Corona-Talksendung

Markus Lanz (ZDF): Ökonom Stelter rastet aus – Staatsversagen!

  • Jens Kiffmeier
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Der Ewig-Lockdown kostet Deutschland Milliarden von Euro. Bei „Markus Lanz“ geht Ökonom Daniel Stelter an die Decke. Die Öffnungspläne überzeugen ihn nicht.

Hamburg – Corona-Lockdown, der Vierte. Öffnung für Gastronomie? Oder für den Einzelhandel? Fehlanzeige. Und wenn doch, dann mit komplizierten Ausnahmen. Bei Betriebsinhabern liegen die Nerven blank. Und auch bei Ökonom Daniel Stelter hat sich viel Wut angestaut über einen vermeintlichen Schlingerkurs in der Politik. „Die können es alle nicht, die ganze Truppe“, wettert er in der ZDF-Sendung von Markus Lanz am sehr späten Mittwochabend. Es ist nicht die einzige Schelte gegen Bund und Länder.

Deutscher Fernsehmoderator:Markus Lanz
Geboren:16. März 1969 in Bruneck (Südtirol, Italien)
Wohnort:Hamburg, Stadtteil Rotherbaum
Produktionsfirma:Mhoch2 TV (seit 2011)

Es ist bereits Mitternacht als Lanz auf Sendung geht. Zuvor haben die Ministerpräsidenten der Länder zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer einzigartigen Marathonsitzung über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Nach neunstündiger Videoschalte ist klar: Der Lockdown wird verlängert bis zum 28. März 2021. Lockerungen werden genehmigt, aber nach einem komplizierten, fünfstufigen Öffnungsplan.

Markus Lanz: Ökonom Daniel Stelter kritisiert Corona-Beschlüsse als Staatsversagen

Nun will die Runde um Lanz die aktuellen Beschlüsse bewerten. Neben Stelter, der 1990 an der Universtität St. Gallen promovierte und jahrelang als Abteilungsleiter bei der Boston Consulting Group tätig war, sind auch Schweinfurths Oberbürgermeister Sebastian Remelé, Journalist Robin Alexander und Virologin Jana Schroeder zu Gast.

Kritisierte bei „Markus Lanz“ die Corona-Politik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU): Ökomom Daniel Stelter. (24hamburg.de-Montage)

Schnell wird klar: Geplänkel duldet Stelter nicht. Als Lanz zu Beginn der Sendung mit Alexander die Gipfel-Stimmung ausloten will, fällt Stelter den beiden ins Wort. Gar nichts Brauchbares sei bei den Beratungen herausgekommen, poltert der namhafte Autor drauflos. Seit einem Jahr halte die Pandemie Deutschland und speziell die Wirtschaft im Würgegriff.

Es sei Zeit genug gewesen, sinnvolle Konzepte aufzubauen. Masken, Tests, Risikogruppen schützen, Impfen – nichts funktioniere richtig. Stattdessen würde die Wirtschaft gegängelt und mit Überbrückungshilfen am Leben gehalten, über die auch schon Tim Mälzer bei Markus Lanz geheult hat. Der wirtschaftliche Schaden: Vier Milliarden Euro für den Steuerzahler. Pro Woche! „Das ist für mich Staatsversagen“, schimpft Stelter.

Corona-Beschlüsse: Angst vor Mutation verhindert Lockerungen

Tatsächlich haben die Ministerpräsidenten sich lange gegen lautstark geforderte Öffnungsschritte gestemmt. Noch bei ihrem vergangenen Corona-Gipfel Anfang Februar hatten die Regierungschefs das Thema einfach vertagt. Wegen des Infektionsgeschehens sei eine Lockerungsperspektive nicht drin, hieß es. Wirklich verbessert haben sich die Corona-Zahlen seit dem nicht. Schuld ist die Ausbreitung einer hochaggressiven, britischen Virusvariante.

Dennoch soll den von einer Pleitewelle betroffenen Branchen und den pandemiemüden Deutschen jetzt ein Lichtblick geboten werden. Je nach Infektionsgeschehen sollen in den einzelnen Regionen nach einem festgelegten Fahrplan die bestehenden Corona-Maßnahmen erleichtert werden. Entscheidend ist, ob die Zahl der Ansteckungsfälle binnen einer Woche stabil unter einem Inzidenzwert von 100 oder 50 liegt. Je niedriger, desto besser. Dann gibt es nach und nach mehr Lockerungen.

Jedoch kann auch der umgekehrte Weg beschritten werden. Bei steigenden Zahlen wird die Notbremse gezogen und alle Verbote und Regelungen gelten wieder. Für die Wirtschaft bedeutet das einerseits eine Planbarkeit, allerdings zugleich eine unsichere. Auch das ist der Hintergrund für Stelters scharfe Kritik.

Corona-Gipfel: Oberbürgermeister wehrt sich gegen verbalen Angriff

Doch aus Sicht von Oberbürgermeister Remelé und Journalist Alexander ist es die einzige Möglichkeit, um aus dem Dauer-Lockdown ansatzweise herauszukommen. Es sei nicht alles „einfach und holzschnittartig“ zu machen, wie es von Wirtschaftsverbänden gefordert werde, verteidigt Remelé die Bundesregierung gegen den Vorwurf der Untätigkeit. Immerhin hätten Merkel und die Ministerpräsidenten eine der größten Krisen seit dem Zweiten Weltkrieg zu stemmen.

Unterstützung bekommt er von Robin Alexander. Zwar diagnostiziert auch er einen Schlingerkurs bei der Bewältigung der Corona-Probleme. Aber Staatsversagen? Das geht ihm dann doch zu weit, angesichts der Tatsache, dass milliardenschwere Wirtschaftshilfen fließen und Impfzentren aus dem Nichts aufgebaut worden sind. Der Vorwurf von Stelter wirke ein bisschen wie eine „verbale Handgranate“, kritisierte er.

Wirklich zusammenbringen kann Moderator Lanz die Kontrahenten an diesem Abend nicht. Vor drei Wochen war es noch anders. Da hatte er ebenfalls im Anschluss an den Corona-Gipfel Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im Studio zu Gast. Brandaktuell berichtete der Rathauschef von der Sitzung mit Merkel. Einen ähnlichen Aufschlag wollte Lanz auch an diesem Abend machen. Doch Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD), der eigentlich als Erklärer auserkoren war, sagte seine Teilnahme nach der Marathonsitzung ab. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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