Corona-Virologe wild beschimpft

Markus Lanz (ZDF) bricht Lanze für Corona-Star Christian Drosten und kritisiert „Bild-Zeitung ist furchtbar“

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
    schließen

Neue Woche, neuer Coronavirus-Sars-CoV-2-Talk bei ZDF-Moderator Markus Lanz. Im Fokus: Star-Virologe Christian Drosten, der Rückendeckung erhält und das Lehrer-Bashing.

Hamburg/Altona - In der Markus Lanz-Ausgabe vom Dienstag, 26. Mai 2020, sind der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Stegner, Ökonom Daniel Stelter, Virologe Martin Stürmer, die Pädagogin Maike Finnern sowie Journalist Christoph Röckerath zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Es wird eifrig gezankt, Christian Drosten erhält Rückendeckung von seinem Kollegen in der Runde und auch die Lehrerschaft wird in Schutz genommen.

FernsehmoderatorMarkus Lanz
Geboren16. März 1969 (Alter 51 Jahre), Bruneck, Italien
Größe1,81 m
EhepartnerinAngela Gessmann (verh. 2011)
ElternAnna Lanz
KinderLaurin Lanz

ZDF-Moderator Markus Lanz: Hitzige Coronavirus-Sars-CoV-2-Diskussion

In der Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz wird unter anderem darüber diskutiert, dass die Kontaktbeschränkungen, die das Coronavirus-Sars-Cov-2 erforderlich macht, noch nicht in Gänze im Alltag angekommen sind. Eine „neue Normalität“ habe sich demzufolge nicht eingestellt. Ein Grund hierfür könnte auch sein, dass es die Gesellschaft mit vorliegenden Fakten und den Ergebnissen der Forschung nich allzu genau nimmt.

Hinzu kommt der seit Beginn der Woche tobende „Kampf“ zwischen Star-Virologe Christian Drosten und der „Bild“-Zeitung. Dieser postete via Twitter die Mailanfrage eines „Bild“-Reporters und merkte an, dass die boulevardeske Tageszeitung eine „tendenziöse Berichterstattung über unsere Vorpublikation zu Viruslasten [plane] und [dabei] [...] Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang“ bemühen würde.

Virologe Martin Stürmer bezeichnet dies als „keinen guten Stil“ und macht sich Sorgen um die Wahrnehmung seines Berufstands. „Wir sind Wissenschaftler und wir machen einfach unseren Job. Wir sind nicht perfekt, denn wir produzieren gerade Daten auf einer Basis, die relativ dünn ist“, erklärt er gegenüber Lanz. Schließlich sei das Coronavirus-Sars-Cov-2 erst seit einigen wenigen Monaten bekannt.

Ralf Stegner: „Wissenschaftliche Erkenntnis steht Leuten im Weg“

„Für uns alle ist das eine bedenkliche Situation. Wir haben unsere Expertise, die wird gefragt und zurecht auch hinterfragt. Wir machen aber keine Politik und keine Verordnungen“, lässt der Forscher verlauten. Darüber hinaus beklagt Stürmer in der Hamburger* Runde, dass sowohl er selbst als auch seine Kollegen oft mit politischen Ansichten und Standpunkten in Verbindung gebracht werden würden - obwohl ihr Fokus klar auf dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn liegt.

Person:Christian Drosten
Geboren:1972 (Alter 48 Jahre), Lingen (Ems)
Vollständiger Name:Christian Heinrich Maria Drosten
Ausbildung:Goethe-Universität Frankfurt am Main (1994-2000)

Der Virologe findet es „furchtbar“, in welcher Art und Weise die „Bild“-Zeitung berichtet. Ein Thema, auf das auch SPD-Politiker Ralf Stegner vom ZDF-Aushängeschild angesprochen wird. „Menschen, die sehr in der Öffentlichkeit stehen, werden auch angegriffen. Das betrifft auch Christian Drosten. Und das passiert natürlich auch deswegen, weil diese wissenschaftliche Erkenntnis Leuten im Weg steht“, erklärt der Fraktionsvorsitzende seiner Partei.

„Da wurden Zitate aus dem Zusammenhang gerissen und in einer Weise dargestellt, wie wissenschaftliche Diskussion nicht stattfinden darf“, sagt dann auch Stürmer, der Partei für Drosten ergreift. Die Forscher rund um den Star-Virologen hatten aufgrund der anscheinend hohen Viruslast bei Kindern und Jugendlichen vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten gewarnt. Das höre selbstverständlich niemand gern, der so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren will.

Hamburger Talk: Zuspruch für Drosten, Kritik an mangelnder Bildungsgleichheit

„Die Aussage, die er da getroffen hat, ist immer noch absolut richtig. Wenn, dann kann man über die Nuancen streiten“, steht Stürmer Drosten bei und verteidigt dessen Vorab-Papier. Dann darf auch Maike Finnern sich mit in die Diskussion einschalten. Die NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft weiß über die schrittweise erfolgten Schulöffnungen zu berichten, die für Schüler keine Normalität erzeugen können. Vielmehr werde in Deutschland ziemlich deutlich, dass es immer noch keine gleichen Bildungschancen für alle geben würde.

„Viele Schüler bearbeiten ihre Aufgaben jetzt nur vom Smartphone aus, weil sie kein anderes Gerät zur Verfügung haben“, erklärt Finnern. Von einigen Schülern würde man sogar nichts mehr hören, seitdem sie nicht mehr in physischer Form am Unterricht teilnehmen können. „Insofern halte ich es für richtig, alle Kinder regelmäßig in irgendeiner Form in die Schule zu kriegen, um diesen Kontakt wiederherzustellen", plädiert die Pädagogin für zielgerichtete Maßnahmen.

Um dies umsetzen zu können, werde auch enorme Planungsarbeit auf sich genommen, heißt es vonseiten Finnerns. Sie spricht von Gehwegen, die abgeklebt werden sollen und von Dreifach-Unterricht, weil die Klassen zu groß und die Räume zu klein für eine Halbierung der Kurse seien. Überlegungen, die erst noch in der Praxis umgesetzt werden müssen.

Digitalisiertes Deutschland? Noch Zukunftsmusik

Kein Verständnis hat sie hingegen für das extreme Lehrer-Bashing, das aktuell betrieben wird und zuweilen einem neuen Volkssport gleicht. Denn die allermeisten Kollegen der Pädagogin würden sich ihr zufolge große Mühe beim digitalen Unterrichten geben. Finnern sieht das Problem an einer ganz anderen Stelle: „Es ist nicht so, dass die Lehrer das nicht wollen oder sich nicht anstrengen. Die Strukturen sind einfach überhaupt nicht da“, stellt sie ernüchtert fest.

Virologe Martin Stürmer zeigt sich in der Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz entsetzt darüber, wie Kollege Christian Drosten beschimpft wird. (Screenshot)

Konkret kommt sie auf das Beispiel Nordrhein-Westfalen zu sprechen. Ein Bundesland, in dem eine Lehr- und Vernetzungsplattform für die Schulen erst kürzlich an den Start gegangen sei - mit reichlich Verspätung also. „Leider haben die meisten Schulen keine Vollversion, sodass die Schüler da keinen vollen Zugriff haben“, beklagt die ehemalige Konrektorin.

Ein Problem, dass hierzulande keine Einzelfall darstellt - zumindest nach Ansicht von Ökonom Daniel Stelter. „Wir sind rückständig und müssen einfach dringend in die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung investieren. Finnland hat beispielsweise 2010 die elektronische Patientenakte eingeführt, und wir diskutieren immer noch darüber“, beklagt er eine altbekannte Thematik.

Coronavirus allgegenwärtig: Pandemie dominiert ZDF-Show von Lanz

Durch die Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise werde der Druck auf den Staat, auf die Bundesregierung, weiter forciert - um letztendlich den digitalen Wandel zu ermöglichen zu können. Ob und wann wirklich umfassend in die Digitalisierung der Verwaltung und Schulen investiert wird, stehe laut Finnern noch in den Sternen. Selbst fehlende E-Mail-Adressen für Lehrer gibt es ihr zufolge immer noch zu beklagen.

Zu beklagen hatte auch Virologin Melanie Brinkmann eine Fehleinschätzung ihrerseits, die sie in der Runde von Markus Lanz äußerst emotional zurückließ*. Generell erregt die aktuelle Pandemie die Gemüter und trieb den ZDF-Moderator soweit, dass er CDU-Politiker Norbert Röttgen mit Lobbyismus-Vorwürfen konfrontierte*.

Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz

* 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

Kommentare