Zoff um bürgerliche Mitte

Markus Lanz (ZDF): AfD-Meuthen treibt Grünen Özdemir zur Weißglut

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Grünen-Politiker Cem Özdemir tritt bei Markus Lanz gegen AfD-Parteichef Jörg Meuthen an. Beleidigungen, Vorwürfe – die ZDF-Show bietet großes Spektakel!

Hamburg – Für die AfD hat das Superwahljahr nicht gerade rosig begonnen. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz kassierte die Alternative für Deutschland herbe Schlappen. Die Stimmverluste waren bei keiner Partei höher als bei den Rechten. Ist der Höhenflug der populistischen Partei vorbei? Das will Markus Lanz in seiner ZDF-Talksendung am Mittwochabend mit Parteichef Jörg Meuthen erörtern.

Deutscher Moderator:Markus Lanz
Geboren:16. März 1969 in Bruneck (Südtirol, Italien)
Wohnort:Hamburg, Stadtteil Rotherbaum
Produktionsfirma:Mhoch2 TV (seit 2011)

Meuthen ist an diesem Abend zusammen mit Grünen-Politiker Cem Özdemir, den Journalisten Christoph Röckerath und Sabine am Orde sowie Virologin Helga Rübsamen-Schaeff ins Studio in der Hansestadt Hamburg eingeladen. Doch die Ausgangsfrage von Moderator Lanz blieb unbeantwortet. Denn am Ende drehte sich die Debatte vor allem um Machtkampf, Corona-Leugner und Rechtsextreme.

Markus Lanz (ZDF): Mangelnde Distanz der AfD zu Querdenker-Demo macht Özdemir wütend

Meuthen, studierter Wirtschaftswissenschaftler, ist mit der Kunst öffentlicher Auftritte vertraut. Lauthals Parolen brüllen, das ist nicht sein Stil. Er gilt als gemäßigter Vertreter seiner Partei, die der Verfassungsschutz als rechtsextremen Verdachtsverfall stärker unter die Lupe nehmen will*. Zuletzt machten die Mitglieder vor allem gegen die aus ihrer Sicht aktuelle „Corona-Diktatur“ mobil. Sie treten bei „Querdenken“-Demos auf und rufen öffentlich zur Maskenverweigerung auf.

Liegen im Clinch über die Querdenker-Bewegung: Grünen-Politiker Cem Özdemir (rechts) und AfD-Parteichef Jörg Meuthen. (24hamburg.de-Montage)

Doch Meuthen versucht nun, ein anderes Bild zu zeichnen. „Ich halte diejenigen, die den Pandemiecharakter abstreiten, für irrig“, sagt er. Dass er von dem Begriff „Corona-Diktatur“ nichts halte, habe er auch schon wiederholt öffentlich kundgetan. Dennoch müsse es erlaubt sein, Corona-Maßnahmen mit wissenschaftlichen Daten zu hinterfragen. Eine Antwort, die jeder Politiker bei Lanz hätte abliefern können.

Doch genau deswegen platzt Özdemir gleich zu Beginn der Sendung der Kragen. Für ihn ist Meuthen ein Wolf im Schafspelz. Das wirft er ihm unverblümt vor. „Sie sitzen hier und machen einen auf bürgerlich!“, giftet er den Parteichef an. Doch Meuthen reagiert gelassen. „Ich mache nicht einen auf bürgerlich, ich bin bürgerlich.“

Markus Lanz (ZDF): Özdemir wirft AfD und Meuthen falsches Spiel vor

Es ist die Gelassenheit, die den Grünen reizt. Was Meuthen öffentlich abziehe, sei sehr „geschickt“, klagt Özdemir. „Er vermeidet bestimmte Reizworte und überschlägt nicht die Stimme.“ Durch diese ruhige Art eines Wissenschaftlers spreche er konservative Schichten an, etwa Lehrer oder Beamte, die sich zwar nicht mit den extremen Positionen der Parteien identifizieren könnten, mit den gemäßigten aber schon. Doch dahinter versteckten sich nun einmal rechtsextreme Umtriebe, warnt Özdemir, der sich bereits früher in dieser Hinsicht intolerant zeigte. Die hätten nichts mit dem Auftritt von Meuthen zu tun.

Die Provokationen perlen an Meuthen aber ab. Er ist solche Angriffe gewohnt. Sein Gegenschlag fällt deshalb auch nur halbherzig aus. Extreme Meinungen kämen vielleicht vereinzelt vor, doch sie würden nicht seiner eigenen Position entsprechen, sagt er. „Wo wir Rechtsextremismus gewahr werden, werfen wir die Leute raus“, behauptet er dann.

AfD und der Verfassungsschutz: Parteichef zögerte Rauswurf von Rechtsextremen raus

Allerdings gibt es auch immer wieder Zweifel an dieser Aussage. Im Umgang mit den als extrem eingeschätzten Parteimitgliedern Björn Höcke aus Thüringen oder Andreas Kalbitz aus Brandenburg zeigt sich Meuthen seit Jahren immer zögerlich. Lange distanzierte sich Meuthen nicht von den beiden. Zwar musste Kalbitz die Partei mittlerweile verlassen, aber der ganze Rauswurf habe „sehr lange gedauert“, bis Parteichef Meuthen gehandelt habe, kritisiert Journalistin am Orde.

Auch gegen diesen Angriff wehrt sich Meuthen mit einem alten Muster. Er habe halt auch was anderes zu tun, als ständig „Parteimitglieder zu durchleuchten“, mault er. Im Übrigen würden die vielen gemäßigten Positionen seiner Partei auch nicht in den Medien gespielt, knurrt er. Die typische, wir werden von allen verfolgt, lässt Lanz ihm aber nicht durchgehen.

Der Moderator weist darauf hin, dass er für seine Sendung viele Einladungen ausspreche, unter anderem an Partei-Co-Chefin Alice Weidel. Doch die ignoriere ihn immer. Damit sind die Fronten verhärtet. Wirklich zusammen kommen Meuthen, Özdemir und Lanz nicht mehr. Die Wahlergebnisse müssen halt so interpretiert werden. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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