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Surferin Lina Erpenstein steht auf Wave-Action und Techno-Beats

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Von: Dagmar Schlenz

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Eine Surferin mit einem Pferdeschwanz und nassen Haaren steht am Strand. Profi-Windsurferin Lina Erpenstein 2019 beim Windsurf World Cup in Westerland auf Sylt.
Profi-Windsurferin Lina Erpenstein 2019 beim Windsurf World Cup in Westerland auf Sylt. 2022 will sie sich auf der Nordseeinsel den Titel holen. © ActAgency

Die Profi-Windsurferin Lina Erpenstein hat es nicht nur in der Welle voll drauf. Als DJane sorgt sie bei Partys mit Techno & Melodic House für Stimmung.

Kiel – Die Top-Surferin Lina Erpenstein hat ein Ziel: Sie will auf Platz drei in der Weltrangliste. Beim Windsurf Worldcup 2022 auf der Nordseeinsel Sylt ist ihr das erstmals gelungen. Die ambitionierte Sportlerin nutzt zurzeit tagsüber jede freie Minute, um auf dem Wasser zu sein. Nach Einbruch der Dunkelheit legt sie gerne mal bei Partys heiße Techno-Beats auf. Wenn sie nicht gerade lernt. Denn neben ihrer Windsurf-Karriere studiert die junge Frau Medizin an der Universität in Kiel.

Name:Lina Erpenstein
Geburtsdatum:23. Oktober 1996
Geburtsort:Aschaffenburg
Disziplin:Waveriding
Segelnummer:G-423
Ausbildung:Medizinstudentin

Lina Erpenstein: Schon in ihrer Kindheit viel am Wasser

Lina Erpenstein wurde am 23. Oktober 1996 in Aschaffenburg geboren. Obwohl sie ihre Kindheit in Bayern verbracht hat, waren sie und ihre Schwester oft am und im Wasser. In jedem Urlaub ging es ans Meer, denn Erpensteins Vater ist passionierter Windsurfer. Oft fuhr die Familie in den spanischen Surf-Spot Tarifa, wo die Kinder sich mit dem Body-Board ins Wasser gestürzt haben, während Papa sich aufs Windsurfboard gestellt und losgesaust ist. Das wollte Tochter Lina natürlich auch probieren – aber die ersten Versuche waren nach eigenen Worten „eher frustran“.

Erst im Alter von 13 Jahren ist bei Lina Erpenstein der Knoten geplatzt. „Als ich es dann zum ersten Mal ins Gleiten geschafft habe, war ich sofort Feuer und Flamme. Ab diesem Zeitpunkt hat man mich dann in den Ferien von morgens bis abends nur noch auf dem Wasser gefunden“, erzählt sie im Interview mit dem Online-Windsurf-Magazin DAILYDOSE. Während ihrer Schulzeit ging Erpenstein für ein halbes Jahr nach Spanien, besuchte dort die Schule, lernte Spanisch. Und hatte viel Zeit zum Surfen.

Lina Erpenstein: Nach dem Abitur Zeit zum Reisen und Surfen

An ersten Wettkämpfen nahm Lina Erpenstein schon als Schülerin teil. Beim Windsurf World Cup 2014 in Westerland auf Sylt gewann die damals 17-Jährige ihren ersten „Heat“, bei dem mehrere Surferinnen gleichzeitig gegeneinander antreten. Und ihre Erfolgsserie ging weiter: 2015 wurde sie auf der Wassersportmesse „boot“ in Düsseldorf zum Windsurftalent des Jahres gekürt. Schon früh fasste Erpenstein den Entschluss, nach dem Abitur mehr Zeit zu investieren, um das Windsurfen richtig zu lernen und an weiteren Wettkämpfen teilzunehmen.

Eine Windsurferin springt mit ihrem Board aus dem Wasser. Lina Erpenstein zeigt 2019 beim Windsurf Worldcup auf Sylt tolle Waveriding-Action auf dem Wasser.
Lina Erpenstein zeigt 2019 beim Windsurf Worldcup auf Sylt tolle Waveriding-Action auf dem Wasser. © ActAgency

Mit dem Abitur in der Tasche reiste sie nach Australien und machte dort „Work and Travel“. Ihre Jobs ließen ihr genug Zeit zum Surfen, denn deswegen war sie ja nach Down Under gekommen. Im Sommer zog es Erpenstein dann auf die Kanaren, wo zu dieser Zeit bessere Bedingungen für Windsurfer herrschen als in Australien. Gegenüber dem Online-Magazin WINDSURFERS verrät sie, dass sie eigentlich nur ein Jahr reisen und surfen wollte, um dann zu studieren. Aber nach einem Jahr liefen die Wettkämpfe ganz gut und sie dachte sich „Ich kann ja jetzt nicht aufhören“. Also hängte sie ein Jahr dran und wurde am Ende Weltranglistensechste.

Lina Erpenstein zwischen Surf-Karriere, Partys und Medizinstudium

Zwei Jahre widmete sich Lina Erpenstein fast ausschließlich dem Windsurfen, dann hatte sie Lust, mal wieder etwas anderes zu machen. Ihr war klar, dass sie langfristig nicht ausschließlich windsurfen wollte. Sie entschied sich für ein Medizinstudium. „Am liebsten in Kiel“, sagte Erpenstein schon 2015 dem Main-Echo, „denn Kiel und Windsurfen, das passt!“ Gesagt, getan – im Oktober 2017 hat sie ihr Studium in der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein begonnen.

Eine junge Frau mit blonden langen Haaren und einer Mütze liegt in einem Campingbus. Die Kielerin Lina Erpenstein erreichte 2018 beim Windwurf Worldcup auf Sylt den dritten Platz im Waveriding.
Lina Erpenstein in ihrem Campingbus, mit dem sie zum Windsurfen fährt. Die Kielerin erreichte 2018 beim Windwurf Worldcup auf Sylt den dritten Platz im Waveriding. © Frank Molter/dpa

„Kiel ist dafür super, da ich jetzt meinen Alltag mit dem Surfen verbinden kann, wie ich es bisher nicht kannte“, schwärmt Erpenstein gegenüber DAILYDOSE. „Nach einem Unitag noch aufs Wasser zu kommen und abends trotzdem wieder ins eigene Zuhause zu kommen, ist einfach schön.“ Aber wie schafft sie es, Medizinstudium und Surfsport miteinander zu vereinbaren? Erpenstein geht tagsüber viel auf Wasser und lernt, wenn es dunkel ist. Und sie hat Glück, denn viele Wettkämpfe finden in den Semesterferien statt. Ihre Zeitplanung scheint gut zu klappen, ihr Physikum (Zwischenprüfung beim Medizinstudium) hat sie bereits bestanden.

Und wie sieht’s aus mit dem „typischen Studentenleben“, mit Clubs und Partys? Gelegentlich mag Lina Erpenstein dunkle Clubs als totales Gegenteil zu Natur und Wellen, aber wenn sie am nächsten Tag aufs Wasser will, bleibt sie lieber Zuhause. Techno mag sie unheimlich gerne, verrät sie im WINDSURFERS-Interview, weil die Musik etwas Hypnotisches hat. Techno & Melodic House legt sie bei Partys gerne selbst auf, wie beim Surf-Festival im Mai 2019 auf Fehmarn.

Top-Surferin Lina Erpenstein strebt Platz auf dem Podium an

Windsurfen ist schwer zu lernen und unfassbar anstrengend, findet Lina Erpenstein. Sie glaubt, dass sich deswegen insgesamt viel weniger Frauen als Männer für den Windsurf-Sport entscheiden. Und trotzdem liebt sie Windsurfen, besonders das Waveriding. „Die besten Heats fahre ich, wenn ich am meisten Spaß habe“, erzählt Erpenstein im Interview mit dem Portal WINDSURFERS. 2018 erreichte sie beim Windsurf Worldcup auf Sylt Platz drei im Waveriding, 2019 wurde sie Europameisterin. In der Gesamtwertung der PWA (Professional Windsurfers Association) verpasste sie in den Jahren 2017 bis 2019 nur knapp einen Platz auf dem Podium.

Die Disziplin Waveriding (kurz Wave) beim Windsurfen

Beim Waveriding zeigen die Windsurfer verschiedene Tricks und Sprünge in den Wellen. Dabei nutzen sie die Welle als Rampe, mit deren Hilfe sie sich in die Luft katapultieren und dabei spektakuläre Action zeigen. Zuschauer können nur staunen über Sprünge wie den Pushloop (schnelle Rolle rückwärts), den Backloop (flache Rückwärtsrotation), Frontloop (Vorwärtsrotation) oder den Table Top, bei dem die Boardunterseite nach oben gedreht wird.

Auch Wellenritte und Manöver auf den Wellen gehören zum Repertoire der Waverider. Beim Wettkampf treten die Surfer in sogenannten Heats, die zeitlich begrenzt sind, im K.-o.-System gegeneinander an. Ihre Leistung auf dem Wasser wird durch Kampfrichter bewertet.

Klares Ziel von Lina Erpenstein für 2022 war Platz drei in der Weltrangliste. Beim Windsurf Worldcup 2022 auf der Promi-Insel Sylt ging sie mit guten Chancen auf einen Podiumsplatz an den Start – und war erfolgreich. Ihre bis dahin stärksten Konkurrentinnen, die legendären Zwillinge Daida und Iballa Ruano Moreno aus Spanien, sind auf Sylt nicht an den Start gegangen. Gegen Surf-Talent Sarah-Quita Offringa von der Karibik-Insel Aruba musste sich Erpenstein in den Wettkämpfen auf dem Wasser allerdings ebenso geschlagen geben, wie gegen die am Ende Zweitplatzierte Polin Justyna Sniady.

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