Zoff über Corona-Regeln

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach sicher – Ausgangssperre ein Muss

  • Jens Kiffmeier
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Bei Markus Lanz geht es um die Frage, wie das Coronavirus zu stoppen ist. Karl Lauterbach ist sich sicher: Ohne Ausgangssperre wird das nichts.

Hamburg – Die Corona-Zahlen schießen in die Höhe. Der Lockdown wurde verlängert. Und Urlaubsreisen? Die sind auf längere Sicht erst mal unplanbar. Gibt es für die Deutschen in der Corona-Krise überhaupt einen Grund für Optimismus? Diese Frage wollte Markus Lanz am Mittwochabend in seiner ZDF-Talksendung erörtern.

Deutscher Moderator:Markus Lanz
Geboren:16. März 1969 in Bruneck (Südtirol, Italien)
Wohnort:Hamburg, Stadtteil Rotherbaum
Produktionsfirma:Mhoch2 TV (seit 2011)

Doch die Antwort auf die Ausgangsfrage fiel weniger optimistisch aus, als sich das viele Zuschauer vielleicht eingangs erhofft hatten. Kein Wunder, immerhin hatte Moderator Lanz mit SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach einen ewigen Mahner eingeladen. Lauterbach, der eine Art Dauergast in der ZDF-Sendung ist und mit seinen unbequemen Prognosen stets Recht behalten hat, traf dabei auf Journalist Heribert Prantl, Ärztin Lisa Federle und Medizinethikerin Alena Buyx.

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach plädiert für Ausgangssperre im Corona-Lockdown

Bereits einen Monat zuvor hatte die Runde in exakt derselben Zusammensetzung bei Lanz zusammengesessen. Damals waren Lauterbach und Prantl heftig aneinander geraten – und der Journalist wollte von dem Schwarzmahler irgendwann genervt wissen, ob er denn in der Krise gar keinen Lichtblick sehe? Leider war die Sendezeit damals vorbei. Deshalb kam es jetzt zur Neuauflage.

Fordert strenge Corona-Regeln: SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. (24hamburg.de-Montage)

Vier Wochen sind allerdings in der Pandemie eine Ewigkeit. Wurden damals noch Öffnungsschritte diskutiert, sind sämtliche beschlossene Lockerungen bereits wieder vom Tisch. Stattdessen wurde der Lockdown jüngst verlängert und die Regeln teilweise verschärft. Eine spezielle Osterruhe, in der das gesellschaftliche Leben für fünf Tage zum Stillstand gebracht werden sollte, ließ sich von Bund und Ländern allerdings nicht umsetzen.

Durch das Hin und Her fühlt sich Journalist Prantl in seiner Position mehr als bestätigt. Bei den jüngsten Lockdown-Beschlüssen des Corona-Gipfels fehle der rote Faden, eröffnete er die Debatte. Gottesdienste sollten nur virtuell abgehalten werden, Fußballspiele dürften stattfinden. Allerdings hatte die geplante Osterruhe zuletzt auch beim HSV viel Verwirrung um eine Spieltags-Absage ausgelöst.

Corona-Lockdown: Karl Lauterbach sieht keine Alternative zu strengen Regeln

„Da passt vieles nicht zusammen. Die Akzeptanz für die Corona-Politik ist weg“, schimpfte er. „Die Leute regt das zu Recht auf.“ Statt mit neuen Teststrategien und mehr Tempo beim Impfen die Krise zu bekämpfen, reagiere der Staat mit den immer gleichen Maßnahmen und schränke dabei die Grundrechte der Menschen über Monate ein. So mache man den Menschen wohl kaum Mut.

In diesem Moment fühlte sich Karl Lauterbach schon wieder genug provoziert. „Lassen Sie das“, herrschte er Prantl an. Der Journalist stelle die Lage völlig falsch dar. Und das sei gefährlich. „Wir haben ein anderes Virus und deshalb müssen wir einen anderen Lockdown machen“, betonte der SPD-Gesundheitsexperte. Mit dem Lockdown, der vor einem Jahr gegolten habe, käme man heute nicht mehr weit. „Denn das Virus ist einfach so viel ansteckender. Das ist wie ein neues Virus, eine neue Pandemie.“

Karl Lauterbach geht der Lockdown nicht weit genug – Osterruhe war richtig

Vor diesem Hintergrund will Lauterbach auch gar nicht verhehlen, dass ihm der jüngste Lockdown nicht weit genug geht. Die geplante und nun wieder zurückgenommene Osterruhe sei in der Grundidee richtig gewesen, um die dritte Pandemiewelle zumindest abzuflachen, sagte er. Es gelte die Fallzahlen mit Blick auf die hochansteckenden Virusmutationen so klein wie nötig zu halten. In diesem Zusammenhang befürworte er auch die bundesweit diskutierten Ausgangssperren.

Nach dem Grund-Länder-Beschluss können Städte oder Landkreise, in denen die Inzidenz über 100 steigt, grundsätzlich auch eine nächtliche Ausgangssperre erlassen. Das Instrument ist aber oft umstritten. In Hamburg etwa, wo die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, seit einer Woche weit über der Marke liegt, wurde bislang auf diese Maßnahme verzichtet. In Bremen und Bremerhaven wird die Ausgangssperre* indes gerade heiß diskutiert.

Ausgangssperren ja oder nein? Auch in dieser Frage kamen Prantl und Lauterbach nicht zusammen. Wieder einmal. Wie schon in der früheren Sendung. Deshalb stellte Moderator Lanz seine Schlussfrage dann auch gleich lieber Medizinethikerin Buyx. Dürfen die Deutschen denn jetzt Hoffnung haben? Ihre Antwort: „Ich glaube, dass wir die Hoffnung bewahren können. Aber es wird eine knacke-harte Zeit.“ * 24hamburg.de und nordbuzz.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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