Im Obst-Rausch gegen Rassisten

Eklat: Deutschrapper Manuellsen mit Obst und vollem Mund gegen AfD und andere Rassisten in Deutschland

  • Yannick Hanke
    VonYannick Hanke
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Manuellsen ist ein umtriebiger Deutschrapper und ein tüchtiger Geschäftsmann. Und eine Person, die ihre Meinung offen sagt. So auch gegenüber der AfD und dem Moderator der früheren Kindersendung „Willi wills wissen“.

  • Deutschrapper* Manuellsen beschimpft „Willi wills wissen“ als „Hu***sohn“.
  • Mülheimer rechnet mit AfD-Politiker ab.
  • Kein Pardon für Rassismus.

Mülheim an der RuhrDeutschrapper Manuellsen holt zum Rundumschlag aus. Der 41-jährige Nordrhein-Westfale hat die Faxen dicke und teilt in einem auf YouTube viral gehenden Video gegen Helmar Rudolf Willi Weitzel aus. Weitzel wer? Das „Opfer“ ist besser unter der Kurzform „Willi“ bekannt und moderierte mehrere Jahre lang die KindersendungWilli wills wissen“. Die Art und Weise des Journalisten, durch das Wissensformat für Heranwachsende zu führen, missfällt Manuellsen. Und auch mit der AfD wird die „Ruhrpott-Legende“ auf keinen gemeinsamen Nenner mehr kommen. Doch der Reihe nach.

Rapper:Manuellsen
Geboren:26. Januar 1979 (Alter 41 Jahre), Kreuzberg, Berlin
Ehepartnerin:Nadja Twellmann
Plattenfirmen:Deluxe Records, EMI Group u.v.m.
Filme:Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung

Deutschrapper Manuellsen: KiKA-ARD-ZDF-Star Willi Weitzel auf „Hu***sohn-Liste“

Von den Jahren 2002 bis 2010 wurde die KindersendungWilli wills wissen“ auf dem „Kinderkanal“ (KiKa/ARD-ZDF) ausgestrahlt und gehörte zum Pflichtprogramm vieler Heranwachsenden. Jede einzelne Folge fokussierte sich auf ein bestimmtes Thema bzw. einen bestimmten Beruf, darunter Polizist, Journalist, Notarzt und Soldat. Moderiert wurde die Sendung vom Marburger Willi Weitzel. Die Intention des heute 47-Jährigen war es, die unterschiedlichsten Themen kindgerecht aufzubereiten.

Anti-Rassisten-Rapper Manuellsen: Volle Breitseite mit Obst und vollem Mund gegen AfD und andere Rassisten in Deutschland.

Ein lobenswertes Vorhaben, das jedoch nicht immer adäquat umgesetzt wurde. Oftmals wurde Weitzel gar vorgeworfen, unangebrachte Witze in seine Berichterstattung untergebracht zu haben. Sein spezieller Humor äußerte sich in den verschiedensten Situationen. In einer Runde mit Kindern im Rollstuhl erklärte er diesen, dass es zwischen ihnen und ihm nur einen kleinen Unterschied geben würde. Daraufhin stand Weitzel auf und präsentierte stolz seine funktionstüchtigen Beine.

Da hat er noch gut lachen: KiKA-Star Willi Wetzel wird von Deutschrapper Manuellsen denunziert.

Für einen anderen Dreh begab sich der Journalist nach Tansania und bewies dort wenig Feingefühl. Als er den dort lebenden Menschen beim Wassertragen half, merkte er an, ihnen zu zeigen, „wie wir in Deutschland Wasser tragen würden“. Kurz darauf wurde einiges von dem kostbaren Gut verschüttet. Ob bewusst oder nicht, der hinterlassene Eindruck war kein guter. Weder bei den Dorfbewohnern aus Afrika, noch in der breiten Öffentlichkeit in Deutschland.

Findet auch Deutschrapper Manuellsen, der es sich beim Essen einer Kiwi nicht nehmen lässt, den passionierten Witzereißer zu denunzieren. „Der mit Abstand, mit weitem Abstand neue Chart-Einsteiger auf der Hu***sohn-Liste Nummer eins ist... Willi wills wissen. Oh mein Gott, oh mein Gott, Worte können nicht beschreiben, WAS für ein Hu***sohn du bist“, heißt es vom Mülheimer.

„Krieg an zwölf Fronten“: Deutschrapper Manuellsen schießt gegen „Willi wills wissen“ und „jagt“ rassistische AfD-Politiker

„Weil du bist von einer ganz neuen Gattung, die mir selber noch nicht bekannt ist. Ich kannte viele, aber deine? Die ist mir neu. Du bist ein Hybrid“, legt Manuellsen nach. Es folgt ein Schnitt in der Videoaufnahme vom Deutschrapper und der 41-Jährige kündigt Großes an. „Jungs, wenn die Welt so weitergeht, ich schwöre, ihr kriegt den alten Manuel zurück. Ich schwöre auf meine Mutter, ich mache Krieg an 12 Fronten auf [...] Die Welt ist verloren. Ich f*** Willi wills wissen. Ich f*** diesen Hundesohn von der komischen Partei da [...]“, zeigt sich der Sprechgesangkünstler ähnlich forsch wie in seiner Rapmusik.

Mit dem „Hundesohn von der komischen Partei da“ macht Manuellsen direkt das nächste Fass auf. Hiermit spielt der Deutschrapper auf den AfD-Politiker Andreas Winhart an, der sich despektierlich gegenüber „Albanern und Schwarzen“ geäußert hatte. Das Video der entsprechenden Rede vom Politiker teilte der „Rassisten-Jäger“ kurzerhand auf seinem Instagram-Profil. Und dieses hat es in sich.

„Ich möchte wissen, wenn mich in der Nachbarschaft ein N*ger anhustet – Dann muss ich wissen, ist er krank oder nicht krank [...] Was wir nicht brauchen können, meine Damen und Herren, sind diese Warnvorstellungen vom Herrn Spahn, dem Bundesgesundheitsminister, dass Albaner und Kosovaren bei uns demnächst die Altenpflege betreiben und zu Ihnen nach Hause kommen. Wer von Ihnen eine Albaner-…. Gruppe, nennen wir es mal so, bei sich zu Hause pflegend haben will und ihnen die Bude ausräumt, der wählt CDU. Und wer das nicht will, der wählt die AFD!“, wirbt der Politiker mit drastischen Worten für seine rechtspopulistische Partei.

Sowohl Inhalt als auch Stil des „Vortrags“ sorgen für Unverständnis bei Manuellsen, der das Video bilingual kommentiert. „Anik kot immak anika ya ibn el 5ansir, ya rabbi inshallah triffst du den schlimmsten Albaner mit Kriegsschaden, der sich das nicht gefallen lässt“, deutet der Deutschrapper eine handgreifliche Auseinandersetzung mit Winhart an. Nicht das erste Mal, dass sich der Deutschrapper über Rassismus in der Öffentlichkeit äußert. Erst im Mai 2020 hatte mit einem rassistischen Werbespot vom Autokonzern Volkswagen (VW)* abgerechnet, berichtete 24hamburg.de/DeutschRap ausführlich.

Deutschrap gegen Rassismus: Megaloh mit Negativ-Erfahrungen, „blackouttuesday“ auf Instagram soll wachrütteln

Eine Reaktion des AFD-Politikers steht noch aus. Geäußert hat sich aber mittlerweile Willi Weitzel. Der Journalist weist die Anschuldigungen von sich und betont, dass sich die öffentliche Debatte und damit auch Manuellsen auf Ausschnitte ohne den nötigen Kontext stürzen würde. Man solle Weitzel nicht anhand einzelner Szenen beurteilen, in denen ihm das Fingerspitzengefühl gefehlt habe. Übrigens: Manuellsen schießt auch gegen Deutschrapper Samy Deluxe*.

Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass sich Deutschrapper immer wieder zu Rassismus-Vorfällen der unterschiedlichsten Ausprägung äußern. In der neuesten Folge von „Gute Deutsche“, dem Spotify-Podcast der Hamburger* Journalistin Linda Zervakis, spricht Megaloh, wie auch Manuellsen ein schwarzer MC, über seine Negativ-Erfahrungen mit dem „N-Wort*. Um auf die Gewalt gegen Afroamerikaner, die durch die Polizei zu Tode kommen, aufmerksam zu machen, beteiligten sich zudem viele Rapper aus Deutschland an der #blackouttuesday“-Aktion auf Instagram*.

(Anmerkung der 24hamburg.de-Redaktion: Die 24hamburg.de-Redaktion distanziert sich von jeglichem Gebrauch eines Hatespeech-Slurs und schreibt diesen nicht aus).

* 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © YouTube/Johannes A. Alsterburg & Kernstock

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