Fatah-Jugend im Brennpunkt

Markus Lanz (ZDF): SPD-Kühnert am Pranger – Sender verheimlicht Streit

  • Yannick Hanke
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ZDF-Moderator Markus Lanz zofft sich mit Kevin Kühnert (SPD). Die palästinensische Fatah-Jugend ist der Auslöser für eine Diskussion zwischen den beiden Männern.

  • Markus Lanz (ZDF): Kevin Kühnert kritsiert Coronavirus-Demonstranten.
  • SPD-Politiker verurteilt Antisemitismus-Haltung von Linkspartei.
  • Sympathisiert Kühnert mit Israel-Gegner Fatah-Jugend?

Update vom Dienstag, 8. Dezember 2020, 9:30 Uhr: Hamburg-Altona – Die Markus-Lanz-Sendung vom Donnerstag, 3. Dezember 2020, schlug medial hohe Wellen. Der Grund hierfür: Die ZDF-Talkshow wurde so geschnitten, dass ein Streitgespräch zwischen dem Moderator und SPD-Politiker Kevin Kühnert für den Zuschauer nicht zu sehen war. Nun hat der Mainzer Sender auf zahlreiche Twitter-Anmerkungen reagiert und den entsprechenden Ausschnitt online zur Verfügung gestellt.

Politiker:Kevin Kühnert
Geboren:1. Juli 1989 (Alter 31 Jahre), West-Berlin
Größe:1,7 m
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Ausbildung:Beethoven-Gymnasium (2008), FernUniversität in Hagen Regionalzentrum Hagen, Freie Universität Berlin
Fernsehsendungen:deep und deutlich

Kevin Kühnert in der Kritik: SPD-Politiker wird von ZDF-Star Markus Lanz verhört

Zur Ausgangslage: Lanz und Kühnert unterhalten sich über das Thema Abschiebungen und geraten dabei aneinander. Der SPD-Politiker ist der Ansicht, dass Abschiebungen Probleme nicht nachhaltig aus der Welt schaffen. Ihm zufolge sollen betroffene Personen nicht nur hierzulande keinen Anschlag verüben, sondern auch in anderen Staaten nicht. Viel effektiver sei es deswegen, einen Straftäter ins Gefängnis zu schicken. Das sieht der ZDF-Moderator anders, der argumentiert, dass islamische Gefährder immer wieder freikämen.

ZDF-Moderator Markus Lanz legt sich mit SPD-Politiker Kevin Kühnert an. (24hamburg.de-Montage)

An dieser Stelle erfolgt der Schnitt, eine direkte Reaktion von Kevin Kühnert bekam der Zuschauer bis zuletzt nicht zu sehen. Ein wenig Abhilfe schafft nun ein rund dreiminütiges Facebook-Video vom ZDF, in dem der weitere Verlauf der Diskussion gezeigt wird. Thematisch erfolgt jedoch ein kleiner Sprung, Markus Lanz spricht die palästinensische Fatah-Jugend an, welche von den Jusos unlängst als „Schwesterorganisation“ bezeichnet wurde. Hierfür erntete die Jugendorganisation der SPD massive Kritik und auch der Hamburger Talkmaster stört sich an dieser Formulierung.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Moderator im offenen Schlagabtausch mit Juso-Boss Kühnert

„Warum solidarisieren sich die Jusos mit so einer Truppe? Ich verstehe das nicht“, heißt es von Lanz. Zum Hintergrund: Die Fatah-Jugend bestreitet das Existenzrecht Israels und rief im Rahmen einer Demo von 2018 im Westjordanland zum Kampf gegen besagten Staat auf. Von einer Solidarisierung will Kühnert aber nichts wissen, der Begriff „Schwesternorganisation“ würde nach dem 31-Jährigen überinterpretiert werden.

Das sieht Markus Lanz anders uns hakt energisch nach: „Reden Sie auch mit der Hamas? Reden Sie auch mit der Hisbollah?“ Nun ist der Moment erreicht, an dem Kühnert der Geduldsfaden reißt. „Das ist doch Schwachsinn. Also bitte“, platzt es aus dem Berliner heraus. Kühnert erwähnt daraufhin, dass auch die israelische Regierung mit der Fatah-Jugend kommunizieren würde. „Wenn sie mit denen nicht sprechen, haben sie in den palästinensischen Gebieten niemanden mehr zu sprechen.“ Eine Ansicht, die der Talkmaster nicht teilt. Auf einen gemeinsamen Nenner kommen die beiden Männer schließlich nicht mehr.

Markus Lanz (ZDF): Kevin Kühnert (SPD) verurteilt „Covidioten“ und stützt Kollegin Saskia Esken

Erstmeldung vom Freitag, 4. Dezember 2020, 9:02 Uhr: Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 3. Dezember 2020, sind SPD-Politiker Kevin Kühnert, Journalist Claas-Meyer-Heuer, Lungenärztin Jördis Frommhold sowie der ehemals schwer am Coronavirus erkrankte Florian Lanz (nicht verwandt mit dem ZDF-Moderator) zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Juso-Boss Kühnert steht im Fokus und kritisiert den Umgang mit Antisemitismus aufs Schärfste.

Kevin Kühnert ist seit November 2017 Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD (Jusos). Ein Amt, welches der Sozialdemokrat nur noch bis Anfang 2021 innehat, denn der 31-Jährige hat vor einigen Monaten seinen Rücktritt verkündet. Dies heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass sich der gebürtige Berliner nicht mehr zu gesellschaftlichen und politischen Themen äußern will.

Markus Lanz (ZDF): SPD-Politiker Kevin Kühnert schimpft über die Antisemitismus-Haltung der Linkspartei. (24hamburg.de-Montage)

Im Gegenteil: Als Gast in der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz untermauert Kühnert wie gewohnt seine Meinungen und Positionen. Zunächst einmal wird er vom Talkmaster darauf angesprochen, was er denn von der Bezeichnung „Covidioten“ halten würde. Eine Formulierung, die nicht zuletzt SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken bevorzugt nutzt. „Ich glaube, ich hätte diese Formulierung so nicht gewählt. Ich will Sie aber auch wirklich nicht verurteilen“, wahrt Kühnert seine Integrität und will seiner Parteikollegin nicht in den Rücken fallen.

Kevin Kühnert (SPD): Coronavirus-Demonstranten nerven ihn – „haben sich als Impfgegner positioniert“

„Wer sich aber zu Massenveranstaltungen trifft und demonstrativ keinen Abstand hält, nicht die Maske aufsetzt als Form eines politischen Statements – das ist einfach nur dumm. Und dafür hält der Volksmund gewisse Begriffe bereit“, merkt der Sozialdemokrat an. Dem kann Markus Lanz nur zustimmen und möchte als Nächstes von seinem Gegenüber wissen, ob sich dieser überhaupt bewusst ist, wer an solchen Demonstrationen gegen die Coronavirus-Verordnungen teilnimmt.

„Ja, natürlich. Ich habe bereits öfter über die antisemitischen Inhalte dieser Bewegungen gesprochen. Verschwörungsmythen, die wir nicht erst seit Corona kennen, und die darauf aufbauen, dass es im Hintergrund irgendwelche dunklen Mächte gibt, führen immer auch auf Schuldzuweisungen zu beispielsweise jüdischen Menschen hin. Insofern sind diese Leute, die da mitlaufen, nicht plötzlich durch Corona politisiert worden. Viele von denen haben sich bereits vorher als Impfgegner positioniert“, führt Kevin Kühnert aus.

Coronavirus-Diskussion macht Kühnert (SPD) wütend – „Menschen für viele Theorien anfällig“

Zudem habe der 31-Jährige mit einigen Leuten, die im selben Mietshaus wie er wohnen, im Rahmen der globalen Pandemie „interessante Gespräche“ geführt. „Es gibt eben Menschen, die für viele Theorien anfällig sind. Man insoliert ein bisschen und wirft ein paar Häppchen in den Raum. Das fällt natürlich auf. Und gerade jetzt zur Weihnachtszeit kenne ich einige Menschen, die keine Lust darauf haben, unterm Weihnachtsbaum mit ihren Verwandten darüber zu diskutieren, ob denn alles eine große Fake-Kampagne von irgendwelchen dunklen Leuten auf der Welt“, heißt es vom jetzigen Juso-Chef.

Potenzielle Impfgegner, die das Coronavirus womöglich nicht für real halten, würden sehr wahrscheinlich auch nicht für eine Ausweitung der Maskenpflicht plädieren. Diesen Standpunkt vertritt nämlich Markus Lanz, was zu einer hitzigen Diskussion mit Carsten Linnemann (CDU) führt. Viel gesitteter läuft hingegen das Gespräch mit Kevin Kühnert ab. Im Folgenden soll sich der SPD-Politiker zum Thema Antisemitismus äußern, darauf hätte der Sozialdemokrat im Vorfeld schon gewartet.

Markus Lanz (ZDF): Juso-Boss Kühnert (SPD) schießt gegen Antisemitismus-Haltung der Linkspartei

Moderator Lanz zitiert aus einem „Spiegel“-Gastbeitrags Kühnert, in dem der 31-Jährige Folgendes verlauten ließ: „Das ist der wohl blindeste Fleck der politischen Linken.“ Eine Aussage, die sich auf den Umgang mit Antisemitismus bezieht. Nun wird Kühnert im Rahmen der Hamburger Runde die Plattform gegeben, diese Aussage genauer zu erläutern. „Das hatte natürlich auch zum Ziel, den Fokus auf diese Debatte zu lenken. Deswegen habe ich es auch noch einmal unterstrichen“, heißt es zunächst einmal vom Berliner.

„Ich finde, wenn man ein linkes Weltbild vertritt, das auf Gleichheit von Menschen und Anti-Diskriminierung aufsetzt, dann kann man sich nicht zurückhalten, wenn es um politische Bewegungen geht, die alle diese Werte mit Füßen treten. Gruppen, die demokratische Rechtsstaaten ablehnen und letztlich durch Gottesstaaten ersetzen wollen“, erklärt Kevin Kühnert. Gewalt dürfe kein Mittel zur Wahl sein, der Sozialdemokrat würde hierzu nicht häufig genug „ablehnende Worte“ hören. Dies macht den SPD-Mann sichtlich wütend, Markus Lanz bringt erneut Verständnis für seinen Gast auf.

Kevin Kühnert (SPD) hält nichts von medialen Verniedlichungen von Morden

Der ZDF-Moderator zählt direkt konkrete Beispiele auf, darunter der Angriff auf ein homosexuelles Paar in Dresden, der medial als „IS-Anschlag“ betitelt wurde. „Schnell hat man aber auch einen Euphemismus, der greift. Dann heißt es der Touristen-Mord von Dresden“, merkt Lanz an. Diese Darstellung bzw. Sprache würde auch Kevin Kühnert auffallen: „Es gab ja auch die Döner-Morde, als es darum ging, die NSU-Morde aufzudecken“, blickt der 31-Jährige rund 20 Jahre zurück.

„Verniedlichungen gibt es immer wieder. Auf Dresden bezogen haben wir später auch herausgefunden, dass bereits vor der Tat Informationen vorlagen, dass es hier zu einer Gefährdung kommen könnte. Damals saß der Täter noch im Knast. Die Kategorisierung als Gefährder weist aber auch darauf hin, dass wir ein kaum auflösbares Problem haben“, geht Kühnert ins Detail. Die Grundsatzproblematik kann auch in der Talkshow nicht gelöst werden. Immerhin: Dieses Mal wird Lanz durch die Ausführungen des SPD-Manns nicht in die Rolle eines Kanzlerkandidaten gedrückt. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa & Michael Kappeler/dpa & Bernd von Jutrczenka/dpa

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