Corona-Turbulenzen

Markus Lanz (ZDF): Nostradamus Lauterbach – droht nächste Pandemie?

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Karl Lauterbach gibt bei Markus Lanz den Mahner. Der SPD-Mann spricht über eine neue Pandemie. Vom Corona-Regen in die totale Traufe?

  • Markus Lanz (ZDF): SPD-Politiker Karl Lauterbach ist zu Gast.
  • Thema des Abends: Die Bekämpfung der Corona-Pandemie.
  • Wie gefährlich sind die neuen Virus-Mutationen wirklich?

Hamburg – In der Markus Lanz-Sendung vom Dienstag, 19. Januar 2021, sind SPD-Gesundheitsökonom Karl Lauterbach (zugeschaltet)Journalist Robin AlexanderVirologin Dr. Jana Schroeder, Ex-FBI-Chef James Comey, CDU/CSU-Bundestagsfraktionschef Ralf Brinkau sowie ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann (zugeschaltet) zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus stehen die Beschlüsse des jüngsten Corona-Gipfels und die Frage nach der Gefährlichkeit der neuesten Virus-Mutationen. Heftigst debattiert wird zudem über die Strategie der Bundesregierung bei der Pandemie-Bekämpfung sowie das polarisierende Konzept der „Zero Covid“-Strategie.

Talkshow Markus Lanz
ProduktionsunternehmenFernsehmacher (2008–2010); Mhoch2 TV (seit 2011)
Längeca. 75 Minuten
TitelmusikWir sind Helden – Nur ein Wort
Ausstrahlungs- turnusdienstags–donnerstags
Jahr(e)seit 2008
SenderZDF

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach (SPD) spricht über Beschlüsse des Corona-Gipfels

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten und -präsidentinnen der Länder haben es beschlossen: Der Corona-Lockdown wird erneut verlängert, vorerst bis zum 14. Februar. Doch flächendeckende Einigkeit bei den Beschlüssen des Corona-Gipfels gibt es nicht: Noch während der anschließenden Pressekonferenz entschied sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grüne), dass Baden-Württemberg bei den Schulschließungen nicht weiter mitzieht. Doch das Thema Föderalismus soll zu einem späteren Zeitpunkt der Sendung an Fahrt aufnehmen. Zunächst wird Karl Lauterbach (SPD), ein regelmäßiger Quoten-Bringer für Markus Lanz, zu den neuen Corona-Maßnahmen befragt. Kritisch äußert er: „Wir machen das gut genug, um das alte Coronavirus einzudämmen, aber nicht gut genug, um das Neue in den Griff zu bekommen“.

Droht in Deutschland eine „neue Pandemie“? Karl Lauterbach (SPD) warnt bei Lanz vor den neuen Corona-Mutanten. (24hamburg.de-Montage)

Die Rede ist natürlich von der neuen Virus-Variante B117, die gerade in Großbritannien tobt. Diese Corona-Mutation sei „ungefähr sechs- bis achtmal ansteckender pro Tag“ als die herkömmliche Variante, so der Gesundheitsexperte. Er verdeutlicht diese Drastik am Beispiel einer 30-köpfigen Schulklasse, in der sich eine Person damit ansteckt: Nach einem Monat hätte man im Normalfall 30 neue Fälle, bei der Virus-Variante ganze 240 Neuinfektionen.

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach sieht in Corona-Mutation den Ausbruch einer „neuen Pandemie“

Lauterbach wagt sogar von dem „Ausbruch einer neuen Pandemie“ zu sprechen. Die „B117 Mutation ersetzt nicht das vorherige Virus und kann wie eine neue, zusätzliche Pandemie wirken“. Auch die Mutationen aus Brasilien und Südafrika seien problematisch, da sich möglicherweise bereits Infizierte „reinfizieren“ könnten und der Impfstoff unter Umständen angepasst werden muss. Ein schnelles Eingreifen sei jetzt eine „Investition“. Die Beschlüsse des Gipfels gingen seiner Ansicht nach „in die richtige Richtung“, allerdings hätte Lauterbach „sich mehr gewünscht“. Er lobt die schärferen Homeoffice-Maßnahmen, die in England bereits angeschlagen.

Zur Lage in England weiß Journalistin und ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann, die live aus London zugeschaltet wird, mehr zu berichten. Die Situation dort sei „dramatisch“, erst einen Tag zuvor sei im Land ein neuer Rekord an Todesfällen erreicht worden. Die Todeszahlen in Großbritannien liegen mittlerweile bei über 91.000, jeder 700. Brite sei somit mittlerweile an Corona gestorben. Auch das Krankenhauspersonal stieße an seine Belastungsgrenze. Ausführlicher über die Großbritannien-Diskussionen bei Lanz weiß merkur.de zu berichten.

Markus Lanz (ZDF): Kann Deutschland Corona mit der „Zero-Covid-Strategie bekämpfen?

In Deutschland sind die Infektionen mit der B117-Mutation noch überschaubar, dennoch wirft das Beispiel Großbritannien einen gewaltigen Schatten voraus. Die Virologin Jana Schroeder stellt klar: „Wir sind da noch lange nicht im grünen Bereich“, auch wenn sich die Neuinfektionen langsam einpendeln. Auch Welt-Journalist Robin Alexander spricht von einer „Drohkulisse des neuen Virus“.

Das wirft für Lanz die Frage nach einer deutschen Strategie auf, auf die er den ganzen Abend lang pochen wird. Seine Frage an Ralph Brinkhaus (CDU) lautet daher: „Haben wir eigentlich eine Strategie? Und wenn ja – was ist diese Strategie?“. Brinkhaus stellt klar: „Die Strategie ist: Wir müssen wieder dahin kommen, dass die Gesundheitsämter wieder eine Einzelverfolgung machen können“. Dies bedeute das Erreichen einer Inzidenz von ungefähr 50. Damit gibt sich Lanz nicht zufrieden, muss dem Bundestagfraktionschef sogar „komplett widersprechen“.

Er outet sich daraufhin als vehementer Verteidiger der sogenannten „Zero Covid-Strategie“, wie sie beispielsweise in Finnland angewendet wird. Diese Strategie strebt eine Inzidenz von Null an. In diesem Punkt stellt sich auch Jana Schröder auf Lanz‘ Seite: Sie kritisiert die „Salamitaktik“, also das scheibchenweise Vorgehen von Bund und Ländern in der Pandemie-Bekämpfung, von einem „Kaugummi-Lockdown würde ja auch niemand profitieren“. Sie betont: „Es gibt eben nicht nur exponentielles Wachstum, sondern auch exponentielles Schrumpfen“. Die Zero-Covid-Strategie, welche der Idee „Stell dir vor, es ist Pandemie, und keiner geht hin“ folgt, könnte also eine Lösung sein. In der Runde entfacht eine Diskussion über den Eingriff in menschliche Grundrechte und totalitäre Maßnahmen. Brinkhaus sieht schließlich ein: „Die Zahlen müssen runtergeprügelt werden“.

Markus Lanz (ZDF): Ralf Brinkhaus (CDU) bezeichnet deutschen Föderalismus als „nicht leistungsfähig“

Diesem Vorgehen steht seiner Ansicht nach aber der deutsche Föderalismus im Weg, er kritisiert das System sogar als „nicht leistungsfähig“ in der Krise und stellt in Frage, ob dieses für die Corona-Bekämpfung wirklich optimal sei. Denn auch nach dem jüngsten Corona-Gipfel hat sich erneut gezeigt, dass viele der einzelnen Länder nicht mit den angestrebten Maßnahmen der Bundesregierung konform gehen.

Kritik an der Corona-Politik wagte vor Kurzem auch Linken-Politiker Bodo Ramelow bei Lanz zu äußern. Auch die Bundeskanzlerin geriet für ihre Vorgehensweise kürzlich bei Lanz ins Kreuzfeuer. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Peter Mindek/dpa & Bernd von Jutrczenka/dpa & Axel Heimken/dpa

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