Unternehmer sah Virus voraus

Markus Lanz (ZDF): „Geschenk für Diktatur“ - wie China von Corona profitiert - „Höhle der Löwen“-Star besorgt

  • Yannick Hanke
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Hitziger Coronavirus-Sars-Cov-2-Talk in der Hamburger Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz. Einer der Gäste berichtet, wie sich China durch die Pandemie verändert - und warum das Virus auch ein Geschenk für die Diktatur sein kann.

Hamburg/Altona - In der Markus Lanz-Ausgabe von Mittwoch, dem 27. Mai 2020, sind die Politiker Gerhart Baum und Omid Nouripour, die Journalisten Christiane Hoffmann und Ulf Röller sowie Unternehmer Ralf Dümmel im Studio in Hamburg-Altona zu Gast. Im Fokus: die Situation in der Volksrepublik China und die rigide Politik der Kommunistischen Partei.

Unternehmer:Ralf Dümmel
Geboren:2. Dezember 1966 (Alter 53 Jahre), Bad Segeberg

ZDF-Talkshow Markus Lanz: Coronavirus-Sars-Cov-2- hat China fest im Griff

Während hierzulande immer mehr Lockerungen erfolgen und Geschäfte sukzessive wieder öffnen, verrät ein Blick über den Globus, dass die Lage in anderen Nationen zum Teil viel drastischer aussieht. Ein Beispiel hierfür sind die von Donald Trump regierten USA, in denen sich die Zahl der Coronavirus-Sars-Cov-2-Toten mittlerweile auf über 100.000 Menschen beläuft. Im Iran wird mit einer zweiten Infektionswelle gerechnet, in China kommt es zu neuen Lockdowns.

Darüber wissen der Ostasien-Korrespondent Ulf Röller und der Grünen-Politiker Omid Nouripour in der Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz zu berichten. „Es gibt Großstädte, die wieder abgeriegelt werden. Diesmal nur mit einer ganz anderen Informationspolitik – es wird einfach nicht darüber geredet, mit einer neuen Härte und Systematik“, erklärt Nouripour in der Hamburger Runde.

Über Ähnliches weiß auch Röller, zugeschaltet aus dem ZDF-Auslandsstudio in Peking, zu erzählen. In China sei die Freizügigkeit so stark eingeschränkt, dass selbst Reporter nicht die Möglichkeit haben, sich ein eigenes Bild von den vermeintlich neuen Lockdown-Zonen zu machen. Ein Groß seiner Informationen würde Röller durch vielfaches Hörensagen vermittelt bekommen.

„Höhle der Löwen“-Star bei Markus Lanz: Verantwortung für 400 Mitarbeiter

„Wir hatten jeden Tag mit Corona zu tun - durch Lieferketten. Hätten aber nicht ansatzweise gedacht, dass es auch nach Europa und Deutschland kommt“, sagt Ralf Dümmel, Unternehmer und „Höhle der Löwen“-Star. Durch seinen Handel mit asiatischen Ländern habe er natürlich frühzeitig mitbekommen, wie sich vor allem China verhalten habe.

Ihn beschäftigt auch die ökonomische Komponente, die es bei einem Lockdown, wie er auch in Deutschland vollzogen wurde (wenn auch nicht in der extremen Art und Weise wie in China), zu berücksichtigen gilt. Denn Dümmel verweist darauf, dass er die Verantwortung für 400 Mitarbeiter trage.

Zurück nach Peking. „Die Politik ist sehr rigide. Der Staat hat es wirklich geschafft, die Pressepolitik komplett zu kontrollieren“, weiß Röller über die Regierung Chinas zu berichten. Er stellt auch klar, dass es der autoritäre Staat geschafft habe, seine Bürger noch massiver als zuvor zu überwachen.

Überwachungsstaat China: Gerhart Baum redet sich bei Markus Lanz in Rage

„Jeder muss diese Gesundheits-App haben und wenn das eigene Bild nicht grün ist, dann kann man sich eigentlich gar nicht draußen bewegen“, erzählt der ZDF-Korrespondent von einem technischen Gadget, für das bereits Dümmel-Kumpel Frank Thelen bei Markus Lanz argumentiert hatte*.

Zynisch formuliert, betont Röller, sei das Coronavirus-Sars-Cov-2 im Grunde ein Geschenk für die Diktatur - und spricht damit explizit von China. „Denn sie können Journalisten mit sehr guten Gründen isolieren und festnageln – und das ist das Ende von Journalismus“, skizziert er ein Bild vom Ende der Pressefreiheit.

Zu viel für das „Urgestein“ der Runde, dem 87-jährigen FDP-Politiker Gerhart Baum. Der ehemalige Bundesinnenminister zeigt sich mehr als empört über die zuvor beschriebenen Zustände bzw. Missstände in der Volksrepublik. „Im Grunde nutzen die Chinesen jetzt Corona, um ihr Volk weiter in einen Unterdrückungsstaat, in die totale Überwachung ihres sozialen Verhaltens zu bringen. Die haben nicht nur die Meinungsfreiheit im Griff, die haben ihr ganzes Volk im Griff", redet sich Baum in Rage.

ZDF-Korrespondent spricht bei Lanz über chinesische Diktatur

Daraufhin versucht Röller Markus Lanz und seinen Gästen nachvollziehbar zu machen, was die konkrete Intention der Machthaber in China sei. Der Journalist spricht von Staatschef Xi Jinping und dessen Kommunistischer Partei, denen es schon längst nicht mehr um die Bekämpfung des Coronavirus-Sars-Cov-2 gehen würde. Vielmehr läge der Fokus darauf, einen Wettkampf mit den USA zu bestreiten - und diesen natürlich zu gewinnen.

Der „Höhle der Löwen“-Star Ralf Dümmel sorgt sich um seine Mitarbeiter und zeigte sich sichtlich überrascht, als das Coronavirus auch nach Deutschland kam. (Screenshot)

„Xi Jinping kann gerade, wahrscheinlich mit Recht, den Eindruck erwecken, dass sie es besser gemacht haben als die Amerikaner“, merkt Röller dann auch an. Besser zu sein als die andere, westliche Weltmacht - das sei mittlerweile das große Bestreben der chinesischen Regierung.

Da kann auch Omid Nouripour nur zustimmen. „China hat in dieser Pandemie den Systemwettbewerb laut und klar ausgerufen“, sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete. Umso wichtiger sei es deswegen, die Missstände in dem asiatischen Land konkret zu benennen, zu thematisieren und an den Pranger zu stellen. Nur so könne man diesen Kampf bestehen – und zeigen, welche Vorteile eine Demokratie gegenüber einem autoritären Staat mit sich bringe.

Erkenntnis der Lanz-Runde: „Kontrolle in China wird bleiben“

Mittlerweile sei das Reisen in China wieder erlaubt, merkt ZDF-Journalist Röller an. Nun sei es ihm möglich, sich für eine Dokumentation einen Überblick darüber zu verschaffen, wie die Pandemie die Volksrepublik verändert hat. „Die meisten Chinesen haben eine kleine oder große Aufsteigerbiografie und die ist jetzt unterbrochen“, lautet seine ernüchternde Feststellung.

Menschen, die bis vor kurzem noch in Touristenhochburgen gearbeitet hätten, wären nun zurück aufs Land gezogen und ernteten Reis. Eine massive Rückentwicklung, die der China-Experte als das größte Problem für die Staatsführung Xi Jinpings sieht: „Die Mehrheit der chinesischen Gesellschaft ist, trotz großer Unterdrückungsmechanismen, der Kommunistischen Partei gegenüber bisher sehr loyal gewesen, weil eben dieses Aufstiegsversprechen über Jahre erfüllt worden ist“, stellt Röller fest.

Und wie sieht die (nahe) Zukunft aus? Nun, ein Umsturz oder zumindest eine Veränderung des Systems sei zunächst nicht zu erwarten. Frust und Unmut, die die aktuelle Lage in China zuhauf hervorruft, seien aber die größten Ängste der Kommunistischen Partei, sagt Röller. Auch deswegen würden nun neue staatliche Kontrollmechanismen konzipiert werden.

„Man darf sich keinen Illusionen hingeben: Corona wird irgendwann vorbei sein, aber die Kontrolle wird bleiben“, blickt der ZDF-Journalist nicht sonderlich hoffnungsvoll in die Zukunft der asiatischen Diktatur. Immerhin: dieses Mal mussten Markus Lanz und seine Gäste nicht für den Star-Virologen Christian Drosten in die Bresche springen*.

Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz

* 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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