Tourismus an Nord- und Ostsee

Markus Lanz (ZDF): Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) leugnet Coronavirus-Verstöße an Nordsee und Ostsee (Timmendorfer Strand)

  • Yannick Hanke
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ZDF-Moderator Markus Lanz diskutiert wieder über das Coronavirus-Sars-CoV-2 und seine Folgen für die deutsche Gesellschaft und Wirtschaft. Der Hamburger TV-Talkmaster spricht mit ehemaliger Infizierten und nimmt CDU-Politiker Daniel Günther für seine Sichtweisen in die Mangel. Wie sind die Coronavirus-Zustände an Nordsee und Ostsee wirklich?

Hamburg Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Mittwoch, 12. August 2020 sind ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen, Daniel Günther, Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Digital-Epidemiologe Dirk Brockmann und Susanne Herpold zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Letztere war eine der ersten Deutschen, die am Coronavirus-Sars-CoV-2 erkrankte. Die Pandemie soll auch im Fokus der Talkshow stehen, speziell CDU-Politiker Günther muss Rede und Antwort stehen.

Mitglied des Bundesrates:Daniel Günther
Geboren:24. Juli 1973 (Alter 47 Jahre), Kiel
Ehepartnerin:Anke Günther
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands
Amt:Mitglied des Bundesrates seit 2017
Kinder:Frieda Günther, Luise Günther
Ausbildung:Jungmannschule (1993), Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Markus Lanz (ZDF): Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) muss sich im Hamburger TV-Studio für seine Coronavirus-Sars-CoV-2-Politik verantworten

Die Sendung startet mit dem US-Korrespondenten des ZDFs, Elmar Theveßen. Dieser wird in aller Regelmäßigkeit zugeschaltet und berichtet über das politische Geschehen in Amerika rund um US-Präsident Donald Trump. Der Journalist spricht dieses Mal über die Hintergründe und Reaktionen auf die Kandidatur von Kamala Harris als US-Vizepräsidentin der Demokraten*. Ein lockerer Einstieg in die neueste Ausgabe der Talkshow vom Hamburger* Moderator Markus Lanz.

CDU-Politiker Daniel Günther ist Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und spricht im Rahmen der ZDF-Talkshow von Markus Lanz über das Coronavirus-Sars-CoV-2. (Screenshot)

Die Highlights sollen jedoch andere Gäste bieten, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident und CDU-Politiker Daniel Günther wird in die Ecke getrieben. Oder besser gesagt: Es bleibt beim Versuch von Lanz, der sich gewohnt kritisch zeigt und die Intention hat, dass sich der politische Amtsträger um Kopf und Kragen redet. Der Moderator möchte beispielsweise wissen, ob es korrekt war, Einwohnern von Altenheimen den Besuch ihrer Angehörigen zu verbieten.

Es sei sicher hart gewesen, „die Phase, in der keine Besuche erlaubt waren, war extrem. Das hat mit Sicherheit auch für Schäden auf anderen Ebenen gesorgt“, heißt es vom Politiker. Er gibt jedoch auch zu Bedenken, dass die gesundheitlich Unversehrtheit der Risikopatienten an erste Stelle stehe und dementsprechend schnell und drastisch reagiert werden musste. Wie sich solch eine Coronavirus-Sars-CoV-2-Erkrankung anfühlt, weiß Susanne Herpold zu berichten.

CDU-Politiker Daniel Günther ist Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und muss sich für seinen Umgang mit Coronavirus-Sars-CoV-2 verantworten.

Das Schicksal der 54-Jährigen ging durch die hiesigen Medien, die Hannoveranerin wurde bereits von RTL und „Welt“ interviewt. Was war geschehen? Nach einem Skiurlaub in Ischgl* erkrankte ihre ganze Familie im März 2020 an dem Virus. „Ich wollte eigentlich getestet werden, aber mein Hausarzt sagte mir, dass Ischgl nicht als Krisengebiet zählt", erzählt Herpold in der Hamburger Runde von Markus Lanz.

Markus Lanz (ZDF): Ehemalige Coronavirus-Sars-CoV-2-Patientin spricht über ihre Leidenszeit – zwei Wochen künstliches Komma schockieren Hamburger Moderator

Auch vom Gesundheitsamt hätte sie damals nur Ablehnung erfahren. Deswegen ergriff die Norddeutsche die Initiative, rief erneut ihren Hausarzt an und setzte diesen unter Druck. Entweder sie bekomme einen Test, oder sie werde sich hustend in das Wartezimmer seiner Praxis setzen. Das zeigte Wirkung und Herpold wurde getestet. Das Ergebnis fiel positiv aus, damit begann ihre Leidenszeit.

Die Hannoveranerin habe acht Tage nur zu Hause gelegen, hatte mit trockenem Husten zu kämpfen, ehe sie von Rettungssanitätern in gelben Schutzanzügen abgeholt wurde. Eine Isolationsstation hätte es damals noch nicht gegeben, lässt Herpold in der ZDF-Talkshow wissen. Lanz, ganz der investigative Journalist, möchte an dieser Stelle wissen, wie sich das angefühlt habe. Die knappe, zu erahnende Antwort der ehemaligen Infizierten: „Ja, furchtbar“. Im Krankenhaus sei ihr eines Nachts mitgeteilt worden, dass man sie ins künstliche Koma versetzen werde.

Denn ihre Lunge hätte kurz davor gestanden, zu kollabieren. Der Versuch, sie nach acht Tagen wieder zu wecken, scheiterte und ihre Lunge kollabierte. Die Konsequenz: fünf weitere Tage künstliche Beatmung. Davon zeigt sich der Hamburger Moderator sichtlich ergriffen. Im Folgenden skizziert Herpold ihren Krankenhausaufenthalt etwas detaillierter und gibt Einblicke in diese Zeit. So habe eine Krankenschwester für sie gesungen, eine andere ihr die Haare geflochten. Bei den einfachsten Bewegungen musste ihr geholfen werden, ihre Familie durfte sie aufgrund des Kontaktverbots nicht besuchen.

Als Herpold nach rund zwei Wochen Koma wieder aufwachte, habe ihr ein Arzt mitgeteilt, dass man den Glauben in sie eigentlich schon verloren hatte. In diesem Zeitraum verlor die 54-Jährige acht Kilo Muskelmasse, Automatismen wie der Gang zur Toilette wurden bereits als Erfolge verbucht. Für die Menschen, die sich trotz Coronavirus-Sars-CoV-2 in den Urlaub begeben und sich beispielsweise auf engstem Raum an Nord- und Ostsee tummeln*, hat die Hannoveranerin kein Verständnis. Sie findet, dass die Gefahr der Pandemie und ihre Mortalitätsrate immer noch unterschätzt werden. Deswegen setzt SPD-Politiker Stephan Weil eine Maskenpflicht in deutschen Schulen durch*.

Markus Lanz (ZDF): Armin Laschet (CDU) oder Markus Söder (CSU)? Ministerpräsident Daniel Günther will sich nicht auf besseren Krisenmanager festlegen

Nun ist es an CDU-Politiker Daniel Günther, sich zu den Bildern von Urlaubern an Schleswig-Holsteins Stränden zu äußern. „Wenn man sich die Bilder genauer anguckt, wird ein anderer Schuh daraus. Manches wirkt auf uns psychologisch anders. Ich habe von besorgten Bürgern immer wieder solche Aufnahmen erhalten und mir gedacht: Es ist doch alles in Ordnung, die Leute treffen sich in kleinen Gruppen und halten Abstand“, beginnt der Ministerpräsident seine Ausführung. Ähnlich sieht es auch SPD-Politiker Peter Tschentscher bei Markus Lanz*.

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Die Zahl der täglich gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat den höchsten Wert seit Anfang Mai erreicht. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 1.226 neue Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Höher lag der Wert zuletzt am 09. Mai mit 1.251 registrierten Neuinfektionen. Der Anteil an Kreisen, die keine Neuinfektionen übermittelt haben, sei in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen. "Dieser Trend ist beunruhigend", so das RKI. "Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden." Besonders betroffen seien derzeit Nordrhein-Westfalen und Hamburg, wo ein deutlicher Anstieg auffalle. Mit den Grenzöffnungen sei der Anteil aus dem Ausland eingetragener Infektionen gestiegen, heißt es im aktuellen Situationsbericht des RKI. In der Meldewoche vom 3. bis 9. August habe er bei 31 Prozent gelegen. Am häufigsten seien bei Ansteckungen im Ausland in den vergangenen vier Wochen Länder des Westbalkans, die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Polen und Spanien als wahrscheinlicher Infektionsort genannt worden.

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Er sei den gesamten Timmendorfer Strand abgegangen und hätte ein positives Fazit ziehen können. „Viele Leute auf einem Haufen machen uns mittlerweile Angst. Aber viele Touristen, die nach Schleswig-Holstein kommen, verhalten sich sehr diszipliniert und tragen ihre Masken“, sagt der 47-Jährige. Durch die Menschen, die in sein Bundesland reisen, um Urlaub zu machen, gäbe es so gut wie keine Neuinfektionen. Kann in diesem Moment nicht empirisch belegt werden. Egal, Moderator Markus Lanz redet munter weiter und tastet sich auf der politischen Ebene an seinen Gast heran.

Was bietet sich in diesem Fall besser an als das CDU-Personalkarussell? Der ZDF-Star will Günther darauf festnageln, dass er bekanntermaßen kein Fan von seinem Parteikollegen Friedrich Merz sei. Dieser hatte sich übrigens noch vor der Sommerpause der Talkshow aufs Übelste mit Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer angelegt*. Einer Konfrontation geht der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins hingegen geschickt aus dem Weg. Er möchte sich zu der Personalie nicht äußern und ruft stattdessen dazu auf, dass seine Partei ihre Prioritäten ändern sollte.

Heißt konkret, dass die Personalpolitik hinten angestellt werden soll und vielmehr der adäquate Umgang mit Coronavirus-Sars-CoV-2 auf der politischen Tagesordnung zu stehen habe. So weit, so gut. Aber wer ist denn nun eigentlich der bessere Krisenmanager, CDU-Mann Armin Laschet oder CSU-Vorsitzender Markus Söder*? Das scheint Lanz brennend zu interessieren, er hakt nämlich mehrmals bei Günther nach. Da möchte sich der 47-Jährige nicht festlegen und windet sich geschickt um eine eindeutige Antwort.

Mit Blick auf den Parteivorsitz kann Lanz ihm aber doch noch eine interessante Aussage entlocken. „Ich halte Jens Spahn für ein Riesen-Talent“, lässt der CDU-Politiker verlauten. Ähnlich positiv hatte sich schon der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans über den Kanzlerkandidaten seiner Partei bei Markus Lanz geäußert*.

Die Rede ist von Olaf Scholz*, der am Montag, 10. August 2020 als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten für die Bundestagswahl 2021 bestätigt wurde*. * 24hamburg.de, fr.de, kreiszeitung.de und merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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