Hitzige Migrationsdebatte

Markus Lanz (ZDF): Herbert Reul (CDU) verurteilt türkische Mitbürger – Vorwurf des fehlenden Migrationswillens

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
    schließen

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) kritisiert in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz das fehlende Engagement zur Integration von bestimmten Personengruppen mit Migrationshintergrund.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Dienstag, 15. September 2020, sind ZDF*-Korrespondent Elmar Theveßen, Publizistin Ulrike Guérot, CDU-Politiker Herbert Reul sowie Journalist Olaf Sundermeyer zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Der Fokus liegt auf ausufernder Clan-Kriminalität und potenziellen Lösungsansätzen, wie mit dieser umgegangen werden kann.

Politiker:Herbert Reul
Geboren:31. August 1952 (Alter 68 Jahre)
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands
Ausbildung:Universität zu Köln
Amt:Mitglied des Bundesrates seit 2017
Bearbeitete Werke:Wir brauchen das Vereinte Europa! u.v.m.

Markus Lanz (ZDF): Diskussion über Migration in Deutschland – Herbert Reul (CDU) kritisiert Politik

ZDF-Moderator Markus Lanz spricht mit seiner Hamburger Runde unter anderem über das Thema Migration. Damit konfrontiert er auch den Journalisten Olaf Sundermeyer. Laut dem Talkmaster würde sich die deutsche Politik sichtbar schwer mit der Integration von ausländischen Personen in Deutschland tun, da eine „Angst vor bestimmten Zuständen in deutschen Innenstädten“ grasieren würde.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) kritisiert in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz das fehlende Engagement türkischer Mitbürger, sich in Deutschland zu integrieren. (24hamburg.de-Montage)

„Wir haben in Ansätzen in Deutschland Verhältnisse wie in den USA. Wir haben Parallelgesellschaften, es gibt Probleme in Großstädten, die noch aus vergangenen Generationen stammen. Mit den Fehlern der Vergangenheit muss man sich jetzt noch herumplagen“, heißt es von Olaf Sundermeyer. Der Journalist und Publizist nennt auch die Alternative für Deutschland (AfD) als einen Grund, warum gewisse Ressentiments gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund existieren.

„Die Menschen fühlen sich bedroht, das muss zur Kenntnis genommen werden. Das Gefühl der Überfremdung verändert auch politische und gesellschaftliche Zustände“, merkt Sundermeyer an. Dann darf auch Herbert Reul in der Diskussion mitmischen. Der CDU-Politiker ist seit Juni 2017 Innenminister Nordrhein-Westfalens und sehr um Integration bemüht. Warum sich deutsche Politiker so schwer damit tun würden, Probleme bei der Integration klar zu benennen, will Markus Lanz vom 68-Jährigen wissen.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) muss sich oft zur Clan-Kriminalität und Migration in seinem Bundesland äußern.

„Weil es insgesamt schwer ist, in der Politik Probleme klar zu benennen“, merkt Herbert Reul fast schon süffisant an. „Man scheut sich, Wahrheiten auszusprechen. Denn dann kommt es immer zu Debatten. Es gibt Ärger, man wird in Kisten gepackt“, sagt der Innenminister Nordrhein-Westfalens. Um das zu konkretisieren, bezieht sich der CDU-Politiker auf das Problem der Clan-Kriminalität, mit der sein Bundesland schwer zu kämpfen hat*.

Markus Lanz (ZDF): Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) beklagt Migrations-Engagement

„Die meisten bei uns in der Polizei hätten da schon gerne früher etwas getan. Es war allein eine politische Entscheidung. Man hat es nicht gemacht, weil wenn man sich um Clans kümmert und die mit Familien benennt, direkt den Vorwurf bekommt, man würde stigmatisieren oder ausländerfeindlich sein. Darauf hatte niemand Lust“, führt Herbert Reul aus. Kurzes Innehalten, dann möchte ZDF-Moderator Markus Lanz von Journalist Olaf Sundermeyer wissen, wie solche Clan-Strukturen überhaupt entstehen konnten und warum dagegen nichts unternommen wurde. Wenig unternommen hat auch die griechische Regierung hinsichtlich Unterkünften für die Moria-Flüchtlinge*.

„Wenn Menschen nicht arbeiten dürfen, erhöht das massiv den Kriminalitätsdruck. In vielen Kommunen erleben wir derzeit eine vergleichbare Situation“, erklärt der 47-jährige Publizist. Grundsätzlich sollten immer beide Seiten berücksichtigt werden, Perspektivlosigkeit würde natürlich oftmals in Kriminalität münden. Was aber genau läuft denn schief, hakt Markus Lanz unnachgiebig nach. Das will der ZDF-Moderator auch von SPD-Politiker Lars Klingbeil in Bezug auf den Cum-Ex-Skandal rund um Kanzlerkandidat Olaf Scholz wissen*.

Auftritt von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul, der über Kriminalitätsprobleme in Bezug auf „türkische Mitbürger der dritten Generation“ spricht. „Zunächst einmal haben wir uns um diese Menschen nicht gekümmert und sie haben keine Perspektive gehabt. Die haben sich aber auch nicht bereit erklärt, mitzuspielen“, prangert der CDU-Politiker fehlendes Engagement an.

Der 68-Jährige spricht von „eigenen Regeln“, nach welchen diese Menschen in Großstädten agieren würden. „Ich muss sagen, dass die auch nicht begriffen haben, dass bei uns in Deutschland nicht das Recht der Familie, sondern das Recht des Staates gilt. Egal, woher man kommt. Egal, ob Mann oder Frau, alt oder jung, In- oder Ausländer“, sagt Herbert Reul. Erneut setzt eine kurze Pause ein, ehe die Hamburger Runde ihre Kräfte wiedergefunden hat und Olaf Sundermeyer erneut um seine Expertise gebeten wird.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Runde streitet über Clan-Kriminalität und Parallelgesellschaften

„Wenn ich Leute in einen Zustand lasse, in dem Kriminalität wunderbar gedeiht, dann wächst eine Parallelgesellschaft. Und es wachsen auch kriminelle Strukturen noch stärker aus als das, was wir seit den 80er-Jahren mit den Clans in Nordrhein-Westfalen erlebt haben“, lautet die Einschätzung des Journalisten. Fliegender Wechsel, nun darf wieder Herbert Reul seine Meinung zum Besten geben.

Ihm zufolge gäbe es in der Gesellschaft nur noch einen „verbalen Konsens“, nicht aber einen tatsächlichen. „Wenn wir es schaffen würden, dass Regeln für alle gelten, dann wäre vieles einfacher“, sagt Nordrhein-Westfalens Innenminister. Nun soll aber wirklich geklärt werden, wie die zuvor mehrfach erwähnten Clans entstehen. Ende der 70er- bzw. Anfang der 80er-Jahre seien viele Menschen, oftmals als Flüchtlinge, nach Deutschland gekommen, beispielsweise nach Berlin oder Bremen*. Dort hätten sie sich ein neues Leben aufbauen müssen.

Das Problem sei jedoch oftmals, dass sich viele Familienverbunde nicht als Teil des Rechtsstaates sehen würden. Dementsprechend würde nach eigenen Maßstäben sowie Regeln agiert und reagiert werden. Und hieran müsse angesetzt werden. Eine eindeutige Antwort auf die Frage, wie diese Problematik bekämpft werden kann, bleibt die Hamburger Runde mitsamt ZDF-Moderator Markus Lanz jedoch schuldig.

Kein Phänomen in der ZDF-Talkshow. Schon CDU-Politiker Peter Altmaier konnte in einer hitzigen Diskussion keinen Konsens erreichen*. Übrigens: Um Clan-Kriminalität geht es auch im Gerichtsprozess gegen Arafat Abou-Chaker*, der den Deutschrapper Bushido massiv drangsaliert und bedroht haben soll. Derzeit ist der Prozess jedoch unterbrochen, am Mittwoch, 30. September 2020, soll planmäßig der nunmehr neunte Verhandlungstag stattfinden. * 24hamburg.de, nordbuzz.de und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/Frank Rumpenhorst/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare