Corona-Talk

Markus Lanz (ZDF) befragt Impf-Vordrängler in der Sendung

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Was haben sich die Impf-Vordrängler dabei gedacht? Der Frage geht Markus Lanz nach und befragt Bürgermeister, der schon geimpft ist, obwohl er nicht dran war.

Hamburg – Eine einfache Frage reichte. Dann waren die Gemüter im ZDF-Studio schon erhitzt. „Warum sind Sie schon geimpft?“, wollte ZDF-Talker Markus Lanz von Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand wissen. Der 64-Jährige hatte bereits im Januar eine Immunisierung gegen das Coronavirus bekommen – und das, obwohl er in der von der Bundesregierung festgelegten Prioritätenliste noch gar nicht dran war.

Fernsehmoderator:Markus Lanz
Geboren:16. März 1969 in Bruneck (Südtirol, Italien)
Wohnort:Hamburg, Stadtteil Rotherbaum
ProduktionsfirmaMhoch2 TV (seit 2011)

„Der Bürgermeister hat halt eine wichtige Funktion“, versuchte sich der Impfvordrängler herauszureden. Doch die Antwort löste nicht nur vor den TV-Bildschirmen Wut aus. Auch Moderator Lanz brachte sie regelrecht in Rage.

Wiegand war am Donnerstagabend, 25. Februar 2021, zusammen mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU), den Journalistinnen Claudia Kade und Diana Zimmermann sowie Landrätin Rita Röhrl und Pharmazeut Thorsten Lehr zu Gast in der ZDF-Talkrunde von Markus Lanz. Der Versuch, sein Image aufzupolieren, sollte aber nicht so richtig funktionieren, was unter anderem an einem angriffslustigen Moderator lag.

Corona-Impfungen: Würde sich Angela Merkel vordrängeln?

Eines wird Lanz im Vorfeld klar gewesen sein: Nichts regt die Zuschauer wohl mehr auf als Impfvordrängler. Immer wieder sorgten deutschlandweit Fälle für hohe Aufmerksamkeit. Entweder waren es Landräte oder Bürgermeister. Manchmal aber auch leitende Angestellte bei Feuerwehr oder Rettungsdienst. Auch in Hamburg werden immer wieder Fälle registriert von Menschen, die sich an den offiziellen Listen vorbeischummeln wollten.

Zoff wegen Impf-Reihenfolge: Markus Lanz (rechts) geht Oberbürgermeister Bernd Wieland scharf an. (24hamburg.de-Montage)

Angesichts der Impfstoff-Knappheit hat der Bund in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Ethikrat eine Impf-Reihenfolge festgelegt. Doch immer wieder drängeln sich Menschen vor. So wie Wiegand. Doch wie kann das passieren? Im Fall des Oberbürgermeisters lief es wie folgt ab: Er bekam er angeblich eines Abends einen Anruf vom Hallenser Krankenhaus. Da habe man ihm eine Restimpfung angeboten.

„Die Dosis wäre an dem Abend sonst verfallen“, argumentierte der Politiker. Man habe ihm gesagt: „Wenn Sie nicht kommen, werfen wir die Spritze weg.“ Also schlug er zu.

Tatsächlich standen viele Impfzentren zuletzt vor dem Problem, dass Impfdosen verstärkt übrig blieben. Unter anderem lag das an der Tatsache, dass die Skepsis gegenüber dem Impfstoff von Astrazeneca bei den Deutschen wegen angeblich geringer Wirksamkeit und erhöhten Nebenwirkungen zugenommen hat. Dadurch blieb das Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers tausendfach ungenutzt.

Politisches Versagen: Haseloff legt sich mit Lanz an

Trotzdem wollte Moderator den Oberbürgermeister nicht so einfach davonkommen lassen. Wieso ausgerechnet er angerufen worden sei, wollte Lanz wissen. Und nicht etwa Polizisten, Feuerwehrleute oder Altenpfleger. Das könne doch kein Zufall sein, vermutete Lanz und wedelte mit einer Verordnung des Katastrophenstabs der Stadt, in der vermerkt ist, dass Restimpfstoff unter anderem unter Ärzten und Rettungskräften, aber auch unter dem Stadtrat und dem Katastrophenstab, dessen Chef Wiegand ist, verteilt werden soll. „Warum haben Sie sich da mit reingeschrieben?“, stichelte Lanz. Eine schlüssige Antwort konnte der Hallenser dem Hamburger Moderator nicht liefern.

Gegen Wiegand ermittelt bereits die Staatsanwaltschaft. Das ist die rechtliche Seite. Aus Sicht von Lanz gibt es aber auch noch eine moralische. „Glauben Sie“, fragte der Moderator seinen Studiogast ins Gesicht, „die Kanzlerin würde ein vorzeitiges Impfangebot annehmen?“ Bevor Wiegand etwas sagen konnte, lieferte Lanz die Antwort gleich lieber selber. „Sie würde es nicht tun. Warum, was glauben Sie?“ Kleinlaut gestand Wiegand, das dem wohl so sei und er die Kritik an seiner Person ja verstehen könnte.

Einmal in Fahrt zoffte sich Lanz dann gleich mit Ministerpräsident Haseloff weiter. Auch hier ging es um Corona, Lockdown, sinkende Impfbereitschaft und mögliches politisches Versagen. Doch Schuldzuweisungen hörte der CDU-Regierungschef gar nicht gerne. „Sorgen Sie dafür, dass jeden Tag Aufklärung läuft“, maulte der Unionspolitiker schließlich den Moderator an.

Als Lanz dann erwiderte, das mache er doch bereits die ganze Woche, wurde Haseloff nur noch genervter. „Sie machen das zu spät. Wer guckt denn so spät?“, polterte er. Tatsächlich war der Tag zu diesem Zeitpunkt tatsächlich schon recht vorgerückt. Und für viele Zuschauer kam der Zeitpunkt abzuschalten. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN MEDIA

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