Berlin-Bürgermeister taumelt

Markus Lanz (ZDF) offenbart: Berlin hat peinliche Probleme mit Corona-Kriminellen und Polizisten

  • Yannick Hanke
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Ring frei für Michael Müller und Hajo Schumacher in der Hamburger Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz. Der Berliner Bürgermeister und der Journalist liefern sich einen hitzigen Disput - nicht zuletzt wegen Coronavirus-Sars-CoV-2.

  • Markus Lanz*: Disput zwischen Michael Müller und Hajo Schumacher.
  • Uneinigkeit zwischen Berliner Bürgermeister und Journalist.
  • Coronavirus-Sars-CoV-2* erhitzt die Gemüter.

Hamburg/Altona - In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 25. Juni 2020 sind Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD), Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sowie die Journalisten Hajo Schumacher, Merlind Theile und Ciro Krauthausen (zugeschaltet) zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Der Fokus liegt auf Müller und Schumacher, die sich ein hitziges Wortgefecht liefern. Es geht um den richtigen Umgang mit dem Coronavirus-Sars-CoV-2 und das Antidiskriminierungsgesetz.

Regierender Bürgermeister von Berlin:Michael Müller
Geboren:9. Dezember 1964 (Alter 55 Jahre), Berlin
Ehepartnerin:Claudia Müller
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Regierender Bürgermeister von Berlin seit 2014
Vorheriges Amt:Präsident des Bundesrates (2017-2018)

Markus Lanz (ZDF): Disput in Hamburger Runde - Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Journalist Hajo Schumacher mit hitzigem Streit

Die neueste Ausgabe von Markus Lanz‘ ZDF-Talkshow gleicht einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Wird zunächst rund 40 Minuten lang sachlich und konstruktiv diskutiert, ändern sich in der zweiten Hälfte Art und Ton der „Gespräche“. Zunächst wird über die Partybilder auf der Spree in Berlin vom Pfingstwochenende debattiert, und auch der Coronavirus-Sars-CoV-2-Skandal in den Schlachtbetrieben von Clemens Tönnies ist erneut Thema.

Journalist Hajo Schumacher ist ein wortgewandter Redner und weiß den Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) argumentativ Paroli zu bieten. (Screenshot)

Alles nur Vorgeplänkel für das eigentliche Highlight der Sendung vom Donnerstag, 25. Juni – der Disput zwischen Michael Müller und Hajo Schumacher. Die beiden Streithähne kommen in der Hamburger* Runde auf keinen gemeinsamen Nenner und sorgen für beste Unterhaltung. Das „Unheil“ nimmt seinen Lauf, als der Berliner Bürgermeister über die neuen Coronavirus-Sars-CoV-2-Hotspots im Problembezirk Neukölln spricht.

Dort waren, ähnlich wie im Kreis Gütersloh*, aufgrund von massiven Ausbrüchen der Pandemie ganze Häuserblocks und Wohnungskomplexe unter Quarantäne gestellt. Der SPD-Politiker beteuert vehement, dass mit Anstrengungen vom Senat und des Gesundheitsamtes „80 bis 85 Prozent der Bewohner der Wohnblöcke erreicht und getestet werden konnten. Schön und gut, doch bleiben damit immer noch mindestens 15 Prozent über, die das Virus weiter transportieren könnten.

Moderator Markus Lanz wirft ein, dass es keine Klarheit darüber gäbe, wie viele Menschen überhaupt in diesen Häusern leben. Zum Glück gibt es Hajo Schumacher, der hierfür eine Erklärung hat. Der Berliner Journalist verweist auf kriminelle Strukturen und Menschenhandel. Zur Einordnung: die Gegend rund um die Harzer Straße galt in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit als sozialer Brennpunkt, in dem viele Roma-Familien lebten.

Markus Lanz (ZDF): Coronavirus-Sars-CoV-2 erhitzt die Gemüter – Uneinigkeit zwischen SPD-Politiker und Journalist

Dort befindet sich auch einer der Wohnblöcke. Wohnungen sollen von Kriminellen noch immer kostengünstig angemietet und teuer an viel zu viele Menschen vermietet werden. Das Resultat: eine Vielzahl an Personen lebt auf engstem Raum zusammen und ermöglicht es auf diesem Wege, das Coronavirus-Sars-CoV-2 rapide weiterzutragen.

Hintergründe, die Schumacher ganz offenkundig bekannt sind. „Am Ende stecken Strukturen dahinter, die Corona jetzt offenlegt. Da haben wir in Berlin ein gewisses Talent, vor diesen Sachen die Augen zu verschließen und die einfach mal so laufen zu lassen“, formuliert der Journalist deutliche Kritik. Und greift den Ansatz auf, auch etwas Positives in der Pandemie zu sehen. Ähnlich hatte bereits Grünen-Politiker Anton Hofreiter in der Hamburger Runde* argumentiert und betont, dass das Virus Missstände in der Fleischindustrie aufdecken würde, wie 24hamburg.de schreibt.

Doch zurück zu dem Berliner Schlagabtausch. „Sie haben recht, es gibt diese Strukturen, in Berlin aber auch bundesweit. Das will ich nicht wegdiskutieren“, pflichtet Müller dem Journalisten zunächst bei. Jedoch würde es auch darauf ankommen, dass nicht jede Infektionstätigkeit mit der skizzierten Situation assoziiert werde. „Na, da ist es eben so, weil wir da diese sozialen Probleme haben“, sagt der Berliner Bürgermeister.

Eine Aussage, die Schumacher nicht unkommentiert stehen lassen kann. „Wenn Sie in Neukölln mehrere hundert Fälle auf einmal haben und dann dicht aneinander, dann ist es ein Problem“, das aus den Versäumnissen der Jahre davor resultieren würde. Michael Müller hat hingegen eine ganz andere Sorge. Er befürchtet, dass Menschen die Lage im Neuköllner Brennpunkt nicht Ernst nehmen würden. „Da gibt es eine vermeintliche Sicherheit. Davor kann ich nur warnen“, mahnt der Berliner.

Markus Lanz (ZDF): „Sie machen ein Gesetz gegen ihre Mitarbeiter“ – Schumacher gibt Gas und attackiert Michael Müller (SPD)

Als der Punkt erreicht ist, das Thema zumindest in der Markus Lanz-Talkshow ruhen zu lassen, kann nur kurz durchgeschnauft werden. Die Diskussionsfreudigkeit ist Müller und Schumacher nämlich noch längst nicht abhandengekommen. Neuer Streitpunkt: das umstrittene Berliner Antidiskriminierungsgesetz. Mit diesem sollen Menschen in Berlin vor rassistischen Beleidigungen, die aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft getätigt werden, von den Behörden geschützt werden.

Laut Müller sei dieses Gesetz „ein Baustein hin zu mehr Sensibilität und Aufklärung und auch im Kampf gegen Rassismus, den es gibt“. Es sei jedoch nicht der Fall, dass eine Person nur das Gefühl brauche, diskriminiert worden zu sein und es sofort eine Beweislastumkehr gebe. „Es reiche nicht zu sagen, man habe nur ein schlechtes Gefühl bei einer Begegnung gehabt“. Daraufhin bietet Schumacher dem Berliner Bürgermeister ordentlich Paroli. „Lassen Sie uns doch mal realistisch bleiben: Es ist ein Anti-Polizei-Gesetz. Das ist das Problem dabei“.

„Nein!“, heißt es von Müller. „Weil es sich nicht allein auf die Polizei bezieht, sondern auch auf Landes-Institutionen. Sie können auch im Bürgeramt diskriminiert werden oder im Roten Rathaus“, führt der SPD-Politiker bei Markus Lanz aus. Es würde darum gehen, dass Berliner Institutionen sensibilisiert werden. Das bringt Schumacher aber nicht von seinem Standpunkt ab. „Die Polizisten fühlen sich durch dieses Gesetz unwohl“, merkt der Journalist an. Und formuliert einen handfesten Vorwurf an Müller: „Sie machen ein Gesetz gegen Ihre eigenen Mitarbeiter! Wenn sich jeder diskriminiert fühlen darf, dürfen das Ihre Polizisten auch“.

Schlussendlich erreichen Michael Müller und Hajo Schumacher keinen Konsens mehr. Auch wenn der Journalist anmerkt: „Wir verstehen uns ja eigentlich, nur politisch sind wir immer anderer Meinung“. Pikant: noch vor Ausstrahlung der Sendung hatte Schumacher in einem Tweet angemerkt, dass es bei Markus Lanz verbal zur Sache gehen würde. Darüber berichtet „merkur.de“ in aller Ausführlichkeit. Ähnlich hitzig ging es auch mit CDU-Politiker Olaf Gericke zu, der den Schalke-Boss Clemens Tönnies zur Kasse bittet*. Emotionen und die ZDF-Talkshow, das scheint zu passen. * 24hamburg.de, merkur.de und wa.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Screenshot/ZDF Mediathek/Markus Lanz

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