Homeschooling versus Schulöffnungen

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach (SPD) und Serap Güler (CDU) – Streit und Empörung

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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In der neuesten Markus Lanz-Ausgabe steht eine Debatte zwischen Karl Lauterbach und Serap Güler im Fokus. Diskutiert wird über die Wiedereröffnung der Schulen. Ein Thema, zu dem auch ZDF-Journalist Dirk Steffens eigene Ansichten hat.

  • Markus Lanz*: Hitzige Diskussion zwischen Politikern.
  • Serap Güler (CDU) pro, Karl Lauterbach (SPD) contra Schulöffnungen.
  • Konsens durch ZDF-Journalist Dirk Steffens?

Hamburg/Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe von Dienstag, 9. Juni 2020 sind die Politiker Karl Lauterbach (SPD) und Serap Güler (CDU), Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens und der Kriminalbeamte Sebastian Fiedler zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Vor allem die Wiedereröffnung der Schulen, die wegen Coronavirus-Sars-Cov-2* längere Zeit geschlossen waren, stehen im Fokus der ZDF-Talkshow. Hitzige Debatte inklusive - nicht zuletzt dank Karl Lauterbach, der im Zwist mit Virologe Hendrik Streeck* zur Höchstform aufläuft, wie 24hamburg.de-MarkusLanz berichtet.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Karl Lauterbach
Geboren:21. Februar 1963 (Alter 57 Jahre), Düren
Ehepartnerin:Angela Spelsberg (verh. ?-2010)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005
Ausbildung:Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Markus Lanz: Hamburger ZDF-Talkshow lässt Serap Güler (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) erneut gegeneinander antreten

Wenn zwei sich streiten - dann freut sich Markus Lanz? Könnten sich die Zuschauer der neuesten Ausgabe fragen, wirkt es doch fast schon perfide, welche Personen in der ZDF-Talkshow mal wieder zu Gast sind. Gemeint sind SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach sowie Serap Güler, CDU-Politikerin und Staatssekretärin für Integration in Nordrhein-Westfalen (NRW). Der eine erachtet Schuleröffnungen für riskant, die andere plädiert für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs – und hält etwaige Risiken für überschaubar.

Homeschooling versus Schulöffnung“ lautet ein beliebtes Thema, das in den vergangenen Wochen immer wieder vom Hamburger* Talkmaster mit seinen Gästen besprochen wurde. Nicht selten emotional, nicht selten mit ähnlicher Besatzung. So verhält es sich auch dieses Mal, und dennoch ist ein Novum in der mittlerweile zwölf Jahre währenden Historie der ZDF-Sendung zu verzeichnen. Wie Markus Lanz direkt zu Beginn anmerkt, sind zum ersten Mal erneut zwei Personen in die Talkshow eingeladen, die bereits in der vorangegangenen Ausgabe zugegen waren. Dort stand vor allem Ex-HSV*-Profi Dennis Aogo im Fokus, der von den rassistischen Diffamierungen berichtete*, die ihm entgegengebracht werden.

Feuer frei: In der ZDF-Talkshow von Markus Lanz streiten sich die Politiker Karl Lauterbach (SPD; links) und Serap Güler (CDU). Grund sind die Schulöffnungen in Nordrhein-Westfalen. (Screenshot)

Die beiden Politiker sollen eine Bemerkung Gülers ausdiskutieren, welche diese am Donnerstag, 4. Juni getätigt hatte. Allerdings erst nach Übertragung der Sendung und damit für die TV-Zuschauer nicht mehr zugänglich. Doch Lanz vergisst nicht, greift die vermeintliche Bagatelle auf und rekapituliert die vergangene Ausgabe. So soll Lauterbach vor „Schnellschüssen an Schulen“ gewarnt und unter anderem auf das Stichwort „Digitalisierung“ hingewiesen haben. Was Lauterbach da sage, sei „völlig elitär“, soll die Aussage von Serap Güler gewesen sein. Sagt zumindest Markus Lanz.

ZDF-Talkshow: Hamburger Markus Lanz lässt CDU- und SPD-Ansichten aufeinanderprallen

Da „dieser Satz so viel emotionales Potenzial“ habe, geht es für Lauterbach und Güler nun in den direkten Schlagabtausch. Der Gesundheitsexperte der SPD hat eine klare Meinung. Er kritisiert, dass die Landesregierung in NRW die Öffnung zwei Wochen vor Ferienbeginn* als Signal für den Herbst hinstelle. Nach einer längeren Phase, also nach einem längeren Lockdown, gäbe es nur noch wenig Fälle und dementsprechend wenige Möglichkeiten des Infizierens. Deshalb würden auch in NRW Kinder zunächst niemanden anstecken. Doch binnen zwei Wochen könne man entsprechend rein gar nichts aus den Beobachtungen ableiten.

„Der richtige Test ist: Was passiert, wenn es wieder mehr Fälle gibt?“, fragt Lauterbach in die Runde. Er plädiert für eine gute Vorbereitung auf den Herbst. „Das schulden wir in allererster Linie den Kindern“, merkt der SPDler an. Ihm zufolge müsse es bei der Planung um mehr Gründlichkeit, Respekt und Intelligenz als bisher gehen. Einen Verweis auf „ausgeklügelte Systeme“ in der Fußball-Bundesliga und einigen Unternehmern kann er sich nicht verkneifen.

Auftritt Güler. Die Deutsch-Türkin versucht, ihren Vorwurf aus der zurückliegenden Markus Lanz-Ausgabe zu begründen. Sie erklärt ihre Aussage mit einer Mischung aus Bürgernähe und Engagement für sozial Benachteiligte. Explizit nennt Güler ihren Wohnort Köln-Mülheim, dessen Bild durch viele Familien geprägt sei, die in prekären Verhältnissen leben würden. „Da zu denken, das schaffen wir alles zu Hause mit einem Tablet“, sei ein Irrtum. Kritik am Stichpunkt „Digitalisierung“ Lauterbachs, der ihr zufolge nicht zuletzt außer Acht lässt, dass nicht jede Familie über die finanziellen Ressourcen verfügt, um sich beispielweise ein Tablet anzuschaffen.

Das kann Lauterbach in der Art und Weise nicht stehen lassen und beharrt vehement darauf, derartiges nie gesagt zu haben. „Niemand macht den Vorschlag, dass Schulen ganz geschlossen bleiben sollen“, ist die schlichte Anmerkung des Gesundheitsexperten. Bei all den Warnungen würde es ihm und anderen Wissenschaftlern stets darum gehen, einen „normalen“ Schulunterricht mit dreißig Kindern, ohne Abstand und Masken, zu gewährleisten.

Empörter Markus Lanz: Hamburger Moderator geschockt über Gutachten - ZDF-Journalist Steffens mit Konsens

Nun klinkt auch Güler sich wieder in das Gespräch ein - und das mit Folgen. Die Entscheidung, in Grundschulen auf Abstandsregeln und Maskenpflicht zu verzichten, basiere auf einem Gutachten, sagt sie. Sieht Lauterbach jedoch anders. „Das war kein Gutachten, das war eine wohlmeinende Stellungnahme vom Verband der Kinderärzte mit einem Krankenhaushygieniker, die von allen Fachleuten kritisiert wurde", erwidert er. Und nicht nur das. Der 57-Jährige zeigt sich mehr als überrascht, dass diese politische Entscheidung auf diesem Papier basieren soll. Dünner könne die Grundlage für ihn nicht sein.

Dies sorgt für Empörung bei Markus Lanz, der mehrfach wissen möchte, ob denn kein Virologe an der Ausarbeitung dieses Gutachtens beteiligt war. „Zumindest kein nennenswerter“, merkt Lauterbach fast schon lapidar an. Auf eine weitere Ebene wird der Konflikt jedoch weder vom ZDF-Talkmaster noch von Lauterbach oder Güler gehoben, sondern von einem der anderen Gäste – Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens.

Für ihn sei es ein gutes Beispiel, wie Wissenschaft von der Politik missbraucht werde. „Man sucht sich ein Gutachten und die wissenschaftliche Aussage, die man gerne möchte, um dann die eigene Überzeugung rückversichert der Öffentlichkeit präsentieren zu können“, merkt Steffens an. Dafür erntet er zustimmendes Nicken von Lanz, obwohl dieser in der ZDF-Talkshow des Öfteren ganz ähnlich vorgegangen war.

Doch hat der Journalist auch einen Vorschlag parat, wie es auch anders ginge. Politiker könnten bzw. sollten „ehrlich dazusagen“, dass sie eine steigende Infektionsrate in Kauf nähmen, weil derzeit andere Faktoren stärker ins Gewicht fielen, etwa Familien- und Sozialpolitik. Und sich dann fragen: „Geht ihr mit, Eltern?“. Dazu möchte auch Güler noch etwas anmerken, die sich auf den politischen Alltag bezieht. Der Elternverband, so erzählt sie, habe die Entscheidung begrüßt, die Grundschulen in NRW am 15. Juni wieder zu öffnen.

In der darauffolgenden Markus-Lanz-Talkshow am Mittwochabend des 10. Juni im ZDF-TV geht es um den KriminalfallMaddie" McCann und die Rolle der Eltern*. Zusammenhängend damit berichtet 24hamburg.de auch über den in Kiel in der JVA einsitzenden Tatverdächtigen Christian B. und seinen neuen Hamburger Star-Anwalt Johann Schwenn.

Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz

* 24hamburg.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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