Virologe Kekulé zu Impfstoff

Auch bei Markus Lanz Thema: Der Astrazeneca-Impfstoff

  • Jens Kiffmeier
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Ist der Astrazeneca-Impfstoff gefährlich? Bei Markus Lanz behauptet Virologe Alexander Kekulé, es sei ein Impfstoff zweiter Klasse – und muss verimpft werden.

Hamburg – Alexander Kekulé ist für seine klaren Worte bekannt. Die einen lieben den Virologen dafür. Andere halten ihn für einen Dampfplauderer. Auf seine Art hat er sich nun in die Debatte um den umstrittenen Impfstoff von Astrazeneca eingemischt. In der Sendung von ZDF-Talker Markus Lanz sprach er dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers im Vergleich zu anderen Impfstoffen eine geringere Wirkung zu. „Die Wahrheit ist: Astrazeneca ist ein Impfstoff zweiter Klasse“, sagte Kekulé vor laufender Kamera.

Deutscher Fernsehmoderator:Markus Lanz
Geboren:16. März 1969 in Bruneck (Südtirol, Italien)
Wohnort:Hamburg, Stadtteil Rotherbaum
Produktionsfirma:Mhoch2 TV (seit 2011)

Kekulé, Chef-Virologe an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg, liefert sich gerne wissenschaftliche Scharmützel* mit der Fachwelt. Am Dienstagabend war er zusammen mit Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), dem Vorsitzenden der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, sowie den beiden Journalisten Michael Bewerunge und Martin Knobbe zu Gast im Hamburger TV-Studio von Lanz. Und natürlich drehte sich in der Runde wieder alles rund um das Thema Corona.

Impfstrategie: Virologe Kekulé fordert radikale Kehrtwende

Da das Virus mit seinen Mutantenvarianten derzeit wieder in vielen Städten auf dem Vormarsch ist, gerät die Impfstoff-Debatte wieder verstärkt in den Fokus. Denn die Impfung gilt als einzige Möglichkeit, die Pandemie auf Dauer einzudämmen und aus dem Ewig-Lockdown herauszukommen. Dennoch sorgten in den vergangenen Tagen Berichte für viel Aufsehen, wonach tausendfach Impfdosen von Astrazeneca ungenutzt in den Kühlschränken der Impfzentren blieben.

Fand bei „Markus Lanz“ im ZDF klare Worte: Virologe Alexander Kekulé. (24hamburg.de-Montage).

Die Skepsis der Menschen gegenüber diesem Impfstoff ist derzeit groß. Zugelassen ist er aufgrund einer ungenauen Studienlage derzeit nur für Menschen in der Altersgruppe unter 65 Jahren. Deshalb bekommen ihn vorrangig Menschen angeboten, die in der höchsten Impf-Prioritätsgruppe eingeordnet sind, also Beschäftigte in Pflegeheimen, Krankenhäusern und beim Rettungsdienst. Nachdem aber einige der Geimpften öffentlich über starke Nebenwirkungen geklagt hatten, lehnten immer mehr Menschen eine Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin ab.

Bei Kekulé stößt das nun auf Unverständnis. Denn trotz der bekannten Nachteile sieht er durchaus auch Vorteile. Es sei doch wohl besser, zweiter Klasse mit der Bahn zu fahren als zu Fuß zu gehen, stellte der Virologe klar. Er verglich die Skeptiker, die jetzt auf einen anderen Impfstoff hofften, mit Menschen, die lieber zu Hause blieben, wenn sie nicht Erster Klasse in den Urlaub fliegen könnten. Übersetzt sollte das heißen: Ein schlechter Impfstoff schützt noch besser als gar keiner.

Lockdown-Debatte: Kekulé kritisiert Bundesregierung als planlos

Der übliche Aufschrei, der üblicherweise nach öffentlichen Kekulé-Auftritten erfolgt, dürfte dieses Mal ausbleiben. Denn der Virologe liegt mit dieser Ansicht auf einer Linie mit vielen anderen Experten wie der Hamburger Virologin Marylyn Addo oder dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, die ebenfalls zu einer Impfung mit Astrazeneca raten. Schließlich, so heißt es, sei das Vakzin geprüft und zugelassen und schütze durchaus vor einer Ansteckung. Selbst wenn man erst einmal mit dem „Impfstoff zweiter Klasse“ geimpft sei, könne man zu einem späteren Zeitpunkt ja ohne Probleme mit einem anderen Vakzin nachgeimpft werden.

Um die Corona-Pandemie einzudämmen, kommt man um den verstärkten Einsatz von Astrazeneca nicht herum. So sieht Kekulé das. Allerdings prangerte der Experte bei „Markus Lanz“ die Impfstrategie an. Hier sei die Bundesregierung auf dem Holzweg. Ohne eine Kehrtwende seien schnelle Erfolge nicht zu erzielen. Sein Vorschlag: Alle verfügbaren Impfstoffe „zusammenkratzen“ und alle Menschen ab 70 Jahre erst einmal mit einer Dosis versorgen. Mit dem Verzicht auf die zweite Injektion könne ein größerer Personenkreis schneller immunisiert werden. Studien zeigten, dass bereits nach der ersten Dosis ein etwa 85-prozentiger Schutz erreicht werden könne. Israel erziele mit dieser Strategie gute Erfolge und verhindere dadurch das Sterben, stellte Kekulé klar.

Ob seine Vorschläge in Berlin allerdings auf offene Ohren stößt, kann bezweifelt werden. Deswegen ging Kekulé, angestachelt von Moderator Lanz, mit der Bundesregierung auch hart ins Gericht. Bund und Länder handelten in der Krise mittlerweile ein wenig planlos, polterte der Virologe – und fand in Ex-Bundesinnenminister de Maizière einen willigen Unterstützer. Auch er würde sich in dieser schwierigen Phase wünschen, dass sich „alle ein bisschen mehr zusammenreißen“, mäkelte der Unionspolitiker. „Bei uns quatschen alle mit.“ Alle drei Tage gebe es eine Lockerungs- und Strategiedebatte – und am Ende gingen alle Länder ihren eigenen Weg. „Da werden doch alle verrückt gemacht“, bilanzierte der Ex-Minister. Dem wollten die anderen Gäste nicht wirklich widersprechen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN MEDIA.

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