Schutzmasken zu spät gekauft

Markus Lanz (ZDF): Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gibt Corona-Fehler zu

  • Yannick Hanke
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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesteht in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz Fehler in Bezug auf Mundnasenschutz (MNS) und Masken-Politik. 

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 20. August 2020 sind Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Virologe Hendrik Streeck, Arzt Andreas Leonhard, die Steuerfachwirtin Ajla Kurtovic sowie Lehramtsstudentin Saida Hashemi zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Der Fokus liegt auf dem Politiker in der Hamburger* Runde, der sich zum Coronavirus-Sars-CoV-2 und Atemschutzmasken äußert.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Jens Spahn
Geboren:16. Mai 1980 (Alter 40 Jahre), Ahaus
Größe:1,92 m
Ehepartner:Daniel Funke (verh. 2017)
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands
Ausbildung:FernUniversität in Hagen (2003-2017), FernUniversität in Hagen
Eltern:Ulla Spahn, Georg Spahn

Markus Lanz (ZDF): Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesteht sich Fehler im Coronavirus-Sars-CoV-2-Kampf ein

Die Sendung startet auch direkt mit Jens Spahn. Der 40-jährige CDU-Politiker sagt, dass es derzeit „1.600 bis 1.700 Neuinfektionen“ gebe. Dies sei eine „Größenordnung, die wir jetzt seit ein bis zwei Wochen haben. Doppelt so viel, wie wir in den Wochen zuvor hatten. Ich muss aber auch betonen: Es geht darum, wachsam zu sein, nicht in Endzeitstimmung zu verfallen. Mit dieser Zahl können wir noch umgehen“, merkt der Gesundheitsminister an.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat so seine Probleme mit der Coronavirus-Maske – bei Markus Lanz (ZDF) gesteht er massive Fehler beim deutschen Masken-Management ein. (24hamburg.de-Montage)

Warum denn die Situation so sei, dass man keine Angst haben müsse, möchte Moderator Markus Lanz von Spahn wissen. Dessen Antwort: „Weil wir immer mehrere Zahlen zusammen sehen müssen. Das eine ist die absolute Zahl. Das andere ist der R-Wert*, der aussagt, wie schnell sich das Coronavirus vermehrt und im Zweifel verdoppelt. Die Dynamik ist wichtig, aber auch, wie unsere Kapazitäten ausschauen und wie schnell das Gesundheitswesen auf neue Fälle reagieren kann“.

Flugs kommen der Hamburger Talkmaster und der Gesundheitsminister auf die deutschen Reiserückkehrer zu sprechen. Laut Lanz gebe es zum Teil „wirklich chaotische Zustände an den Flughäfen“. Ob die Pflichttests nicht zu überhastet eingeführt wurden, fragt der 51-Jährige sein Gegenüber. „Wir hatten von Anfang an eine klare Regelung. Wer aus Risikogebieten zurückkehrt, muss zwei Wochen in Quarantäne*. Das ist auch keine Bitte, sondern eine behördliche Anordnung. Die Wahrheit ist aber auch: Es wurde bei weitem nicht so umgesetzt, wie man es sich wünschen würde“, skizziert Spahn Altbekanntes.

CDU-Politiker Jens Spahn ist in seinem Amt als Gesundheitsminister ein gefragter Gast in Talkshows, um über die Coronavirus-Sars-CoV-2-Krise zu sprechen.

Deswegen sei zusätzlich die „verpflichtende Testung“ eingeführt worden. „Klar, wird das in der Praxis umgesetzt, holpert es am Anfang ein bisschen. Bei der großen Zahl an Tests, die auf Flugplätzen durchgeführt werden, ist das wohl auch ein Stück weit nicht zu vermeiden“, gibt der 40-Jährige zu Bedenken. Im europäischen Vergleich, speziell im Verhältnis zu Großbritannien, sei Deutschland aber noch gut aufgestellt.

Markus Lanz (ZDF): CDU-Politiker Spahn glaubt nicht an Stattfinden des Karnevals

Nun kann sich der CDU-Politiker erstmal zurücklehnen, es folgt der Auftritt vom Virologen Hendrik Streeck, der seit dem Ausbruch von Coronavirus-Sars-CoV-2 seine Dauerkarte für die ZDF-Talkshow sicher hat – und sich auch schon mal mit SPD-Gesundheitsökonom Karl Lauterbach fetzt*. „Ich glaube, es ist wichtig, dass wir von einer Verbots- zu einer Gebotskultur kommen. Eine Eigenverantwortung muss da sein, es muss sich eingestanden werden, dass bestimmte Treffen derzeit nicht möglich sind“, heißt es vom 43-Jährigen.

Als konkretes Beispiel nennt der Mediziner den Karneval, dessen Stattfinden aufgrund der Pandemie auf wackeligen Beinen steht.

Wenn 5.000 Leute in einem geschlossenen Raum eng beieinander schunkeln, da werden Aerosole eine Rolle spielen. Das wird wahrscheinlich nicht möglich sein. Es muss aber auch über pragmatische Lösungen nachgedacht werden, der Karneval kann ja nicht einfach abgesagt werden.

Virologe Hendrik Streeck über die begrenzten Möglichkeiten des ausgelassenen Feierns in Coronavirus-Zeiten

Jetzt ist die Redepause für Jens Spahn vorbei, der 40-Jährige reckt und streckt sich innerlich und beginnt mit seinem Monolog: „Wenn die Gesellschaft vor der Frage steht: Kita auf oder Feiern – dann bin ich mir ziemlich sicher, dass eine große Mehrheit erstmal für den Regelbetrieb der Kitas sein wird. So hart das auch für bestimmte Bereiche ist. Ich meine, ich war selbst Kinderprinz und weiß, wie wichtig vielen Menschen im Rheinland diese Tradition ist. Aber es geht nicht anders“.

Markus Lanz (ZDF): Maskenkauf verpennt – Jens Spahn (CDU) zeigt sich selbstkritisch

Der Gesundheitsminister führt aus, dass man es Coronavirus-Sars-CoV-2 nicht „unnötig leicht“ machen sollte, sich zu verbreiten. „Alles, was Karneval ausmacht – gesellig sein, Schunkeln, Lachen, Bier und Wein – alles das macht es dem Spaßverderber, dem Virus, besonders leicht“, führt der CDU-Politiker der Hamburger Runde von Moderator Markus Lanz die unbequeme Wahrheit vor Augen. Dann folgt eine Überleitung der Kategorie „Frank-Elstner-Masterclass“, auf die der ZDF-Talkmaster sichtlich stolz ist.

„Das Thema Karneval ist ja auch Masken, um jetzt mal eine ganz elegante Überleitung hinzukriegen. Und dieses Maskenthema ist für Sie zu einer Art Leib- und Magenthema geworden, nicht?“, fragt Lanz den Gesundheitsminister und möchte unbedingt wissen, wie Spahn über diesen Sachverhalt mit ein paar Monaten Abstand denkt und ob er im Verbund mit seinen Kollegen Fehler gemacht hätte. „Na ja, hätten wir früher damit anfangen sollen, medizinische Schutzmasken auf dem Weltmarkt zu kaufen? Ja! Da gibt es nichts anderes zu sagen“, gesteht der 40-Jährige sich selbstkritisch Fehler ein. Von Peter Tschentscher (SPD) wird er aber in Schutz genommen*. Horst Seehofer (CSU) wiederum wird für seine Flüchtlingspolitik kritisiert*.

Das Maskenthema ist mir offenkundig erst bewusst geworden, als es auf dem Markt schon richtig schwierig war. Die Wahrheit ist aber auch: Originär ist nicht das Bundesministerium für Gesundheit der Besorger von solchen Materialien für das Gesundheitswesen. Es gibt ja andere Strukturen, die das machen.

Gesundheitsminister Jens Spahn über die Maskenthematik

Es habe jedoch den einen Punkt gegeben, an dem die ganze Welt an FFP2-Masken interessiert gewesen sei. Als Resultat dessen habe eine einzelne Maske „in der Spitze 12 bis 14 Euro gekostet. Das hat uns eins gelehrt: Wir brauchen wieder mehr Produktionen bestimmter Güter auch in Europa“. Denn sonst sei Deutschland zu sehr von anderen Ländern, in diesem Fall China, abhängig. Die Verfehlungen des Gesundheitsministers lassen Lanz aber nicht los. Der Moderator hält Spahn so einiges vor. Deutlich harmonischer lief die Unterhaltung mit Wolfgang Schäuble (CDU) ab*.

Markus Lanz (ZDF): Masken-Diskussion zwischen Hamburger Moderator und CDU-Politiker

4,50 Euro gezahlt für einen Artikel, der einst einen Euro kostete. Man hörte dann immer Erklärungen, wir leben in einem reichen Land, wir können uns das auch leisten, da kam auch eine leichte Überheblichkeit durch, in dem einen oder anderen Gespräch“, merkt der 51-Jährige an. Das will sich der CDU-Politiker aber nicht gefallen lassen und bietet dem ZDF-Star Paroli.

Herr Lanz, da haben sich Leute zum Teil auf einem Feld bewegt, von dem sie originär vielleicht nicht so viel Ahnung hatten und haben ein Angebot gegeben, eine bestimmte Qualität zu erfüllen, in der Annahme, tippe ich, eine nicht kleine Marge zu machen. Das ist alles legitim, alles okay. Aber dann erwarte ich, gerade bei dem Preis, den Sie gerade genannt haben, dass die Qualität stimmt“, wird Spahn deutlich. Auf einen gemeinsamen Nenner kommen die beiden Männer auf jeden Fall nicht mehr. Ähnlich wie auch Lanz und Grünen-Politiker Cem Özdemir*.

Schon Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte sich in der ZDF-Talkshow zur Maskenpflicht geäußert*. Das Coronavirus-Sars-CoV-2 ließ auch CDU-Politiker Daniel Günther* nicht los, der Verstöße gegen geltende Regeln an Nord- und Ostsee vehement abstritt*. * 24hamburg.de, merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF/Mediathek & Daniel Karmann/dpa & Britta Pedersen/dpa & Johannes A. Rosenburg/YNXMC/24hamburg.de

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