Datenschutz-Diskussion

Markus Lanz (ZDF): Dorothee Bär verteidigt Coronavirus-App gegen Stasi-Vorwürfe

  • Yannick Hanke
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Die deutsche Digitalministerin Dorothee Bär muss sich bei Markus Lanz (ZDF) für die Corona-Warn-App rechtfertigen und gerät in die Bredouille.

  • Markus Lanz (ZDF) diskutiert über Datenschutz.
  • Dorothee Bär (CSU) nimmt Corona-Warn-App in Schutz.
  • Bundesbürger würden Stasi-Methoden befürchten.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Dienstag, 1. Dezember 2020, sind Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales, Blogger Sascha Lobo, Medizinmanager Jochen A. Werner sowie Journalist Elmar Theveßen und Virologe Alexander Kekulé (beide zugeschaltet) zu Gast im TV-Studio in Hamburg-Altona. Im Fokus steht vor allem CSU-Politikerin Bär, die ein Plädoyer für die Corona-Warn-App hält.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Dorothee Bär
Geboren:19. April 1978 (Alter 42 Jahre), Bamberg
Ehepartner:Oliver Bär (verh. 2006)
Eltern:Werner Mantel
Partei:Christlich-Soziale Union in Bayern
Kinder:Emilia Charlotte Maria Benita Bär
Ausbildung:Otto-Suhr-Institut (2005), Hochschule für Politik München

Markus Lanz (ZDF): Dorothee Bär (CSU) muss Corona-Warn-App rechtfertigen

Dorothee Bär ist seit März 2018 Staatsministerin im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung. Das in diesem Bereich, vor allem in Schulen, einiges im Argen liegt, wurde nicht zuletzt durch die Coronavirus-Krise ans Tageslicht gefördert. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland meilenweit hinterher, digitaler Unterricht stellt für viele Lehranstalten nach wie vor eine große Herausforderung dar.

Markus Lanz (ZDF): Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitalisierung, muss sich für die Corona-Warn-App rechtfertigen. (24hamburg.de-Montage)

Wie gut, dass ZDF-Moderator Markus Lanz mit Dorothee Bär eine Expertin in seiner Talkshow begrüßen kann, die ihre Konzepte für ein zukunftsfähigeres Deutschland erläutern soll. Dies lässt sich nach Ansicht vom Hamburger Talkmaster wunderbar mit der Corona-Warn-App verbinden. Diese würde immer nur grün anzeigen, was aussagt, dass es zu keiner Risiko-Begegnung gekommen ist. Das kann und will der 51-Jährige nicht verstehen und hinterfragt die Funktionalität dieses technischen Hilfsmittels.

Dorothee Bär (CSU): Ministerin für Digitalisierung spricht über „Stasi 4.0-App“-Vorwürfe

Jetzt muss sich Dorothee Bär rechtfertigen. „Wir haben ein System, das auch ein lernendes System ist. Die Software muss jeden Tag verbessert werden. Wenn irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht ist, ist es natürlich auch veraltet und wir brauchen es nicht mehr. Würden wir jetzt aber immer noch die Diskussion über Datenschutz führen, die bereits im März aufkam, dann hätten wir jetzt immer noch keine App“, heißt es von der gebürtigen Bayerin.

„Denn wir haben eine andere Kultur in unserem Land. Es waren doch auch schon die Artikel geschrieben, wo es ´Stasi 4.0-App´ hieß“, merkt die 42-Jährige an. Das irritiert Markus Lanz, der verlauten lässt, von solchen Bezeichnungen noch nichts gehört zu haben. „Wir haben am Anfang diskutiert, ob wir Daten zentral oder dezentral speichern. Und es gab den großen Wunsch der zentralen Speicherung. Frankreich hat es so gemacht und deswegen ist die franzözische App auch ein Rohrkrepierer“, erklärt Bär.

Corona-Warn-App sorgt für Diskussion – Markus Lanz zweifelt Erfolg an

Die App für die Franzosen sei lediglich eine Million mal heruntergeladen worden. Demgegenüber würden über 20 Millionen Downloads der Corona-Warn-App in Deutschland stehen. „Im europäischen Vergleich haben wir mehr Nutzer und Nutzerinnen als bei allen anderen europäischen Apps zusammen“, merkt die Staatsministerin für Digitalisierung an. „Ja, aber es funktioniert nicht“, grätscht Lanz ganz uncharmant dazwischen.

„Nein, es funktioniert schon. Bei mir hat die App zum Beispiel auch schon rot angezeigt“, verteidigt Dorothee Bär die angesprochene Software. „Aber auch nur, weil ein SPDler in der Nähe war“, gibt der ZDF-Moderator einen Schenkelklopfer zum Besten und kommt selbst nicht mehr aus dem Lachen heraus. Grinsend erwidert die CSU-Politikerin: „Das haben Sie jetzt gesagt. Ich war in Quarantäne, habe mich testen lassen, das Ergebnis war negativ – alles gut.“

Markus Lanz (ZDF): Debatte über Stasi-Praxis – Bär (CSU) wird bockig

Nachdem die humoristische Auflockerung abgeklungen ist, wechselt Bär wieder in einen ernsteren Tonfall. „Wir arbeiten seit dem Launch der App jeden Tag an Verbesserungen. Das ist doch auch völlig klar. Und wir haben einfach eine andere Kultur. Vor ein paar Jahrzehnten waren wir noch ein geteiltes Land. Wir haben die Situation, dass sich viele Bürger einfach nicht vom Staat überwachen lassen wollen“, spielt die 42-Jährige auf eine gängige Praxis des einstigen Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) in der DDR an.

Das muss Lanz erstmal sacken lassen, ehe er erneut auf die „fertig geschriebenen Artikel in der Schublade“ zusprechen kommen will. „Man wird damit im Vorfeld konfrontiert. Und es heißt, wenn ihr zentral speichert, wie es sich die Herren Professoren wünschen, dann werden wir das nicht zulassen“, heißt es von Bär. „Ja, aber von wem wird das gesagt?“, platzt es aus dem ZDF-Moderator heraus. Darauf will die Politikerin nicht konkret eingehen und verweist nur auf „einige Tweets“. Damit endet der Abend für Markus Lanz mit maximaler Unzufriedenheit – wie auch das Gespräch mit Robert Habeck (Grüne). * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot)

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