Corona-Plaudertasche gesucht

Markus Lanz (ZDF): Corona-Gipfel-Maulwurf? Ministerpräsident attackiert Politiker

  • Yannick Hanke
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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) redet bei Markus Lanz (ZDF) über den Geltungsdrang mancher Politiker-Kollegen. Gibts es Maulwurf?

  • Markus Lanz (ZDF) quetscht Stephan Weil (SPD) aus
  • Weil verurteilt Geltungsbedürfnis von Ministerpräsidenten
  • Wer ist der „Maulwurf“ unter den Länderchefs?

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 26. November 2020, sind Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Journalistin Kristina Dunz, Virologe Alexander Kekulé sowie Biologe Ingmar Hoerr zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Vor allem SPD-Politiker Weil muss Rede und Antwort stehen und soll erklären, wie streng vertrauliche Informationen politischer Sitzungen rapide nach außen dringen können.

Ministerpräsident von Niedersachsen:Stephan Weil
Geboren:15. Dezember 1958 (Alter 61 Jahre), Hamburg
Ehepartnerin:Rosemarie Kerkow-Weil (verh. 1987)
Partei: Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Ministerpräsident von Niedersachsen seit 2013
Ausbildung:Georg-August-Universität Göttingen (1978–1983)
Bücher:Das EXPO-Projekt: Weltausstellung und Stadtzukunft

Markus Lanz (ZDF): Stephan Weil (SPD) hält nichts von Wasser predigen und Wein trinken

Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel stehen vor allem die 16 Ministerpräsidenten im Fokus, wenn es um neue Coronavirus-Beschlüsse geht. Einer dieser Länderchefs ist Stephan Weil, der seit Februar 2013 die Geschicke in Niedersachsen leitet. Moderator Markus Lanz weist direkt zu Beginn seiner Sendung daraufhin, dass sich der 61-Jährige nach der letzten Ministerpräsidenten-Konferenz massiv geärgert habe, da vertrauliche Informationen in Windeseile nach außen dringen konnten.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat für das Vorgehen einiger Kollegen kein Verständnis. (24hamburg.de-Montage)

„Das gleiche Spiel“ hätte sich am Mittwoch, 25. November 2020, zugetragen, als erneut hinsichtlich Schutzmaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie getagt wurde. Die Reaktion Weils: „Es ist tatsächlich so, dass wir derzeit aus guten Gründen allen Bürgern und Bürgerinnen viel Zurückhaltung und Disziplin predigen. Und es wäre noch besser, wenn diejenigen, die das tun, mit gutem Beispiel vorangehen würden. Wenn das nicht geschieht, ist das sehr schädlich. Das kann man so sagen.“ Damit präsentiert sich Weil gewohnt meinungsstark.

Markus Lanz (ZDF): Corona-Konferenz der Länderchefs bietet viel Gesprächsbedarf

Eine Antwort, die den ZDF-Moderator nicht wirklich zufrieden stellt. „Es war doch dieses Mal eigentlich noch viel schlimmer als beim letzten Mal, hatte ich das Gefühl“, merkt Lanz an. Der seine Integrität wahrende Weil möchte natürlich nicht abfällig über seine Kollegen reden und ist vielmehr darauf aus, den Verlauf der Konferenz zumindest grob zu skizzieren: „Es war eine wirklich sehr konzentrierte Sitzung. Und wissen Sie, wenn einer etwas sagt, wird es direkt getweetet. Wenn aber einer nichts sagt, wird das auch direkt getweetet. Das ist doch alles Blödsinn.“

Ist es das? Nach Ansicht von Markus Lanz zumindest nicht, der unnachgiebig nachhakt und dem SPD-Politiker im Optimalfall doch noch einen verbalen Ausrutscher entlocken will. Abhörsicher seien diese Sitzungen nicht, merkt der Hamburger Talkmaster ganz süffisant und mit einem Lachen in der Stimme an. Nun ändert sich auch der Tonfall von Stephan Weil, der sich auf solche Sperenzchen erst gar nicht einlassen will.

Markus Lanz (ZDF): Ministerpräsident Weil (SPD) kritisiert Kollegen für ihr Geltungsbedürfnis

„Ich habe dazu eine klare Meinung. Ich lege selber großen Wert auf Vertraulichkeit und halte mich deswegen auch daran. Und das führt gelegentlich dazu, dass in manchen Zeitungen manche Bilder häufiger auftauchen als von anderen. Okay, dann ist das eben so. Am Ende des Tages bin ich aber davon überzeugt, dass es in der Politik eine ganz andere Währung für Erfolg gibt. Und das ist nämlich die Frage von Vertrauen“, heißt es ganz entschlossen vom niedersächsischen Ministerpräsidenten.

„Ja, aber warum machen ihre Kollegen das?“, fragt Lanz Weil und will verstehen, welche Gründe Politiker dazu bewegen, streng vertrauliche Informationen unmittelbar nach Sitzungen an Medienschaffende weiterzuleiten. „Herr Lanz, da bin ich der falsche Ansprechpartner. Vielleicht sollten Sie auch mal andere Gäste einladen“, lautet die mit einem spitzbübischen Grinsen vorgetragene Empfehlung des SPD-Politikers. Das wiederum lässt den ZDF-Moderator aus seinem Sitz nach vorne schnellen, die Belustigung ist ihm deutlich anzusehen.

Markus Lanz (ZDF): Corona-Infos als „Druckmittel“ – Maulwurf gesucht

Nun hat auch Lanz eingesehen, dass er bei Stephan Weil auf Granit beißt. Drum wendet sich der 51-Jährige flugs an Journalistin Kristina Dunz, die mehr zu einer möglicherweise intrinsischen Motivation der „Maulwürfe“ sagen kann. „Es kann ein Druckmittel sein. Wenn man etwas loswerden möchte und fürchtet, dass es in der Runde nicht akzeptiert wird. Man kann eine Information also schon mal nach draußen bringen und die Reaktion abfangen.“

Das würde für Weil aber nicht den „Liveticker“ erklären, also wenn parallel zu Sitzungen über diese bereits berichtet wird. „Direkt etwas davon haben, tut niemand etwas. Es sei denn, es gibt hinterher die Möglichkeit, noch ein Interview mehr zu geben. Letztendlich führt es nur dazu, dass man weniger vertrauensvoll ist“, kritisiert der SPD-Politiker solch ein Vorgehen. Dem kann Lanz nur zustimmen und ergänzt, dass gewagtere Vorschläge gar nicht erst zur Debatte stehen würden, da diese sofort nach außen dringen könnten.

Markus Lanz (ZDF): Weil (SPD) bemängelt Qualität von Corona-Konferenzen

„Ja, die Selbstkontrolle wird dadurch einfach viel größer. Unterm Strich leidet darunter auch die Qualität von solchen Gesprächen. Also wenn man denkt, dass alles, was ich jetzt sage, gegen mich verwendet werden kann. Dann reißt man sich stärker zusammen, als man es sonst tun würde. Aber es ist so, wie es ist und ich bin der Falsche, mit dem Sie darüber reden können“, betont Stephan Weil erneut seine Rolle in dieser Diskussion.

Für Journalistin Kristina Dunz sei es nicht allzu dramatisch, wenn Informationen von politischen Sitzungen nach außen durchsickern. „Viel schlimmer finde ich es, wenn wir ein Papier haben und die Länder dann damit anfangen, es ganz unterschiedlich umzusetzen. Das ist doch die viel größere Verunsicherung“, merkt die Redakteurin der „Rheinischen Post“ an. Der Hintergrund: Den 16 Ministerpräsidenten wird zugestanden, die Beschlüsse auf besagtem Papier im Rahmen eines „großen Spielraums“ umzusetzen. Dies führt immer wieder zu Irritationen, Manuela Schwesig (SPD) kann hiervon ein Lied singen.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot) & Michael Kappeler/dpa

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