Pandemie-Eingeständnis

Markus Lanz (ZDF): Weinerlicher Weil bedauert Impfstoff-Debakel

  • Yannick Hanke
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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) muss im ZDF bei Moderator Markus Lanz die Fehler beim Corona-Impfstoff eingestehen. Ein ernüchterndes Fazit.

  • Markus Lanz (ZDF): Niedersachsen-Boss Stephan Weil muss Schul-Politik rechtfertigen.
  • Vernichtende Generalkritik: Hamburger Runde demontiert Wahlkampf-Reden.
  • SPD-Politiker Stephan Weil ergibt sich in Corona-Zweck-Optimismus.

Hamburg-Altona Stephan Weil wird gemeinhin für seine ruhige und besonnene Art geschätzt. Der SPD-Politiker und Ministerpräsident Niedersachsens ist für seine fast schon stoische Ruhe bekannt und lässt sich nur äußerst selten aus dem Konzept bringen. Als Gast in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz passiert dies. Denn Weil gesteht Corona-Fehler ein und zeigt sich selbstkritisch hinsichtlich der Bestellung vom Impfstoff.

Ministerpräsident von Niedersachsen:Stephan Weil
Geboren:15. Dezember 1958 (Alter 62 Jahre), Hamburg
Ehepartnerin:Rosemarie Kerkow-Weil (verh. 1987)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Ministerpräsident von Niedersachsen seit 2013
Ausbildung:Georg-August-Universität Göttingen (1978–1983)
Bücher:Das EXPO-Projekt: Weltaustsellung und Stadtzukunft

Markus Lanz (ZDF): Corona-Schulpolitik am Pranger – Unverständnis bei Hamburger Talkmaster

„Wir haben nicht aggressiv genug bestellt“, resümiert der Sozialdemokrat nüchtern. Bis Weil diese Aussage tätigt, soll jedoch erst noch einige Zeit verstreichen und massiv Kritik geübt werden. Zurück zum Anfang. Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen fühlt sich direkt dazu berufen, über das Thema Bildung im Kontext vom Coronavirus zu reden. In seiner Ausführung greift Feldenkirchen aber nicht nur Stephan Weil an, sondern stellt ein Groß der hiesigen Politiker an den Pranger.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gibt offen und ehrlich Corona-Fehler zu. Es geht um die Impfstoffbeschaffung. (24hamburg.de-Montage)

„Wir werden im Sommer im Wahlkampf wieder Reden hören, dass die Bildung das wichtigste Gut unserer Gesellschaft ist. Aber Kitas, Schulen und vor allem Grundschulen kommen bei der Priorisierung in der Pandemie zu kurz. Insofern stelle ich die Glaubwürdigkeit solcher Sonntagsreden infrage“, heißt es von Feldenkirchen. Steilvorlage für ZDF-Talkmaster Markus Lanz, der in eine ähnliche Kerbe schlägt. Der Hamburger kann nicht nachvollziehen, dass Beschlüsse in Bezug auf Schulen im Verbund der 16 Länderchefs mit Kanzlerin Angela Merkel getroffen werden, diese aber in jedem Bundesland anders ausgelegt werden.

Stephan Weil (SPD) springt Kollege Kretschmann zur Seite – Schulöffnungen polarisieren

Ein komplexes, wenn nicht sogar perplexes Thema, dass immer wieder zu großen Diskussionen führt. Weiß auch Stephan Weil, der sich in der Vergangenheit gegenüber Lanz hinsichtlich Schulöffnungen rechtfertigen musste. Dieses Mal muss der Ministerpräsident Niedersachsens für Baden-Württemberg-Boss Winfried Kretschmann in die Bresche springen. Dieser habe laut Markus Lanz gesagt, sich nicht an die Vereinbarungen zu den Schulen halten zu wollen. „Kretschmann hat nichts Falsches gesagt“, platzt es aus Weil heraus. „Es gelten die bisherigen Beschlüsse, aber mit kritischerer Handhabung.“

Hierin sieht Journalistin Vanessa Vu die Krux. Aussagen verschiedener Politiker würden sich stetig überlagern und schlussendlich nicht mehr bei den Bürgern ankommen. „Die Leute wissen nicht mehr, was die Lage genau ist“, stellt sie fest. Damit steckt die Hamburger Runde mittendrin in einer Debatte über Präsenzunterricht. In Niedersachsen ist es den Eltern selbst überlassen*, ob ihre Kinder am Präsenzunterricht in Schulen mit halben Klassen teilnehmen sollen. Die Reaktion von Markus Lanz hierauf: „Ich sage es mal böse: Sie wälzen die Entscheidung auf die Eltern ab, einzuschätzen, ob die Lage bedrohlich ist oder nicht.“

Markus Lanz (ZDF): Vernichtende Kritik für Niedersachen-Boss Stephan Weil (SDP)

Mit seinen Worten richtet sich der ZDF-Moderator an Stephan Weil, der sich flugs zu wehren weiß. Ihm zufolge würden Eltern in einer solchen Ausnahmesituation am besten wissen, was gut für ihr Kind ist – und was nicht. Das kann und will Markus Lanz in dieser Form nicht unkommentiert stehen lassen:

Sie lassen sich nicht von den Besten der Besten beraten und dann am Ende müssen doch die Eltern entscheiden.

ZDF-Moderator Markus Lanz kritisiert Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil für dessen Schulpolitik

Es folgt ein erneuter Konter von Stephan Weil, der auf die Wissenschaft verweist, die sich selbst uneinig sei, was denn nun das korrekte Vorgehen darstellen würde. „Es wurde viel falsch gemacht in der deutschen Politik“, wirft Markus Feldenkirchen nun ein. „Herbst und Sommer wurden verschlafen“, ist sich der Journalist sicher. Damit teilt er die Ansichten von SPD-Mediziner Karl Lauterbach, der frühzeitig vor einer zweiten Infektionswelle warnte und Corona-Regeln als zu lasch bezeichnete. Laut Feldenkirchen seien nur „Ambitionslosigkeit und Bräsigkeit vorherrschend“ gewesen. Harter Tobak.

Corona-Fehler: Impfstoff-Beschaffung „nicht aggressiv genug“ – selbskritischer Stephan Weil (SPD)

Einmal in Fahrt will Markus Feldenkirchen mit seiner Generalkritik nicht mehr aufhören. „Wir hangeln uns von Maßnahme zu Maßnahme, von Verschärfung zu Verschärfung. Ohne, dass die Gesamtsituation besser wird. Das ist einfach frustrierend“, befindet er. Es kommt, wie es kommen muss, und Stephan Weil nimmt erneut eine verteidigende Position ein. Der SPD-Politiker spricht von Ländern wie Frankreich oder Irland, wo die Infektionszahlen noch höher seien als in deutschen Gefilden. Doch weiß der Ministerpräsident Niedersachsens auch Fehler einzugestehen:

Man hat am falschen Ende gespart. Wir haben nicht aggressiv genug bestellt und uns große Mengen gesichert.

SPD-Politiker Stephan Weil übt Selbstkritik in Bezug auf die Beschaffung vom Corona-Impfstoff

Denn auch Weil hat registriert, dass in Deutschland derzeit nicht genügend Impfstoff verfügbar ist. Was kaum ein Politiker zugeben mag, geht dem Sozialdemokraten erstaunlich leicht von den Lippen. Ähnlich verhielt es sich nur mit Gesundheitsminister Jens Spahn und seinem Entschuldigungs-Marathon bei Markus Lanz. Letztendlich ergibt sich Niedersachsens Ministerpräsident in Zweck-Optimismus und hofft auf den AstraZeneca-Impfstoff. Von diesem habe sich Deutschland genug gesichert, bis zu 50 Millionen Bürger sollen hiermit geimpft werden. Top, die Wette gilt. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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