Coronavirus-Demo in Berlin

Markus Lanz (ZDF): Wolfgang Schäuble (CDU) verurteilt Berliner Corona-Proteste vor Reichstag – „es ist eine Schande“

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
    schließen

CDU-Politiker Wolfgang Schäuble spricht in der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz über seine bewegte Vita. Zudem verurteilt er die Reichskriegsflagge vorm Parlament in Berlin als „Schande“.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Mittwoch, 2. September 2020 ist lediglich CDU-Politiker Wolfgang Schäuble zu Gast. Der Präsident des Deutschen Bundestages spricht in der ZDF*-Talkshow über seine bewegte Vita. Es geht um das Attentat auf seine Person, seine einstigen Ambitionen auf das Bundeskanzleramt, aber auch um die Coronavirus-Sars-CoV-2-Demonstration in Berlin vom Samstag, 29. August 2020*.

Präsident des Deutschen Bundestages:Wolfgang Schäuble
Geboren:18. September 1942 (Alter 77 Jahre), Freiburg im Breisgau
Ehepartnerin:Ingeborg Schäuble (verh. 1969)
Amt:Präsident des Deutschen Bundestages seit 2017
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands
Kinder:Christine Strobl, Anna Schäuble, Juliane Schäuble, Hans-Jörg Schäuble

Markus Lanz (ZDF): Wolfgang Schäuble (CDU) nennt Reichstagsflagge vor Parlament eine „Schande“

ZDF-Moderator Markus Lanz konfrontiert Wolfgang Schäuble zunächst einmal mit den Bildern der Demonstrationen in Berlin vom Samstag, 29. August 2020. Diese Demo fand als Protest gegen die Coronavirus-Sars-CoV-2*-Maßnahmen statt und bot 300 bis 400 Personen die Gelegenheit, sich vor dem Besuchereingang des Reichstagsgebäudes zu formieren und lautstark rechtsradikale Parolen zu skandieren. Der CDU-Politiker bezeichnet das Vorgehen der „Neonazis“ als „verabscheuungswürdig“ und merkt an, dass sich bei großen Demonstrationen auch immer Extremisten in der breiten Masse wiederfinden würden.

Markus Lanz (ZDF): CDU-Politiker Wolfgang Schäuble echauffiert sich in der Hamburger Talkshow über die Berliner Proteste vor dem Reichstag vom Samstag, 29. August 2020.

Der Protestmarsch bestand laut Angaben der Polizei aus bis zu 38.000 Personen und wurde in der Hamburger* Runde von Markus Lanz bereits von Grünen-Politiker Cem Özdemir kritisiert. Wie von 24hamburg.de-MarkusLanz berichtet, zeigte sich der 54-Jährige gnadenlos und forderte „keine Toleranz“ für antisemitische Coronavirus-Demonstranten*. Doch zurück zu Wolfgang Schäuble, dem Präsidenten des Deutschen Bundestages. Für ihn sei am Samstag, 29. August 2020 „der Rahmen gesprengt“ worden, die Reichskriegsflagge vor dem Parlament bezeichnet er schlichtweg als „Schande“.

Wie mit solchen „Covidioten“ umzugehen sei, möchte der Hamburger Talkmaster daraufhin von Wolfgang Schäuble erfahren. Zuvor werden verbale Entgleisungen und das Bespucken gegen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gezeigt, der sich mit Markus Lanz ein Wortgefecht aufgrund mangelhafter Dynamik bei der Beschaffung von Mund-Nasen-Schutz-Masken für Deutschland geliefert hatte*.

CDU-Politiker Wolfgang Schäuble ist als Bundestagspräsident qua Statuten die zweitmächtigste Person in der Bundesrepublik Deutschland.

Für den Moderator stehen die Beschimpfungen gegen Jens Spahn* exemplarisch für ein Missverhältnis, das zwischen Wählern und Politikern existieren würde. „Wir haben in den öffentlichen Debatten aus vielen Gründen eine Enthemmung. Das mag auch mit den sozialen Netzwerken zusammenhängen. Aber ausgepfiffen, angeschrien, beleidigt, bespuckt worden – das haben wir alles schon erlebt. Das gab es auch schon früher“, merkt Schäuble an.

Markus Lanz (ZDF): Scheiterte Wolfgang Schäubles (CDU) Kanzlerkandidatur am Rollstuhl?

Dennoch möchte der 77-Jährige diese Problematik auch nicht kleiner reden, als sie ist. „Die Lügen verbreiten sich im Netz schneller als die realen Informationen. Und das glauben dann die Menschen. Das ist alles nicht schön“, führt Wolfgang Schäuble aus. Schnell kommen die beiden Männer auch auf die Einschränkungen der Grundrechte zu sprechen, die seit Monaten kontrovers diskutiert werden. Eine Notwendigkeit, die das Coronavirus-Sars-CoV-2 erforderlich macht, um die Ansteckungsgefahr und letztendlich auch die Mortalitätsrate zu reduzieren. Ähnlich argumentiert auch Peter Tschentscher (SPD) in der Hamburger Runde von Markus Lanz*.

„Der Mensch kann nur mit Grenzen leben, ohne kommt er irgendwo nicht zurande“, heißt es zunächst einmal vom CDU-Politiker. Schäuble gibt zu bedenken, dass viele Aspekte bzw. Faktoren miteinander abgeglichen werden müssen. Senioren, die vereinsamt im Altersheim sterben müssen, da sie keinen Besuch mehr empfangen dürfen, Kinder, die in zerrütteten Verhältnissen aufwachsen oder auch die Industrie, die Milliardenverluste einfährt – all dies gelte es zu berücksichtigen, wenn einschneidende Entscheidungen getroffen werden. Sieht Peter Altmaier (CDU) in der ZDF-Talkshow so ähnlich*.

Nichts Neues, aber auch nichts, was der Unwahrheit entspricht. Doch soll es in der neuesten Ausgabe der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz nicht ausschließlich um die Pandemie gehen. Natürlich kommt auch der ereignisreichen Vita von Wolfgang Schäuble eine große Rolle zu, der unter anderem über seine Beziehung zur gebürtigen Hamburgerin Angela Merkel* spricht. Die heutige Bundeskanzlerin wurde auf den Vorschlag vom damaligen Bundesvorsitzen der CDU, Wolfgang Schäuble, 1998 zur Generalsekretärin der Partei gewählt.

Der 77-Jährige bescheinigt Merkel, dass sie „ihren Weg gegangen“ ist. Ob er aber nicht auch mal Ambitionen auf das Amt des Bundeskanzlers gehabt hätte, möchte Markus Lanz daraufhin von Wolfgang Schäuble wissen. Ganz der Profi sagt er: „Wer sich in der Politik engagiert, möchte auch vorankommen. Aber wenn sie im Rollstuhl sitzen, muss man sich das zweimal überlegen“. Dies begründet der CDU-Politiker unter anderem mit einer anderen Form der Kommunikation. Zur Einordnung: Seit einem Attentat von 1990 ist Schäuble querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen.

Markus Lanz (ZDF): Wolfgang Schäuble spricht über Attentat auf ihn – „man muss das nicht so überhöhen“

Im Folgenden wird über den ehemaligen CDU-Kanzler Helmut Kohl, die fast schon legendäre Spendenaffäre der Partei und Staatsbesuche von DDR-Oberen in der Bundesrepublik gesprochen. Denn Wolfgang Schäuble sei „ein Stück Zeitgeschichte“, merkt ZDF-Moderator Markus Lanz. Dementsprechend soll sein Gast einen historischen Abriss geben und detailliert Quoten-bringende Anekdoten zum Besten geben. Das lässt sich 77-Jährige auch nicht nehmen und schildert nicht zuletzt, wie er den Empfang von DDR-Politiker Erich Honecker in der BRD vorbereitete.

Das bereits erwähnte Attentat auf Wolfgang Schäuble wird aber auch noch einmal zum Thema. Ziemlich fesselnd erzählt der Präsident des Deutschen Bundestages vom 12. Oktober 1990, dem Tag, der sein Leben für immer verändern sollte. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Oppenau (Schwarzwald) wurde der damals 48-Jährige durch zwei Schüsse schwer verletzt. Den Tag habe der Politiker noch immer „gut in Erinnerung. Ich bin so herausgegangen und da macht es auf einmal Knall [...] Dann setzt meine Erinnerung fünf Tage lang aus. So geht es. Von einer Sekunde auf die andere ist es eine andere Welt, das ist menschliches Leben“.

Neun Tage zuvor, am 3. Oktober 1990, dem Tag der Wiedervereinigung, habe Schäuble noch den „politischen Höhepunkt“ seines Lebens gefeiert. Doch könne sich das Blatt auch schnell wenden, wie der 77-Jährige anmerkt. Als er auf seine Frau angesprochen wird, fällt es Schäuble sichtlich schwer, die Fassung zu wahren. Sie hätte schwer mit seinem Schicksal zu kämpfen gehabt. Der CDU-Politiker wiederum betont gegenüber Markus Lanz mehrmals, dass auch andere es schwer hätten und er trotz der Geschehnisse ein hohes Alter erreicht habe. Ähnlich wie CDU-Mann Herbert Kreul, der die Integration türkischer Mitbürger kritisiert*.

„Man muss das nicht so überhöhen“, heißt es von Wolfgang Schäuble. Er sei vielmehr glücklich darüber, dass er noch immer einen Beruf ausüben kann und darf, den er mit so viel Leidenschaft ausführt. Denn die Arbeit habe ihm „unheimlich geholfen“. Der ZDF-Moderator kommt aber nicht drumherum, den 77-Jährigen zu fragen, ob er den nie mit seinem Schicksal gehadert hätte. „Doch, natürlich“, heißt es vom Politiker. „Aber es nützt auch nichts“. Letztendlich sei er ein Mensch, der gut verdrängen könne. Und der durch das Attentat kein besserer Mensch geworden sein – aber eben auch kein schlechterer. Wie auch Linken-Politiker Bodo Ramelow, der sich für einen Fehler entschuldigt hat*. Weniger einsichtig zeigt sich Horst Seehofer (CSU) hinsichtlich seiner Flüchtlingspolitik*. * 24hamburg.de, fr.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

Kommentare