Diskussion über Maskenpflicht

Markus Lanz (ZDF): Markus Söder (CSU) denkt in Zeiten des Coronavirus vor allem an Wirtschaft

  • Yannick Hanke
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CSU-Vorsitzender Markus Söder spricht bei Namensvetter Markus Lanz im ZDF über Lockdown, Maskenpflicht und das Ende des Beherbungsverbots. Der Bayer denkt wirtschaftlicht.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 15. Oktober 2020, sind Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), die Journalisten Elmar Theveßen und Claudia Kade, Epidemiologe Dirk Brockmann sowie Politikwissenschaftler Julius van de Laar zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Der zugeschaltete Söder steht im Fokus und verteidigt seinen Kurs zur Eindämmung von Coronavirus-Sars-CoV-2.

Bayerischer Ministerpräsident:Markus Söder
Geboren:5. Januar 1967 (Alter 53 Jahre), Nürnberg
Größe:1,94 m
Ehepartnerin:Karin Baumüller (verh. 1999)
Partei:Christlich-Soziale Union in Bayern
Ausbildung:Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Eltern:Renate Söder, Max Söder

Markus Lanz (ZDF): CSU-Mann Markus Söder nennt Coronavirus eine „Nervensache“

ZDF-Moderator Markus Lanz will nicht lange fackeln und fällt direkt mit der Tür ins Haus. Dem zugeschalteten CSU-Parteivorsitzenden Markus Söder entgegnet er, während des Coronavirus-Gipfels der Ministerpräsidenten im Kanzleramt am Mittwoch, 14. Oktober 2020*, genervt gewirkt zu haben. „Es war ein langer Tag. Und aus meiner Sicht waren die Ergebnisse noch nicht weitreichend genug. Wir haben es geschafft, eine einheitliche Philosophie zu vereinbaren. Aber der richtige, weitreichende Schritt fehlt noch“, heißt es zunächst einmal vom Bayerischen Ministerpräsidenten.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will das Coronavirus aussitzen – um die deutsche Wirtschaft zu retten. (24hamburg.de-Montage)

Grundsätzlich plädiert Markus Söder für härtere Einschränkungen, um das Coronavirus-Sars-CoV-2 zu bekämpfen. Wobei, in seiner Wortwahl zeigt sich der 53-Jährige alles andere als martialisch. „Corona kann man durchaus trotzen. Es ist aber kein Krieg gegen Corona, sondern eine Nerven- und Geduldssache. Es braucht einen langen Atem und dafür muss man klare und verbindliche Regeln setzen. Und diese müssen einfach, verständlich und nachvollziehbar sein“, führt der CSU-Politiker aus. Verblüffend: In der aktuellen Situation sieht Investor Frank Thelen sogar positive Aspekte*.

Markus Lanz (ZDF): Bayern Ministepräsident Markus Söder (CSU) sieht Ende von Beherbergungsverbot

Einen zweiten Lockdown würde Markus Söder nicht befürworten. Doch aufgrund der rapiden Verbreitung der Pandemie und seiner Ansicht nach nicht ausreichenden Maßnahmen sei dieser fast schon unvermeidlich. Anders äußert sich der gebürtige Nürnberger in Bezug auf das kontrovers diskutierte Beherbergungsverbot. Dieser Erlass gilt für Touristen aus Gegenden mit besonders hohen Infektionszahlen.

Derlei Einschränkungen für Urlauber aus Coronavirus-Hotspots seien zur Eindämmung der Pandemie „in der Tat nicht das Wichtige. Das wird jetzt auch Stück für Stück auslaufen“, prognostiziert Markus Söder. Eine Aussage, die sich bewahrheiten könnte, da die Gerichte die Verbote teilweise juristisch anfechten. Mit Blick auf sein Bundesland heißt es vom Bayerischen Ministerpräsidenten: „Auch bei uns wird das so sein, dass wir das Stück für Stück auslaufen lassen“. Vorausgesetzt, die Menschen halten sich auch an die neuen, strengeren Beschränkungen. Diese werden von SPD-Politikerin Manuela Schwesig bei Markus Lanz scharf kritisiert*. Übrigens: Mittlerweile ist das Beherbergungsverbot in Bayern obsolet geworden*.

Markus Lanz (ZDF): Markus Söder (CSU) nimmt Kanzlerin Angela Merkel in Schutz

Kritik weiß aber auch Markus Söder zu üben. Der 53-Jährige stört sich an Personen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel* für ihre Rhetorik im Kontext vom Coronavirus-Sars-CoV-2 an den Pranger stellen. Für den Bayerischen Ministerpräsidenten verwendet Merkel die richtige Sprache. Laut Söder sollte etwas ganz anderes im Fokus stehen: „Wie schützen wir die Vernünftigen vor den wenigen Unvernünftigen?“. Wozu wohl Donald Trump zählt? Wegen des US-Präsidenten liefert sich Markus Lanz ein Streitgespräch mit einem Republikaner*.

Damit spielt Söder indirekt auf die Beschlüsse von Bund und Ländern an. Diese hatten sich unter anderem auf eine Ausweitung der Maskenpflicht, eine Begrenzung der Gästezahl bei privaten Feiern und eine Sperrstunde für die Gastronomie geeinigt. An dieser Stelle darf auch Epidemiologe Dirk Brockmann mitmischen. Er vertritt die Meinung, dass die Gruppengröße maßgeblichen Einfluss darauf hat, wie stark sich das Coronavirus-Sars-CoV-2 verbreiten kann. Das lässt für Brockmann nur einen Schluss zu: Kontakte müssen reduziert werden. SPD-Politiker Karl Lauterbach fordert gar, dass private Coronavirus-Kontrollen vorgenommen werden*.

Markus Lanz (ZDF): Politik verbreitet nur Coronavirus-Angst – Nervenspiel für Markus Söder (CSU)

Natürlich weiß der Epidemiologe auch mit konkreten Zahlen zu argumentieren. Wer die Gruppengröße halbiere, senke die vermeintliche Menge an Menschen, die sich infizieren können, um 75 Prozent. Einspruch Markus Söders, der CSU-Politiker will einen Widerspruch bemerkt haben. Der Bayerische Ministerpräsident weist darauf hin, dass nicht alles im privaten Bereich eingeschränkt werden kann, derweil freies Reisen erlaubt ist. Söder nennt „Geduld“ und „gute Nerven“ als Faktoren, um eine zweite Infektionswelle überstehen zu können. Kaum gute Nerven zeigt Christdemokrat Friedrich Merz in Bezug auf die Verschiebung des CDU-Parteitages*.

Jetzt will aber auch Markus Lanz mit seinem Zahlenwissen brillieren. Der Hamburger* Talkmaster verweist darauf, dass 99,9 Prozent aller Menschen in Deutschland nicht infiziert seien. Vor diesem Hintergrund möchte der ZDF-Moderator wissen, inwieweit es überhaupt nötig ist, dass die Politik sprachliche Angst verbreite. „Die Zahlen explodieren“ oder „Wir sind kurz davor, die Kontrolle zu verlieren“ sind nur zwei der Zitate, mit denen Lanz den CSU-Politiker konfrontiert. Söders Reaktion: Betonen, stets „ehrlich“ zu bleiben und auf die tödliche Bedrohung der Pandemie hinzuweisen. Ähnlich wie auch Gesundheitsökonom Karl Lauterbach (SPD), der die Coronavirus-Einschränkungen sogar für zu lasch hält*.

Markus Lanz (ZDF): CSU-Politiker Markus Söder verteidigt Maskenpflicht – „Arbeit erhalten“

Markus Söder wiederum will einen zweiten Lockdown partout vermeiden, damit „Arbeit erhalten“ bleiben kann. Da kann ihm Epidemiologe Dirk Brockmann nur zustimmen. Damit der fromme Wunsch der beiden Männer erhört wird, kommt es laut Ansicht des Bayerischen Ministerpräsidenten vor allem auf eines an: „Solidarität. Das muss eine Gesellschaft wie unsere schultern können“. Um einen Shutdown und damit auch wirtschaftliche Einbußen in Millionenhöhe abwenden zu können, gehe es darum, präventiv zu handeln. In dieselbe Kerbe schlägt Peter Tschentscher (SPD) bei Markus Lanz*.

Das beinhaltet für Söder nun mal auch die Ausweitung der Maskenpflicht, wie sie in Hamburg bereits strikt durchgeführt wird*. Abschließend muss Moderator Markus Lanz aber doch nochmal nachhaken: „Bar- und Restaurantschließungen schließen Sie nicht aus?“. Kurzes Zögern, dann sagt Markus Söder: „Das will keiner haben“ – und spricht damit wohl vielen Menschen aus der Seele. Doch müssen diese sich besser verhalten als die Besucher der Hamburger Bar „Katze“, wo ein enormer Coronavirus-Ausbruch verzeichnet wurde*. * 24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa & Peter Kneffel/dpa

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