Kindesmissbrauch in Münster – Reaktion

Markus Lanz (ZDF): „Bekomme Morddrohungen“ – Ministerin Lambrecht (SPD) hat Angst um ihr Leben

  • Yannick Hanke
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SPD-Justizministerin Christine Lambrecht meldet sich bei Markus Lanz (ZDF) zu den Kindesmissbrauchsfällen in Münster zu Wort. Für ihre falsch verstandenen Aussagen hinsichtlich des richtigen Strafmaßes muss sie sich rechtfertigen.

  • Markus Lanz*: Justizministerin Lambrecht (SPD) im Kreuzfeuer der Kritik.
  • Kindesmissbrauchsfälle in Münster: Härtere Strafen erwirkt.
  • „Ich bekomme Morddrohungen SPD-Politikerin Lambrecht unter Schock.

Hamburg/Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe von Donnerstag, 18. Juni sind Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), Polizeidirektor a. D. Rainer Becker, Philosoph Richard David Precht und Kabarettist Chin Meyer im Studio in Hamburg-Altona zu Gast. Der Fokus vom ZDF-Moderator liegt auf Kindesmissbrauch und den damit verbundenen Strafen. Eine Thematik, die durch die jüngsten Fälle in Münster* neu debattiert wurde und wird. Politikerin Lambrecht berichtet in diesem Kontext gar von Morddrohungen, die sie erhalten habe.

Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz:Christine Lambrecht
Geboren:19. Juni 1965 (Alter 55 Jahre), Mannheim
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz seit 2019
Ausbildung:Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Universität Mainz, Albertus-Magnus-Gymnasium Bensberg

Markus Lanz (ZDF): Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) bezieht in Hamburger Runde Stellung zu Kindesmissbrauchsfällen in Münster

Die ZDF-Talkshow von Markus Lanz kann auch ohne hitzige Diskussionen um das Coronavirus-Sars-Cov-2* und die daraus resultierenden Folgen für die Gesamtgesellschaft auskommen. Nicht minder spannend und wichtig ist die Thematik, die sich der 51-jährige Moderator zusammen mit seinen Gästen in Hamburg-Altona nun annimmt. Es geht um die Kindesmissbrauchsfälle in Münster, welche die Ermittler nach wie vor beschäftigen. Und natürlich auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht von der SPD, die mittlerweile härtere Strafen für Täter von Vergewaltigungen an Minderjährigen erwirkt hat.

Während die Innenminister der Bundesländer den Besitz von Aufnahmen, die leicht bekleidete Kinder zeigen, stets als Verbrechen betrachtet haben und dies mit Gefängnisstrafen sanktionieren wollten, plädierte Lambrecht dafür, dies lediglich als Vergehen zu bewerten. Infolge von öffentlichem, medialen Druck, der nicht zuletzt durch Deutschrapper PA Sports evoziert* wurde, revidierte die Politikerin ihre Aussage und zog mit der Ansicht der Innenminister gleich.

Erhält Morddrohungen: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) erzählt bei Markus Lanz (ZDF), mit welchem Gegenwind sie zu kämpfen hat. (Screenshot)

Ein plötzlicher Kurswechsel, der von ZDF-Moderator Markus Lanz aufgegriffen wird. Für ihn sei es unverständlich, wie jemand zweimal wegen des Besitzes von Aktaufnahmen, die Kinder zeigen, für jeweils zwei Jahre auf Bewährung verurteilt werden kann. So geschehen im Fall des Münsteraner Täters, der vor seiner aktuellen, nunmehr dritten Festnahme bereits für insgesamt vier Jahre verurteilt gewesen war. „Was muss geschehen, damit jemand beim dritten Mal endlich dahin geht, wo er hingehört?“, fragt der Hamburger* und meint damit das Gefängnis.

Der Ministerin zufolge würde es nicht allein darum gehen, den Strafrahmen zu erhöhen. Vielmehr müsse sich gefragt werden, warum diese Urteile nur zur Bewährung ausgesetzt werden. Daraufhin teilt die SPDlerin Zahlen mit der ZDF-Talkrunde, die für Entsetzen bei Lanz und seinen restlichen Gästen sorgen. „Ein Drittel der Urteile, die bei schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern verhängt werden, wird zur Bewährung ausgesetzt", lässt Lambrecht verlauten.

Markus Lanz (ZDF): Strafen für Kinderschänder schocken Hamburger Moderator

Ungläubiges Schauen vom gebürtigen Italiener, der dies nicht so recht wahrhaben will. Warum die Täter denn nicht direkt ins Gefängnis müssen, will Lanz von Lambrecht wissen. Diese verweist auf Einzelfälle, die von Richtern bewertet wurden. Die Rechtsprechenden hätten ihre Gründe gehabt und lediglich das geltende Recht angewendet. Diese Zeiten sollen jedoch passé sein, der Strafrahmen für sexuelle Gewalt gegen Kinder in Deutschland erhöht werden.

Zudem sei es ihr wichtig, dafür zu sorgen, dass nicht mehr (wie zuvor) die Wiederholung einer Tat nötig sei, um einem Verbrecher ein härteres Urteil aufzuerlegen. „Das will ich abschaffen. Ich glaube, das ist der Grund, warum viele Richter diese Möglichkeiten immer wieder nutzen“, vermutet Christine Lambrecht. Höchststrafen gegenüber den Tätern von Kindesmissbrauch würden „kaum ausgesprochen“ werden. Lediglich 0,5 Prozent aller Urteile bei schwerem sexuellen Missbrauch würden mit einer Freiheitsstrafe von zehn bis fünfzehn Jahren sanktioniert werden.

Erneut verzieht Markus Lanz sein Gesicht, das Entsetzen ist ihm bis in die letzte Pore anzumerken. „0,5 Prozent? Also praktisch nichts!“, platzt es aus dem ZDF-Star heraus, selbst dreifacher Familienvater. „Ein oder zweimal pro Jahr“ würde diese langjährige Freiheitsstrafe ausgesprochen werden, merkt Lambrecht an. „Das zeigt, dass dieser Rahmen gar nicht ausgeschöpft ist“. An dieser Stelle wiederholt die Bundesjustizministerin ihr Vorhaben, die Rechtssprechung anzupassen, um zukünftig Wiederholungstäter schneller inhaftieren zu können.

Lanz, der sich unlängst Thüringens Linken-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow zur Brust nahm*, präsentiert sich dieses Mal gezähmter und gibt sich mit Lambrechts Antworten zumindest halbwegs zufrieden. Jedoch hakt der 51-Jährige noch einmal nach und will wissen, warum die Bundesjustizministerin zunächst nicht auf die Forderungen aus der Union nach härteren Strafen für Kinderschänder eingehen wollte. Sie hätte lediglich die gegenwärtige beschrieben, merkt die SPD-Politikerin an.

Markus Lanz (ZDF): Emotionale Christine Lambrecht (SPD) – „ich bekomme Morddrohungen“

Dann wird es emotional in der Hamburger Runde. „Es hat mich betroffen, dass der Eindruck entstanden ist, ich würde mich gegen ein härteres Strafmaß wehren“, erklärt die 55-Jährige. Doch damit nicht genug:

Ich bekomme Morddrohungen. Ich bekomme Androhungen von Gewalt. Nicht nur mir gegenüber, sondern auch meinem Kind gegenüber, damit ich meine Meinung ändere [...] Die Sprache ist sehr verroht, und das alles unter dem Deckmantel, dass man Kinder schützen müsse.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) berichtet bei Markus Lanz (ZDF) über Anfeindungen, die sie erhalten habe, da eine ihrer Äußerungen im Kontext von Kindesmissbrauch falsch verstanden wurde.

Kurzes Innehalten, dann präsentiert sich Lambrecht kämpferisch und trotzig. Wer sie kenne, sagt die seit über zwei Jahrzehnten im Bundestag sitzende Politikerin, der wisse, dass sie trotz der vorherigen Debatte alles dafür tun würde, um diese „widerlichen Taten“ und ihre Verursacher angemessen zu bestrafen. Ähnlich drastisch hatte sich bereits Deutschrapper* Kontra K in Bezug auf die Fälle in Münster geäußert. Der Berliner bezeichnete die Täter der Kindesmissbräuche als „menschlichen Abschaum*. Übrigens: auch Bundespräsident Steinmeier* (SPD) wusste im Rahmen vom ZDF-Polit-Magazin „Berlin direkt*“ über Morddrohungen gegen Politiker* zu berichten.

Verbrechen der unterschiedlichsten Couleur sind zuletzt immer wieder Thema in der ZDF-Talkshow gewesen. Der Fall der bereits 2007 verschwundenen Britin Madeleine „Maddie“ McCann* ist wieder in aller Munde und wurde auch bei Markus Lanz intensiv besprochen. Demgegenüber steht der vermeintliche Doppelmörder Jens Söring, der 33 Jahre inhaftiert war* und nach wie vor auf seine Unschuld verweist. Ähnlich würde wohl Schalke-Boss Clemens Tönnies argumentieren, über den mitsamt seiner Schlachtbetriebe ebenfalls in der Hamburger Runde diskutiert wurde*. // Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz *24hamburg.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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