Politik in Zeiten von Corona

Karl Lauterbach: SPD-Politiker und Coronavirus-Held Deutschlands

  • Vivienne Goizet
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SPD-Politiker Karl Lauterbach ist während der Coronavirus-Pandemie zum politischen Shooting-Star avanciert. Die deutschen lechzen in diesen unsicheren Zeiten nach Menschen, die wissen, wovon sie sprechen. Und Lauterbach kann einen viel geforderten wissenschaftlichen Hintergrund vorweisen. Was ist dran an dem Mann, der die SPD in den Umfragen wieder nach vorne bringen könnte?

  • Was Gesundheitsökonom Karl Lauterbach zum Experten macht.
  • Wie es um das Privatleben des SPD-Politikers bestellt ist.
  • Und warum ausgerechnet er bei Markus Lanz und anderen Talkshow so gefragt ist.

Berlin ‒ Er schreibt im britischen Guardian über die deutsche Coronavirus-Strategie, er ist auf Twitter und weiß, wie man den Social Media Dienst sinnvoll nutzt. Und er hat nicht nur einen Doktor der Medizin (Dr. Med.) aus Düsseldorf, sondern auch einen wissenschaftlichen Doktortitel von der amerikanischen Elite-Universität Harvard.  Die Rede ist von SPD-Shootingstar Karl Lauterbach.

Karl Lauterbach:Mitglied des Deutschen Bundestages
Geboren:21. Februar 1963 (Alter 57 Jahre), Düren
Ehepartnerin: Angela Spelsberg (verh. 1996–2010)
Partei: Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt: Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005

Der Sozial-Demokrat Karl Lauterbach strahlt geballte und dringend benötigte Kompetenz in den so unsicheren Pandemie-Zeiten aus. Er ist sogar Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie an der Universität Köln. Zudem hat er bereits über 300 Publikationen (inklusive Bücher) veröffentlicht. Alles macht den Anschein: Der Mann kennt sich aus. Doch was steckt hinter dem Politiker mit der roten Fliege?

Karl Lauterbach Ausbildung, Studium und Promotion

Oftmals wird Politikern vorgeworfen, sie würden ihr Fach nicht verstehen. Wenn Karl Lauterbach über Gesundheitsmanagement und das Coronavirus spricht, dann merkt man: Hier spricht wirklich jemand der sich damit auskennt. Das zumindest lässt sein Lebenslauf vermuten.

Politiker Karl Lauterbach (SPD) ist der Coronavirus-Shootingstar seiner Partei.

Er hat erst in Deutschland Humanmedizin studiert und sogar zum Dr. med. promoviert. Anschließend ging er dann nach Amerika, wo er sich mit „Health Policy and Management“, also Gesundheitspolitik und Gesundheits-Management beschäftige. Und das an der renommierten Elite-Universität Harvard.

Ein Schwerpunkt dieses Studium war die Epidemiologie, die Lehre von der Verbreitung von Krankheiten. Darin machte er zunächst seinen Master of Public Health (MPH, zu deutsch: Master für Volksgesundheit) und anschließend einen weiteren Abschluss als Doktor, diesmal Sc. D. (Doktor der Wissenschaft).  

Karl Lauterbachs Twitter und andere Social Media Experimente

Auf Twitter teilt Lauterbach gerne mal seine aktuellen Veröffentlichungen und Erkenntnisse. Anders als bei Donald Trump wirken diese aber meist gut begründet und wissenschaftlich fundiert. Seinen fast 260 Tausend Followern scheint es zu gefallen

Auch auf Facebook treibt sich der Professor mit der roten Fliegen rum. Dort folgen ihm über 27 Tausend Menschen. Die Inhalte sind jedoch dieselben wie auf Twitter. Außerdem hat er seine eigene Website.

Die Politiker-Karriere Lauterbachs und seine Position in der SPD-Shootingstar

Der gebürtige Nordrhein-Westfale war zunächst in der CDU, erst im Jahr 2001 wechselte Lauterbach die Lager hin zur SPD. Er ist seit 2005 Abgeordneter des Wahlkreises Leverkusen – Köln und vertritt diesen per Direktmandat im Bundestag. Für seine politische Karriere hat er sogar seine Professur pausiert. Von 2013 bis 2019 war er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und zuständig für Gesundheit, Forschung und Bildung.  

Liste aktueller Ämter und Mitgliedschaften

  • Ordentliches Mitglied im Unterausschuss Europarecht
  • Ordentliches Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz
  • Stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss
  • Gastdozent an der Harvard School of Public Health in Boston
  • Adjunct Professor an der Harvard School of Public Health in Boston
  • Mitglied des deutschen Bundestages
  • Mitglied der SPD
  • Ehrenamtliches Mitglied des Stiftungsrates der Muhanna-Stiftung in Zürich

Politisch wird er dem linken Flügel der SPD zugeordnet. Er ist gegen das Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium, hält nicht viel von dem entzweiten Gesundheitssystem (Privatpatient vs. Kassenpatient) und möchte Tabakwerbung vollständig verbieten. 

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Familie: Frau, Kinder, Eltern

Lauterbach war von den Jahren 1996 bis 2010 mit der Ärztin Angela Spelsberg verheiratet. Das Paar hat insgesamt vier gemeinsame Kinder. Außerdem hat Karl Lauterbach ein weiteres Kind aus einer anderen Beziehung.

Karl Lauterbach als Talkshow-Gast bei Markus Lanz und Maybrit Illner

Bereits mehrfach war Karl Lauterbach in der ZDF-Talkshow Markus Lanz, die in Hamburg gedreht wird, zu Gast (Stand: Oktober 2020). Jedes Mal ging es um das Coronavirus.  

Am 24. März 2020 war er das erste Mal geladen. Bereits kurz darauf am 26. März unterhielt er sich bei Maybrit Illner in einer Diskussion über die Corona-Krise in Deutschland. Am 8. April gab er bei Markus Lanz seine Einschätzung zu den notwendigen Maßnahmen: Masken, App und Massentests. Am 9. Juni war er gemeinsam mit Serap Güler von der CDU zu Gast. Es kommt zum Streit. In der Sendung, die am 1. Juli 2020 ausgestrahlt wurde, legte er sich mit Virologe Hendrik Streek an.

Doch schon 2018 war er ein gern gesehen Gast in der Sendung von Markus Lanz. Zum Beispiel, wenn es um die Lage der SPD ging. Gern bringt er auch mal neue Ideen ins Spiel und teilt die Meinung von Christian Drosten, wie merkur.de berichtet *.

Kritik an Karl Lauterbach

Auch wenn er mittlerweile eine gern gesehener Talkshow-Gast ist und als politischer Experte in Sachen Coronavirus-Pandemie gehandhabt wird, heißt das nicht, dass er immer richtig liegt. Seine Aussagen werden von wissenschaftlichen Kollegen durchaus kritisch beäugt. Insbesondere der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit griff in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt Lauterbach an.

Ein Faktencheck der ARD deckte außerdem auf, dass er in seinen Tweets gerne mal die Aussagen von Studien verändert oder Ergebnisse ungenau wiedergeben. * 24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa & Bernd von Jutrczenka/dpa & Peter Kneffel/dpa/pictura alliance

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