Kommentar zu Talk-Moderator

Markus Lanz, der Quoten-König: So profitiert ZDF-Star von Corona-Krise

  • Yannick Hanke
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ZDF-Moderator Markus Lanz zeigt in der Coronavirus-Krise, was er kann. Ein Kommentar zur Neuerfindung des Hamburgers und seiner TV-Talkrunde in der Pandemie. 

  • Markus Lanz: ZDF-Moderator profitiert von Coronavirus-Krise.
  • Streitgespräche zeichnen Talkshow von Markus Lanz.
  • These: Markus Lanz nutzt seine Schwächen zu seinem Vorteil.

Hamburg-Altona Markus Lanz ist aus der deutschen TV-Landschaft nicht mehr wegzudenken. Die Talkshow des Moderators ist seit 2008 eine feste Institution im Programm des ZDFs, über 1200 Folgen wurden seitdem ausgestrahlt. Doch erst im Jahr 2020 zeigte der Talkmaster bisher gänzlich unbekannte Seiten von sich bzw. griff auf Qualitäten zurück, die zuvor nur sporadisch zum Einsatz kamen. Die kühne These: Die Coronavirus-Krise hat Lanz erstarken lassen.

Fernsehmoderator:Markus Lanz
Geboren:16. März 1969 (Alter 51 Jahre), Bruneck, Italien
Größe:1,81 m
Ehepartnerin:Angela Gessmann (verh. 2011)
Eltern:Anna Lanz
Kinder:Laurin Lanz, Greta Lanz

Markus Lanz (ZDF): Moderator seit 2008 auf Sendung – Corona lässt ihn erstarken

Wissen Sie noch, was Sie am Abend des 3. Juni 2008 getan haben? Über die damals kurz bevorstehende Fußball-Europameisterschaft sinniert? Den Klängen von Top-10-Künstlern wie Thomas Godoj, Mark Medlock oder Revolverheld gelauscht? Oder vielleicht gar das ZDF eingeschaltet? Denn an besagtem Tag, einem Dienstag, feierte die Talkshow von Markus Lanz ihren Einstand beim Mainzer Sender. Ursprünglich nur als Sommerpausen-Vertretung für Johannes B. Kerner angedacht, entwickelte sich schnell ein Kult rund um Lanz.

Die Diskussionen von ZDF-Moderator Markus Lanz über das Coronavirus mit den unterschiedlichsten Gästen in seiner Talkshow führten zu den verschiedensten Gesichtsausdrücken beim Moderator. (24hamburg.de-Montage)

Seit 2010 wird die Talkshow des gebürtigen Tirolers dreimal die Woche ausgestrahlt, dienstags bis donnerstags werden tagesaktuelle Themen in der jeweiligen Hamburger Runde behandelt. Entsprechende Gäste sollen dem TV-Zuschauer mit ihrer vermeintlichen Expertise einen informativen Mehrwert bieten, nicht selten geraten vor allem Politiker ins Kreuzfeuer der „lanzschen“ Kritik. Dies war vor allem 2020 zuhauf der Fall. Dem Jahr, in dem das Coronavirus alles auf den Kopf gestellt hat, ein Ende ist bekanntlich nicht in Sicht. Als Profiteur der globalen Pandemie kann aber tatsächlich Markus Lanz bezeichnet werden.

Hamburger Talkmaster Opfer von Shitstorm: Wagenknecht-Auftritt bei Lanz wirkt nach

Wie ist das zu erklären? Nun, paradoxerweise konnte der 51-Jährige seine größte Schwäche, die ihm medial immer wieder vorgeworfen wird, ins Positive umkehren und zu seinen Gunsten nutzen. Die in Rezensionen der jeweiligen Sendung oft vorgebrachte Generalkritik beschäftigt sich mit dem Moderationsstil von Markus Lanz. Er lasse seine Gäste nicht ausreden, fällt diesen permanent ins Wort und vernachlässigt seine Kernkompetenz, durch die Talkshow zu führen und zu leiten.

„Eine Talkshow, in der sich der Moderator am liebsten selber sprechen hört: Das gibt es nur bei Lanz“, heißt es in einer TV-Kolumne vom Focus aus dem Januar 2017. Seinen negativen Höhepunkt hatte die mediale Abrechnung mit dem Hamburger Moderator bereits drei Jahre zuvor erreicht. Im Rahmen einer ans ZDF gerichteten Online-Petition wurden innerhalb von wenigen Tagen über 230.000 Unterschriften gesammelt, um die Entlassung von Markus Lanz zu fordern. Dem vorausgegangen war der Talkshow-Auftritt von Sahra Wagenknecht im Januar 2014. Die Linken-Politikerin wurde von ihm permanent unterbrochen, das Netz reagierte gnadenlos.

Corona nonstop: Markus Lanz geht in Pandemie-Tiefe – ZDF-Talk mit vielen Emotionen

Der Talkmaster sah sich mit einem wüsten Shitstorm konfrontiert, auch eine im Nachhinein erfolgte Entschuldigung des Angeklagten (Lanz bezeichnete sein Verhalten als „rustikal und sogar persönlich“) änderte nichts an den Beleidigungen gegen seine Person. Rund sieben Jahre später stößt die Art und Weise, in der Markus Lanz durch seine Talkshow führt („Führungsqualitäten“ sind ihm 2020 definitiv zu attestieren), zwar immer noch auf negative Resonanz bei manch einem Kritiker. Doch überwiegt der positive Grundtenor, nicht zuletzt in den sozialen Medien.

Es sind die permanente Auseinandersetzung mit der Coronavirus-Krise, das Hinterfragen von Argumenten, Ideen und Ausführungen seiner Gäste sowie ein energisches Dazwischengehen, wenn mal wieder ein Streit vollends zu eskalieren droht, die Markus Lanz 2020 zugutegehalten wurden und weiterhin werden. Wer kennt es nicht? Steht ein Fußball-Turnier von großer Tragweite an, gibt es auf einmal 82 Millionen Bundestrainer. Im Falle der Pandemie fühlt sich jeder dazu berufen, als Hobby-Mediziner oder gar Hobby-Virologe zu fungieren und mit Halbwissen verbal um sich zu schlagen. Doch nicht mit Markus Lanz, der nicht jeder Meinung eine Plattform bieten will.

Markus Lanz (ZDF): Vom Moderator zum Mediator – Abfuhr für Verschwörungstheorien

Auch Enthaltung wird vom Talkmaster gnadenlos abgestraft. Wenn sich beispielsweise Ministerpräsident Daniel Günther nicht klar zu einer Ausweitung der Maskenpflicht äußern will, wird Lanz laut und appelliert an die Vernunft der Bürger, sich an die gegebenen Coronavirus-Regeln zu halten. Ein Streitgespräch, das SPD-Gesundheitsökonom Karl Lauterbach mit dem Virologen Hendrik Streeck ausgetragen hat, bietet dem neutralen Zuschauer natürlich beste Unterhaltung. Doch ist irgendwann der Bogen überspannt, klein beigeben will keine der Parteien. In diesem Fall wird aus dem Moderator flugs ein Mediator, der zu schlichten versucht.

Mal gelingt es, mal wird aus dem sich streitenden Duo ein Trio und Markus Lanz somit einbezogen. Der Talkmaster ist um Sachlichkeit bemüht, hält mit seinen Emotionen jedoch nicht zurück und unterbricht Gäste im Kontext von Corona-Talks, wann immer er es für richtig hält. Aussagen im luftleeren Raum werden zumeist nicht geduldet, Geschwurbel und Verschwörungstheorien, wie sie von Personen wie Xavier Naidoo oder Attila Hildmann zuhauf kundgetan werden, haben in der ZDF-Talkshow keinen Platz. Gut so, findet der Autor dieser Zeilen.

Coronavirus-Krise lässt Talkshow-Gemüter erhitzen – Markus Lanz mittendrin

Nicht immer bin ich derselben Meinung wie Markus Lanz. Nicht immer begrüße ich seine Art, durch eine Sendung zu führen (ohne mir anmaßen zu wollen, es besser zu machen; höchstens anders). Und nicht immer habe ich den Eindruck, dass der Moderator nach journalistischen Grundlagen agiert. Vielmehr nimmt sich Lanz Freiheiten, die in der Vergangenheit immer wieder beanstandet wurden, in der Coronavirus-Krise jedoch mit Wohlwollen akzeptiert werden.

Eine Pandemie, welche die ganze Welt beschäftigt, bringt Emotionen hervor. Schließlich stehen unzählige Menschenleben auf dem Spiel und persönliche Existenzen sind akut bedroht. Dementsprechend erscheint es als die logische Konsequenz, dass Markus Lanz, der wie jeder andere von der Coronavirus-Krise betroffen ist (wenn auch in anderem Ausmaß), seinen Gefühlen, ob positiver oder negativer Natur, freien Lauf lässt. In diesem Fall würde ich nicht von vorsätzlichem Verhalten sprechen, sondern vielmehr von einer affektiven Handlung oder Reaktion.

Corona-Ehrung: Markus Lanz ist Journalist des Jahres – Preis für Standhaftigkeit

Im „Medium Magazin“, einer seit dem Jahr 1986 erscheinenden Fachzeitschrift für Journalistinnen und Journalisten, stößt die Corona-Berichterstattung von Markus Lanz definitiv auf positive Resonanz. Der Stil des Moderators wird goutiert, die Auszeichnung des Talkmasters als „Journalist des Jahres“ in der Unterhaltungskategorie stellt die entsprechende Ehrung dar. „Nie zuvor wurde seine Moderationsfähigkeit auf eine so harte Probe gestellt wie im Marathon zum Thema Corona“, heißt es in der Presseerklärung des Medium Magazins. Denn die Nerven von Lanz wurden seit März 2020 immer wieder aufs Neue strapaziert.

Politiker, die ihre Meinung konsequent durchdrücken wollen. Mediziner, die zwischen Optimismus und Pessimismus schwanken. Sowie die bereits angesprochenen Hobby-Virologen, die einfach nur mitreden wollen, ihre Aussagen jedoch nicht empirisch zu belegen wissen – es war viel geboten in der ZDF-Talkshow. Und ich bin der Meinung, dass Markus Lanz die größte Attraktion darstellt. Weil er klare Kante zeigt und Dinge hinterfragt. Mehr, als manch ein anderer 2020 zu leisten wusste. Denn bei Lanz gilt: Manege frei, aber nicht für Einheitsbrei. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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