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Markus Lanz (ZDF): Mehr Corona-Tote oder weiter Lockdown

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Politiker gegen Virologe: Bei Markus Lanz prangert Alexander Graf Lambsdorff (FDP) das Hin und Her im Corona-Lockdown an. Er fordert Öffnungen.

Hamburg – Friseure ja, Buchläden nein. Oder doch? Nur bei einer Inzidenz von unter 35? Alexander Graf von Lambsdorff (FDP) ist nur noch genervt. Dieses Hin und Her sei doch nicht mehr zu verstehen, schimpft er am Dienstagabend in der ZDF-Sendung von Markus Lanz.

Deutscher FernsehmoderatorMarkus Lanz
Geboren:16. März 1969 in Bruneck (Südtirol, Italien)
Wohnort:Hamburg, Stadtteil Rotherbaum
Produktionsfirma:Mhoch2 TV (seit 2011)

Der FDP-Politiker ist nur wenige Stunden, bevor der nächste Corona-Gipfel über eine mögliche Lockdown-Verlängerung ansteht zu Gast bei dem ZDF-Talker. Neben Lambsdorff sind an diesem Abend auch Virologe Timo Ulrichs, Petra Bahr, Regionalbischöfin aus Hannover und Mitglied im Deutschen Ethikrat, sowie Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) und ZDF-Journalist Elmar Theveßen mit von der Partie.

Markus Lanz: FDP fordert klare Öffnungspläne im Lockdown

Einen Tag vor den neuen Bund-Länder-Beratungen ist klar, dass Lanz auch an diesem Abend nicht um das Corona-Thema herumkommt. Zündstoff bieten dabei vor allem die unterschiedlichen Sichtweisen von Lambsdorff und Ulrichs. Die beiden scheinen wie Feuer und Wasser. Ihre verschiedenen Positionen spiegeln das Dilemma der deutschen Entscheidungsträger wider.

Fordert klaren Öffnungsplan: Alexander Graf von Lambsdorff (FDP). (24hamburg.de-Montage)

Auf der einen Seite steht Lambsdorff. Er vertritt vor allem die These: Macht die Läden wieder auf. „In Berlin reden alle über Lockerungen“, sagte der FDP-Fraktionsvize im Bundestag. Doch statt den Einzelhändlern oder Gastronomen „verlässliche Stufenpläne“ vorzulegen, werde herumlamentiert und gezögert. „Die Menschen wollen wissen, woran sie sind“, sagte Lambsdorff. Eine verantwortungsvolle Öffnung sei trotz hoher Inzidenzzahlen möglich, ist sich der Liberale sicher.

Aus Sicht der FDP wird dabei von der Bundesregierung zu viel über Lappalien diskutiert. „Mir platzt so ein bisschen der Kragen, wenn ich höre: Wir müssen mehr den Ton treffen. Die Leute wollen nicht den Ton getroffen haben. Die Leute wollen getestet werden, sie wollen geimpft werden und sie wollen ihre Freiheit zurück“, schimpft Lambsdorff.

Corona-Lockdown: Mehrheit der Deutschen wünscht Lockerung

Tatsächlich sind laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov 43 Prozent der Deutschen dafür, die bestehenden Corona-Regeln zu lockern. Diese Sehnsucht spüren auch viele Regierungsverantwortliche in Bund und Länder. Am Mittwochnachmittag wollten sich die Ministerpräsidenten wieder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Corona-Gipfel treffen. Im Vorfeld deutet sich an, dass der Lockdown grundsätzlich bis Ostern verlängert werden soll.

Doch angesichts einer steigenden Pandemie-Müdigkeit soll den Deutschen an einigen Stellen eine Erleichterung bei den Regeln gestattet werden. Nach einer Beschlussvorlage sind vier Öffnungsschritte im Gespräch, nach denen der Einzelhandel, die Gastronomie oder die Sportvereine wieder den Betrieb aufnehmen könnten. Umstritten ist allerdings der Zeitpunkt. So soll ein bestimmter Inzidenzwert als Maßstab gelten. Dieser Grenzwert könnte bei 35 genauso liegen wie bei 100.

Für die einen ist die Grenzziehung pure Willkür. Für die anderen absolute Notwendigkeit. Auch Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange ist hin- und hergerissen. Einerseits will sie bei Lockerungen nicht mauern. Andererseits kämpft sie gerade gegen explodierende Corona-Zahlen.

Corona-Regeln: Haben Virologen zu viel Mitspracherecht?

„An Inzidenzwerte von 35 kann ich ja noch lange nicht denken“, sagt die Sozialdemokratin missmutig. Ihre Stadt ist aktuell bei einem sehr hohen Inzidenzwert von 154. Trotzdem könne es nicht sein, dass Flensburg zur Lockdown-Insel werde, während rundherum alles öffne, widerspricht die Sozialdemokratin: „Das halten wir wirtschaftlich nicht aus.“

Keine Frage, Lange steckt in der Zwickmühle. Aus Sicht der Virologen gibt es daraus auch keinen schnellen Ausweg. Das stellt Fachmann Ulrichs klar. Ja, der Ruf nach Öffnungen sei „sehr laut“, bestätigt er. „Aber wir können es uns eigentlich angesichts dieser Zahlen nicht leisten, groß zu öffnen.“

Es sind genau diese Sätze, die Oppositionspolitiker wie Lambsdorff auf die Barrikaden bringen. Das ewige Mahnen nutze sich irgendwann auch einmal ab, hatte der Journalist Heribert Prantl in der vergangenen Woche bei Lanz gewarnt. So sieht das der Liberale auch. Die Pandemie halte die Deutschen seit einem Jahr fest in Griff. Da sei Zeit genug gewesen, Impfkampagnen, Schnelltests und Öffnungskonzepte besser vorzubereiten, argumentiert Lambsdorff. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa & Peter Kneffel/dpa

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