Staatsanwaltschaft ermittelt

Markus Lanz (ZDF): Ramelow (Linke) pöbelt im Landtag gegen AfD – Anzeige ist gestellt

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Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow diskutiert in der ZDF-TV-Talkshow von Markus Lanz mit dem Moderator über die Vergiftung von Russlands Kreml-Kritiker Alexei Nawalny. Außerdem redet der Linken-Politiker über seinen Ausraster im Thüringer Landtag.

  • Markus Lanz*: Bodo Ramelow (Linke) ist zu Gast.
  • Ministerpräsident Ramelow gerät mit Lanz aneinander.
  • Thüringen-Chef Ramelow entschuldigt sich für Ausraster.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Dienstag, 8. September 2020 sind Linken-Politiker Bodo Ramelow, ZDF*-Korrespondent Elmar Theveßen, die Journalistin Kristina Dunz sowie die Ex-Handballer Michael und Uli Roth zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus steht Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, der mit Moderator Markus Lanz aneinander gerät.

Thüringer Ministerpräsident:Bodo Ramelow
Geboren:16. Februar 1956 (64 Jahre), Osterholz-Scharmbeck
Ehepartnerin:Germana Alberti vom Hofe (verh. 2006)
Partei:Die Linke
Amt:Thüringer Ministerpräsident seit 2020
Vorheriges Amt:Thüringer Ministerpräsident (2014-2020)
Bearbeitete Werke:Schreddern, Spitzel, Staatsversagen: wie rechter Terror, Behördenkumpanei und Rassismus aus der Mitte zusammengehen

Markus Lanz (ZDF): Bodo Ramelow (Linke) diskutiert mit Hamburger Moderator über Russlands Kreml-Kritiker Nawalny

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) wird von Moderator Markus Lanz ordentlich in die Mangel genommen. Die beiden Männer führen eine hitzige Diskussion über den Umgang mit Kreml-Kritiker Alexei Anatoljewitsch Nawalny, der vergiftet wurde*. Ramelows Partei Die Linke hat sich diesbezüglich mit kontrovers diskutierten Aussagen zu Wort gemeldet. So war es Gregor Gysi, der gegenüber „MDR aktuell“ mit einer „speziellen“ Ausführung aufwartete.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) entschuldigt sich in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz für seine Beschimpfung gegen einen AfD-Politiker im Landtag seines Bundeslandes. (24hamburg.de-Montage)

„Es kann ja auch sein, dass es ein Gegner der Erdgasleitung nach Deutschland war. Oder ein beauftragter Gegner, der wusste: Wenn man einen solchen Mord inszeniert, der dann der Regierung in die Schuhe geschoben wird, führt das zur Verschlechterung der Beziehungen“, hieß es von Gysi. Ob er auch daran glauben würde, möchte Talkmaster Lanz von Bodo Ramelow wissen. Dessen Antwort: „Erstmal habe ich da überhaupt keine Kenntnisse“.

Eine Steilvorlage für den Hamburger* Moderator, der wissen will, ob Gysi in dieser Hinsicht denn mehr Kenntnisse hat. In diesem Moment wirkt der Linken-Politiker das erste Mal angespannt und genervt. Nach einer kurzen Denkpause sagt Thüringens Ministerpräsident: „Auf Ihre Frage, ob ich dazu eine Meinung habe, kann ich nur sagen: Es empört mich, dass jemand, der öffentlich Kritik äußert und für eine andere Form des Miteinanders eintritt, damit rechnen muss innerhalb Russlands vergiftet zu werden“.

Liebt den großen Auftritt: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ist ein Mann der klaren Worte.

Der 64-Jährige findet, dass Russland und dessen Präsident Wladimir Putin deutlicher machen müssten, was konkret für die Aufklärung des Falls getan werden kann. Ramelow selbst stünde klar auf der Seite der Bundesregierung. Gut zu wissen. Doch Moderator Markus Lanz zeigt sich mal wieder unnachgiebig und hakt nach. Russland würde „aufreizend wenig“ für die Aufklärung tun, merkt der Talkmaster an. Woraufhin der Politiker entgegnet: „Auch da muss ich sagen: Das weiß ich nicht, ich habe nur den Eindruck, dass dort ein großes Versteckspiel stattfindet.“

Markus Lanz (ZDF): Thüringens Ministerpräsident Ramelow (Linke) „kein Anhänger der russischen Regierung“

Verstecken kann sich Bodo Ramelow in der ZDF-Talkshow gewiss nicht. Der Linken-Mann steht im Fokus der Hamburger Runde. Nicht zuletzt, da Ramelow auf einmal der Geduldsfaden reißt und er sich maßlos echauffiert. Wenn seine Partei sich nicht dem allgemeinen Tenor anschließen würde, dass Putin bei der Vergiftung seine Finger im Spiel hat, sähen sich die Linken mit dem Vorwurf konfrontiert, die „fünfte Kolonne Moskaus“ zu sein. Die Stimmung ist an diesem Punkt mehr als angespannt, auch wenn Lanz beteuert, dem Politiker niemals etwas unterstellen zu wollen. Auch CDU-Politiker Herbert Reul wird bei Markus Lanz hart in die Kritik genommen*. Wie auch SPD-Mann Lars Klingbeil, der sich zu Olaf Scholz äußern muss*.

Deeskalierend wirkt Lanz mit seiner nächsten Aktion aber auch nicht auf die Diskussion ein. Es wird ein Tweet von Linken-Politiker Klaus Ernst eingeblendet, der unter anderem geschrieben hatte: „Der russische Kampfstoff, von dem so getan wird, dass ihn nur die Russen haben, reicht als Beweis allein nicht aus. Er wurde ‚in kleinen Mengen' auch im Westen produziert“. Eine Annahme, zu der ein klares Statement von Bodo Ramelow erwartet wird.

Der will auf den Tweet seines Parteikollegen aber nicht wirklich eingehen und sagt nur, dass er sich derzeit alles vorstellen könne. „Wenn wir rechtsstaatliche Maßstäbe fordern, dann bleibt es dabei, dass die Umstände der Vergiftung lückenlos aufgeklärt werden müssen. Und wir sollten uns erst dazu äußern, wenn wir es wissen“, fordert der Linken-Politiker. Allerdings betont er auch, „kein Anhänger dieser russischen Regierung zu sein“.

Die weltpolitischen Ebenen in Moskau seien ihm schlussendlich aber zu fern, weswegen sich der 64-Jährige auch nicht in die dortigen Geschicke einmischen möchte. Vielmehr wirbt Ramelow für rechtsstaatliche Grundprinzipien und lehnt Foltergefängnisse entschlossen ab. Dann spannt Bodo Ramelow plötzlich einen Bogen, der nach dem Gusto von Lanz deutlich zu weit geht. Ganz ohne Umschweife kommt der Linken-Politiker auf die womöglich rassistisch motivierte Polizeigewalt in den USA* zu sprechen.

Diese sei „genauso unerträglich wie das Vergiften eines politischen Gegners“, merkt Ramelow an. Aus Sicht von Lanz ist dies ein Vergleich, den der Moderator so nicht stehen lassen kann. Das eine habe doch nichts mit dem anderen zu tun, wirft der Talkmaster ein. „Finden Sie nicht? Das eine ist unsere Freundschaftsmacht und das andere ist unsere Feindschaftsmacht. Also Entschuldigung, das ist mir alles zu einfach“, lässt der gereizte wirkende Ramelow verlauten. Auch Peter Altmaier (CDU) zeigte sich in der ZDF-Talkshow genervt*.

Markus Lanz (ZDF): Bodo Ramelow (Linke) entschuldigt sich für Ausraster gegen AfD-Politiker

Nach einer in die Länge gezogenen Diskussion, in der Lanz und Ramelow auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, wird noch einmal das Thema gewechselt. Der ZDF-Moderator lenkt das Gespräch auf einen Vorfall im Thüringer Landtag*. Im Juli 2020 hatte Ramelow dort den AfD-Abgeordneten Stefan Möller den Mittelfinger gezeigt und ihn als „widerlichen Drecksack“ beschimpft. Das war ein Fehler und hätte ihm nicht passieren dürfen, gesteht sich Thüringens Ministerpräsident in der Hamburger Runde ein. Im Gegensatz zu Horst Seehofer, der keine Kritik an seiner Flüchtlingspolitik aufkommen lassen will*.

Sein Ausraster bringt allerdings Konsequenzen mit sich, wie der Linken-Politiker Lanz zu berichten weiß. Ramelow wurde nämlich mittlerweile von Möller angezeigt. Deswegen müsse der 64-Jährige nun genau aufpassen, was er sagt, da die Staatsanwaltschaft fortan ganz genau auf ihn und den Sachverhalt schauen würde. Seine Intention sei es aber, kooperativ mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten.

Wie von 24hamburg.de-MarkusLanz berichtet, hatte auch schon Grünen-Politiker Cem Özdemir ein intensives Streitgespräch mit ZDF-Moderator Markus Lanz geführt*. Grund hierfür waren unterschiedliche Beurteilungen hinsichtlich der Coronavirus-Sars-CoV-2*-Demo in Berlin vom Samstag, 29. August 2020. Und auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach lieferte sich in der Hamburger Talkshow bereits ein Wortgefecht*, das seinesgleichen sucht. * 24hamburg.de, fr.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz/Martin Schutt/dpa

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