ZDF-Star an die Macht?

Jusos-Chef Kevin Kühnert will TV-Moderator Markus Lanz (ZDF) zum Bundeskanzler küren

  • Yannick Hanke
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Im Fokus der neuesten Markus Lanz-Ausgabe steht SPD-Politiker Kevin Kühnert. Der Juso-Bundesvorsitzende verteidigt das Konjunkturpaket der Bundesregierung - und macht dem ZDF-Moderator ein überraschends Angebot.

  • Markus Lanz*: ZDF-Moderator nimmt sich Jusos-Chef Kevin Kühnert (SPD) vor.
  • Uneinigkeit über Konjunkturpaket.
  • Was Coronavirus-Sars-Cov-2* für die Wirtschaft bedeutet.

Hamburg/Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe von Dienstag, 16. Juni 2020 sind Jusos-Chef Kevin Kühnert (SPD), die Journalisten Dagmar Rosenfeld und Christoph Röckerath (zugeschaltet) sowie Virologe Martin Stürmer zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus stehen der ZDF-Moderator selbst und Jung-Politiker Kühnert. Es geht um Apps, Geld und Urlaub.

Politiker:Kevin Kühnert
Geboren:1. Juli 1989 (Alter 30 Jahre), West-Berlin
Größe:1,7 m
ParteiSozialdemokratische Partei Deutschlands
Ausbildung:FernUniversität in Hagen, Beethoven-Gymnasium, Freie Universität Berlin

Markus Lanz (ZDF): SPD-Politiker Kevin Kühnert argumentiert im Hamburger Studio für Coronavirus-Sars-Cov-2-App

ZDF-Moderator Markus Lanz ist ein Mensch, der für viele Dinge zu begeistern ist. Nicht selten lobt er den neuesten Film, das neueste Buch oder sonstige Produkte seiner Gäste. In der aktuellsten Ausgabe seiner in Hamburg-Altona produzierten Talkshow zeigt sich der gebürtige Italiener schwer begeistert von der Corona-Warn-App. Zumindest so lange, bis „Welt"-Journalistin Dagmar Rosenfeld die Erwartungen und Hoffnungen des 51-Jährigen dämpft.

Ihr zufolge habe es bislang kein Land geschafft, die Quote zu erreichen, welche für die Wirksamkeit der App notwendig sei. Möglich sei es in Deutschland aber, merkt Rosenfeld ein wenig optimistisch an. Dann folgt der Auftritt von Virologe Martin Stürmer, gern gesehener Gast in der ZDF-Talkshow*. Er nennt zwei Gründe, warum er mit der noch jungen App bereits unzufrieden ist.

Daumen hoch für Markus Lanz: Wird der ZDF-Moderator zukünftig zum SPD-Bundeskanzler? Politiker Kevin Kühnert (SPD) schlägt dies vor. (Screenshot)

Zum einen, da er die App gerne schon im Zuge der ersten Lockerungen gehabt hätte. Zum anderen, da sie nicht mit ähnlichen Apps in den Nachbarländern Deutschlands kompatibel ist. „Die deutsche App kommuniziert nicht mit der österreichischen oder der spanischen", lautet die Feststellung Stürmers, der sich aber ebenfalls optimistisch zeigt und denkt, dass dies zeitnah möglich sein wird.

Rosenfeld hier, Stürmer da - alles nur Statisten im Vergleich zum eigentlichen Star der Sendung: Kevin Kühnert. Der SPDler verteidigt die Dauer der Entwicklung der App mit Blick auf den Datenschutz. Bei zu viel Skepsis und Sicherheitsbedenken wäre die App mit Sicherheit weniger gut angenommen worden, merkt Kühnert an. Zudem sei es gedacht, dass man im jeweiligen Urlaubsland die örtliche Corona-App nutze.

Markus Lanz (ZDF): Die große Kevin Kühnert-Show - SPDler über Brasilien, Precht und Kinderbonus

Im Folgenden wird die Hamburger* Runde von Markus Lanz sowohl mit Bildern von vollen Ferienfliegern, die sich gen Mallorca aufmachen, als auch mit Videosequenzen aus Brasilien konfrontiert. Im südamerikanischen Land leugnet Präsident Jair Bolsonaro die bloße Existenz von Coronavirus-Sars-Cov-2*, reagiert nur mit hämischen und spöttischen Kommentaren und fordert die Leute dazu auf, die Betten in Krankenhäusern zu inspizieren. Aufnahmen von unzähligen Gräbern, ausgehoben von einer Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich am Sandstrand befinden, schocken Gäste und Moderator.

Brasilien sei natürlich ein Extrembeispiel, merkt Kevin Kühnert an. Der 30-jährige Berliner lässt fast neunmalklug verlauten, dass sich in einer Krise die Belastbarkeit eines Systems offenbaren würde. „Ich kann mir den Kommentar nicht verkneifen: Wenn man sich die großen Infektionsherde national anguckt Brasilien, USA, Großbritannien - hat das vielleicht auch damit zu tun, wie verantwortungsvoll Regierungen gegenüber ihrer Bevölkerung auftreten“, vermutet der Bundesvorsitzende der Jusos, der Jugendorganisation der SPD.

„Für eine Pandemie dieser Art gibt es kein Drehbuch, sich im Nachhinein hinzustellen und zu sagen, wir haben überreagiert, halte ich für eine gewagte These“, kritisiert Kühnert den Vergleich von Richard David Precht. Der Philosoph, der fast schon zum Repertoire der ZDF-Talkshow gehört, hatte am Montag, 15. Juni angemerkt, dass Deutschland in Relation zu anderen Ländern „auf die Krise offenkundig überreagiert“ hat. In dieser Hinsicht pflichtet Rosenfeld dem SPD-Politiker bei - ansonsten herrscht kein Konsens zwischen dem Bundesvorsitzenden der Jusos und der Journalistin.

Die „Welt“-Reporterin fragt sich, wie es sein könne, dass in einem reichen Land wie in der Bundesrepublik fehlende Seife in Schulen ernsthaft ein Problem sei. Den Kinderbonus von 300 Euro hält sie für falsch investiert. „Man hätte diese Summe von über vier Milliarden Euro nehmen können, um offensiv in Schulen, Kindergärten und digitales Betreuungsangebot zu investieren“, ist die Meinung Rosenfelds. Kämpfer Kühnert kann das in dieser Form nicht stehen lassen. Der 30-Jährige verteidigt zunächst das Zögern der Regierung bei den Schulöffnungen. Ihm zufolge seien Schulen und Kitas besondere Räume, in denen Abstand halten schwierig sei.

Jusos-Chef Kevin Kühnert bietet Markus Lanz (ZDF) an Kanzlerkandidat für die SPD zu werden (24hamburg.de-Montage)

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Moderator als SPD-Kanzler? Kevin Kühnert verblüfft alle

Zudem sei der Konjunktureffekt wohl kalkuliert, gar drei Viertel der Kosten würden an die Haushalte weitergegeben werden. Maßnahmen, die vor allem „reichen Sportwagenkäufern“ zugutekommen würden, wie Lanz es ausdrückt. Konter Kühnerts, der vehement betont, dass das Geld an alle Haushalte verteilt werde. Kurze Pause für den Politiker, Rosenfeld übernimmt das Ruder. Die von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) geplante Neuverschuldung über 218 Milliarden Euro ist der Journalistin unheimlich.

„Es wird unglaublich viel Geld in die Hand genommen. Wie wollen wir hinkriegen, diese Schuldensumme wieder abzuzahlen?“, präsentiert sich die „Welt"-Reporterin mehr als skeptisch. In dieser Situation beweist Markus Lanz taktisches Kalkül, hält sich entgegen seines Egomanen-Auftritts von Freitag, 12. Juni* zurück und lässt Rosenfeld und Kühnert freie Fahrt. Die beiden streiten sich über das Für und Wider der Schwarzen Null, die Entwicklung der deutschen Schuldenquote und natürlich über das Bild bzw. die öffentliche Wahrnehmung von der SPD.

Nach geraumer Zeit wird der ZDF-Moderator doch wieder aktiv. Markus Lanz erkundigt sich nach den Umfragewerten der Sozialdemokraten - und erfährt eine Abweisung durch Kühnert. Der wiegelt die Nachfrage mit dem Coronavirus-Sars-Cov-2-Zeiten-Argument ab. Es sei bekannt, dass sich Bürger vor allem in Krisenzeiten auf Führungspersönlichkeiten fixieren würden. Damit sind am Ende Ungewissheit, Uneinigkeit und, leicht überspitzt, Untertänigkeit zu bilanzieren.

Wobei, ganz zu Ende ist das Gespräch respektive die Diskussion zwischen Lanz und Kühnert noch nicht. Der Talkmaster möchte vom SPD-Politiker wissen, was er von Vizekanzler Olaf Scholz und dessen Position halte. „Wäre Olaf Scholz ein guter Kanzlerkandidat?“, lautet die provokante Frage des 51-jährigen Hamburgers. Daraufhin weicht Kühnert einer klaren Antwort aus und hält dagegen. „Würden sie gerne Spitzenkandidat der SPD werden?“, platzt es aus dem Berliner heraus. Gelächter in der Runde, Strahlen in den Augen von Markus Lanz. Bahnt sich eine Überraschung an? Gewiss ist bereits, dass die CDU-Parteikollegen Wolfgang Bosbach und Philipp Amthor keine Freunde* mehr werden. // Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz

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Rubriklistenbild: © Kai Nietfeld/dpa & Soeren Stache/dpa

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