Knallharter CDU-Zoff

Markus Lanz (ZDF): Friedrich Merz in Hetzlaune – Attacke auf Jens Spahn

  • Yannick Hanke
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Politiker Friedrich Merz (CDU) „glänzt“ in der TV-Talkshow von ZDF-Moderator Markus Lanz mit Kritik an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Aussagen zu Homosexualität.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Mittwoch, 14. Oktober 2020, sind CDU-Politiker Friedrich Merz, Soziologe Gerald Knaus und Autorin Alice Schwarzer zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Zentrum der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz steht Merz, der sich für kontrovers diskutierte Aussage rechtfertigen muss – und über Parteikollege und Gesundheitsminister Jens Spahn spricht.

Politiker:Friedrich Merz
Geboren:11. November 1955 (Alter 64 Jahre), Brilon
Größe:1,98 m
Ehepartnerin:Charlotte Merz
Kinder:Philippe Merz
Eltern:Joachim Merz, Paula Sauvigny

Markus Lanz (ZDF): Friedrich Merz (CDU) hält nichts vom Beherbergungsverbot in Hotels

ZDF-Moderator Markus Lanz will nicht lange um den heißen Brei herumreden. Der 51-Jährige spricht von einer „Zeit der Exekutive“ und nennt auch Umfragewerte, die für andere Politiker weitaus günstiger ausfallen als für den CDU-Mann Friedrich Merz. Der ist aber bekanntlich nicht gerade mundfaul und weiß den Talkmaster im besten Sinne zu kontern. „Es gibt ja auch viel Kritik an dem ein oder anderen Ministerpräsidenten, selbst an der Bundeskanzlerin Angela Merkel*. Denn die Bevölkerung verliert langsam auch die Zustimmung für die ganzen Maßnahmen, die für Corona ergriffen werden“, heißt es zunächst einmal vom 64-Jährigen im Hamburger* TV-Studio.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) muss sich Kritik von Parteikollege Friedrich Merz gefallen lassen. (24hamburg.de-Montage)

Merz würde die Einschränkungen und Regelungen, die das Coronavirus-Sars-CoV-2* unumgänglich macht, meistens weitestgehend verteidigen. „Das mit dem Beherbergungsverbot ist aber keine gute Idee. Grundsätzlich gilt aber: In welchem Land würden wir heute denn lieber leben wollen als in Deutschland? Bisher sind wir hier doch gut durch die Krise gekommen“, merkt der CDU-Politiker an. „Das heißt, Sie müssen gar nicht übernehmen?“, fragt Lanz seinen Gast und spielt auf dessen potenzielle Kanzlerambitionen an. Darauf will Merz aber nicht eingehen.

Markus Lanz (ZDF): Friedrich Merz (CDU) fürchtet wirtschaftliche Coronavirus-Schäden

Sollte Friedrich Merz im Dezember 2020 zum neuen Vorsitzenden der CDU gewählt werden, dann sei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)* doch ein guter Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2021. Meint zumindest ZDF-Moderator Markus Lanz. „Markus Söder ist prinzipiell ein Kanzlerkandidat“, heißt es nur von Friedrich Merz. Ob er oder Söder der bessere Kanzler sei, soll an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden. Söder wiederum verteidigt bei Markus Lanz die neuen Coronavirus-Regelungen*.

Viel lieber möchte Talkmaster Markus Lanz über ein theoretisches Konstrukt reden. Sollte Friedrich Merz Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens sein, würde er das geltende Beherbergungsverbot aufheben? „In NRW ist dies gar nicht eingeführt worden. Und ich halte das für richtig“, antwortet der CDU-Politiker. Jedes Bundesland würde solch eine Entscheidung für sich treffen, es gehe um „massive wirtschaftliche Schäden, welche die Betroffenen davon tragen“. Bis zu diesem Zeitpunkt präsentiert sich Merz harmonischer als im Gespräch respektive in der Diskussion mit Klimaaktivistin Luisa Neubauer*.

Markus Lanz (ZDF): Friedrich Merz (CDU) beklagt Unübersichtlichkeit der Coronavirus-Regeln

Hinsichtlich der Coronavirus-Sars-CoV-2-Regeln wünscht sich der auch als Rechtsanwalt agierende Merz eine gewisse Einheitlichkeit. „Es geht um einheitliche Maßstäbe, die angewendet werden, die nachvollziehbar sind, die erklärbar und angemessen sind. Ein Stadtgebiet, das stark betroffen ist, müsste beispielsweise stark runtergefahren werden“, sagt der Politiker. Was Moderator Markus Lanz daraus macht: „Das heißt, Sie würden für einzelne Bezirke, Regionen, Stadtviertel einen Lockdown anordnen?“.

Kann Friedrich Merz in der Form nicht unkommentiert stehen lassen: „Herr Lanz, das größte Problem, das wir haben, ist doch Folgendes: Ich bin heute in Hamburg, morgen in Frankfurt, übermorgen in Berlin – und keiner weiß, welche Regeln an welchem Platz gelten“. Damit kommt Moderator Lanz auch auf den Föderalismus zu sprechen, der es den Ministerpräsidenten ermöglicht, autonom für ihr Bundesland zu entscheiden – was jedoch auch zur thematisierten Unübersichtlichkeit der Regeln führt. Den Entscheidungsträgern können die beiden Männer nur attestieren, ein schweres Los gezogen zu haben.

Markus Lanz (ZDF): Unterschwellige Kritik an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) – von Kollege Friedrich Merz

Daraufhin möchte Lanz nur allzu gerne Punkte vergeben und fragt Merz, wie viele derer sich denn Gesundheitsminister Jens Spahn verdient hätte. Auf einer Skala bis zehn sei Spahn auf jeden Fall im oberen Drittel vertreten, „versteckte“ Kritik kann sich der CDU-Politiker aber nicht verkneifen. „Wäre ich in seiner Position, hätte ich an der einen oder anderen Stelle anders entschieden. Ich hätte das Ausschreibungsverfahren mit den Masken etwas besser gemacht. Ich hätte vermieden, dass mir das Bundeskartellamt ins Haus kommt. Und ich hätte mir die Gerichtsprozesse in Bonn erspart, die derzeit laufen und bei denen es um unbezahlte Masken geht“.

Seine Kritikpunkte weiß Merz jedoch so sachlich und fast schon nonchalant hervorzubringen, dass ZDF-Moderator Markus Lanz nicht einmal mehr Nachhaken möchte. Wahrscheinlich möchte der CDU-Politiker nicht in das nächste Fettnäpfchen treten, nachdem er sich in vermeintlich despektierlicher Manier über Homosexualität geäußert hatte*. Auf die Frage, ob sich Merz einen schwulen Kanzler vorstellen könnte, habe er laut Lanz Folgendes gesagt: „Das geht die Öffentlichkeit nichts an. So lange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und so lange es nicht Kinder betrifft. An dieser Stelle ist für mich aber die absolute Grenze erreicht“.

Markus Lanz (ZDF): Friedrich Merz (CDU) gestehlt sich Fehler ein – Zorn wegen Missbrauchsfällen

Was genau Merz mit dieser Aussage bezwecken wollte, interessiert sowohl Markus Lanz als auch Alice Schwarzer, die einer breiten Öffentlichkeit als Feministin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma“ bekannt geworden ist. Laut Merz würde es die Öffentlichkeit nichts angehen, welche sexuelle Neigung ein Mensch präferiert. „Wissen Sie, ich bin katholisch. Und ich leide darunter, wie meine Kirche mit diesen Problemen umgeht und offensichtlich nicht damit klarkommt. Ich komme aus Nordrhein-Westfalen und habe dort in den letzten Monaten Missbrauchsfälle gesehen, die ich mir nicht hätte vorstellen können“, heißt es vom 64-Jährigen.

Die angesprochen Missbrauchsfälle waren bereits vor geraumer Zeit Thema in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz und brachten Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hinsichtlich adäquater Strafen für die Täter ordentlich ins Schwimmen*. Von Friedrich Merz werden solche Taten lediglich als „ekelhaft tituliert“. Kurz darauf entfacht eine kleine Debatte zwischen dem Politiker und Alice Schwarzer. Von der 77-Jährigen heißt es: „Es gibt für Sie keinen Zusammenhang zwischen Homosexualität von Erwachsenen und sexuellem Missbrauch?“. Daraufhin gesteht sich Merz einen Fehler ein und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, „dass ich diese zwei Sätze in einem zeitlich engen Zusammenhang gesagt habe“.

Markus Lanz (ZDF): Friedrich Merz (CDU) im Clinch mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Dann springt Markus Lanz für den viel gescholtenen Friedrich Merz in die Bresche und ergreift Partei für seinen Gast: „Man kann es falsch verstehen. Man kann es aber auch so verstehen, wie es mutmaßlich gemeint war“. Laut dem CDU-Politiker sei er „insinuiert“ worden, wer dahinter stecke, weiß er auch – ohne konkreteNamen zu nennen. Nun muss der ZDF-Moderator aber auch nochmal auf die Reaktion von Gesundheitsminister Jens Spahn zu sprechen kommen, der sich maßlos über die Aussagen von Merz echauffiert hatte. Aufgeregt hat sich auch Markus Lanz wegen eines Donald Trump-Fans*.

„Ich hätte mir von einem Parteifreund eine andere Reaktion vorstellen können [...] Man hätte es auch anders beantworten können“, heißt es nur von Friedrich Merz, der sichtlich genervt wirkt. Kein Phänomen für Politiker in der Hamburger Runde von Markus Lanz, die mitunter verbal sogar total daneben greifen. Jüngstes Beispiel hierfür ist Wolfgang Kubicki (FDP), der mit dem Gebrauch des N-Worts den Zorn vom Toten Hosen-Frontmann Campino auf sich zog*. * 24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Tobias Schwarz/AFP Pool/dpa & ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot) & Bernd von Jutrczenka/dpa

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