„Hu**nsohn-Ni**er" genannt

Megaloh: Rassismus-Opfer – Linda Zervakis ist „zum Heulen zumute“

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Deutschrapper Megaloh beichtet Linda Zervakis schlimme Rassismus-Erfahrungen. Bei „Gute Deutschen“ reden sie über das „N-Wort“.

  • Deutschrapper Megaloh zu Gast im neuen Podcast von Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis (ARD).
  • Musiker spricht über Migrationshintergrund, Rassismus und „N-Wort“.
  • Thema Rassismus als allgegenwärtiges Thema im Deutschrap.

Hamburg – In ihrem neuen Spotify-Podcast Gute Deutsche“ spricht die Fernsehmoderatorin Linda Zervakis (45) mit prominenten Personen über ihren Migrationshintergrund. In der Auftakt-Folge vom 15. Juni hat Die Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo bereits über die rassistischen Nazi-Lehrer an seiner Schule ausgepackt. Auch Deutschrapper Megaloh spricht jetzt gegenüber der Hamburger Tagesschau-Sprecherin über seine teils düsteren Erfahrungen mit Rassismus.

FernsehmoderatorinLinda Zervakis
Geboren1975 (Alter 45 Jahre), Hamburg
Größe1,69 m
AusbildungFriedrich-Ebert-Gymnasium
FernsehsendungenTagesschau
ElternChristos Zervakis, Chrissoula Zervakis

Deutschrapper Megaloh zu Gast in Linda Zervakis‘ (ARD/Tagesschau) Spotify Podcast „Gute Deutsche“

Linda Zervakis selbst ist gebürtige Hamburgerin, ihre Eltern kommen aus Griechenland. Zum Thema Migration hat sie also einen recht persönlichen Bezug. Über ihre eigenen Erfahrungen mit Rassismus und ihre griechischen Wurzeln hat die Tagesschau-Sprecherin selbst schon recht häufig gesprochen. In ihrem Podcast „Gute Deutsche“ will die 45-Jährige nun auch andere bekannte Gesichter mit Migrationshintergrund zu Wort kommen lassen. In ihrer aktuellen Folge vom 22. Juni 2020 ist Deutschrapper Megaloh zu Gast. Und was der 39-jährige Musiker darin auspackt, ist nicht ohne: Linda Zervakis zeigt sich nach der Folge emotional bewegt. Auf Twitter teilt sie mit ihren Followern, dass ihr nach dem Gespräch „ehrlich gesagt auch zum Heulen" war.

Zu Beginn des Podcasts weist Linda Zervakis darauf hin, dass die Folge bereits vor dem rassistischen Mord an George Floyd* aufgezeichnet wurde. Trotzdem könnte die Folge aufgrund der aktuell aufkochenden Rassismus-Debatte nicht aktueller sein. Nach den Ereignissen in den USA hat Linda Zervakis Megaloh aus aktuellem Anlass noch einmal kontaktiert.

Dieses kurze Gespräch wird vor der eigentlichen Podcastfolge eingespielt. „Hast du das Gefühl, dass sich jetzt durch diese weltweiten Proteste vielleicht auch langfristig was tun wird in dieser Situation?“ will die ARD-Moderatorin von Megaloh wissen. Der Deutschrapper zeigt sich skeptisch – es reiche nicht aus, einfach nur Solidarität zu zeigen: „Tatsächlich sind die Leute jetzt gefragt, sich zu überlegen, wie man aus dem strukturellen Problem des Rassismus rauskommt.“

Megaloh selbst hat Rassismus aufgrund seines Migrationshintergrunds schon in frühen Jahren zu spüren bekommen, erzählt er im Podcast. Der Musiker wurde in Frankfurt geboren, seine Mutter stammt aus Nigeria, sein Vater aus den Niederlanden. Aufgewachsen ist Megaloh in Berlin-Moabit. Trotzdem fehle ihm ein Gefühl der Zugehörigkeit, wofür er vor allem gesellschaftliche Strukturen und die Außenwelt verantwortlich macht. „Ich kann mich nicht als Deutscher identifizieren.

Ich seh mich nicht als Deutscher, ich hab nen deutschen Pass, ich bin hier sozialisiert. Aber die Zuschreibung, die ich bekommen habe über mein Leben und die halt sozusagen in der jetzigen Ist-Gesellschaft stärkeren Aufwind bekommen durch Strömungen in der AfD, aber auch durch andere identitäre Bewegungen“ führe dazu, dass Megaloh sich nicht als Deutscher sehen könne.

Deutschrapper Megaloh über Rassismus-Erfahrungen und das „N-Wort“

Rassismus habe der Deutschrapper Megaloh vor allem auch in Form von verbalen Attacken erleben müssen. „Alle Begriffe, die es im Zusammenhang mit der Hautfarbe gibt, habe ich auf jeden Fall schon gehört: Hur**sohn, Ni**er zum Beispiel“. Heutzutage, meint der Musiker, würden ihm solche Begriffe aber immer weniger entgegnet werden. Das läge aber weniger an seiner Bekanntheit als Musiker, sondern hätte mehr damit zu tun, „ob Leute sich trauen und keine Angst vor den Konsequenzen haben.“

Deutschrapper Megaloh spricht im Podcast „Gute Deutsche“ über seine Erfahrungen mit Rassismus. ARD-Sprecherin ist emotional berührt von dem Gespräch.

Mit rassistischen Attacken musste Megaloh jederzeit rechnen: „Es kann dich aber von überall treffen. Es können deine Freunde sein, es können deine Kollegen sein, es können irgendwelche Fremden auf der Straße sein.“ Oftmals habe der Deutschrapper solche Kommentare und rassistischen Äußerungen weggelacht, dahinter stand immer der Wunsch, gefallen zu wollen. „Hinterher hat man sich dafür geschämt, dass man so feige war, sie wegzulachen.“ Für diese Verhalten gäbe es sogar eine Bezeichnung, erzählt Megaloh - das „Onkel-Tom-Syndrom“: „Das ist ein Schwarzer, der sozusagen die ganze Zeit Verständnis für Weiße hat und irgendwie versucht, deren Sicht der Welt zu verstehen.“

Der Umgang mit solchen rassistischen Äußerungen sei für Megaloh nicht einfach, oftmals wisse er nicht, wie er darauf reagieren sollte. Er wolle einerseits nicht überreagieren und als „wilder crazy Ni**er“ wahrgenommen werden, das Weglächeln solcher Kommentare sei aber auch nicht der richtige Weg, auf Rassismus zu reagieren. „Und das dazwischen, dieses sozusagen mit Argumenten und Kommunikation und ruhig bleiben, seine Emotionen nicht Überhand gewinnen zu lassen, das ist ein extrem schwieriger Weg.“

Rassismus als Thema im Deutschrap

„Zwischendurch war Musik ein Ventil, um einfach meine Realität und mein Selbstbewusstsein trotz dieser Situation weiterhin sozusagen zu unterstreichen und zu stärken“, erzählt der Deutschrapper Megaloh weiter. Eigentlich wolle er die Musik aber viel eher dafür nutzen, um bei seinen vorwiegend weißen Zuhörer ein Bewusstsein und Sensibilität für die Rassismus-Thematik zu schaffen. Als Teil der deutschen Hip-Hop-Supergroup „BSMG“ hat Megaloh das „N-Wort“ in der Vergangenheit auch schon musikalisch verarbeitet.

Auch bei anderen Deutschrappern ist das Thema Rassismus gegenwärtig. So hat der Musiker Manuellsen beispielsweise erst kürzlich mit dem Autokonzern VW wegen eines rassistischen Werbespots abgerechnet. Auch Samy Deluxe zeigte eine Reaktion auf rassistisches Verhalten im Netz und zerlegte die rechte Hashtag-Bewegung „AllLivesMatter“ auf Instagram. Andererseits steht der Hamburger für eine spezielle Künstlerauswahl in der Kritik*. Außerdem zeigten viele weitere Deutschrapper nach dem Mord an George Floyd digitale Kondolenz auf Instagram, indem sie am „Blackout Tuesday“ teilnahmen und damit ein Zeichen gegen Rassismus setzten. // Quelle: 24hamburg.de

(Anmerkung der 24hamburg.de-Redaktion: Die 24hamburg.de-Redaktion distanziert sich von jeglichem Gebrauch eines Hatespeech-Slurs und schreibt diesen nicht aus.)

* tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Instagram/lindazervakis/megaloh.official

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