Korruptionsskandal?

Göring-Eckardt (Grüne) bei Markus Lanz (ZDF): Moria-Kinder leiden enorm – „was tun Griechen mit EU-Hilfsgeldern?“

  • Yannick Hanke
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Grüne-Politikerin Katrin Göring-Eckardt spricht in der TV-Talkshow mit Moderator Markus Lanz (ZDF) über die griechische Regierung: EU-Hilfsgelder verschwinden in unbekannten Kanälen.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 17. September 2020, sind die Bündnis 90/Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, die Journalistin Claudia Kade, Psychiater Manfred Lütz sowie Autor Ijoma Mangold zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Der Fokus liegt auf der Politikerin, die sich zum abgebrannten Flüchtlingslager Moria* und dem Versagen der griechischen Regierung äußert.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Katrin Göring-Eckardt
Geboren:3. Mai 1966 (Alter 54 Jahre), Friedrichroda
Größe:1,75 m
Ehepartner:Michael Göring (verh. 1988)
Ausbildung:Universität Leipzig
Partei:Bündnis 90/Die Grünen

Markus Lanz (ZDF): Katrin Göring-Eckardt (Grüne) spricht über Besuch von Flüchtlingslager Moria

Katrin Göring-Eckardt ist seit Oktober 2013 neben Anton Hofreiter Vorsitzende der Bundestagsfraktion vom Bündnis 90/Die Grünen. Die 54-Jährige ist seit mehr als 30 Jahren in der Politik aktiv und weiß mit Schlagfertigkeit zu punkten. Ob ihr dies auch in der Hamburger* Runde von ZDF*-Moderator Markus Lanz gelingt? Dort ist Göring-Eckardt am Donnerstag, 17. September 2020, zu Gast. Das Gespräch startet mit dem ehemaligen Flüchtlingslager Moria auf Griechenland, das nach einem flächendeckenden Brand nicht mehr bewohnbar ist.

Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt kann nicht verstehen, dass Griechenland trotz Geldern der Europäischen Union keine Unterkünfte für die Moria-Flüchtlinge gebaut hat. (24hamburg.de-Montage).

Die Grünen-Politikerin war vor Ort und kann somit ungefilterte Eindrücke aus erster Hand schildern. Göring-Eckardt spricht allein von 4.000 Kindern, die sie auf der Straße vorfand und für die ihre Reisegruppe „die einzige Unterhaltung“ gewesen sei. „Sie hatten nicht genug zu essen, nicht genug zu trinken, das Wohnzimmer war eine Decke, Küche und Schlafzimmer waren die gleiche Decke. Es gab auch keine Toiletten. Das war schon hochdramatisch zu sehen“, beginnt die gebürtige Thüringerin ihre Erzählung.

Göring-Eckardt wollte sich ein Bild von der prekären Situation zahlreicher Menschen machen und ergründen, welche politischen Lösungen nun umgesetzt werden müssen. „Welche Dimensionen hat das alles?“, will Moderator Markus Lanz daraufhin wissen. Die Antwort der Politikerin: „Es sind 12.000 Menschen obdachlos geworden. Einige haben sich in die Olivenhaine zurückgezogen, die meisten befanden sich aber auf der Straße. Den Kindern und Erwachsenen war deutlich anzumerken, dass sie nicht mehr können“. Auch Lanz konnte nach dem Aus von „Wetten, dass..?“ vorerst nicht mehr*.

Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt gilt als Frau der klaren Worte.

Die 54-Jährige habe vollstes Verständnis dafür, dass auch viele Griechen mit der derzeitigen Situation unzufrieden sind und sogar demonstrieren. „Ihr lasst uns alleine, heißt es von diesen Menschen. Die haben jetzt viele Jahre geholfen, haben viele Jahre diese Strukturen gestützt. Aber immer wieder haben sie sich alleine gelassen gefühlt“, führt die Grünen-Politikerin aus. Dann verweist sie auf erschreckende Zahlen: „Europa hatte 2017 versprochen, 160.000 Menschen aufzunehmen. Jetzt sind es gerade mal 35.000 Menschen. Daran sieht man die Diskrepanz und auch das fehlende Vertrauen“.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Runde rätselt – wo ist das Geld für griechische Flüchtlings-Unterkünfte?

Werte, welche die Hamburger Runde erst einmal sacken lassen muss. Zumindest so lange, bis ZDF-Moderator Markus Lanz das Wort ergreift. Er erzählt, dass zwischen 2,3 und drei Milliarden Euro innerhalb von vier bis fünf Jahren an die griechische Verwaltung geflossen sein sollen, um Zustände wie in Moria zu beheben. „Können Sie mir sagen, wo dieses Geld abgeblieben ist?“, will der Talkmaster daraufhin von Katrin Göring-Eckardt wissen.

„Nein, das kann ich nicht sagen. Da müssen Sie die Griechen fragen. Natürlich kann so etwas aber nicht sein. Ich glaube, die Griechen denken sich immer, dass sie alles alleine machen müssen und wie das eigentlich gehen soll. Man gibt ihnen Geld, aber keine Ahnung, was damit gemacht wird. Sie helfen übrigens auch nicht den anerkannten Asylbewerbern. Die kommen aufs Festland und haben dann gar nichts mehr. Es ist und bleibt eine hochdramatische Situation“, beschreibt Göring-Eckardt die derzeitige Lage der Moria-Flüchtlinge.

Laut Markus Lanz würde zunehmend der Eindruck entstehen, dass beispielsweise die Deutschen nichts tun würden, um den Flüchtlingen zu helfen. Ähnlich wie auch die Griechen. „An der griechischen Regierung gibt es viel berechtigte Kritik, da sollte man auch nicht drum herumreden. Allein, wenn man sich anschaut, wie viel Geld da ist und was hätte anders gemacht werden können“, heißt es zunächst einmal von der Grünen-Politikerin.

Dem fügt sie Folgendes an: „Dass die griechische Regierung aber sagen würde, es soll gar keiner in die anderen europäischen Länder kommen kann, stimmt eben nur für jetzt und aktuell. Es wird nämlich gesagt: Nehmt zumindest die unbegleiteten Minderjährigen und die 500 Familien. Die Frage ist aber doch, ob es ein geordnetes Verfahren für Europa gibt. Und das ist genau das Problem, an dem wir gerade arbeiten“. Probleme sieht auch Peter Tschentscher (SPD) hinsichtlich steigender Coronavirus-Infektionen*.

Markus Lanz (ZDF): Katrin Göring-Eckardt (Grüne) stellt Griechen an Pranger – „Unterkünfte müssen gebaut werden“

Einwurf von Markus Lanz. „Warum schwingen wir Deutsche uns dann aber immer dazu auf, den Griechen zu erklären, was sie gefälligst zu tun haben?“, fragt der ZDF-Moderator. „Es geht doch gar nicht darum, den Griechen etwas zu erklären. Aber wenn sie dafür Geld nehmen, um anständige Unterkünfte zu bauen, dann müssen diese auch gebaut werden. Das ist jetzt auch nicht moralisch, das ist ein Deal. Und der muss eingehalten werden“, betont Göring-Eckardt entschlossen. Ähnlich entschieden tritt auch Katja Kipping (Linke) in Bezug auf den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz auf*.

Der Grünen-Politikerin zufolge könne es aber auch nicht sein, dass sich der Rest von Europa aus der Verantwortung stiehlt, während die Griechen entsprechende Unterkünfte bauen. „Das Vertrauen in Deutschland und in die EU gibt es in Griechenland nicht. Und das ist ein richtiges Problem“, merkt Göring-Eckardt an. „Man darf auch nicht sagen, dass nur die mit einem abgeschlossenen Asylverfahren in Griechenland weiter dürfen. Die Frage ist doch, was mit diesen Menschen passiert, sobald sie auf dem Festland sind. Denn dort haben sie erstmal gar nichts“.

Daraufhin konfrontiert Moderator Markus Lanz die 54-Jährige mit einem ihrer Tweets, in dem die Politikerin „Menschlichkeit“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)* und Innenminister Horst Seehofer (CSU) gefordert hatte. Wie von 24hamburg.de-MarkusLanz berichtet, ist Seehofer im Rahmen der ZDF-Talkshow bereits an den Pranger gestellt worden*. Denn auch in der Hamburger Runde wurde emsig an den Innenminister appelliert, die Moria-Flüchtlinge zu retten. Darüber hinaus zeigt sich Markus Lanz entsetzt über das Verhalten mancher Kneipen-Betreiber*. Dies bezieht sich auf den Umgang mit dem Coronavirus, das auch SPD-Politiker Karl Lauterbach beschäftigt*.

Doch noch einmal zurück zum Twitter-Hilferuf von Katrin Göring-Eckardt. Markus Lanz verstehe nicht, warum ausgerechnet von diesen beiden Politikern „Menschlichkeit“ gefordert wird, da sie in diesem Bereich bereits viel in die Wege geleitet hätten. „Der Tweet geht ja noch weiter, da geht es auch um Ordnung. Und was wir aus dem Jahr 2015 und davor lernen sollten ist, dass wir kein Chaos mehr in Europa zulassen“, kontert die Grünen-Politikerin. Auf einen gemeinsamen Nenner kommen der ZDF-Moderator und Göring-Eckardt am Ende nicht mehr. Kennt Lars Klingbeil (SPD) nur zu gut, der mit Markus Lanz intensiv über Kanzlerkandidat Olaf Scholz diskutierte*. * 24hamburg.de und fr.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa/picture alliance

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