Lockdown in Warendorf

Markus Lanz (ZDF) – CDU-Politiker Gericke will Schalke-Boss blechen lassen: „Die Rechnung schicke ich Herrn Tönnies“

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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In der neuesten Markus Lanz-Ausgabe (ZDF) liefert CDU-Politiker Olaf Gericke Eindrücke aus erster Hand. Der 54-Jährige ist Landrat des Kreises Warendorf, der sich mit einem Lockdown konfrontiert sieht.

  • Markus Lanz*: Talk über Lockdown in Gütersloh und Warendorf.
  • Landrat Gericke bittet Clemens Tönnies zur Kasse.
  • Virologe Kekulé warnt vor nächster Infektionswelle.

Hamburg/Altona - In der Markus Lanz-Ausgabe vom Mittwoch, 24. Juni 2020 sind die Politiker Helge Braun und Olaf Gericke (beide CDU), Virologe Alexander Kekulé, die Juristin Sandra Navidi sowie die Journalisten Robin Alexander und Elmar Theveßen zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus steht erneut die Debatte um Schalke-Boss Clemens Tönnies und die Lockdowns in Gütersloh und im Kreis Warendorf, Resultat von Coronavirus-Sars-CoV-2*-Ausbrüchen in Schlachbetrieben.

Politiker:Olaf Gericke
Geboren:28. Mai 1966 (Alter 54 Jahre), Münster
Partei:Christlich Demokratisch Union Deutschlands
Bücher:Möglichkeiten und Grenzen eines Abbaus der Verrechtlichung: eine kritische Analyse von Gesetzgebung und Gesetzgebungslehre

Markus Lanz (ZDF): Coronavirus-Sars-CoV-2-Lockdown in Warendorf - CDU-Politiker Olaf Gericke schildert Hamburger Runde seine Eindrücke

Wie groß ist die Wut? Eine Frage, mit der die ZDF-Talkshow beginnt und mit der Moderator Markus Lanz den zugeschalteten Olaf Gericke konfrontiert. Der 54-Jährige ist Kommunalpolitiker und Landrat des Kreises Warendorf im östlichen Münsterland. Er bezieht Stellung zum Lockdown des Landkreises* und die damit verbundenen Folgen. Verpatzte Urlaubsreisen, ruinierte Vorzeigezahlen, prekäre bis hin zu skandalöse Verhältnisse in der Fleischindustrie - es gibt viel zu diskutieren.

Gericke berichtet davon, wie schwierig es sei, die Mitarbeiter der Fleischfabrik ausfindig zu machen, die nur temporär im Kreis Warendorf untergebracht waren. Clemens Tönnies, Unternehmer und Aufsichtsratsvorsitzender vom FC Schalke 04, soll große Probleme gehabt haben, dem zuständigen Gesundheitsamt Namen und Anschriften der betroffenen Mitarbeiter zu geben. Doch sei dies immens wichtig, um einerseits eine Quarantäne durchzusetzen und andererseits Kontakte nachverfolgen zu können.

„Eine Firma, die sich vor wenigen Wochen noch gerühmt hat, alles im Griff zu haben, hat es leider versäumt, in der Hauptverwaltung eine Liste zu haben, auf der steht, wer wo wohnt“, bilanziert der CDU-Politiker. Es habe Verzögerungen gegeben und schlussendlich habe das Gesundheitsamt mit mehr als fünf verschiedenen Listen arbeiten müssen, die teils lückenhaft daherkamen. „Das ist ein großer Scherbenhaufen, den Tönnies da angerichtet hat“, gibt sich der 54-Jährige knallhart gegenüber dem Fleisch-Mogul.

Im Folgenden berichtet Gericke über die speziellen Versorgungsmaßnahmen, um die Tönnies-Mitarbeiter mit Lebensmitteln zu versorgen. Städte, Gemeinden, Hilfsorganisationen und Bezahldienste würden gemeinsam Soforthilfe leisten und die Infizierten in ihren Unterkünften mit Essen und Trinken beliefern - „was Tönnies und die Subunternehmer nicht machen, obwohl sie es versprochen haben“. Ähnlich kritisch hatte sich bereits Grünen-Politiker Anton Hofreiter in der Hamburger Runde* geäußert.

Markus Lanz (ZDF): „Die große Rechnung werde ich Herrn Tönnies schicken“ - CDU-Politiker Gericke bittet Schalke-Boss zur Kasse

Doch der Kommunalpolitiker ist noch nicht fertig. Er fordert, dass der skandalöse Schlachthof die Lebensmittelversorgung übernehmen, für Transparenz bei Namen und Adressen sorgen sowie das gesamte Testen im Kreis Warendorf übernehmen soll. Im Landkreis hätte dies bereits auf Eigenkosten begonnen, damit der Wettlauf gegen die Zeit nicht chancenlos wird, denn: am Freitag, 26. Juni würden bereits die Sommerferien beginnen. „Aber die große Rechnung werde ich Herrn Tönnies schicken“, kündigt Gericke vollmundig an.

Die eingangs thematisierte Frage nach der Wut greift der CDUler nun auf. Diese sei jedoch nicht das Produkt von geplatzten Urlauben, sondern resultiere vielmehr aus der gravierenden Ungerechtigkeit. Gemeint ist hiermit, dass der Kreis Warendorf nur unterdurchschnittliche Infektionszahlen aufwies, ehe es zum Coronavirus-Sars-CoV-2-Ausbruch in Schlachtbetrieben von Tönnies gekommen ist. Die Einwohner hätten alle Regeln beachtet und alles dafür getan, dass alle gesund bleiben - vergebliche Liebesmüh, kann im Nachhinein festgestellt werden. Denn all die Anstrengungen wurden von Tönnies konterkariert.

Olaf Gericke ist CDU-Kommunalpolitiker im Kreis Warendorf. In der Sendung von Markus Lanz (CDU) schießt er scharf gegen Clemens Tönnies. (24hamburg.de-Montage)

Oder wie es von Gericke heißt: Es kommt eine Firma und schlampt, dass die Tassen klirren, aber die Suppe müssen andere auslöffeln. Damit hat es sich für den CDU-Politiker und die auch physisch anwesenden Gäste von ZDF-Moderator Markus Lanz dürfen sich an der Diskussion beteiligen. Der gebürtige Italiener kann es sich nicht nehmen lassen, einen Auftritt Armin Laschets Anfang Mai in der Talkshow* einzublenden, bei dem sich der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens hinsichtlich eines Lockdowns äußert. In der Gegenwart darf Kanzleramts-Chef Helge Braun von der CDU reden.

Ihm zufolge hätte es die Fleischindustrie zehn Jahre lang mit Selbstverpflichtungen versucht, nun sei es genug. „Diese größeren Ausbrüche haben jetzt gezeigt: In dem Moment, wo man dem Virus eine Chance gibt, schlägt es auch wieder zu“, lässt der 47-Jährige verlauten. Die Infektionszahlen müssten niedrig bleiben - aus vielerlei Gründen. Zum einen, um Erkrankungen und gar Todesfälle zu vermeiden. Zum anderen, damit die Wirtschaft sich erholen und die soziale Lage sich entspannen können. „Deshalb glaube ich, ist die Aufgabe jetzt wirklich, jeden lokalen Ausbruch sehr, sehr genau und sehr schnell zu beantworten, aber auch nicht zu sorglos zu werden", sagt Braun.

Markus Lanz (ZDF): Coronavirus als Teil des Alltags - Virologe Kekulé kündigt zweite Infektionswelle an

Er begrüßt die regionalen Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die nach dem Coronavirus-Sars-CoV-2-Ausbruch in den Betrieben von Clemens Tönnies vorgenommen wurden. Braun nennt es ein „sehr verantwortungsvolles Vorgehen“ und sieht darin auch die Möglichkeit, sich Zeit zu verschaffen. Für etwas mehr Komplexität bei Markus Lanz sorgt dann Virologe Alexander Kekulé. Er verweist darauf, dass Peking bei 150 Infizierten die gesamte Stadt abgeriegelt hat, Gütersloh hingegen bei 600 Fällen das Geschehen zunächst einmal zaghaft beobachten will. 50 Einzelfälle seien teilweise schwerer zu verfolgen als 500 Mitarbeiter, insofern diese alle auffindbar und simpel zu isolieren sind.

Zudem mahnt Kekulé vor einer zweiten Infektionswelle und prognostiziert Ausbrüche dieser Art spätestens für den Herbst. Eine Realität, mit der es sich zu arrangieren gilt. Schon Virologe Hendrik Streeck hatte in der ZDF-Talkshow ähnliches beschrieben und die Pandemie als endemisch bezeichnet*. Das bedeutet, sie wird Teil unseres Alltags werden. Alltag, zumindest in der Sendung von Markus Lanz, ist mittlerweile auch, dass sich der Hamburger* mit Politikern anlegt. Nur wird er nicht immer so unterhaltsam gekontert wie vom Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert (SPD), der den Moderator als Kanzlerkandidat* ins Spiel brachte. Würde es dann erst so richtig um die Wurst gehen? // Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz * 24hamburg.de und wa.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Screenshot/ZDF Mediathek/Markus Lanz, Marcel Kusch/dpa/picture alliance

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