CDU-Politiker Friedrich Merz in Not

Markus Lanz (ZDF): Klima-Retterin Luisa Neubauer gegen Wirtschaftsboss Friedrich Merz (CDU)

  • Yannick Hanke
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In der neuesten Markus Lanz-Ausgabe (ZDF) liefern sich die Hamburger Klimaaktivistin Luisa Neubauer und CDU-Politiker Friedrich Merz einen hitzigen Schlagabtausch. Auch der Moderator kann sich nicht zurückhalten.

  • Markus Lanz*: Streit zwischen Friedrich Merz und Luisa Neubauer.
  • Klimaschutz erhitzt die Gemüter.
  • Hamburgs* Greta Thunberg zerlegt CDU-Politiker.

Hamburg/Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Dienstag, 30. Juni 2020 sind Klimaaktivistin Luisa Neubauer, CDU-Politiker Friedrich Merz, ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen und Unternehmerin Sarna Röser zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Besonders heiß her geht es zwischen Hamburgs Antwort auf Greta Thunberg und dem Berliner Politiker. Und natürlich gibt auch der ZDF-Moderator seinen Senf dazu.

Politiker:Friedrich Merz
Geboren:11. November 1955 (Alter 64 Jahre), Brilon
Größe:1,98 m
Ehepartnerin:Charlotte Merz
Eltern:Joachim Merz
Kinder:Philippe Merz

Markus Lanz (ZDF): CDU-Politiker Friedrich Merz und Hamburger Klimaaktivistin Luisa Neubauer mit Debatte über Klimaschutz in Deutschland

Friedrich Merz ist eine streitbare Person. Der 64-Jährige ist CDU-Politiker sowie Wirtschaftsjurist und kann auf eine reich gefüllte Vita verweisen. Der gebürtige Sauerländer war bereits Teil des Europäischen Parlaments (1989-1994) und gehörte 15 Jahre lang dem Deutschen Bundestag an (1994-2009). In der Öffentlichkeit wird Merz oftmals mit einer gewissen Streitlustigkeit assoziiert, die sich in den verschiedensten Formen äußert. Unvergessen sind seine Aussagen über die AfD, welche er im Juli 2018 gegenüber der Dresdener „Morgenpost am Sonntag“ geäußert hatte.

CDU-Politiker Friedrich Merz wird bei Markus Lanz im ZDF von Klima-Aktivistin Luisa Neubauer hart ins Gericht genommen. (24hamburg.de-Montage)

„Ich hätte auch längst im Deutschen Bundestag einen Vizepräsidenten der AfD gewählt [...] Diese Partei ist mit 12,6 Prozent gewählt worden. Sie ist weder verboten noch als verfassungswidrig eingestuft worden. Hinter ihr stehen Millionen Wähler, die man nicht in eine Opferrolle hineinbringen sollte", ließ Merz damals verlauten. Nun, rund zwei Jahre später, ist der 1,98 Meter Hüne zu Gast in der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz. Die Aura und die Präsenz des Politikers sind quasi in jeder Ecke des Hamburger TV-Studios spürbar.

Es ist das Thema „Klimaschutz in Deutschland“, wodurch die Gemüter flugs erhitzt werden. Erst kürzlich gab Merz dem „Spiegel“ ein Interview (hinter Bezahlschranke), in dem unter anderem über das Bündnis 90/Die Grünen gesprochen wurde. Der Thematik entsprechend präsentierte sich der CDU-Politiker hierfür in einem grünen Anzug. Für viele Betrachter von außen ein symbolisches Zeichen. Nur in welche Richtung? Dies wird schnell durch die Ausführungen des 64-Jährigen bei Markus Lanz deutlich. „Wir dürfen das Thema Ökologie den Grünen nicht überlassen“, outet sich Merz nicht gerade als größter Grünen-Sympathisant. Oder etwa doch?

Hatten viel zu diskutieren: CDU-Politiker Friedrich Merz und Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer sind sich in der Hamburger Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz oft uneinig. (Screenshot)

Mit Ökologie würde sich der Sauerländer schon seit längerem beschäftigen. Dementsprechend wüsste er, worauf es ankommt. Sieht Klimaaktivistin Luisa Neubauer aber anders. Die Hamburgerin holt kurz Luft und setzt dann, freundlich, aber bestimmt, zur Verbal-Offensive an. „Die Titelgeschichte dazu war ja, dass sie sich jetzt was mit den Grünen vorstellen können. Dazu muss ich ehrlicherweise sagen: Das will ich Ihnen überhaupt nicht anlasten. Aber ein Jahr vor der Bundestagswahl, in der so viele große Sachfragen, Inhaltsfragen im Raum stehen und Sie, bei allem Respekt, mandatspolitisch gesprochen, überhaupt nichts sind, finde ich diese Farbspielerei politisch fast unachtsam“.

Markus Lanz (ZDF): Hamburgs Greta Thunberg schießt gegen CDU-Politiker Friedrich Merz

Uff, der hat gesessen. Merz, ganz der Vollprofi, verzieht keine Miene und behält sich sein Dauerlächeln bei. Anders schaut es bei Markus Lanz aus. Der gebürtige Italiener lässt seinen Emotionen freien Lauf und kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Als sich der 51-Jährige doch noch gefangen hat, hakt er bei Neubauer nach: „Haben Sie gerade gesagt: Sie, der Sie mandatsmäßig gar nichts sind?“. Ja, das hat sie - und packt noch einen obendrauf. „Das ist de facto ja, wo wir gerade sind“, sagt die Hamburgerin. Die Reaktion vom ZDF-Talkmaster? Ein schlichtes, anerkennendes „Nicht schlecht“.

Die oft als „Hamburgs Greta Thunberg“ bezeichnete Neubauer merkt süffisant an, dass es noch viel mehr Politiker wie Merz bräuchte - die behaupten würden, sie fänden es mit dem Klima gut, ihre Aussage aber nicht zu Ende denken. Sie fände es „wunderbar“, wenn der Politiker es ernst meinen würde. Jedoch hätte die CDU in diesem Kontext noch keinen Entwurf vorgelegt, der deutlich macht, „dass das Thema bei ihnen in guten Händen ist“. Das zu eskalieren drohende Streitgespräch wird daraufhin für kurze Zeit von Lanz unterbrochen, der sich in die Rolle des Mediators fügt.

Der Moderator gewährt Merz eine Minute Zeit, um Argumente zu finden, mit denen er die Klimaaktivistin überzeugen kann. Gar nicht so leicht für den CDU-Politiker, der sich inhaltlich verrennt. Es gehe ihm um die Themen, nicht um taktische Spiele, heißt es nur vom 64-Jährigen. „Klimapolitik fängt ja nicht erst heute an, sondern schon vor 30 Jahren“, führt Merz aus und will wissen, dass Deutschland seine Klimaziele bis dato erfüllt hätte. Ob er denn nun der erste Umweltkanzler werden möchte, fragt Lanz daraufhin. Ähnlich offensiv vorgeprescht war der Hamburger bereits beim Gespräch mit dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert*, wie 24hamburg.de-MarkusLanz zu berichten weiß.

Merz winkt jedoch ab und verweist auf Angela Merkel*, mit der es bereits eine Umweltkanzlerin geben würde und „die ja auch viel gemacht hat in dem Bereich“. Das kann Luisa Neubauer erneut in der Art und Weise nicht stehen lassen. Der Blick zurück würde rein gar nichts bringen, vielmehr gehe es darum, nach vorne zu schauen und zukunftsorientiert zu denken. Wolle man die Klimaziele marktwirtschaftlich angehen, wie es von Merz zuhauf angeregt wird, dann müsse die CO2-Bepreisung „relativ sofort auf 50, 60, 70 Euro angehoben werden“. Gemeint ist hiermit, dass der Ausstoß von Treibhausgasen in den Bereichen Wärme und Verkehr über einen CO2-Emissionshandel einen bestimmten Preis erhält. Dies wurde von der Bundesregierung beschlossen.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Klimaschützerin Neubauer „droht“ Politiker Merz (CDU) - „Niemand kommt an der Klimafrage vorbei“

Und was hält der CDU-Politiker davon? Nun, ganz lapidar merkt Merz an, dass Klimaforscher ernst genommen werden müssen, aber auch die Ökonomen beachtet werden sollten. Er ist für die angesprochene CO2-Bepreisung, will sich aber auf keinen konkreten Preis festlegen. Dazu kann sich der Wirtschaftsjurist erst im weiteren Verlauf der ZDF-Talkshow durchringen - und hält einen „Preis von 50 Euro pro Tonne CO2“ für angemessen. Zuvor muss er aber noch anmerken, dass sich jede Familie weiterhin ein Auto leisten solle. Steilvorlage für Neubauer, die sich ihrer Argumentation sicher ist und voll ins Schwarze trifft: „Das Günstigste, was man jetzt machen kann, ist radikaler Klimaschutz“.

Sie führt aus, dass Deutschland als reiches Land im Kontext von Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen müsse, ehe anderen Ländern etwas vorgehalten werden könnte. Auch zum Thema „Kohleausstieg“ hat Luisa Neubauer eine klare Meinung. Die 24-Jährige ist der Ansicht, dass Deutschland besser verhandeln hätte müssen, da der Bundesrepublik der Kohleausstieg teuer zu stehen kommt. Konter von Merz, der Lücken in der Hamburger Abwehrreihe sieht. Ihm zufolge hätte die Politik sehr wohl versucht zu handeln, sich letztendlich aber an Verträge halten müssen. „Wir machen uns das Leben auch künstlich schwer in Deutschland. Wir haben die Kernenergie abgeschaltet, wir haben die Steinkohle abgeschaltet. Alle Länder, die in Europa die Klimaziele erreichen, haben Kernenergie“, merkt der CDU-Politiker an.

Seine Kernaussage: Es müsse auch an die Menschen und an die damit verbundenen Arbeitsplätze gedacht werden. „Libero“ Luisa stoppt den Angriff von Merz und setzt selbst zum Konter an. Mit der Argumentation hinsichtlich der Arbeitsplätze würde nur eine ohnehin stattfindende Transformation herausgezögert werden. Zustimmung von Markus Lanz, der in diesem Zusammenhang von früheren Investitionen in Solarenergie und Fotovoltaik spricht. „Das war eine gigantische Fehleinschätzung“, pflichtet der Politiker dem Moderator bei. Zu spät, denn der ZDF-Talkmaster läuft längst zu Hochtouren auf. „Das ist doch nicht unser Ernst. Wenn das nicht grottenschlecht ist, dann weiß ich auch nicht“, zeigt sich der Hamburger empört und fassungslos.

Zum Schluss schlägt sich Merz sogar auf die Seite von Neubauer. „Wir sind nicht schnell genug, da bin ich völlig bei ihr“, merkt der 64-Jährige an. Also alles gut zwischen den beiden? Mitnichten. Der CDUler verweist einschränkend darauf, dass auch auf das Gemeinwohl geachtet werden muss - und nicht nur auf die vehementen Forderungen einzelner Personen. Zu viel für die Klimaaktivistin, die einen „Drohung“, wie Lanz es nennt, an Merz richtet: „Wenn Sie das mit dem Klima an sich nehmen wollen, überlegen Sie sich, ob Sie Paris einhalten wollen, denken Sie die Konsequenzen mit. ´Fridays for future‘ plant den nächsten globalen Klimastreik und wir sind mehr als gewillt, die nächste Bundestagswahl zu einer Wahl zu machen, bei der niemand an der Klimafrage vorbeikommt. Ich mein das ernst“.

Markus Lanz (ZDF): Grande Finale im Hamburger TV-Studio - Merz (CDU) umwirbt Neubauer

Nun kommt es zum Grande Finale im Hamburger TV-Studio. Es gehe ausschließlich darum, dass die „blanken Emissionen“ stimmen müssen, sagt Luisa Neubauer. Daraufhin kann Friedrich Merz nicht an sich halten, fährt aus seiner Haut und präsentiert seine geballte Offensivpower. „Kandidieren Sie im nächsten Jahr für den Bundestag und kämpfen Sie in Deutschland für Mehrheiten“, fordert der Politiker Neubauer heraus. Für welche Partei sei sekundär. Oder doch nicht?

„Kommen Sie zu uns“, umwirbt Merz die Klimaaktivistin und will ihr die CDU schmackhaft machen. Die sonst so schlagkräftige 24-Jährige sagt daraufhin gar nichts mehr und ist sichtlich irritiert. Wie 24hamburg.de-MarkusLanz in aller Ausführlichkeit schildert, ging es bereits zwischen Journalist Hajo Schumacher und dem Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD)* ähnlich hitzig in der ZDF-Talkshow zu. Emotionen sind hier fast immer garantiert - siehe die hitzige Auseinandersetzung zwischen SPD-Politiker Lauterbach und Virologe Streeck*. * 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redakionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © ZDF/Markus Lanz & Johannes A. Rosenburg/24hamburg.de

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