Moderator versus CDU-Politiker

Markus Lanz: Streit um Corona-Masken eskaliert – Moderator wütend

  • Yannick Hanke
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CDU-Politiker Carsten Linnemann gerät mit dem sonst so ruhigen ZDF-Moderator Markus Lanz aneinander. Die Corona-Regeln sind der Auslöser.

  • Markus Lanz (ZDF) legt sich mit CDU-Politiker an.
  • Maskenpflicht sorgt für gespaltene Meinungen.
  • Lanz fordert konsequentere Coronavirus-Regeln.

Hamburg-Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe vom Mittwoch, 2. Dezember 2020, sind CDU-Politiker Carsten Linnemann, die Journalisten Ulf Röller und Cerstin Gammelin, Intensivmediziner Tankred Stöbe sowie Infektiologe Peter Kremsner zu Gast im TV-Studio im Hamburger Bezirk Altona. Linnemann, der als Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der Union agiert, sieht sich massiver Kritik ausgesetzt.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Carsten Linnemann
Geboren:10. August 1977 (Alter 43 Jahre), Paderborn
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands
Eltern:Antonius Linnemann, Katharina Linnemann
Geschwister:Marcus Linnemann
Ausbildung:Technische Universität Chemnitz (2002–2006) u.v.m.

Markus Lanz (ZDF): Wirtschaftsexperte Carsten Linnemann (CDU) soll sich zum Lockdown äußern

In seiner Rolle als MIT-Vorsitzender setzt sich Carsten Linnemann für die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft ein. Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung orientiert sich dabei nach eigenen Angaben am Vorbild am einstigen Wirtschaftswissenschaftler Ludwig Erhard. Diesem kam nach Ende des 2. Weltkrieges die Herkulesaufgabe zu, für Stabilität in der hiesigen Wirtschaft zu sorgen und neue Strukturen zu schaffen.

ZDF-Moderator Markus Lanz zofft sich mit CDU-Politiker Carsten Linnemann. Grund hierfür sind unterschiedliche Meinungen hinsichtlich der Maskenpflicht. (24hamburg.de-Montage)

Bedingt befinden sich Linnemann und seine Kollegen in einer ähnlichen Rolle. Durch die Coronavirus-Krise sehen sich kleine und große Betriebe mit Verlusten in enormer Höhe konfrontiert. Umsätze gehen zurück, neue Gelder können nur schwerlich akquiriert werden. Vor allem der erneute Lockdown, der es beispielsweise Gastronomen wie Star-Koch Tim Mälzer untersagt, die eigenen Restaurants zu öffnen, bereitet pünktlich zum Weihnachtsgeschäft massive Probleme. Hierzu soll Carsten Linnemann Stellung beziehen – so zumindest der Plan.

Corona-Warn-App: CDU-Politiker hält nichts vom Hilfsmittel – und verurteilt „Überwachungsstaat“ China

Zunächst einmal soll sich der CDU-Politiker zu den allgemeinen Maßnahmen äußern, die von Kanzlerin Angela Merkel und den 16 Länderchefs getroffen wurden, um der Ausbreitung der Pandemie Einhalt zu gebieten: „Die Corona-App ist ja faktisch nutzlos. Sie haben ja gestern Abend schon über dieses Thema gesprochen. Ich sehe ja gar nicht, wann und wo ein Risiko-Kontakt stattgefunden hat. Das ist aber meine Privatmeinung.“ Worte, die Dorothee Bär (CSU) nicht gerne hören wird, verteidigt sie doch vehement die Corona-Warn-App.

Für Linnemann sei „China ein kompletter Überwachungsstaat.“ Das fernöstliche Land greift mittlerweile sogar auf Ausschnitte aus der Talkshow von Markus Lanz zurück, um den Propaganda-Apparat der Volksrepublik zu stärken. Sehr zum Leidwesen vom Virologen Alexander Kekulé, dessen Thesen mitunter aus dem Kontext gerissen und in chinesische News-Beiträge eingebettet werden.

Markus Lanz (ZDF): Diskussion um Mund-Nasen-Schutz – Vorbild China?

Im Folgenden fährt der ZDF-Moderator fast schon aus seiner Haut und will von Linnemann wissen, „warum wir nicht mal konsequentes Mund-Nasen-Schutz-Tragen anordnen? Einfach über all im Land – egal, mach es einfach. Das ist doch jedem zuzumuten.“ Der CDU-Politiker will der Kanzlerin jedoch nicht in den Rücken fallen und nimmt deren Entscheidungen in Schutz: „Natürlich muss man immer die Verhältnismäßigkeit darstellen. Ich bin mir aber sicher, dass die Kanzlerin meinte, was sie seit Jahren sagt. Wir unterschätzen die globale Dynamik, China ist längst kein Entwicklungsland mehr.“

Worte, die nicht allzu sehr überraschen. Kurz zuvor wurde noch darüber gesprochen, wie die Volksrepublik größere Infektionsherde bereits im Keim ersticken konnte und hinsichtlich technischer Hilfsmittel ein Konzept entwickelt zu haben scheint, das zumindest besser funktioniert als das deutsche Pendant. Moderator Markus Lanz will aber nochmal auf die vergleichsweise einfachen Möglichkeiten zu sprechen kommen, die der Pandemie-Bekämpfung dienlich sind – Ring frei für eine Masken-Diskussion.

Markus Lanz in Rage: ZDF-Star wünscht sich konsequentere Corona-Regeln

„Ich zitiere mal Herrn Kekulé. Der sagte neulich, wenn wir alle konsequenterweise einen einfachen Mund-Nasen-Schutz tragen würden – in der Schule, im Bus, im Supermarkt, einfach überall – dann hätten wir heute ein komplett anderes Infektionsgeschehen. Wir wären an einem ganz anderen Punkt und würden nicht über Weihnachten diskutieren“, platzt es aus dem sehr aufgebracht wirkenden Talkmaster heraus. Übrigens: Schon in der Diskussion mit einem Trump-Fan wurde Lanz sehr emotional.

Carsten Linnemann muss zunächst einmal verdauen, was er gerade gehört hat. Sichtlich angestrengt versucht er, die Contenance zu wahren. Als der CDU-Politiker seine innere Mitte gefunden zu haben scheint, heißt es: „Der gleiche Herr Kekulé hat natürlich auch gesagt: Abstand oder Maske. Er und andere Wissenschaftler sagen aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit, sich draußen anzustecken, draußen zwanzig Mal geringer ist als drinnen.“

Carsten Linnemann (CDU) gerät ins Schwimmen – Politiker mit Angst vor klaren Ansagen?

Die Gefahr und die Mortalitätsrate vom Coronavirus will Linnemann natürlich keineswegs herunterspielen. Dementsprechend wartet er mit folgendem Vorschlag auf: „Ich glaube, dass wir es im beruflichen Bereich unterschätzen. Dass man im beruflichen Bereich weniger Masken tragen und Abstand halten einhält, darüber muss nochmal diskutiert werden.“ Ehe der 43-Jährige damit fortfahren kann, seine Standpunkt weiter auszuführen, grätscht ihm Markus Lanz vollends in die Parade.

„Wissen Sie, womit ich weitermache? Keiner traut sich, so eine Ansage zu machen“, stellt der ZDF-Moderator Linnemann mit dem Rücken zur Wand. Dem CDU-Politiker verschlägt es direkt die Sprache, er kann nur nickend zustimmen. „Hat die Politik denn Angst vor klaren Ansagen?“, möchte Lanz von seinem Gegenüber wissen. Einer klaren Antwort weicht Linnemann aus und lässt lieber die anderen Gäste zu Wort kommen. Ein gönnerhaftes Verhalten, das schon der bei Lanz in die Ecke gedrängte Robert Habeck (Grüne) an den Tag legte. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © ZDF Mediathek/Markus Lanz (Screenshot)

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