Aus dem Schatten ins Licht

Kontra K: Kampfsport, Deutschrap, Kontroversen – und Tiger

  • Yannick Hanke
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Der Name Kontra K wird mit Deutschrap, zahlreichen Erfolgs-Titeln, Kampfsport und Tierliebe verbunden. Doch was lauert hinter der Fassade des harten Burschen?

BerlinDeutschrapper Kontra K reitet auf einer Erfolgswelle nach der anderen. Der Berliner hat seit 2015 jedes Jahr ein Album veröffentlicht, wurde stets mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet und kann den ersten Platz der Deutschen Album-Charts mittlerweile voraussetzen. Doch gibt es auch Negatives über den 32-Jährigen zu berichten? Gewiss, die Medaille hat bekanntlich zwei Seiten und zumindest mit seinen Äußerungen bezüglich Homophobie im Deutschrap eckt der 187 Strassenbande-Freund an. Eine digitale Spurensuche.

Rapper:Kontra K
Geboren:3. Juli 1987 (Alter 32 Jahre), Berlin
Vollständiger Name:Maximilian Diehn
Plattenfirma:Bertelsmann Music Group
Genre:Hip-Hop/Rap

Kontra K: Deutschrapper aus Berlin mit großer Liebe für Kampfsport

Kontra K ist ein Berliner Original, wie es im Buche steht. Der heute 32-Jährige kommt am 3. Juli 1987 in der Hauptstadt als Maximilian Diehn zur Welt. Über die Kindheit des Deutschrap-Stars ist nur wenig bekannt. Durchgesickert ist jedoch, dass der MC eine schwierige Jugend inklusive Schulabbruch hinter sich hat. Eine prägende Zeit für Kontra K, der sich laut Eigenaussage stets durchboxen musste und schon früh mit den Härten des Lebens konfrontiert wurde.

Immerhin: seine Realschule absolviert Teenager Diehn komplett. Mit 16 Jahren entdeckt der Berliner seine große Liebe bzw. seine beiden großen Lieben. Der Deutschrapper führt nicht etwa eine Dreiecksbeziehung mit zwei Damen aus der Hauptstadt, sondern kann sich sowohl mit Rap als auch mit dem Kickboxen identifizieren. Schnell eifert er seinen US-amerikanischen Idolen nach - 2Pac, The Notorious B.I.G., Nas und Naughty by Nature. Allesamt musikalische Heroen der 90er-Jahre, deren Verdienste um eine gesamte Kultur nach wie vor unbestritten sind.

Unbestritten ist auch Kontra Ks große Leidenschaft für den Kampfsport. Seine Passion für diesen habe der Deutschrapper „eigentlich schon immer“ gehabt, „da mein Vater selber geboxt hat und somit auch mein familiäres Umfeld aus diesem Milieu kam. Mit 16 habe ich eher gesagt wegen Dummheiten aufgehört mit Kickboxen und erst mit 18 oder 19 Jahren wieder angefangen diesen Sport extrem zu betreiben“, lässt Diehn im Interview mit „boxen1.com“ verlauten.

Doch vorerst zurück zur musikalischen Komponente. 2006 gründet Kontra K mit KiezSpezial das Rap-Duo Vollkontakt, das vom Berliner Deutschrapper Kaisa, der wiederum Kontakt mit Islamist Deso Dogg* pflegte (vor dessen IS-Bekenntnis), beim Label „Hell Raisa Records“ unter Vertrag genommen wird. Da der Musikvertrieb jedoch kurz darauf wieder aufgelöst wird, muss Kontra K umdisponieren. Kurzerhand gründet Diehn mit Skinny Al und Fatal ein eigenes Label - „DePeKaRecords“. Den Vertrieb übernimmt „Distributionz“.

Liebt den Bombast und scheut auch kontrovers geführte Diskussionen nicht: Deutschrapper Kontra K glänzt mit seiner Musik und als Muskelpaket. (Screenshot)

Kontra K: Deutschrapper mit Sparring bei „Distributionz“ - Über „12 Runden“ in die Charts

Es dauert bis zum Dezember 2010, ehe das Debütalbum des heute zweifachen Vaters erscheint. Dieses hört auf den Namen „Dobermann“, kann sich aber nicht in den Top 100 der Deutschen Albumcharts platzieren. Kein Rückschlag für Kontra K, der munter weitere Musik aufnimmt und gut zwei Jahre später mit „Was die Zeit bringt“ einen neuen Anlauf startet. Erneut vergeblich, wird nur auf eine Erwähnung in den bereits erwähnten Top 100 geschaut. Für den Vertrieb aus Osnabrück stellt das zweite Werk Diehns hingegen eines der bestverkauften Alben dar.

Das Independent-Label aus Niedersachsen, das auch das Erstlingswerk vom Hamburger* Gangster-Rapper Bonez MC* veröffentlicht, ist für Kontra K so etwas wie die Startrampe zu einer glorreichen Zukunft. Oder, um in der Boxer-Sprache zu bleiben: die Veröffentlichungen bei „Distri“, wie der Vertrieb seit einer Umstrukturierung von 2014 heißt, stellen für den Deutschrapper eine Art Sparring dar, um sich auf Größeres vorzubereiten.

Beharrlich- und Emsigkeit sind dem leidenschaftlichen Kampfsportler definitiv nicht abzusprechen. Der Release von „Was die Zeit bringt“ liegt noch keine vier Monate zurück, schon erscheint im März 2013 die EP „Auf Teufel komm raus“. Eine Kollaboration mit 187 Strassenbande-Boss Bonez MC, der abseits seiner Rekorde mit Deutschrapper RAF Camora* mittlerweile auch als Solokünstler große Erfolge* sein Eigen nennen kann, wie 24hamburg.de-DeutschRap schildert.

Als Erfolg ist auch das dritte Soloalbum von Kontra K zu bezeichnen, dessen (musikalische) Ausdauer sich im Titel wiederfindet. Denn der Deutschrapper geht quasi über die volle Distanz und erreicht mit „12 Runden“, einer Referenz auf die Dauer von Boxkämpfen, den achten Platz in den Charts. Auch auf diesem Werk ist Bonez MC vertreten. „Mach was“ heißt der gemeinsame Song, der als Motto des schier unermüdlichen Maximilian Diehns zu betrachten ist.

Kontra K: Deutschrapper will auf den musikalischen Olymp und hat ordentlich „Adrenalin“

Wo andere die Sektkorken knallen lassen und sich auf diesen Teilerfolg ausruhen würden, gibt es für Kontra K nur eine Marschrichtung: weiter nach vorne bzw. weiter nach oben. Vielleicht auch angetrieben durch die überwiegend positiven Rezensionen gängiger Hip-Hop-Medien, die in „12 Runden“ einen Motivator sehen, um selbst sportlich aktiv zu werden. „Nach diesen 12 Runden, die eigentlich doch eher 20 sind, will man auf jeden Fall mehr hören“, schreibt beispielsweise „rap.de“ und spielt auf die Anzahl der Tracks an.

Immer mehr, das will auch der Deutschrapper selbst. Stillstand ist Rückstand, Platz acht allenfalls eine Zwischenstation auf dem Weg hin zum musikalischen Olymp. Um diesen zu erreichen, bedarf es jedoch Hilfe vom Berliner PlattenlabelFour Music“, dessen Gründer die Schwaben von den Fantastischen Vier sind. Fantastisch, das meint „Illusionen“ oder „unerfüllbare Wunschbilder“. Für Kontra K hingegen soll sich die Zusammenarbeit mit Four Music recht schnell als Erfolg auf ganzer Linie herausstellen.

Das Preludio stellt die „Wölfe“-EP dar. Beachtung findet vor allem das Video zu „Adrenalin“, das mit jeder Menge Graffiti-Action inklusive U-Bahn-Surferei aufwartet. Bundesweit bekannt wird Kontra K aber erst durch das, was noch folgen soll. Im Februar 2015 erscheint sein Album-Debüt bei Four Music, das den Titel „Aus dem Schatten ins Licht“ trägt. Mit diesem erreicht Diehn Platz zwei der Album-Charts.

Bis einschließlich 2019 erscheint jedes Jahr ein neues Werk des Berliners, mit denen er allesamt die musikalische Pole Position ergattert. Alle Alben werden mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Der Wechsel zu BMG Rights Management tut dem keinen Abbruch. „Ich hatte keine Lust mehr auf die Arbeitsweise. Wir sind aber im Guten auseinandergegangen“, erzählt Kontra K über den Four Music-Weggang im Interview mit „backspin.de“. „Jetzt bin ich bei BMG, allerdings nicht beim Label. Die kümmern sich um meinen Vertrieb und ich habe dort mein Label DePeKa Records angedockt. Wobei ich mich nicht so sehr über das Label definiere und nach außen präsentiere“, sagt der 32-Jährige.

Kontra K: Deutschrapper, Motivator, Kickboxer, Kritiker und Tierliebhaber

Der Erfolg seiner Musik wird oftmals mit mehreren Faktoren begründet. Die Songs und Alben von Kontra K entstehen überwiegend in der Zusammenarbeit mit seinem Hauptproduzenten, dem Duo The Cratez aus Berlin. Die wiederum haben unter anderem bereits mit Capital Bra* sehr ertragreich Tracks komponiert. Doch nicht nur die musikalische Komponente spielt für den Kampfsportler eine große Rolle. Ebenso vermarktet er sich als Junge von der Straße, der nie einen Hehl aus seiner großen Leidenschaft gemacht hat - dem Kickboxen.

Inhaltlich fordert Kontra K vehement den Zusammenhalt auf der Straße und verbindet gekonnt gesellschaftskritische Stimmen mit seinen eigenen, zum Teil negativen Erfahrungen. Stilistisch ist der MC in seinen Anfangstagen dem Sub-Genre Gangster-Rap zuzuordnen, hat sich von diesem jedoch zunehmend entfernt. Kritiker würden anmerken, er habe sich ausschließlich dem Mainstream verschrieben. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass mittlerweile versucht wird, „meine Hörer auf den Sportfilm zu bringen“.

Kontra K bemüht sich um Authentizität und sagt gegenüber „deutschlandfunk.de“: „Ich bin doch noch zu einem guten Menschen geworden“. Auf jeden Fall ist der Deutschrapper eine Person, die ihre Stimme gegen offensichtliche Missstände erhebt und diese auch deutlich aufs Schärfste verurteilt. So hat er die Missbrauchsfälle in Münster und die damit verbundenen Täter als „Menschlichen Abschaum*“ bezeichnet, wie 24hamburg.de-DeutschRap berichtet.

Zudem ist der Deutschrapper als großer Tierliebhaber bekannt. Im Zuge der massiven Buschbrände in Australien, die von Juni 2019 bis März 2020 wüteten, war Kontra K im Januar in Down Under zugegen - um den gefährdeten Tieren zu helfen. Er meldete sich bei der Berufstierrettung und kümmerte sich um Erstversorgung vor Ort. Bereits im Januar 2017 hatte sich der Berliner als wahrer Tierfreund gezeigt und dem sibirischen Tiger-Baby Elsa das Leben gerettet. Dieses wurde von seiner Mutter verstoßen. Als Kontra K davon mitbekam, übernahm er die Patenschaft für Elsa in deren neuen Unterkunft im Tigerpark Dassow. Der Deutschrapper kümmert sich zudem um bedrohte Wildkatzen*.

Kontra K: Kontroverse um „Homophobie im Deutschrap“ - Kopfschütteln für 5 Millionen Euro schweren Berliner

Jedoch gibt es auch Kontroversen um den Berliner Deutschrapper. 2016 vertrat Kontra K in einem 1-Live-Interview im Kontext der WDR-ReportageHomophobie im Deutschrap“ eine ziemlich spezielle Meinung. Ihm zufolge sei das Wort „schwul“ in der Jugendsprache eine Beleidigung, jedoch habe dies „mit Rap [...] nicht viel zu tun“. Darüber hinaus befand er, dass der Vorwurf, ein Text würde „zu weit“ gehen, mit einem Gegenargument gekontert werden könnte. „Es gibt eben auch Meinungsfreiheit. Für jeden“, lautete sein Statement.

Darauf angesprochen, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen einer genetischen Komponente zugrunde liegt, ließ Kontra K Folgendes verlauten: „Ich glaube nicht, dass das eine Sache ist, die in den Genen liegt. Oder dass du schwul geboren wirst, das glaube ich nicht. Dafür können mich jetzt tausend Menschen hassen — ich glaube es einfach nicht“. Eine Aussage, die für reichlich Kopfschütteln sorgte und nicht in Vergessenheit geraten ist. Ihm letztendlich aber auch nicht merklich geschadet hat. Wie verhält es sich wohl mit der vermeintlichen Beleidigung von Berliner Polizisten*?

Das „Vermögen Magazin“ gibt an, dass Kontra K über ein geschätztes Vermögen von fünf Millionen Euro verfügt. Allein 2018 konnte sich der Berliner bei nur sieben Konzerten über insgesamt 70.000 Besucher freuen. Durch den Streamingdienst Spotify soll er mindestens 11.000 bis 16.000 Euro monatlich einnehmen. Beim Videoportal YouTube beläuft sich die Summe gar auf bis zu 40.000 Euro im Monat (Stand der Daten: 15. Januar 2020). Zahlen, die sich sehen lassen können, Kontra K aber nicht abheben lassen.

„Von so einer Karriere habe ich sicherlich einmal geträumt, erwartet hätte ich sie aber nie“, lässt er im Interview mit „spot on news“ verlauten. „Was ich mir [...] durch meinen Status herausnehme, ist, dass ich entweder komplett allein arbeite oder nur coole Leute um mich herum habe“, spricht der Berliner über seinen persönlichen Luxus. Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass sich Kontra Ks Devise ausgezahlt hat, denn: „Erfolg ist kein Glück / Sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen“. * 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Instagram/kontrak

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