Boris Herrmann

Markus Lanz (ZDF): Lockdown-Tipps vom Solo-Segler – Sprachnachrichten

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Weltumsegler Boris Herrmann ist bei „Markus Lanz“. Sein 80-Tage-Törn macht ihn zum Meister der Einsamkeit. Doch seine Tipps für den Lockdown will niemand hören.

  • Boris Herrmann ist der Star-Gast bei „Markus Lanz“.
  • Der Profisegler berichtet über die Einsamkeit bei der Weltumrundung.
  • Seine Lockdown-Tipps gehen den anderen Gästen aber an der Realität vorbei.

Hamburg – Es war kein gewöhnlicher Trip: 80 Tage lang segelte Boris Herrmann einmal rund um die Welt. Jetzt ist er zurück und ein gefragter Gesprächspartner. Auch für ZDF-Moderator Markus Lanz, in dessen Sendung er am Dienstagabend zu Gast war. Er hat als erster Deutscher an der Vendée Globe teilgenommen und das härteste Solo-Segelrennen der Welt in der vergangenen Woche als Fünfter beendet. 80 Tage Dauerstress und Isolation liegen nun hinter dem Wahl-Hamburger. Und auch wenn er das Rennen als Profi-Segler genoss, es sei durchaus „toll, wieder an Land und unter Menschen zu sein“, berichtete der 39-Jährige.

Deutscher Profisegler:Boris Herrmann
Geboren:28. Mai 1981 (Alter 39 Jahre), Oldenburg
Ehefrau:Birte Lorenzen (verheiratet seit 2020)
Aktuelle Erfolge:5. Platz bei der Vendée Globe

Mit seinen Erfahrungen ist Herrmann nun ungewollt ein Experte für Quarantäne und Lockdown-Situationen geworden. Insofern passte der Sportler dann auch gut in die aktuelle Ausgabe der ZDF-Sendung. Wieder einmal drehte sich nämlich bei „Markus Lanz“ fast alles um das Thema Corona. Neben Herrmann waren auch ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann, Epidemiologe Timo Ulrichs, Jugendmedizinerin Tanja Brunnert und Münsters CDU-Oberbürgermeister Markus Lewe eingeladen.

Weltumsegler über seinen Törn: Abenteuer fordert Tribut

Doch zunächst bekam Herrmann das Wort. Ausführlich berichtete der Segler von seinem kräftezehrendem Abenteuer. So verlangte der Solo-Törn seinem Körper einiges ab. Erfahrungsgemäß dauere es bis zu sechs Monate, bis sich ein Körper von so einem Trip erholt habe, berichtete Herrmann. Es sei dabei vor allem die mentale Anspannung, die ihren Tribut verlange. Todesangst musste der Segler aber eigenen Angaben zufolge nicht ausstehen. Sein Sport sei eine „sichere Angelegenheit“, ließ er die Zuschauer wissen. In 35 Jahren seien bei dem Rennen erst zwei Menschen gestorben. „Ich will das nicht verharmlosen. Aber wir sind keine Hasardeure“ stellte er klar.

Sprach bei Markus Lanz über sein Segel-Abenteuer: Boris Herrmann (rechts). (24hamburg.de-Montage)

Extremsituationen* gab es freilich. Aber die meisten davon hatte der Hamburger glücklicherweise vorab trainiert. So etwa das Hochklettern am hohen Mast, wenn sich mitten auf dem Meer das Segler verhakt hat. In diesen Momenten sei man voller Adrenalin und habe keine Zeit für Panik, so Herrmann.

Schwieriger war da dann schon der Kampf gegen die Einsamkeit. 80 Tage allein auf dem Meer in einem Boot – da kann einem mitunter schon langweilig werden. Aber anders als Weltumsegler in der grauen Vorzeit hilft heutzutage moderne Technik über einsame Stunden hinweg. Die Satellitenantenne wurde so etwas wie der Rettungsanker für Herrmann.

Reise in Corona-Zeiten: Profisegler gibt Tipps gegen Einsamkeit

Er habe Sprachnachrichten für sich neu entdeckt, berichtete er in der Lanz-Sendung. Da habe er auch viel Emotionen reingelegt und sogar am Ende neue Kontakte zu fast vergessenen Freunden mit aufgebaut. „Das ist vielleicht eine Technik, die man auch im Lockdown ganz gut anwenden kann“, regte Hermann an. „Das hat mir sehr geholfen. Man ist einmal raus aus seiner eigenen kleinen Blase.“

Doch dieser gut gemeinte Rat war dann die Eröffnung für die Diskussion mit den anderen Gästen. Denn Erwachsene mag das Smartphone noch vor Einsamkeit im Corona-Lockdown schützen, doch für Kinder funktioniert das nicht. Darauf machte die Göttinger Kinder- und Jugendärztin Tanja Brunnert aufmerksam. Jeden Tag erlebt sie die Folgen der Corona-Pandemie hautnah in ihrer Praxis. „Vor mir sitzen Kinder, die sagen: Ich kann nicht mehr“, sagte sie.

Corona-Lockdown: Kinderärztin warnt vor Auswirkungen

Die mangelnden Betreuungsmöglichkeiten durch Schulschließungen und Homeoffice-Lösungen ließen die Kinder alleine zurück. Der Fernsehkonsum sei unfassbar hoch angestiegen, auch bei den ganz kleinen Kindern. Die Zahlen seien da sehr erschreckend, sagte Brunnert und warnte zugleich vor immensen Folgen für Sprachentwicklung, motorische Fähigkeiten und Sozialverhalten.

Brunnert ist mit dieser Einschätzung nicht alleine. Seit langem warnen Kinder- und Jugendmediziner vor den Auswirkungen des Lockdowns. Am Mittwoch sollte das Thema auch Gegenstand der Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer werden. Doch wie schwierig es ist, allen Anforderungen gerecht zu werden, davon konnten auch die anderen Gäste berichten.

So schilderte CDU-Politiker Markus Lewe, wie er in Münster das Infektionsgeschehen deutlich nach unten drücken konnte. Doch eine Gewissheit, dass man nun schnelle Lockerungen beschließen könnte, hat auch der Oberbürgermeister nicht. Denn nach wie vor bereiten die neuen Coronavirus-Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien der Politik große Sorgen. Gegen die Gefahren, die hier lauern, wusste am Ende auch Profisegler Herrmann keinen Rat mehr. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Rubriklistenbild: © Loic Venance/dpa/picture alliance & Markus Hertrich/dpa/picture alliance

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