Corona erneut Thema der Sendung

Markus Lanz (ZDF): Laschet-Attacke – Moderator beißt bei Röttgen auf Granit

  • Jan Knötzsch
    vonJan Knötzsch
    schließen

Knallige Coronavirus-Diskussion bei Markus Lanz! Fakten, Argumente, Thesen – egal. Hauptsache, es wird schön laut, denkt sich der ZDF-Moderator. Klappt es?

  • Markus Lanz stößt sich an Aussagen von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.
  • Der ZDF-Talker versucht vergeblich, Gast Norbert Röttgen Kritik am Parteifreund zu entlocken.
  • Markus Lanz ist begeistert vom Böblinger Landrat Roland Bernhard und dessen Corona-Strategie.

Hamburg-Altona – Wie soll es in Tagen der Pandemie auch anders sein: wieder einmal ist das Coronavirus das bestimmende Thema der Sendung von Markus Lanz. Als Gäste hat sich der ZDF-Talker diesmal ins Studio in Hamburg-Altona den CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, Elmar Theveßen (USA-Korrespondent des ZDF), die Wiener Journalistin Corinna Milborn, Helene Bubrowski von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Roland Bernhard, den Landrat des baden-württembergischen Kreises Böblingen, eingeladen.

Politiker:Norbert Röttgen
Geboren:2. Juli 1965 (Alter: 55 Jahre) in Meckenheim
Ehepartnerin:Ebba Herfs-Röttgen
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages (seit 1994)

Moderator Markus Lanz: Unmut über Äußerungen von CDU-Chef Armin Laschet

Das größte Augenmerk in der Runde liegt aber auf einem, der im Studio von Markus Lanz gar nicht dabei ist: auf dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet und den Aussagen, die dieser in den vergangenen Tagen tätigte. „Populär ist immer noch die Haltung, alles zu verbieten, streng zu sein, die Bürger zu behandeln wie unmündige Kinder. Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass das Leben wieder stattfindet“, erklärte der frisch gewählte CDU-Vorsitzende zuletzt – und sorgte damit für mächtig Unmut.

ZDF-Talker Markus Lanz (Mitte) findet die Äußerungen von Armin Laschet (re.) nicht gut, kann Norbert Röttgen aber zu keiner Kritik überreden. (24hamburg.de-Montage)

Auch bei Markus Lanz, der direkt seinen Studiogast Norbert Röttgen mit den Aussagen konfrontiert, die dessen Parteikollege getätigt hat. Der CDU-Mann windet sich erst einmal heraus und erklärt, dass er ja gar nicht wisse, ob sein Parteifreund dies so wirklich gesagt habe. Hat er aber. Bei einem Neujahrsempfang der CDU in Baden-Württemberg. Und so lässt Lanz, der jüngst eine Trink-Einldung von Ina Müller bekam, nicht locker und bohrt bei Röttgen weiter nach.

Markus Lanz: ZDF-Talker kann Norbert Röttgen keine Laschet-Kritik entlocken

Der ZDF-Talker, in dessen Sendung Tim Mälzer einst Unmut über die Corona-Sperrstunde abließ, hat die Rechnung allerdings ohne den Chef des Auswärtigen Ausschusses gemacht. Denn so sehr Lanz Röttgen auch ein negatives Wort über Laschet und dessen Äußerungen entlocken will: Es gelingt ihm schlicht und einfach nicht. Lanz, in dessen Sendung Virologe Hendrik Streeck und SPD-Politiker Karl Lauterbach schon aneinander gerieten, beißt bei Röttgen auf Granit. „Ich glaube, dass man sich an den Infektionszahlen orientieren muss. Die sind übrigens von allen – der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten – beschlossen worden“, gibt der CDU-Mann dem Moderator zu verstehen.

Zu einer kleinen Antwort, die etwas über seine Meinung zu Laschet verrät, lässt sich Röttgen dann doch hinreißen. Auch wenn der Lockdown nicht „populär“ sei, so gehe es seiner Meinung nach dabei aber keinesfalls um „eine Bevormundung“, sagt Röttgen und erklärt: „Unser Ziel kann es nur sein, dieses Virus unter Kontrolle zu bringen.“ Für Lanz zu wenig. Der ZDF-Talker, bei dem Wolfgang Kubicki gegen Jens Spahn lederte, stellt mit Bezug auf Laschets Aussage fest: „Das ist eine Kampfansage an die eigene Politik: Das, was wir alle gemeinsam beschlossen haben, das war gar nicht so gemeint.“ Und genau das, so Lanz, „verwirrt die Leute doch komplett.“

Markus Lanz findet großen Gefallen am „Böblinger Modell“ von Landrat Roland Bernhard

Weit mehr Gefallen als an den Laschet-Äußerungen und Röttgens Reaktion darauf, findet Markus Lanz, der in seiner Sendung bereits CSU-Mann Markus Söder für dessen Corona-Eigenlob rüffelte, an einem anderen Gast: an Roland Bernhard, dem Landrat des baden-württembergischen Kreises Böblingen. Dessen „Böblinger Modell“, eine Schnelltest-Strategie, begeistert den Moderator der Sendung nachhaltig. Der Landkreis – er hat rund 400.000 Einwohner – hat fünf Testzentren eingerichtet, in denen sich die Bürgerinnen und Bürger testen lassen können. Und das seit Kurzem sogar umsonst.

„... müssen wir in Lichtgeschwindigkeit testen“

Markus Lanz‘ Replik auf die Aussage von Landrat Roland Berhnard („So lange wir im Schneckentempo impfen...“)

Warteschlangen gibt es dabei nicht – sie werden durch die digitale Übermittlung des Testergebnisses über einen QR-Code vermieden, erklärt der Landrat nicht ohne einen gewissen Stolz und beginnt einen Satz, den Lanz begeistert vollendet. Nachdem Roland Bernhard ausholt: „So lange wir im Schneckentempo impfen...“, fällt ihm Lanz, bei dem Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher vor Kurzem von einer Philosophin angegiftet wurde, ins Wort und konstatiert: „Müssen wir in Lichtgeschwindigkeit testen“ – und sieht im „Böblinger Modell“ wohl die beste Umsetzung genau davon. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Markus Hertrich/dpa/picture alliance & Poolfoto/imago images & Britta Pedersen/dpa/picture alliance

Kommentare