Virologin mit falscher Prognose

Emotionaler Corona-Talk: Tränen bei Markus Lanz – „Masken das Symbol der Krise“

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Das Coronavirus-Sars-Cov-2 hat ZDF-Star Markus Lanz und seine gleichnamige Sendung voll im Griff. Während Frank Thelen gegen Apple und Google feuert, muss Virologin Brinkmann mit den Tränen kämpfen.

  • Markus Lanz: Hitzige Debatte über Maskenpflicht.
  • Hamburger ZDF-Talkshow: Virologin den Tränen nahe.
  • Thelen teilt aus: Kritik an Apple und Google.

Hamburg/Altona - In der Markus Lanz-Sendung von Donnerstag, dem 21. Mai 2020, sind Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Virologin Melanie Brinkmann, Unternehmer Frank Thelen sowie die Journalisten Olaf Sundermeyer und Ciro Krauthausen zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Es wird verbal ausgeteilt, Tränen fließen, Einigkeit ist nur selten vorhanden.

Markus Lanz: Coronavirus-Sars-Cov-2 entzweit Merkel und Ministerpräsidenten, Thelen feuert, Brinkmann emotional

Der muntere Talk startet mit SPD-Politiker Stephan Weil. Der Ministerpräsident Niedersachsens spricht über einen Schlachthof in Osnabrück, der aufgrund mangelnder Hygiene-Regelungen für eine erhöhte Anzahl an Coronavirus-Sars-Cov-2-Infektionen gesorgt hatte. Ähnliches hatte sich bereits in Bad Bramstedt zugetragen.

Er deklariert einen „effektiven Schutz“, der nun vollzogen werden soll. Natürlich führt ZDF-Moderator Markus Lanz auch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, deren Meinung zum Teil stark konträr zur Ansicht der Ministerpräsidenten der Länder war und ist.

Ministerpräsident von Niedersachsen:Stephan Weil
Geboren:15. Dezember 1958 (Alter 61 Jahre), Hamburg
Ehepartnerin:Rosemarie Kerkow-Weil (verh. seit 1987)
ParteiSozialdemokratische Partei Deutschlands
AusbildungGeorg-August-Universität Göttingen (1978-1983)
Amt:Mitglied des Bundesrates seit 2013

„Es gibt immer wieder Ärger. Warum darf der eine dies, warum darf der andere das?“, stellt Weil eine rhetorische Frage in den Raum. Mit süffisantem Lächelm im Gesicht sagt dieser, dass sich „Deutschland im internationalen Vergleich ziemlich gut geschlagen hat“. Gemeint sind hiermit die entsprechenden Maßnahmen, die das Coronavirus-Sars-Cov-2 nötig gemacht hat.

Doch Lanz möchte „die Dinge nicht schöner reden, als sie wirklich sind“. Der Politiker allerdings auch nicht. Weil ist „weit entfernt davon, die Situation schönzureden“. Jedoch pocht er darauf, dass die deutsche Politik viel schneller und konsequenter reagiert habe als in anderen Ländern. Besser gehe es natürlich aber immer, gesteht der Ministerpräsident selbstkritisch ein.

Italien als mahnendes Beispiel: Virologin spricht von „Präventionsparadoxon“

Virologin Brinkmann führt auf, dass die Bilder aus Italien ihren Teil dazu beigetragen hätten, den Leuten anschaulich zu verdeutlichen, warum Maßnahmen getroffen werden müssen. Lanz hingegen schwenkt rasant auf die „leerstehenden Krankenhausbetten“ in deutschen Hospitalen um - und richtet sich damit gezielt an die Wissenschaftlerin.

Ihr zufolge „hätte es uns genauso treffen können wie die Italiener. Das war reines Zufallsprinzip: Wohin geht der Reisende aus Wuhan zuerst?“. Dementsprechend sei Deutschland vorgewarnt gewesen, „wir hatten die Zeit, unsere Krankenhäuser darauf vorzubereiten“. Dennoch gäbe es ein sogenanntes „Präventionsparadoxon“.

Was denn dies sei, möchte der Hamburger Talkmaster wissen. „Wir Virologen haben Einschätzungen getroffen, präventiver Natur. Wenn diese sich jedoch nicht bewahrheiten, muss man den Leuten erstmal erklären, wieso es sich anders verhalten hat als angeommen", erklärt Brinkmann.

Was machen Masken? Weil spricht über „Ambivanlenz“

OP-Masken, besser bekannt als Mund-Nasen-Schutz, seien im Regelfall ein 1 Cent-Artikel, führt die Virologin auf. Dennoch sei die Bundesrepublik nicht ausreichend darauf vorbereitet gewesen, genügend Masken vorrätig zu haben. Wieso es erst hieß, Masken würden nichts bringen und dann die Kehrtwende um 180 Grad erfolgt ist, möchte ZDF-Star Markus Lanz wissen. Dies ermöglicht den nächsten Auftritt Weils.

Mit gutem Beispiel voran: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil spricht im Kontext vom Mund-Nasen-Schutz zwar von einer „Ambivalenz“, nutzt aber selbigen.

„Hätten wir alles gewusst, hätten wir alles besser gemacht“, lautet dessen lapidare und zugleich vollmundige Antwort. Der Politiker spricht von der „Ambivalenz, dass Menschen denken, sie wären geschützt, wenn sie eine Masken tragen. Das gilt jedoch nur, wenn auch wirklich alle Menschen eine Maske aufsetzen“.

Markus Lanz: Tränen bei Virologin - „Maske als Symbol zur Krise“

Im Hintergrund des Robert Koch-Instituts (RKI) hätte es heftige Diskussionen gegeben, was diese Masken denn nun tatsächlich bringen würden, sagt Markus Lanz. Ein kurzer Kameraschwenk zeigt just in diesem Moment, wie sich in den Augen der Virologin langsam Tränen ansammeln. Der Hintergrund: noch im Februar hatte sie sich, ebenfalls zu Gast im Altonaer Fernsehstudio, bezüglich der Masken-Debatte anders geäußert.

Emotional aufgewühlt: Als über das „Symbol zur Krise“, die OP-Masken, gesprochen wird, kann Virologin Melanie Brinkmann ihre Tränen nur schwer zurückhalten. (Screenshot)

„Die Maske ist das Symbol zur Krise. Dazu trägt auch ein Kommunikationsfehler der Politik bei“, sagt Journalist Olaf Sundermeyer. Dies kann Weil so nicht stehen lassen. „Hätten wir die Öffentlichkeit einen Monat eher mit der Maskenpflicht konfrontiert, wäre dies nicht zu vermitteln gewesen. Leider hat es diese schrecklichen Beispiele aus anderen Ländern gebraucht, um das Bewusstsein zu schärfen", verteidigt der SPDler das politische Handeln.

„Menschen, die kritisieren, dass ihre Grundrechte eingeschränkt werden - das ist absolut okay und auch deren gutes Recht“, sagt Weil, nachdem ein entsprechendes Video von aufgebrachten Demonstranten gezeigt wird. „Es sind jedoch keine Fake News", gibt der Politiker zu bedenken. Das Coronavirus-Sars-Cov-2 sei kein Mythos, wie es manche Fantasten zu glauben scheinen.

Falsche Annahmen der Virologen: Wie beim Adventskalender

„Ich wache jeden Morgen auf, gucke auf die Zahlen und denke mir: Wir haben es so super hinbekommen“, sagt Virologin Brinkmann. Wie da denn noch Demonstrationen stattfinden könnten, fragt sie sich. Daraufhin gibt sie einen persönlichen „historischen Abriss“ über ihre jüngere Vergangenheit bzw. Aussagen.

Noch im Februar habe Brinkmann gedacht, sie gehöre nicht zur Risikogruppe und das Coronavirus-Sars-Cov-2 würde „nur“ die Lunge befallen. Nun habe sich die Ansicht der Virologen deutlich geändert, es müsse nicht nur mit einer Lungenentzündung gerechnet werden. Beispielsweise würde auch das Herz vom Coranavirus-Sars-Cov-2 befallen werden.

Mit den Symptomen sei es wie mit einem Adventskalender: „Man macht ein Türchen auf und weiß nicht, was einen morgen erwartet“, will die Virologin die Situation mittels dieses Beispiels veranschaulichen. „Ich will dieses Virus gar nicht mehr bekommen", lautet Brinkmanns entschlossenes Urteil.

Frank Thelen: Kritik an Apple und Google

Nun wird der imaginäre Redeball von Lanz volley an Weil weitergespielt. Es geht um eine versprochene App fürs Smartphone, die wichtige Daten im Kontext des Coronavirus-Sars-Cov-2 erfassen würde. „Ich bin aber nicht Jens Spahn“, lässt der SPDler leicht erheitert verlauten und kann sich einen kleinen, aber feinen Seitenhieb gegen den Gesundheitsminister nicht verkneifen. Kein Problem, übernimmt eben Unternehmer Frank Thelen.

Er hat nur Kopfschütteln dafür über, dass persönliche Daten, beispielsweise beim Friseur oder im Restaurant, hinterlegt werden müssen. Thelen plädiert für Anonymität und sagt: „Ich bin echt sauer, dass es immer noch keine App gibt. Telekom und SAP sind nicht die schnellsten, da wäre ein Start-Up besser gewesen“. Vielleicht eins vom 44-Jährigen?

Er bietet sich nicht explizit an, sondern fordert Google und Apple dazu auf, schnell zu handeln. „Als Kunde möchte ich aber auch noch gefragt werden“, lässt Weil verlauten. Virologin Melanie Brinkmann, emotional wieder in sichtlich ruhigeren Gewässern unterwegs, ist natürlich auch nicht vergessen. Sie plädiert für Masken, auch wenn sie nur „zu 60 Prozent etwas bringen“.

Markus Lanz: Zwischen Aufregern und Was-wäre-wenn Szenarien

Und ihre Meinung zur App? „Wenn neue Lockerungen kommen, brauchen wir auch neue Tools, beispielsweise diese Tracing-App. Ich möchte aber auch verstehen, wie diese funktioniert. Ich habe mir ein YouTube-Video angeschaut und habe es verstanden. Ich bin überzeugt davon“, votiert die Virologin pro App. Da es diese jedoch noch nicht gibt, müsse erstmal weiterhin offen kommuniziert und keine Was-wäre-wenn-Szenarien skizziert werden, zeigt sich der Ministerpräsident Weil besonnen.

Weniger besonnen ging es zuletzt in der Hamburger Runde von Moderator Markus Lanz zu. Während sich CDU-Politiker Norbert Röttgen massiven Lobbyismus-Vorwürfen ausgesetzt sah und vom ZDF-Star in die Mangel genommen wurde, musste Hamburgs Erster Bürgermeister ordentlich Gegenwind einstecken. Peter Tschentscher wurde aufgrund seines zu passiven Verhaltens mächtig Paroli geboten, die vermeintlichen Coronavirus-Sars-Cov-2 Experten rasierten ihn regelrecht.

Quelle: 24hamburg.de

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz.

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