Politiker am Pranger

Markus Lanz (ZDF): Kubicki (FDP) sagt „N-Wort“ – Campino dreht durch

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
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Bei Markus Lanz (ZDF) jagte eine Hitz-Debatte die nächste. Quell der Aufregung war Wolfgang Kubicki, der Campino mit dem „N-Wort“ auf die Palme brachte.

  • Markus Lanz* lief am Dienstag, 6. Oktober 2020 auf ZDF*.
  • FDP-Mann Wolfgang Kubicki (68) eckte mit N-Wort an.
  • Campino (Die Toten Hosen) fiel ihm genervt ins Wort.

Hamburg – Eigentlich soll es bei Markus Lanz am 6. Oktober 2020 um Donald Trump und seine Coronavirus*-Infektion gehen. Die Gäste um Wolfgang Kubicki, „Die Toten Hosen“-Sänger Campino (58), Susanne Beyer (51) und ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen (53) sollen bei Kult-Moderator und Wahl-Hamburger* Markus Lanz diskutieren, ob der US-Präsident seine Corona-Infektion nur für den Wahlkampf nutze und seinen vermeintlich milden Verlauf nur vortäusche.

Talkshow:Markus Lanz
Produktions- unternehmen:Fernsehmacher (2008–2010); Mhoch2 TV (seit 2011)
Titelmusik: Wir sind Helden – Nur ein Wort
Ausstrahlungs- turnus: dienstags–donnerstags
Sender: ZDF
Jahr(e): seit 2008

Markus Lanz (ZDF): Coronavirus erhitzt Gemüter der Gäste

Dann kommen Lanz und seine Gäste plötzlich von Stöckchen auf Steinchen. Sie fragen sich: Was ist eigentlich das Erfolgskonzept von Donald Trump? Lanz hat eine Vermutung: „Die Menschen sagen da ja immer: Der sagt, was er denkt, der sagt endlich, das, was wir schon lange für richtig halten und der nimmt kein Blatt vor den Mund.“ Selbiges gilt für CDU-Politiker Friedrich Merz, der gegen Gesundheitsminister Jens Spahn schießt*.

Markus Lanz (ZDF): Campino greift ein, als Wolfgang Kubicki das N-Wort verteidigt.

„Und man darf eigentlich schon gar nicht mehr sagen, was man wirklich denkt.“ Diese Ansichten der amerikanischen Trump-Wähler lösen in Markus Lanz offenbar eine Assoziation mit Kubickis WerkMeinungsunfreiheit – Das gefährliche Spiel mit der Demokratie“ aus.

Markus Lanz (ZDF): Wolfgang Kubicki (FDP) schreibt Buch über Meinungs(un)freiheit

Wolfgang Kubicki erklärt sich: „Mein Buch ist ein Plädoyer für den Meinungsstreit. Menschen haben das Problem mir gegenüber geäußert: Sie fühlen sich nicht mehr frei, zu sagen, was sie gerade denken, sie zensieren ihren Kopf. Dass sie ihre Meinung nicht frei äußern können, ist belegt worden durch eine Jugendstudie, wo zwei Drittel der Jugendlichen sagen: Zu bestimmten Themen äußern sie sich nicht mehr.“ Erst letzte Woche ging es bei Markus Lanz im ZDF hoch her, als Manuela Schleswig* mit steilen Thesen zu Corona-Regeln verwirrte, wie 24hamburg.de berichtet.

Kubicki wolle mit seinem Buch für eine Meinungsfreiheit plädieren und so „verhindern, dass wir den Weg einschlagen, der Trump stark gemacht hat.“ „Spiegel“-Autorin Susanne Beyer kann das nicht verstehen. Sie sieht die Meinungsfreiheit in Deutschland aufgrund stattfindender Demonstrationen und Shitstorms auf Social Media nicht gefährdet. „Es gibt doch heute so viele Möglichkeiten, seine Meinung kundzutun“, sagt sie.

Markus Lanz (ZDF): FDP-Mann Wolfgang Kubicki sorgt mit N-Wort und Rassismus-Debatte für Wirbel

Allerdings stört sich Wolfgang Kubicki noch an etwas ganz anderem. Der FDP-Mann erklärt es am Beispiel Rassismus: „Ich glaube es ist naiv zu denken, Rassismus zu bekämpfen, indem wir Begrifflichkeiten verändern. Nicht der Begriff ist rassistisch, sondern der Mensch, der den Begriff verwendet. Und der kann auch mit sauberen Begriffen seinen Rassismus ausdrücken. Es macht für einen Rassisten keinen Unterschied, ob er sagt „Du Neger“ abwertend oder „Du PoC“ (Person of Colour, Anmerkung der Redaktion) abwertend.“

Weiter erklärt Kubicki, dass es wichtiger sei, Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ auszudrücken als zu überlegen, das Wort „Mohr“ aus klassischen Werken herauszustreichen. Kubicki: „Wie albern ist denn sowas?“ Da muss „Die Toten Hosen“-Frontmann Campino aus Düsseldorf einschreiten: „Man muss ja erstmal verstehen, dass Sprache und Begriffe sich entwickeln. Man muss die immer in den zeitlichen Kontext setzen und man muss auch jederzeit in der Lage sein, da sich selbst zu justieren. Man kann nicht sagen, das Wort Neger war für 20 Jahren noch in Ordnung oder vor 50, deswegen ist es heute auch noch in Ordnung. Ganz und gar nicht. Wir müssen verdammt nochmal sensibilisiert werden dafür.“

Markus Lanz (ZDF): Wolfgang Kubicki setzt sich für Personen ein, die „Neger“ oder „Mohr“ sagen wollen

Doch Wolfgang Kubicki nimmt Personen, die weiterhin „Mohr“ oder „Neger“ sagen wollen, klar in Schutz. Er halte es für eine Anmaßung, wenn Personen, die diese Begriffe nicht hören oder sagen wollen, sich als „bessere Menschen“ darstellen. Kubicki: „Wer ist derjenige, der sagen kann, was richtig gesagt und was falsch gesagt werden kann?“. Vielleicht wird sich Fußball-Coach Christoph Daum Ähnliches in Bezug auf seine Drogen-Affäre gedacht haben*.

Campino wird sauer: „Also Entschuldigung, aber nur weil eine Person der anderen sagt: ‚Das Wort Neger wird nicht mehr benutzt, das macht man nicht, weil es andere verletzt.‘ Dadurch macht der sich ja nicht zur besseren Person, sondern der weist ihn darauf hin, dass gewisse Sachen nicht gehen.“ Kubicki: „Ja, aber dann ist derjenige gleich ein Rassist.“

Markus Lanz (ZDF) greift ein, als Wolfgang Kubicki (FDP) das Wort „Negerkuss“ verteidigt

Als der FDP-Mann dann auch noch auf den Begriff „Negerkuss“ verteidigt, greift Moderator Markus Lanz ein: „Ihr Buch ist deutlich schlauer und intelligenter als die Frage, ob man diese Begriffe nutzen sollte. Das ist doch so ein Begriff, das haben wir mittlerweile alle kapiert, den benutzt man einfach nicht. Und wenn ich jetzt in Pippi Langstrumpf vom „Negerkönig“ lese, würde ich den Begriff meinen Kindern nicht vorlesen.“

Auf Twitter kriegt Wolfgang Kubicki von Markus-Lanz-Zuschauern übrigens sein Fett weg. Unter anderem wird ihm „mangelnde Empathie“ vorgeworfen. Außerdem bezeichnen Nutzer ihn als „Narzisten“ und „alten Grinsesack“. 24hamburg.de berichtet auch darüber, dass Markus Lanz Hamburger Bar-Betreibr kritisiert*.  * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Screenshot/ZDF & Walter Bieri/dpa

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