„Kontrolliertes Verbluten lassen“

Markus Lanz (ZDF): Tim Mälzer dreht durch – Corona-Gastro-Hilfen ein Witz

  • Yannick Hanke
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TV-Koch Tim Mälzer echauffiert sich beim ZDF-Jahresrückblick mit Moderator Markus Lanz über die Lage der Gastronomie. Die Aussichten für Restaurants sind übel.

Hamburg-AltonaTV-Koch Tim Mälzer ist mal wieder bei Markus Lanz zu Gast. Der Hamburger Gastronom plaudert mit dem ZDF-Moderator über die prekäre Situation von gastronomischen Betrieben in der Corona-Krise. An kritischen Worten mangelt es dem „Kitchen Impossible*“-Star nicht, vor allem Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) muss sich für etwaige Corona-Soforthilfen rechtfertigen.

Koch:Tim Mälzer
Geboren:22. Januar 1971 (Alter 49 Jahre), Elmshorn
Ausbildung:Johannes-Brahms-Schule (1990)
Bücher:Heimat, Greenbox, Born to Cook, Die Küche u.v.m.
Eltern:Christa Mälzer, Rainer Mälzer
Nominierungen:Deutscher Fernsehpreis für die beste tägliche Sendung, Deutscher Fernsehpreis – Freie Formatkategorie

Markus Lanz (ZDF): TV-Koch Tim Mälzer lässt Restaurants weiterhin zu – Corona ist Schuld

Ein ZDF-Jahresrückblick von Moderator Markus Lanz ohne Tim Mälzer? Kaum vorstellbar. Gerade 2020 hat der TV-Koch einiges zu erzählen und weiß stellvertretend für eine ganze Zunft über die massiven Probleme zu sprechen, die das Coronavirus mit sich bringt. Zunächst einmal wird der Gastronom mit seinem tränenreichen Auftritt in der Talkshow konfrontiert. Im Mai 2020 hatte sich der 49-Jährige sehr besorgt über die Zukunft seiner Mitarbeiter gezeigt und ließ seinen Emotionen freien Lauf.

TV-Koch Tim Mälzer bemängelt die Höhe der Corona-Soforthilfen für Gastronomen. Kritik gibt es damit auch in Richtung von SPD-Politiker Peter Tschentscher. (24hamburg.de-Montage)

Der bekanntlich nicht auf den Mund gefallene Hamburger war sogar für längere Zeit sprachlos und musste um Fassung ringen. Am Mittwoch, 25. November 2020, zeigt sich Mälzer gegenüber Markus Lanz zwar deutlich gefasster, aber nach wie vor sehr bewegt von der unklaren Perspektive für eine Vielzahl an Menschen, die in Gastronomie tätig sind. Der Koch lässt zunächst einmal verlauten, dass er nicht plant, seine Restaurants über die anstehenden Weihnachtsfeiertage zu öffnen. „Wir nehmen unser Schicksal selber in die Hand.“

Tim Mälzer bei Markus Lanz (ZDF): Hamburger Gastronom setzt auf wirtschaftliche Vernunft in Corona-Krise

Doch was bedeutet dies konkret? „Wir öffnen wahrscheinlich erst wieder ab März“, heißt es vom norddeutschen Original. Dies sorgt für Verwunderung beim ZDF-Moderator, der sogleich die Erklärung für dieses Vorgehen von Tim Mälzer mitgeliefert bekommt. „Vorher macht es nicht wirklich Sinn. Wenn wir jetzt für 10 Tage öffnen, ist es nicht nur, eben den Herd anmachen und irgendetwas in den Topf schmeißen. Sondern du musst solch einen Apparat auch anschieben. Dafür würden wir drei Tage brauchen. Und es wird auch weiterhin Beschränkungen geben“, skizziert der TV-Koch bei Markus Lanz ein Szenario, in dem der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag steht.

„Für die Menschen, für die Gäste könnte man es natürlich tun. Aber aus wirtschaftlichen Gründen? Definitiv nein. Das würde nichts bringen, das wäre totaler Blödsinn“, merkt Mälzer an. Und das, obwohl „wir unsere Hausaufgaben gemacht haben“. Damit spielt der 49-Jährige auf das akribische und penible Einhalten der geboten Corona-Hygiene-Auflagen an. So auch Mälzer, der jedoch kein Verständnis für eine Sperrstunde hat.

Markus Lanz (ZDF): Tim Mälzer springt finanziellem Corona-Ruin von der Schippe – vorerst

Natürlich kommt Markus Lanz auch auf den bereits thematisierten Auftritt Mälzers im Mai 2020 in der ZDF-Talkshow zu sprechen. Damals sei „das gastronomische Leben kurz an einem vorbeigegangen. Ich habe mein ganzes Leben lang alles auf eine Karte gesetzt und alles dafür getan. Und ich bin nicht alleine, viele meiner Mitstreiter denken, fühlen und leben auch so.“ Doch weiß Mälzer auch etwas Positives zu berichten. So würde ihm die Miete für sein Alster-Restaurant „Die Gute Botschaft“ von Dezember bis Februar erlassen werden.

Wäre dies allerdings nicht der Fall, „dann würde ich jetzt hier sehr intensiv sitzen und hätte vielleicht schon längst eine Entscheidung getroffen“, sagt der Gastronom und spielt auf eine mögliche Schließung seines Restaurants an. Dementsprechend verspüre Mälzer große Dankbarkeit für seinen Vermieter, generell aber auch für all die Solidarität, die ihm von Kollegen und Gästen immer wieder entgegengebracht werden würde.

Tim Mälzer: Kritik an Corona-Soforthilfen – „kontrolliertes Verbluten“

Wer denkt, Mälzer sei an diesem Abend ausschließlich auf einen Kuschelkurs aus, der irrt gewaltig. Als das Gespräch um Peter Tschentscher, dem Ersten Bürgermeister Hamburgs erweitert wird, platzt es aus dem TV-Koch heraus. „Es wäre jetzt Zeit, damit anzufangen. Es sind noch keine Gelder geflossen und den ersten geht die Luft aus. Weil nicht alle in der glücklichen Lage wie wir mit der Kompensation sind. Das Angebot zum 25. einen Abschlag von 10.000 Euro zu zahlen – das ist ein kontrolliertes Verbluten lassen“, kritisiert Tim Mälzer die Höhe der Corona-Soforthilfen für Gastronomen und deren Angestellte.

„Das einzige, was wir jetzt wissen, ist, dass es eine Abschlagszahlung von 10.000 Euro gibt. Ich habe 80 Mitarbeiter, das ist ein 3/4-Tag. Das bringt mich leider nicht wirklich weiter. Und wenn ich nicht ich wäre, dann wären bei mir jetzt die ersten Leute in der Kurzarbeit. Und das wollen wirklich viele Gastronomen mit allen Mittel zu verhindern versuchen“, zeigt sich der 49-Jährige entsetzt. Übrigens: Nicht das erste Mal, dass sich Tschentscher im Rahmen der ZDF-Talkshow mit Kritik konfrontiert sieht. *24hamburg.de und nordbuzz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot) & Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild & Robert Michael/dpa-Zentralbild

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