Ministerpräsident unter Beschuss

Markus Lanz (ZDF): Kretschmann für Schul-Politik kritisiert

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Markus Lanz fühlt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) auf den Corona-Zahn. Seine Pläne die Schulen in Baden-Württemberg zu öffnen, spaltet die Lager.

  • Markus Lanz (ZDF): Winfried Kretschmann (Grüne) im Kreuzverhör.
  • Corona-Schulpolitik spaltet Hamburger Runde.
  • Ministerpräsident Kretschmann sieht sich als Teamplayer – der autonom handelt.

Hamburg-Altona – Die Coronavirus-Krise sorgt nach wie vor für reichlich Debatten und Diskussion. Der Umgang mit der Pandemie spaltet die Meinungen und erhitzt die Gemüter. Es wird vor allem kritisiert, dass jedes der 16 Bundesländer einen eigenen Weg zu bestreiten versucht, um der Ausnahmesituation Herr zu werden. Dies betrifft dementsprechend auch Baden-Württemberg, dessen Landesvater Winfried Kretschmann ZDF-Moderator Markus Lanz Rede und Antwort stehen muss. Feuer frei für Emotionen nonstop.

Mitglied des Bundesrates:Winfried Kretschmann
Geboren:17. Mai 1948 (Alter 72 Jahre), Spaichingen
Größe:1,93 m
Ehepartnerin:Gerlinde Kretschmann (verh. 1975)
Partei:Bündnis 90/Die Grünen
Amt:Mitglied des Bundesrates seit 2011
Kinder:Irene Kretschmann, Johannes Kretschmann, Albrecht Kretschmann

Markus Lanz (ZDF): Winfried Kretschmann (Grüne) zur Rede gestellt – erst Ruhe, dann Rage

Auslöser für ein Streitgespräch in der Hamburger Runde ist die Intention Baden-Württembergs, sowohl Grundschulen als auch Kitas zwei Wochen früher als eigentlich vorgesehen zu öffnen. Diese sollen planmäßig bis einschließlich 14. Februar 2021 geschlossen bleiben. Nicht aber, wenn es nach Ministerpräsident Winfried Kretschmann geht. Der Grünen-Politiker forciert bereits den 1. Februar und fällt damit aus der Reihe.

Lässt Kritik abprallen: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) muss sich für seine Corona-Schulpolitik in Baden-Württemberg rechtfertigen – und sieht keine Schuld bei sich. (24hamburg.de-Montage)

Denn sowohl Kanzlerin Angela Merkel als auch die anderen 15 Länderchefs beharren auf die Monatsmitte, was die Öffnung von Schulen und Kitas angeht. Wie also ist der Alleingang und das forsche Vorgehen Kretschmanns zu erklären? Das möchte Talkmaster Markus Lanz in Erfahrung bringen und löchert seinen politischen Gast unnachgiebig mit Fragen. Blöd nur, dass sich der Grünen-Mann als waschechter Profi erweist und mit stoischer Ruhe glänzt. Zumindest eine Zeit lang.

Markus Lanz (ZDF): Ministerpräsident wütet wegen Corona-Schul-Kritik – keine „Schurken am Werk“

Winfried Kretschmann betont zunächst, dass er sich mit seiner Regelung penibel an die offiziellen Beschlüsse von Bund und Ländern halten würde. Das führt zu ungläubigem Kopfschütteln bei Markus Lanz, der weiter nachhakt – und damit einen Nerv beim Ministerpräsidenten Baden-Württembergs trifft. „Man muss nicht jede kleine Abweichung aufbauschen“, zeigt sich der 72-Jährige auf einmal ziemlich energisch. „Man muss nicht so tun, als seien da Schurken am Werk“, fügt Kretschmann an und bezieht sich damit auf die Ministerkonferenz mit Angela Merkel.

Als sich Kretschmann ein wenig beruhigt hat, möchte er etwas ins Detail gehen. Die Entscheidung, Grundschulen und Kitas bereits vor dem 14. Februar zu öffnen, habe er auf der Basis von Fakten getroffen. Und nicht etwa „freihändig“, wie es der Ministerpräsident nennt. Er verweist auf belastbare Zahlen, die deutlich aufzeigen würden, dass sich Kinder unter zehn Jahren weniger häufig mit dem Coronavirus ansteckten als Erwachsene. Zudem sei dem erfahrenen Politiker bewusst, dass vor allem die Kleinsten in der Gesellschaft enorm unter den sozialen Einschränkungen leiden würden.

Markus Lanz (ZDF): Moderator nimmt Kretschmann auseinander – Zahlen „belastbar“?

Das mag sein, doch legitimiert dies automatisch das Vorgehen von Winfried Kretschmann? De facto konnten Forscher noch nicht final klären, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung vom Coronavirus spielen. Das weiß auch Markus Lanz, der zu Höchstform aufläuft und mehr über die Zahlen wissen will, auf die sich der Grünen-Politiker bezieht. Na gut, soll er doch, denkt sich der Ministerpräsident und holt ein wenig aus.

Schnell wird deutlich, dass sich Kretschmann auf eine Studie aus dem Frühjahr 2020 stützt. „Die Virus-Mutanten können da nicht berücksichtigt worden sein“, wirft Lanz ein. Kann der Politiker so aber nicht stehen lassen. Es ist die Rede von einem Virologen aus Tübingen, der mehrere Studien analysiert habe und Kretschmann letztendlich die Grundlage für seine Schul-Entscheidungen geliefert habe. Um es mit dem Ministerpräsidenten Baden-Württembergs zu sagen: „Das ist belastbar.“ Belasten tut Kretschmann auch einen Parteikollegen – dem Grünen Boris Palmer geht es an den Kragen*.

Markus Lanz (ZDF): Grünen-Politiker Kretschmann als Teamplayer – mit „eigenem Kopf“

Kurze Pause, dann fügt Kretschmann Folgendes an: „Ich habe keine anderen Zahlen“ – und setzt dies in Relation zu den Fakten, die Kanzlerin Merkel vorliegen. „Ich zieh mit der Kanzlerin an einem Strang, aber hab schon auch noch meinen eigenen Kopf“, präsentiert sich der 72-Jährige als Teamplayer, der aber auch autonom Entscheidungen treffen möchte. Die süffisante Anmerkung vom ZDF-Moderator: „Wir kommen dem Pudels-Kern näher.“

Wirklich? Vielmehr dreht sich die Hamburger Runde so sehr im Kreis, dass dem TV-Zuschauer Schwindelgefühle plagen müssen. Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, „kann nicht nachvollziehen, wieso man da nicht noch gewartet hat.“ Die Rede ist natürlich von den anvisierten Schulöffnungen Anfang Februar. Unverständnis herrscht im Grunde auf beiden Seiten, denn Kretschmann wiederum will sich kein Fehlverhalten ankreiden lassen. Nichts Neues, bei Markus Lanz zeigt sich Kretschmann nur selten einsichtig. Am Ende bleiben die Fronten verhärtet, die Corona-Schul-Debatte hält an. * 24hamburg.de und bw24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Eibner/imago images

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