Konkurrenz für SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz

Markus Lanz (ZDF): Hamburger TV-Moderator macht Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock zur Bundeskanzlerin

  • Yannick Hanke
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In der Sendung „Markus Lanz“ überwältigt TV-Moderator Markus Lanz die Grünen-Chefin Annalena Baerbock mit einem frechen Vorschlag. Gibt sie in der ZDF-Talkshow zu, dass sie Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) Konkurrenz machen wird?

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Dienstag, 18. August 2020 sind Grünen-Chefin Annalena Baerbock, Ökonom Hans-Werner Sinn, Psychologin Mary L. Trump sowie der langjährige Mannschaftsarzt des FC Bayern München*, Hans-Wilhem Müller-Wohlfahrt, zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Quasi im Zentrum des Geschehens steht bzw. sitzt die Politikerin, die mit dem ZDF-Moderator über mögliche Koalitionspartner und ihr Demokratieverständnis spricht.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Annalena Baerbock
Geboren:15. Dezember 1980 (Alter 39 Jahre), Hannover
Ehepartner:Daniel Holefleisch
Partei:Bündnis 90/Die Grünen
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2013
Wohnsitz:Potsdam
Ausbildung:London School of Economics and Political Science (2004-2005) u.v.m.

Markus Lanz (ZDF): Grünen-Chefin Annalena Baerbock wird von Hamburger Moderator zur Kanzlerkandidatin gemacht

Nach dem Vorgeplänkel mit der Nichte von US-Präsident Donald Trump, im Rahmen dessen die Psychologin einen ziemlich kritischen Blick in die Familiengeschichte der Trumps gewährt, liegt der Fokus klar auf Grünen-Politikerin Annalena Baerbock. Die Bundesvorsitzende der 1980 gegründeten Partei hat bei den Ausführungen über das amerikanische Staatsoberhaupt genau zugehört. Sie sei froh, dass man in einer „gefestigten Demokratie“ leben könne, vor allem im Vergleich zu den USA.

Markus Lanz (ZDF): Grünen-Politikerin Annalena Baerbock redet im Rahmen der Talkshow über Olaf Scholz, Friedrich Merz und ihre eigene Partei. (Screenshot)

„Trotz aller Meinungsverschiedenheiten in unserem Land, sollte man sich immer wieder vor Augen führen, was für ein Segen das ist, in so einer stabilen Demokratie leben zu dürfen“, führt die 39-Jährige aus. Im Folgenden wird die gebürtige Hannoveranerin von ZDF-Moderator Markus Lanz gefragt, was sie denn von Olaf Scholz* halten würde. Wie von 24hamburg.de-Politik berichtet, wurde der SPD-Mann und Ex-Bürgermeister Hamburgs am Montag, 10. August 2020 von den Vorsitzenden seiner Partei als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2021 nominiert*.

Doch zurück zu Baerbock. Die Grünen-Politikerin habe sich mit ihm schon „viel über Finanzpolitik unterhalten. Er ist sehr sympathisch, aber manche Teile von seinen Politikvorschlägen finde ich falsch. Zum Beispiel, dass das Ökologische komplett hinten runterfällt“. Ob denn eine Koalition mit den Sozialdemokraten möglich wäre, möchte Lanz daraufhin wissen. „Die SPD hat für sich entschieden, dass sie nun Klarheit schaffen müssen. Wir als Grüne sind mit unserer Doppelspitze, also mit Robert Habeck und mir, in den letzten beiden Jahren sehr klar gewesen. Deswegen beginnt für uns jetzt, dreizehn Monate vor der Bundestagswahl, noch nicht der Wahlkampf“, merkt Baerbock an.

ZDF-Moderator Markus Lanz (vorne) konfrontierte Grünen-Chefin Annalena Baerbock mit den Aussagen von CDU-Politiker Friedrich Merz – und dessen grünen Anzug. (Screenshot)

Sie hofft, dass „wir mehr Wähler haben als SPD-Mitglieder in diesem Land“. Dann sagt die 39-Jährige, dass sie „ja mal etwas erzählen“ kann. Damit ist der Punkt erreicht, an dem Markus Lanz aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt und aus seinem Stuhl förmlich nach vorne schießt. „Auch wir setzen uns zusammen, haben innerparteilich gesprochen, über unsere Strategie geredet und sind zu dem Entschluss gekommen: wir dackeln nicht anderen hinterher. Wir machen jetzt kein Brimborium, nur weil die SPD eines gemacht hat. Wir fahren unseren Kurs, gemeinsam in einer Doppelspitze, und führen anders als andere Parteien“, redet sich die Politikerin in einen Rausch.

Markus Lanz (ZDF): Grünen-Politikerin Baerbock hat keine Angst vor SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz

Annalena Baerbock würde sich nicht nur nach Umfragewerten richten und hätte keine Angst davor, dass die SPD durch Olaf Scholz nochmal einen zusätzlichen Schub erhält. Sie wolle Menschen nämlich davon überzeugen, „wofür grüne Politik steht“. Der Moderator lässt aber nicht locker und will aus der 39-Jährigen eine Aussage hinsichtlich möglicher Koalitionspartner herauskitzeln. Klappt nur nicht, tritt die Politikerin doch zu souverän und routiniert auf. Auf „Farbenspiele“ möchte sie sich nämlich nicht einlassen. Im Gegensatz zu Peter Tschentscher (SPD), der Koalitionen nicht ausschließt*.

Dann entwickelt der Hamburger Talkmaster eine neue Strategie. Er zeigt seinen Gästen Ausschnitte der Sendung vom Dienstag, 30. Juni 2020. In dieser Ausgabe hatten sich der CDUler Friedrich Merz und Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer heftigst gefetzt*. Aufgehangen hatte sich Markus Lanz vor allem an einem Foto des Politikers in einem dunkelgrünen Anzug mitsamt passender Krawatte. Ob dies als Zeichen hinsichtlich einer anstehenden Koalition zu deuten wäre, wollte Markus Lanz damals wissen. Das wurde vom Politiker gekonnt abgewehrt bzw. ignoriert, der verlauten ließ: „Wir dürfen das Thema Ökologie nicht den Grünen überlassen“.

Hierzu soll sich, na klar, Baerbock äußern. „Er wusste zu glauben, dass wir dem Kohleausstiegsgesetz zustimmen. Ich habe aber eine vehemente Rede gehalten, warum wir diesem Gesetz leider nicht zustimmen können“, antwortet die 39-Jährige recht diplomatisch und bezichtigt Merz nicht direkt einer Falschaussage. In der Diskussion, wer denn Kanzlerkandidat der Grünen werden könnte, eiert die Politikerin herum und möchte sich auf keinen Namen festlegen. Muss sie auch nicht, dafür gibt es schließlich den Hamburger Moderator. Der auch gerne mal hitzig mit Cem Özdemir (Grünen) diskutiert*. Oder weitaus gelassener Wolfgang Schäuble (CDU) zum Plausch bietet*.

„Wenn für alle anderen Parteien Männer antreten, dann müssen Sie für die Grünen antreten. Allein schon aus feministischen Gründen. Oder?“, macht Lanz der Grünen-Chefin einen gar nicht mal so abwegigen Vorschlag. Nach einer kurzen Denkpause entgegnet diese: „Ist eine Theorie, ja. Und Theorien sind immer denkbar“. Albert Einstein wäre stolz auf die Hannoveranerin gewesen. Doch zurück zum „Ernst der Lage“, wie Baerbock es formuliert.

Markus Lanz (ZDF): Annalena Baerbock (Die Grünen) appelliert an Verantwortung der „demokratischen Parteien“

Sie betont, dass die Grünen Koalitionen mit anderen, demokratischen Parteien grundsätzlich nicht ausschließen würden. „Man muss sich aber auch vor Augen führen: Vor einem halben Jahr standen wir in Thüringen kurz davor, dass ein Nazi, der nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht, in einem unserer Bundesländer zum Ministerpräsidenten gewählt wird*.

Dieser Moment hat mich erschüttert und hat uns als Partei wachgerüttelt. Wir als Spitzenpolitiker haben einfach eine Verantwortung. Denn es gibt Momente, in denen müssen demokratische Parteien zusammenstehen“, wird Baerbock sehr deutlich und wirkt dabei ziemlich entschlossen. Wie auch SPD-Politiker Stephan Weil, der eine Maskenpflicht in Schulen einführt*.

Ähnlich hätte sich SPD-Gesundheitsökonom Karl Lauterbach bei Markus Lanz präsentiert, der mit den aktuellen Coronavirus-Sars-CoV-2-Regelungen hart und vernichtend ins Gericht entging*. Entspannter zeigte sich sein Parteikollege Norbert Walter-Borjans, der die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz verteidigen musste*. Jedoch nicht nur in der Hamburger Runde, sondern auch im ZDF-Polit-MagazinBerlin direkt*“. Dort sympathisierte der 67-Jährige mit einer Koalition mit der Linkspartei*. Übrigens: am Sonntag, 23. August 2020 ab 19:10 Uhr ist auch Annalena Baerbock im ZDF-Sommerinterview zu sehen. * 24hamburg.de, fr.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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