Tatverdächtiger mehrfach vorbestraft

Markus Lanz (ZDF): Welches Spiel treiben Maddie McCanns Eltern? – „Fehler ihres Lebens“ begangen

  • Yannick Hanke
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Der Fall der vermissten Engländerin Madeleine „Maddie" McCann, unlängst erneut in den Fokus der Ermittler und der Medien gerückt, beschäftigt auch Markus Lanz. In der Hamburger TV-Runde spricht der ZDF-Moderator mit seinen Gästen über die neuesten Erkenntnisse.

  • Markus Lanz (ZDF)*: Vermisstenfall Maddie McCann im Fokus.
  • Perfides Spiel der Maddie-Eltern?
  • Tatverdächtiger mehrfach vorbestraft.

Hamburg/Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe von Mittwoch, 10. Juni 2020 sind Schauspieler Hannes Jaenicke, ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen sowie die Journalisten Sebastian Eder und Cornelia Fuchs zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus steht der Vermisstenfall MadeleineMaddieMcCann, die vor dreizehn Jahren verschwunden ist und in dem nun neue Bewegung kommt.

Indes sitzt der des Mordes an „Maddie“ verdächtigte Christian B. in der Justizvollzugsanstalt Kiel in Einzelhaft. Christian B. wird neuerdings von einem Hamburger Star-Anwalt vertreten.

Fernsehmoderator:Markus Lanz
Geboren:16. März 1969 (Alter 51 Jahre), Bruneck, Italien
Größe:1,81 m
Ehepartnerin:Angela Gessmann (verh. 2011)
Eltern:Anna Lanz
Kinder:Laurin Lanz

Markus Lanz (ZDF): Hamburger ZDF-Talkshow zwischen Mord an George Floyd und Fall Maddie McCann

Nach vielen Wochen, in denen bei Markus Lanz ausschließlich über das Coronavirus-Sars-Cov-2* und die damit verbundenen Auswirkungen, Be- und Einschränkungen diskutiert wurde, sind mittlerweile auch wieder andere Themen Teil der ZDF-Talkshow. Unlängst wurde über die Missbrauchsfälle in Münster* debattiert, zu denen sich auch Deutschrapper Kontra K geäußert hat*. Aber auch der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd, die daraus resultierenden Proteste in den USA und die Rassismus-Diskussion in Deutschland* wurden aufgegriffen.

Auch in der neuesten Ausgabe von Mittwoch, 10. Juni geht es zunächst um rassistische Polizeigewalt gegenüber schwarzen Menschen. ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen berichtet aus den USA und spricht über die Trauerzeremonie George Floyds in Houston (Texas), die mitunter den Eindruck eines Staatsbegräbnisses erweckte. Nicht für minder Emotionen sorgt der Vermisstenfall Maddie McCann*, der durch neue Ergebnisse der Ermittler aktuell wieder omnipräsent in den Medien ist. Hierzu äußern sich die beiden Journalisten Sebastian Eder und Cornelia Fuchs, die ihre Informationen in der Hamburger* ZDF-Runde zusammentragen.

Erst Anfang Juni hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig bekannt gegeben, dass sie wegen Verdacht des Mordes gegen einen 43-jährigen Deutschen ermittelt. Dabei handele es sich um einen wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern vorbestraften Mann. Der Tatverdächtige verbüße laute Staatsanwaltschaft aktuell eine längere Haftstrafe, die aus einer Sexualstraftat und Rauschgifthandel resultiert. Angesichts der neuen Erkenntnisse im Fall Maddie McCann wurde das Verschwinden der Engländerin am 3. Juni auch erneut in der ZDF-FernsehsendungAktenzeichen XY ungelöst“ aufgegriffen

Stern“-Redakteurin Fuchs und „FAZ“-Redakteur Eder rekapitulieren in „Zusammenarbeit“ mit Moderator Markus Lanz den Vermisstenfall der heute 17-jährigen Engländerin - sollte die Entführte noch leben. 2007 verschwand die damals 3-Jährige aus einer Ferienanlage in Praia da Luz in Portugal. Nachdem die portugiesischen Behörden die Ermittlungen eingestellt hatten, übernahm 2011 Scotland Yard die Suche. Mithilfe von Videoaufnahmen, die nachgestellte Szenen vom 3. Mai 2007, Tag des Verschwinden McCanns, zeigen, zeichnet das ZDF den Fall nach.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Talkrunde diskutiert über Rolle der McCann-Eltern

Der erfahrene Talkmaster spricht von einem Verbrechen, das die Menschen weltweit bewegt habe. Auch erwähnt Lanz, dass die Eltern selbst unter Verdacht gerieten und in der medialen Wahrnehmung von Opfern zu Tätern wurden. Fuchs war damals England-Korrespondentin und weiß detailliert über den Fall zu berichten. „Dieser Name war eine Erfindung der Boulevard-Medien“, sagt die „Stern“-Redakteurin über den Spitznamen „Maddie“. So hätten die Eltern ihre Tochter nie genannt, er sei jedoch prägnanter und hätte sich in der Berichterstattung etabliert.

Warum die Eltern systematisch die Öffentlichkeit gesucht haben, möchte der 51-jährige Lanz wissen. Das weiß Fuchs zu beantworten: „Die Polizei durfte nicht mit Journalisten sprechen. Sie haben den Rat bekommen, sich an die Presse zu wenden. Sie hatten von Anfang an eine sehr professionelle PR-Strategie. Das Außenministerium hat einen Mitarbeiter runtergeschickt. Er war vorher Journalist bei der BBC. Der hat dann selbst entschieden, dass er seinen Job vom Außenministerium aufgibt“, erklärt die seit rund 20 Jahren für den „Stern“ tätige Journalistin.

„Who took our Maddy?“: In der Hamburger Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz geben die Journalisten Cornelia Fuchs (links) und Sebastian Eder Einblicke in der Vermisstenfall Madeleine McCann. (Screenshot)

Kate und Gary McCann hätten sich vor der Kamera anders verhalten, als man es erwarten würde. Dies wäre auch Lanz aufgefallen: „Diese Eltern wirkten von Anfang an abgeklärt und unglaublich stark“. Da kann Fuchs nur zustimmen und ergänzt: „Unglaublich gefasst, fasst schauspielernd. Man muss wissen, dass sie diese Auftritte manchmal zwei Tage geübt haben. Die Psychologen haben gesagt, sie dürfen ihre Gefühle nicht zeigen“.

Doch damit nicht genug. „Dann hat sich Kate McCann mit Helfern und ihrem Mann hingesetzt und geschaut, ob sie zwei oder drei Sätze schafft. Es war eine Art von Perfektionismus“, sagt die Redakteurin. Als Konsequenz dessen habe es viele, wüste Beschimpfungen gegeben. Auch Drohbriefe seien keine Seltenheit gewesen. Im Fokus der Kritik hätte gestanden, dass die Eltern ihre Kinder allein gelassen haben. Jedoch merkt Fuchs auch an, dass nicht vergessen werden darf, dass sich das Restaurant, in dem sich Madeleine McCanns Eltern aufhielten, auf dem Gelände des Hotels befand.

Markus Lanz (ZDF): „Fehler ihres Lebens“ – „Stern“-Redakteurin spricht über verhängnisvolle Nacht

„Die McCanns haben die Verandatür offengelassen. Gary hat gesagt, dass sein Gefühl gewesen sei, dass sie im Garten wären. Im Rückblick wissen sie: Das war der Fehler ihres Lebens. Sie haben sich nie gedrückt davor, das so zu sagen. Sie hatten kein Babyfone, es gab Probleme mit dem Empfang“, erklärt Fuchs die Hintergründe zur verhängnisvollen Nacht. Zwar hätten Freunde ein Babyfone dabei gehabt, jedoch wollte die McCanns dieses nicht nutzen. Das Tragische: die Eltern von Madeleine McCann waren nur 80 Meter vom Tatort entfernt.

„Er raubte dieses Kind aus der Situation heraus. Es musste jemand sein, der sich da auskannte und wusste, dass die Verandatür auf war. Die Zwillinge haben lange weiter geschlafen. Die Eltern hatten das Gefühl, dass die Zwillinge sediert worden sind“, schildert Fuchs. Ein Gerücht, das auch überall nachzulesen sei. „Diese Familie hat keinen privilegierten Hintergrund. Seine Mutter kommt aus einer irischen Einwandererfamilie. Die beiden haben sich wirklich hochgearbeitet. Es sind unglaubliche Zufälle dagewesen. Ein Bruder von Gary lebte in der gleichen Straße wie der damalige Premier Gordon Brown. Er hat sehr früh eine Tochter verloren und war dann für dieses Thema empfänglich“, versucht die Journalistin zu erklären, wie es möglich war, die breite Öffentlichkeit zu mobilisieren.

Die „Stern“-Redakteurin habe sogar mit der Mutter, Kate McCann, gesprochen. „Das kann man gar nicht verstehen. Sie wurde am Stück elf Stunden befragt. Sie hat mir 2011 erzählt, dass die Polizei sie zum Geständnis drängen wollte. Sie hatte genug und wollte damit abschließen. Gary McCann hat gesagt, dass er bis heute glaubt, dass die Polizei sie nicht verdächtigt haben. Danach sind sie schnell nach Großbritannien gegangen. Der Druck von den Beamten war, dass ihr gesagt wurde, wenn sie nicht gesteht, kann sie auch die anderen Kindern verlieren“, erzählt Fuchs.

Markus Lanz (ZDF): Hat Christian B. Maddie McCann ermordet? „FAZ“-Journalist kennt die Hintergründe

Als es konkret um den Tatverdächtigen geht, darf auch „FAZ-“Redakteur Sebastian Eder mitmischen. Er habe lange Zeit über den Fall recherchiert und weiß zu berichten, dass Scotland Yard in Kooperation mit den Eltern nach einem Mann gesucht habe, der am 3. Mai 2007 gegen 22 Uhr mit einem Kind auf dem Arm gesehen wurde und Richtung Strand gelaufen sei.

„Das war die erste Spur. Die Ermittler haben gesagt, dass sie ihn jetzt unter Mordverdacht haben. 2013 ist das erste Mal der Name gefallen. Christian B. hätte in einer Bar gesessen und einen Bericht gesehen und gesagt, dass er diese Tat begangen habe. Mit einem Video hätte er noch wegen einer schweren Vergewaltigung geprahlt", erklärt Eder. Zurzeit würde der Tatverdächtige eine Haftstrafe von 21 Monaten absitzen, bereits 2011 wurde er verurteilt. Mittlerweile sei auch bekannt, dass dieser rund eine halbe Stunde mit einem Handy telefoniert hat, was in der Nähe des Tatorts eingeloggt war. Eindeutige Beweise würden laut Lanz jedoch fehlen.

Der unter Mordverdacht stehende Mann habe bereits zwei Drittel seiner Strafe verbüßt und einen Antrag auf Entlassung gestellt. Christian B. wurde bereits im Jahr 2005 wegen einer Vergewaltigung einer 72-jährigen Amerikanerin in Praia da Luz verurteilt. Diese sei aber noch nicht rechtskräftig, so Eder. Schon 1994 stand er wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht. „Es war eine Sechsjährige, die er auf einem Spielplatz missbraucht hat", merkt Eder an. Die große Frage sei nun, wie die Eltern von Madeleine McCann mit diesen neuen Erkenntnissen umgehen würden.

Fuchs hat einen Erklärungsansatz: „Die beiden Eltern haben unterschiedliche Strategien. Gary ist ein pragmatischer Mensch. Er braucht die Aufgabe, die Suche nach der Tochter zu organisieren und ein Netzwerk aufzubauen, mit dem Kinder schneller gesucht werden. Kate hat sich auf die Familie konzentriert. Ihre Zwillinge sind jetzt Teenager. Es war eine große Aufgabe die Kinder zu schützen, eine Lebensaufgabe". Da der Tatverdächtige bisher eisern schweigt, soll nun ein Hamburger Star-Anwalt die Verteidigung übernehmen*.

Kritisch betrachtet FR.de die aktuelle inhaltliche Entwicklung der Markus-Lanz-ZDF-TV-Talkshows: Corona oder Rassismus? Markus Lanz bedient lieber den Boulevard*.

Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz

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Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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