Lockdown-Debatte

Markus Lanz (ZDF): Reumütiger Ramelow – Corona-Politik falsch

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow gesteht in der Talkshow von Markus Lanz Lockdown-Fehler ein – und geht dann an die Decke.

  • Markus Lanz (ZDF): Bodo Ramelow (Linke) gibt Corona-Fehler zu.
  • Thüringens Ministerpräsident Ramelow wird in die Mangel genommen.
  • Umgang mit Coronavirus-Krise spaltet Hamburger Runde.

Hamburg-Altona – Die Coronavirus-Krise treibt so manch einen Politiker zur schieren Verzweiflung. Sowohl die 16 Ministerpräsidenten als auch Kanzlerin Angela Merkel müssen Maßnahmen treffen, die bundesweit zu harten Regeln und Kontaktbeschränkungen führen. Zu den Entscheidungsträgern zählt auch Linken-Politiker Bodo Ramelow. Der Landeschef Thüringens gesteht sich in der Talkshow von Markus Lanz bittere Lockdown-Fehler ein – pure Resignation.

Thüringer Ministerpräsident:Bodo Ramelow
Geboren:16. Februar 1956 (Alter 64 Jahre), Osterholz-Scharmbeck
Ehepartnerin:Germana Alberti vom Hofe (verh. 2006)
Partei:Die Linke
Amt:Thüringer Ministerpräsident seit 2020
Vorheriges Amt:Thüringer Ministerpräsident (2014–2020)
Bearbeitete Werke:Schreddern, Spitzeln, Staatsversagen: Wie rechter Terror, Behördenkumpanei und Rassismus aus der Mitte zusammengehen u.v.m.

Markus Lanz (ZDF): Reumütiger Bodo Ramelow (Linke) – „habe mich von Hoffnungen leiten lassen“

Thüringen ist einer der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Bundesländer. Dessen ist sich Bode Ramelow bewusst. Der Linken-Politiker zeigt große Reue und erzählt ZDF-Moderator Markus Lanz vom härtesten Einschnitt in seinem Leben. Die Rede ist von der Ministerpräsidentenrunde am 28. Oktober 2020, bei der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zugegen war. Damals habe sich der Landeschef Thüringens nicht allzu energisch für härtere Maßnahmen eingesetzt. Ein Fehler, wie er sich nun in der Hamburger Runde eingesteht.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) gesteht sich Fehler in seiner Corona-Politik ein. (24hamburg.de-Montage)

Im Oktober vergangenen Jahres habe er sich nicht vorstellen wollen, erneut alles „zumachen zu müssen“. Doch just an diesem Tag sei Bodo Ramelow mit den Zahlen zu Neuinfektionen und Todesfällen in Thüringen konfrontiert worden. Dies hätte dem 64-Jährigen mehr als „demütig“ gemacht. „Ich habe mich von Hoffnungen leiten lassen, die sich als bittere Fehler erwiesen haben“, zeigt sich der Linken-Politiker resigniert und von sich selbst enttäuscht. Ein Eingeständnis, das dem von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher gleichkommt.

Thüringens Ministerpräsident Ramelow (Linke) mit großer Angst – droht Krankenhaus-K.o.?

Doch zurück zum Linken-Mann in der Markus-Lanz-Ausgabe vom Donnerstag, 7. Januar 2021. Bodo Ramelow hat kein Problem damit zuzugeben, dass Angela Merkel mit ihrem Plädoyer für strengere Regeln aus dem Oktober 2020 recht behalten sollte. „Sie hatte recht, ich hatte Unrecht“, heißt es schlicht vom Ministerpräsidenten Thüringens. Der Politiker habe „menschlich versucht, den leichteren Weg zu gehen“ und sei stets von „Hoffnung getrieben gewesen.“

Doch sieht sich Ramelow auch mit der Angst konfrontiert, dass das Krankenhauspersonal an seine Leistungsgrenze stößt. Davor hatten bereits zwei Ärztinnen in der Hamburger Runde von Markus Lanz gewarnt und einen dramatischen Appell an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gerichtet. „Warum waren Sie so überrascht von der Entwicklung?“, will Lanz nun von Ramelow wissen und bezieht sich auf die dramatische, bundesweit vorliegende Situation auf den Intensivstationen*. Die Antwort seines Gegenübers: „Ich war überrascht von der Dynamik.“

Coronavirus-Krise: Umgang mit Pandemie lässt ZDF-Moderator Markus Lanz warmlaufen

Ramelow weiß, dass im Nachhinein immer neunmalklug dahergeredet werden kann. Dennoch erwähnt er, dass bereits im Dezember 2020 ein härterer Lockdown hätte durchgeführt werden müssen. Nun vertritt der 64-Jährige den Standpunkt, vier Wochen lang „alles anzuhalten und das Impfen hochzufahren.“ Steilvorlage für Markus Lanz, der provokant fragt: „Haben Sie also sieben Monate das Falsche gemacht?“ Auf solch ein Spiel will sich Ramelow gar nicht erst einlassen. Er habe schlichtweg die Hoffnung gehabt, dass alle so weiterlaufen würde, wie es in Thüringen zuvor der Fall gewesen ist. Die traurige Realität ist bekannt.

Für ZDF-Talkmaster Lanz gelten solche Ausflüchte respektive Ausschweifungen aber nicht. Der Moderator bleibt am Ball und hakt darauf rum, dass Ramelow in jüngerer Vergangenheit die Sinnhaftigkeit der Maskenpflicht infrage gestellt hatte. Im Gespräch mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther war Lanz deswegen der sprichwörtliche Kragen geplatzt. Nun ist es Bodo Ramelow, der sich echauffiert und seine Tonlage um einige Oktaven erhöht. Der Linken-Politiker verteidigt sich vehement und lässt verlauten, dass er stets für die Ernsthaftigketi der Corona-Lage geworben habe.

Markus Lanz (ZDF): Impfstoff-Debatte – Ramelow (Linke) reagiert wie bockiges Kind

Ramelow habe lediglich gesagt, dass damit aufgehört werden muss, mit Notfallverordnungen zu reagieren und das Parlament auch zu beteiligen. Im weiteren Verlauf der ZDF-Talkshow wird über die zur Verfügung stehenden Impfstoffe gesprochen. Laut der Medizinethikerin Alena Buyx habe Deutschland ausreichend Impfstoff geordert, um 2021 für Herdenimmunität sorgen zu können. Wann letztendlich aber alle Einwohner der Bundesrepublik geimpft sind, sei natürlich nur schwer einzuschätzen.

Auch Bodo Ramelow darf sich an dieser Stelle noch einmal einbringen, zeigt sich dieses Mal jedoch nicht so einsichtig wie zuvor. Von Moderator Markus Lanz auf Fehler hinsichtlich der Impfstoffbeschaffung angesprochen, die Gesundheitsminister Jens Spahn bereits eingeräumt hat, schießt es aus dem Linken-Politiker heraus: „Hinterher kann man immer klug reden!“ Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, trübt aber den ansonsten positiven Gesamteindruck vom reumütigen Ramelow. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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