Katastrophale Zustände

Markus Lanz (ZDF): Lauterbach in Corona-Angst – Portugal-Zustände in Deutschland?

  • Jan Knötzsch
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Das nächste Corona-Horror-Szenario in Deutschland ist nah – sagt SPD-Gesundheitsexperte bei Markus Lanz. Was steckt hinter seinen Ausführungen?

  • Karl Lauterbach ist in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz zu Gast.
  • Der SPD-Politiker spricht über die Gefahren neuer Coronavirus-Mutationen.
  • Für Lauterbach ist „von großer Bedeutung, was wir am 14. Februar machen“.

Hamburg-Altona – Das Coronavirus und kein Ende: Auch diesmal sind die Pandemie und ihre Folgen das Thema von ZDF-Talker Markus Lanz, der sich dazu SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, den Grünen-Chef Robert Habeck und die Journalisten Valerie Höhne ins Studio eingeladen hat. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Journalist Tilo Wagner sind zudem zugeschaltet. Die Runde diskutiert über das Impftempo, einen weiteren Lockdown ab dem 14. Februar sowie die Gefahren für die Zukunft – und da malt Lauterbach ein wenig erfreuliches Bild.

Politiker:Karl Lauterbach
Geboren:21. Februar 1963 (Alter 57 Jahre) in Düren
Ehepartnerin:Angela Spelsberg
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005
Ausbildung:Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf u.v.m.

Markus Lanz (ZDF): Malu Dreyer sieht kein Riesenproblem in der Impfstoff-Frage

Oder anders gesagt: Der Mann, der im vergangenen Jahr 31 Mal in Talkshows zu Gast war – allein 17 Mal bei Lanz, den er damit zum Quotenkönig macht(e) –, warnt vor einem weiteren Horror-Szenario. Doch der Reihe nach. Zunächst lobt Lanz Lauterbach dafür, dass dieser schon im August des vergangenen Jahres in Sachen Impfungen äußert weitsichtig gewesen sei und fast schon prophetisch zielsicher vorhersagte: „Wir werden bis Mitte März 2021 vielleicht nur 20 Prozent der Bevölkerung geimpft haben, erst bis 2022 alle.“

SPD-Politiker Karl Lauterbach (re.) spricht in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz über Corona-Mutationen und mögliche Zustände wie in Portugal. (24hamburg.de-Montage)

Dass diese Aussage nicht haltbar sei, daran glaubt derweil Malu Dreyer. „Ich widerspreche eigentlich nie Karl Lauterbach, aber in der Hinsicht bin ich zuversichtlich, dass wir bis zum 21. September allen, die wollen ein Impfangebot machen werden“, sagt die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und stellt eine Verbesserung des bisherigen Impf(-stoff)-Dilemmas in Aussicht: „Wir werden sehr viel Impfstoff kriegen, und wir werden mit Hochdruck impfen, so schnell wir können. Es ist nicht so, als hätten wir ein Riesenproblem.“

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach und Malu Dreyer geben Fehler bei Impfstoff-Bestellung zu

Dennoch: Auch Dreyer kommt nicht drum herum – so wie zuletzt der bei Lanz zugeschaltete bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) –, zu erklären, dass Deutschland bei der Impfstoff-Bestellung nicht die beste Figur abgegeben habe: „Wir könnten sehr viel schneller sein, wenn wir anders bestellt hätten. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das bis September packen“, urteilt sie und bekommt Zustimmung von Karl Lauterbach, der bei Lanz schon einen Mega-Stress mit Virologe Hendrick Streeck hatte: „Die EU würde die Art und Weise wie der Impfstoff gekauft wurde, so nicht wiederholen“, konstatiert der 57-Jährige, der bei Lanz schon einmal vor einer neuen Pandemie warnte.

„Wir könnten sehr viel schneller sein, wenn wir anders bestellt hätten“

SPD-Politikerin Malu Dreyer zum deutschen Impfstoff-Dilemma

„Die EU hätte wie die Amerikaner von allen drei Impfstoffen mehr bestellen müssen“, befindet Lauterbach, der sich für harte Corona-Kontrollen ausspricht, im Dialog mit Markus Lanz. Im Vergleich mit einem Lockdown in der Gastronomie würden die Impfstoffe schließlich „eigentlich gar nichts“ kosten, so der SPD-Gesundheitsexperte, der sogar von seiner Prognose aus dem August 2020 abweicht: „Auf Grundlage neuerer Prognosen ist das darstellbar, dass wir bis Mitte des Jahres weiter sind“, so Lauterbach, der im Kreuzfeuer der Corona-Leugner steht.

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach will katastrophale Zustände wie in Portugal verhindern

Aber Lauterbachs Blick in die Zukunft ist nicht nur positiv gefärbt. Denn da sind ja noch die Coronavirus-Mutationen, wie der 57-Jährige betont, der sich bei Lanz auch schon mit CDU-Politikerin Serap Güler stritt. „Ab Mitte Februar dürfte der Anteil der neuen Varianten bei ungefähr 30 Prozent liegen. Dann würde, obwohl die alte Variante zurückgeht, die Gesamtinzidenz wieder steigen“, erläutert der gebürtige Dürener, der unmissverständlich klarstellt: „Was wir am 14. Februar machen, wird von großer Bedeutung sein“.

Warum er dies so sieht? „Wir können uns das ja aussuchen: Was ist der Bevölkerung lieber? Jetzt noch mal ein bisschen nachschärfen, dann sind wir in dem grünen Bereich und ich habe eine größere Sicherheit, dass ich es schaffe. Oder wir machen so wenig wie wir gerade müssen, dann dauert das aber ewig lange“, liefert Lauterbach, der für Horror-Prognosen in der Lanz-Sendung bekannt ist, die Erklärung direkt nach.

Markus Lanz (ZDF): Kann Robert Habeck Kanzler? Grünen-Politiker ist selbstüberzeugt

Entsprechend sollte das Ziel in den Augen Lauterbachs, der auch vor Corona-Langzeitfolgen eindringlich warnt, klar sein: „Wir müssen versuchen, in der Zeit, die wir noch haben, einen katastrophalen Verlauf wie in Portugal zu verhindern“, befindet er. In Portugal, so berichtet der zugeschaltete Journalist Tilo Wagner, sei eine Mutante des Coronavirus aktuell sechs bis achtmal so ansteckend wie das alte Virus. Ein Umstand dafür sei, dass die Portugiesen Weihnachten „gefeiert haben, wie sie wollten“. Entsprechende Beschränkungen hätten zu diesem Zeitpunkt gefehlt.

„Wir müssen versuchen, in der Zeit, die wir nicht haben, einen katastrophalen Verlauf wie in Portugal zu verhindern“

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Zum Abschluss der Sendung geht es um die Rolle der Grünen im Wahljahr 2021. „Alles ist möglich in diesem Jahr“, antwortet Robert Habeck auf die Frage von Markus Lanz nach einem möglichen Einzug der Partei ins Kanzleramt. „Wir versuchen, dass Unwahrscheinliche möglich zu machen“, so Habeck, der die Grünen als Vorsitzender gemeinsam mit Annalena Baerbock anführt. Was ihn davon überzeugt? „Es ist nicht so, dass die Grünen gestern aus dem Ei geschlüpft sind“, so Habeck. Seine Partei habe schließlich durchaus schon eine Menge Minister gestellt und Führungsrollen ausgefüllt. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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