„Papa“ Lanz versus „Sohn“ Heil

Frecher Hamburger: Ego-Talkmaster Markus Lanz (ZDF) behandelt Minister Heil wie Rotzbuben

  • Yannick Hanke
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Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit, streitet sich mit dem Talkmaster Markus-Lanz. In der neuesten Ausgabe des ZDF-Egos geht es um Konsumkritik, die wirtschaftlichen Folgen von Coronavirus-Sars-Cov-2, aber auch Rassismus ist in der Hamburger Runde weiterhin präsent.

  • Markus Lanz*: ZDF-Moderator auf Egotrip.
  • Heftiger Disput mit Arbeitsminister Heil (SPD).
  • Im Zweiten streitet man besser: Lanz provoziert Clinch.

Hamburg/Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe von Donnerstag, 11. Juni 2020 fängt alles ganz harmlos an. Geladen sind Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), Ökonom Gabriel Felbermayr, Soziologe Harald Welzer und die ZDF-Moderatorin Jana Pareigis zu Gast im Studio in Hamburg-Altona. Dabei kommen sich zwei Männer ganz besonders in die Haare: Politiker Heil, der sich im verbalen Schlagabtausch mit dem Hamburger* Talkmaster wiederfindet. Lanz wiederum zeigt sich als Egomane.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Hubertus Heil
Geboren:3. November 1972 (Alter 47 Jahre), Hildesheim
Ehepartnerin:Solveig Orlowski
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Bundesminister für Arbeit und Soziales seit 2018
Kinder:Mathilda Katharina Heil, Leonard Johannes Heil

Markus Lanz (ZDF) und Hubertus Heil (SPD) in Hamburg: „Rhetorik-Gott" gegen SPD-Arbeitsminister

ZDF-Aushängeschild Markus Lanz kann mit seiner gleichnamigen Talkshow auf eine Historie von mittlerweile zwölf Jahren zurückblicken. In diesem langen Zeitraum sah und sieht er sich immer wieder mit denselben Vorwürfen konfrontiert. Permanentes Unterbrechen der Gäste (die Linke Sahra Wagenknecht lässt grüßen), Ignorieren von Argumenten, kein angemessenes Zuhören - die Liste ist lang, die vermeintlichen Schwächen eklatant.

Dementsprechend benötigen die Gäste des 51-jährigen Hamburgers ein gewisses Repertoire an Eigenschaften, die ihnen helfen soll, die mitunter äußerst emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle im Rahmen der rund 75 Minuten Sendezeit zu überstehen. Dickfelligkeit, Selbstbewusstsein, sicheres Argumentieren - alles vorausgesetzte Standards, um gegen „Rhetorik-Gott" Lanz zu bestehen.

Auftritt Hubertus Heil. Der SPDler und Bundesarbeitsminister steht im Fokus der neuesten Markus Lanz-Ausgabe und muss sich ordentlich zur Wehr setzen. Doch zunächst zum Preludio bzw. zur Ausgangslage. Mittels einer vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuer und dem Kinderbonus will die Bundesregierung am Freitag, 12. Juni weitreichende Teile des geplanten Konjunkturpakets auf den Weg bringen. Dieses ist 130 Millionen Euro schwer und soll die für längere Zeit aufgrund von Coronavirus-Sars-Cov-2* lahmgelegte Wirtschaft beleben. Und den Verbraucher wieder zum Konsum anregen.

Über die damit verbundene Hoffnung und die generelle Wirkung spricht Hubertus Heil in der Hamburger Runde von Markus Lanz. Der SPD-Politiker zeigt sich zuversichtlich, um auf diesem Wege „in diesem Land mitzuhelfen, dass die Wirtschaft wieder in Gang kommt“. Seine Hoffnung: „Nach der Krise ist dieses Land digitaler, sozialer und auch ökologischer".

ZDF-Egomane Markus Lanz schießt auf Hilfspaket-Heil: Provokation als Stilmittel

Der 47-jährige gibt Folgendes zu bedenken: „Ich kann als Arbeitsminister nicht versichern, jeden Job zu sichern in Deutschland. Ich habe aber die Chance, in diesem Land um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen“. Bevor Heil weiterreden kann, fällt ihm Egomane Lanz auch schon ins Wort. Der ZDF-Moderator fragt provokant, wie viele der aktuell 7,3 Millionen Kurzarbeiter im kommenden Jahr zu dieser Zeit wohl in die Arbeitslosigkeit abgerutscht seien.

Das bringt den Politiker ins Schwitzen. „Ich denke, dass die Mehrheit davon wieder in Arbeit sein wird“, lautet die lapidare Aussage. Viel zu wenig für den erfahrenen Lanz, der gerne da hingeht, wo es wehtut und neckisch anmerkt: „Die Mehrheit hoffentlich, das sind 3,6 Millionen!“. Kann Heil so nicht stehen lassen und holt aus: „Es wird Insolvenzen geben, es gibt auch jetzt steigende Arbeitslosigkeit [...] Aber ich glaube, dass wir die Chance haben, dass wir in einem Jahr besser dastehen – wenn die Wirtschaft anspringt“.

Kritischer Blick, die Stirn in Falten, die eine Hand erhoben: Die „Markenzeichen“ von ZDF-Moderator Markus Lanz signalisieren, dass der Hamburger seinem Gegenüber unterbricht. Und mitunter auch zum Monolog ansetzt. (Screenshot)

Für Lanz ist dies immer noch zu vage. Er macht dem SPDler Feuer unterm Hintern und erwartet eine konkretere Einschätzung zur erwartbaren ansteigenden Arbeitslosigkeit. „Sie trauen sich jetzt zu keiner Prognose oder Sie wollen keine Prognose?“, bringt Lanz den Arbeitsminister in die Bredouille. Der, ganz der Politiker, antwortet linkisch: „Das wäre unseriös!“. Erfolgreich ausgewichen, der ZDF-Talkmaster bleibt der moralische Gewinner.

Wie Vater und Sohn: SPDler Hubertus Heil und ZDF-Talkmaster Markus Lanz zanken darauf los - Streipunkt Saskia Esken

Und weil sich ein Sieg so gut anfühlt, aber noch längst nicht satt macht, hakt der 51-jährige Hamburger weiter nach. Natürlich darf auch eine Frage zu der Konjunktur-Debatte nicht fehlen. „Wer bezahlt das alles am Ende?“, möchte der höhnisch wirkende Lanz von Heil wissen. Der verstellt sich erst gar nicht und beruft sich auf die Ehrlichkeit. „Es ist verdammt teuer. Diese Pakete sind atemberaubend“.

Thema zuende? Mitnichten. Ob der Arbeitsminister nachts gut schlafen könne, möchte der Moderator wissen. Grinsen von Heil, sichtlich amüsierte Antwort: „Ich wusste, dass diese Frage kommt! Ich schlafe kürzer, weil es viel zu tun gibt und meine Kinder auch versorgt werden müssen, aber ich schlafe noch“, scheint der Politiker Lanz gut einschätzen zu können. Also Gute Nacht, Hubertus? Nicht mit dem „erziehungsberechtigten“ Talkmaster, der mitunter wie ein Elternteil wirkt, das einem trotzigem Kind die Ohren langziehen möchte.

Scheint besonders viel Spaß zu machen und auch „Schwester“ Saskia Esken darf nicht zu kurz kommen. Heil äußert sich wie folgt zur Alltagsrassismus-Debatte, über die bereits Ex-HSV-Profi Dennis Aogo beim ZDF-Moderator* gesprochen hatte: „Wenn ich auf der Regierungsbank sitze, Herr Lanz, dann sehe ich im Bundestag bei der AfD prozentual mehr Rassisten, als es sie je bei der Polizei in Deutschland geben würde“. Damit hat der SPD-Politiker eine andere Ansicht als Parteivorsitzende Saskia Esken, wie Lanz anmerkt. Hubertus, wir haben ein Problem - der Arbeitsminister sieht das nämlich anders.

Seine Kollegin hätte dies „so nicht gesagt“. Er nennt das Beispiel Berlin, wo beispielsweise 35 Prozent der Polizisten einen Migrationshintergrund hätten. Die Polizei sei „diverser geworden“. Zur Einordnung: Esken hatte sich zur Polizeigewalt in der Bundesrepublik geäußert und deutschen Sicherheitskräften zum Teil „latenten Rassismus“ attestiert. Daraufhin wurde sie medial stark kritisiert. Immerhin: mittlerweile ist die SPD-Politikerin verbal zurückgerudert

Markus Lanz (ZDF): Egomane eckt immer wieder an - Konfrontation mit Heil (SPD), Kubicki (FDP) und Ramelow (Linke)

Heil beschwichtigt, dass Esken aber keinen „Pauschalverdacht“ gegenüber Polizisten ausgesprochen habe. „Doch!“, fällt „Papa“ Lanz ihm erneut ins Wort und verfolgt stur seine Linie. „Ich werde nicht zulassen, dass die Polizistinnen und Polizisten in diesem Land unter Generalverdacht gestellt werden. Das hat aber auch Frau Esken nicht getan“, betont wiederum Heil ziemlich vehement und will nicht, dass der ZDF-Moderator die SPD-Parteivorsitzende abstempelt.

Ein frommer Wunsch, den Lanz nicht erfüllen kann oder es gar nicht erst will. „Das kann man so und so lesen. Ich würde das anders lesen“, lässt er verlauten. Doch Heil hat einen Vorschlag zur Güte: In anderen Sendungen würde es einen Faktencheck geben, den man zu diesem Streitpunkt gerne direkt einmal einblenden könnte. „Hart aber fair“ lässt grüßen. Dies kommt dem Hamburger zugute, dessen Redaktion die Fakten checkt - woraufhin Lanz Esken erneut zitiert. Über dieses Vorgehen des Talkmasters berichtet auch „fr.de*.

„Warum sagt Ihre Vorsitzende so etwas?“, fragt der 51-Jährige den Arbeitsminister. Heil, sichtlich genervt, sagt nur, dass man sie dies selbst fragen müsse. Uneinigkeit zwischen „Vater“ und „Sohn", ein Konsens wird nicht mehr erreicht. Nichts Neues für Lanz, der zuletzt mit FDPler Wolfgang Kubicki aneckte* und sich auch Schelten gegen Bodo Ramelow, Ministerpräsident Thüringens*, nicht sparen konnte.

Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz

* 24hamburg.de und fr.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz

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