sich der CSU-Politiker den Fragen vom Moderator. Direkt zu Beginn des Gesprächs soll sich Bayerns Ministerpräsident zur Wahl in den USA* äußern. Für ihn steht fest: „Ich glaube nicht, dass Donald Trump* aus jetziger Sicht die Größe finden wird, sich seine Niederlage einzugestehen, die ja offenkundig ist“.

Markus Lanz (ZDF): Bayerns Ministerpräsident Söder fürchtet Anstieg von Corona-Todesfällen

Söder prognostiziert, dass Trump, der offiziell noch bis Mitte Januar 2021 als US-Präsident fungiert, „mit einem lautstarken Protest aus dem Amt“ gehen wird. „Um da so eine Dolchstoß-Legende zu entwickeln. Denn ich glaube nicht, dass er sich eingestehen kann, dass es auch andere Meinungen gibt und das man auch verlieren kann“, fügt der CSU-Politiker an. Auch manch ein Trump-Wähler will sich nicht auf Fakten stützen – und gerät in einen Disput mit Markus Lanz*. Doch zurück zum Bayerischen Ministerpräsidenten und „einmal jetzt nach Deutschland“, wie es vom ZDF-Moderator heißt.

Am Montag, 16. November 2020, würde sich Söder virtuell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel* und den anderen Ministerpräsidenten treffen. „Es geht um was. Es geht um die Frage, ob dieser Lockdown verlängert wird. Wohin geht denn ihre Tendenz?“, fragt Lanz den CSU-Mann. „Alle Prognosen, die wir hatten, sind bisher mehr oder weniger leider eingetroffen. Fakt ist, dass die Zahlen weiter ansteigen. Vor allem die Todesfälle steigen. Das heißt, dass die Krankenhäuser voller werden, obwohl wir die Intensivbetten weiter ausgebaut haben“, fasst Söder das bisherige Geschehen kurz und bündig zusammen.

Markus Lanz (ZDF): CSU-Parteivorsitzender Söder hätte Lockdown früher durchgeführt

Gleichzeitig skizziert der 53-Jährige ein erschreckendes Szenario, vor dem SPD-Gesundheitsökonom Karl Lauterbach* ebenfalls bei Markus Lanz gewarnt hat*. Auch wenn dieser keine klare Antwort erhalten hat, stellt der Hamburger Talkmaster Markus Söder direkt die nächste Frage: „Wie groß ist die Gefahr oder ihre Sorge, dass sie die Leute irgendwann verlieren?“. Nach kurzer Bedenkzeit darf sich der CSU-Politiker dann auch erklären: „Fakt ist, dass wir immer davor gewarnt haben, dass sich Leichtsinn am Ende auswirken wird. Genauso ist es leider gekommen. Vielleicht hat man national auch zu spät reagiert. Zwei Wochen vorher wäre es medizinisch besser gewesen“.

Das lässt Lanz direkt aus seinem Stuhl hervorschießen. „Sie hätten also schon zwei Wochen vorher diesen Lockdown durchführen wollen?“, konfrontiert der 51-Jährige Söder mit dessen Aussage. „Sagen wir so: Die großen Wissenschaftsinstitute der Republik haben gesagt, dass es bereits zwei Wochen zuvor besser gewesen wäre“, relativiert der Politiker sein Statement ein Stück weit. Zur Erinnerung: Der sogenannte „Lockdown light“ gilt bundesweit seit Montag, 2. November 2020. Infolgedessen dürfen beispielsweise Restaurants nur einen Außer-Haus-Verkauf anbieten, Fitnessstudios mussten komplett schließen. Maßnahmen, die den ganzen November über gelten – oder noch länger?

Markus Lanz (ZDF): Söder (CSU) will nichts „schönreden“ – Hoffen auf Corona-Impfstoff

„Ich hoffe sehr, dass es jetzt eine Wirkung zeigt. Wenn nicht, muss man sehen, wie man damit weiter umgeht. Ich glaube aber nach wie vor, dass es eine Reihe vom Möglichkeiten gibt, dauerhaft mit Corona zu leben. Der Impfstoff ist zum Beispiel eine hoffnungsvolle Entwicklung“, merkt Söder an. Auch Virologe Hendrik Streeck schwört auf medizinische Lösungen*, wenngleich ein Placebo noch hinreichend getestet werden muss. Für den Bayerischen Ministerpräsidenten wiederum liegt es klar auf der Hand, dass es nichts bringt, sich die gegenwärtige Lage „schönzureden“.

Nichtsdestotrotz hat Söder nicht die Hoffnung verloren, dass die Infektionszahlen schon zeitnah zumindest geringfügig zurückgehen. „Wissen sie, das ist wie bei jeder medizinisch-therapeutischen Behandlung. Zunächst einmal bekommt man ein Medikament oder eine Therapie verschrieben. Das soll für eine bestimmte Zeitdauer wirken. Deswegen müssen wir sozusagen sehen, ob die Dosis und ob die Zeitdauer reicht“, bemüht der 53-Jährige einen Vergleich, der sich nicht jedem der Anwesenden in der Hamburger Runde erschließt. Sei´s drum.

Markus Lanz (ZDF): Markus Söder (CSU) verteidigt Schulöffnungen – „Schäden wären zu groß“

Söder habe gelesen, „dass verschiedene Politiker in Deutschland sagen: ´So schnell wie möglich alles aufheben´. Aber wir können nicht sagen, dass ab Anfang Dezember wieder alles offen sein soll. Eine solche erneute Verunsicherung, den Menschen etwas zu versprechen – das kann nicht gemacht werden, das sollten wir nicht tun“, appelliert der Bayerische Ministerpräsident an die Vernunft seiner Kollegen. Übrigens: Noch im Oktober 2020 hatte Söder sich bei Markus Lanz dafür stark gemacht, dass im Falle eines weiteren Lockdowns auch an die Wirtschaft gedacht werden müsse*. Was wohl Gastronomen wie Tim Mälzer* derzeit über solch eine Aussage denken?

Abschließend kommt der ZDF-Moderator auf das Thema Schulen zu sprechen. Dass diese Lehranstalten nach wie vor geöffnet haben, hatte für bundesweite Empörung gesorgt. Selbiges gilt für Kitas. Darauf angesprochen möchte Söder Bezug auf die Schul-Situation in Bayern nehmen. „Es gibt sehr strenge Maßnahmen. Wir haben eine generelle Maskenpflicht eingeführt, um die Weitergabe des Virus einzudämmen [...] Die Schäden einer schnellen Schulschließung sind aber auch für Schüler und die Eltern groß. Denn viele haben nicht die Möglichkeit einer adäquaten Betreuung“. Ein Dilemma, das weiterhin bestehen bleibt. * 24hamburg.de und fr.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa & ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot) & Friso Gentsch/dpa

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