Pandemie-Debatte

Markus Lanz (ZDF): Lockdown – Haseloff zieht über Merkel her

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Lockerung statt Lockdown: Bei Markus Lanz wird über Kanzlerin Angela Merkel gelästert. Stellvertretend für die Ministerpräsidenten übt Reiner Haseloff Kritik.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Dienstag, 17. November 2020, sind Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, Journalistin Dagmar Rosenfeld, Virologin Helga Rübsamen-Schaeff sowie Polarforscher Markus Rex zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Vor allem CDU-Politiker Reiner Haseloff steht im Fokus und zeigt sich über eine Aktion von Kanzlerin Angela Merkel mehr als verärgert.

Präsident des Bundesrates:Reiner Haseloff
Geboren:19. Februar 1954, Bülzig, Zahna-Elster
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands
Amt:Präsident des Bundesrates seit 2020
Ausbildung:Technische Universität Dresden, Humboldt-Universität zu Berlin

Markus Lanz (ZDF): Sachsen-Anhalts Ministerpräsident muss Rede und Antwort stehen

Reiner Haseloff ist seit April 2011 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Der heute 66-Jährige stammt aus Ostdeutschland und setzt sich stark für die Belange der Menschen in seinem Bundesland ein. Ihr Wohlergehen liegt dem CDU-Mann am Herzen. Dementsprechend war Haseloff auch Feuer und Flamme, als es am Montag, 16. November 2020, darum ging, über neue Beschlüsse hinsichtlich des Umgangs mit dem Coronavirus zu diskutieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) kritisiert. (24hamburg.de-Montage)

Das Ergebnis der Beratung zwischen den 16 Länderchefs und Kanzlerin Angela Merkel kam jedoch einer hitzigen Debatte gleich. Eine Entscheidung über weitere gesetzliche Maßnahmen wurde vertagt, planmäßig soll sich am 25. November 2020 erneut getroffen werden. Diese Besprechung lässt auch ZDF-Moderator Markus Lanz nicht kalt, sie steht auf seiner imaginären Liste an Tagesordnungspunkten ganz oben. Mittendrin statt nur dabei: Reiner Haseloff.

Angela Merkel im Kreuzfeuer der Kritik – CDU-Politiker bemängelt Timing

„Routineveranstaltung oder routinierter Krawall – was war das?“, möchte Markus Lanz direkt vom Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts wissen. Haseloff möchte zunächst einmal nur von einer routinemäßigen Sitzung sprechen. Das gefällt dem Hamburger* Talkmaster aber nicht, der mehr aus seinem Gegenüber herauskitzeln will. „Was hat Sie am meisten genervt, Herr Haseloff? Wir können offen reden“, heißt es vom Moderator.

Die Antwort des CDU-Politikers: „Mich hat eigentlich nur eine Sache genervt, dass das Papier des Bundeskanzleramtes zu spät gekommen ist. Da lag ich schon im Bett und hab geschlafen, das kam kurz vor Mitternacht“. Eine Aussage, die Journalistin Dagmar Rosenfeld auf den Plan ruft. Ihrer Ansicht nach habe sich mit der Vorlage dieses Papiers die Reihenfolge verkehrt. Denn eigentlich lege es im Zuständigkeitsbereich der Ministerpräsidenten, ein solches Dokument auszuarbeiten.

Markus Lanz (ZDF): Reiner Haseloff (CDU) unzufrieden – „Konfrontation ist enstanden“

„Und dann kommt eben kurz vor Mitternacht das Papier, in dem verschiedene Maßnahmen aufgeführt sind, die offenbar jeden Ministerpräsidenten überrascht haben. Im CDU-Präsidium muss es morgens schon heiß hergegangen sein“, mutmaßt Rosenfeld. Das muss Haseloff relativieren: „Es handelt sich hier um die Exekutierung eines Bundesgesetzes. Das Infektionsschutzgesetz ist ein Bundesgesetz. Deswegen ist klar, dass bei der Exekutierung dieses Gesetzes die Bundesregierung das Prä hat, Vorschläge zu machen“.

Dennoch kann sich der 66-Jährige Kritik nicht verkneifen: „Aber wir hatten vereinbart, dass wir das gemeinsam machen wollten. Und dieses Papier kam sehr spät und deswegen war es sozusagen eine gewisse Konfrontation, die da entstanden ist“. Nun hat die Diskussion an Fahrt aufgenommen und den Ton erreicht, den Lanz bevorzugt. „Dieser Vorgang, das ist doch ein harter Affront: Sie liegen schon im Bett und dann kommt dieses Ding und wird gleichzeitig auch an die Presse durchgesteckt. Also Frau Rosenfeld wusste das im Zweifel sogar noch früher“, merkt der Moderator an.

Markus Lanz (ZDF): Gibt es einen Maulwurf unter den Länderchefs?

Damit legt Lanz den sprichwörtlichen Finger tief in die noch frische, längst nicht verheilte Wunde. Denn noch bevor die 16 Länderchefs das besagte Papier des Bundeskanzleramtes zu sehen bekamen, wurde morgen im Radio fleißig aus diesem Dokument zitiert. „Wer twittert am meisten aus diesen Runden?“, fragt der Talkmaster Reiner Haseloff und will einen vermeintlichen Maulwurf unter den Ministerpräsidenten entlarven.

„Wir Kollegen sehen uns ja auf den Bildschirmen. Es ist möglicherweise jemand aus dem Apparat. Ich weiß nicht, welche Lücken da noch sind. Letztlich wäre es auch egal, wenn wir kulturvoll miteinander umgehen“ sagt der CDU-Mann. Kurze Pause, dann fragt Lanz ganz spitz: „Haben Sie schon einmal eine SMS aus einer solchen Sitzung herausgeschickt?“. Wie aus der Pistole geschossen heißt es lediglich „Nein“ von Haseloff. Mit Sicherheit nicht die Antwort, die sich Markus Lanz erhofft hatte.

Streit in Hamburger Talkshow – ZDF-Moderator Lanz legt sich mit Journalistin an

Egal, Mund abputzen, weitermachen und hartnäckig am Ball bleiben. An dieser Stelle ändert der ZDF-Moderator seine Taktik radikal. „Wir haben hier die einmalige Situation: Sie kommen aus einer Runde, aus der SMS geschickt werden und hier sitzt jemand, der sie kriegt“, heißt es in Richtung von Haseloff. Der wiederum richtet seinen Blick gen Rosenfeld und fragt: „Wer schickt sie Ihnen?“. Darauf möchte die Journalistin nicht eingehen und beruft sich auf den „Quellenschutz“.

„Finden Sie gut, dass Sie diese SMS kriegen?“, möchte Lanz daraufhin von Rosenfeld wissen, die mit „einer Form von Transparenz“ argumentiert und sich damit auf die unmittelbare Weitergabe von Informationen bezieht. Das kann der aufgebrachte Talkmaster nicht gutheißen: „Transparenz, also entschuldige, dann kann man es ja gleich öffentlich machen. Nicht ablenken, Frau Rosenfeld“. Auf einen gemeinsamen Nenner kommen die beiden an diesem Abend nicht mehr. Ähnlich hitzig hatte Lanz übrigens mit einem Donald Trump-Fan diskutiert*. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa-pool & Klaus-Dietmar Gabbert/dpa & Bernd von Jutrczenka/dpa

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